Der Vizepräsident des TSV 1860 München, Heinz Schmidt ist ein äußerst engagierter Mensch: 2018 erhielt er sogar das „Ehrenzeichen für im Ehrenamt tätige Frauen und Männer“ des Bayerischen Ministerpräsidenten – so ist er unter anderem Vorstand beim SV Pang, aber auch bei der Steuerberaterkammer München und nicht zuletzt als Revisor beim Kinderschutzbund Rosenheim e.V. ehrenamtlich tätig. Für sechzger.de nahm er sich trotzdem die Zeit für ein ausführliches Interview:

sechzger.de:

Seit wann bist Du beim TSV 1860 als Funktionär aktiv?

Heinz Schmidt:

Ich war schon zu Arena-Zeiten Delegierter, zuvor auch schon einmal Kassenprüfer und seit 02. April 2013 Vize-Präsident – eigentlich durchgehend.

sechzger.de:

“Eigentlich”, weil Du ja 2015 nur nicht mehr zurücktreten konntest, weil nach dem Rücktritt von Mayrhofer und Altmann niemand mehr da war, der Deinen Rücktritt hätte annehmen können. Richtig in den Fokus gerückt bist Du aber dann nach dem Zwangsabstieg bzw. dessen Verkündung.

Heinz Schmidt:

Das mit dem verhinderten Rücktritt war ein Fehler damals, das würde ich nicht mehr machen. Der Gerhard Mayrhofer hat uns damals quasi stark dazu überredet.

Beim zweiten Mal, als ein Rücktritt möglich gewesen wäre, habe ich gleich gesagt: „Das mache ich nicht wieder.“ Auch nicht nach der Katastrophen-Saison 16/17, als Peter Cassalette zurückgetreten ist. Da habe ich von Anfang an gesagt: „Ich trete nur zurück, wenn ich das Gefühl habe, dass mein Rücktritt etwas helfen könnte oder mein Verbleib dem Verein schaden würde.“

Ich habe aber nicht den Eindruck, dass ich dem Verein damit geschadet habe, indem ich geblieben bin.

sechzger.de:

Wer hätte denn sonst auch das Ruder übernehmen sollen?

Heinz Schmidt:

Eben. Das war Pfingsten 2017, wir haben weitgehend durchgearbeitet, damit die KgaA fortbestehen kann. Am Pfingstmontag waren wir dann soweit fertig und das Präsidium war sich einig: Die Hauptrolle spielen Daniel Bierofka und Wolfgang Schellenberg, die beiden müssen die neue Mannschaft für die Regionalliga zusammenstellen.

Nur sollte das natürlich auch jemand dem Daniel sagen und dafür bin ich dann aufs Gelände an der Grünwalder Straße gefahren. Da saßen der Daniel und Wolfgang Schellenberg schon zusammen und haben geplant. Ich habe ihnen gesagt, dass sich das gut trifft, weil wir ihnen sagen wollten, dass es weitergeht. Die haben nur geantwortet, dass sie sich das schon gedacht hatten und deswegen schon mal angefangen hätten, an der Mannschaft zu basteln. Sie wollten gerne wissen, welchen Etat sie dafür zur Verfügung hätten.

Den konnten wir zu dieser Zeit aber noch nicht genau bestimmen. Aber so ist dann die Mannschaft entstanden, die so sensationell den sofortigen Wiederaufstieg geschafft hat.

Wenn Hans Sitzberger und ich damals auch zurückgetreten wären, dann hätte das alles viel länger gedauert, es hätte zuerst einmal ein Notpräsidium bestellt werden müssen. Die Zeit hatte Sechzig aber nicht. Darum sind wir damals geblieben.

Biero hätte damals übrigens gerne den ersten Spieltag frei gehabt, um eine Woche länger zur Vorbereitung zu haben. Rainer Koch hat aber sofort klargemacht, dass kein Weg daran vorbeiführt, dass Sechzig das Eröffnungsspiel bestreiten wird.

sechzger.de:

Trotz des Abstieges war ja nach der gewaltigen Erschütterung aber auch eine gewisse Euphorie spürbar: Die Rückkehr ins Grünwalder Stadion, die Aufbruchstimmung…

Heinz Schmidt:

Es war sensationell: Wir hatten ja auch einen großen Mitgliederzulauf. Natürlich haben wir vielleicht auch viele Leute enttäuscht, indem wir die Sanierungsvereinbarung unterschrieben haben und mit der bisherigen Gesellschafterstruktur weitergemacht wurde. Aber es war damals nicht die Zeit, um das anders zu machen und diese Zeit ist jetzt übrigens auch nicht. Insolvenz ist kein Wahlrecht!

Wir müssen im e.V. natürlich gerüstet sein damit es weitergeht, falls die Insolvenz doch eintreten würde. Aber man kann da nicht darauf hinarbeiten – und das machen wir im e.V. auch nicht. Noch einmal: Insolvenz ist kein Wahlrecht, das ist keine Option, die man ziehen kann.

Ich denke übrigens auch, dass z.B. in Kaiserslautern einigen noch die Augen aufgehen werden, wenn sie sehen, wie der dortige e.V. aus der Insolvenz heraus geht. Ich bin gespannt, wie viele Anteile der Verein dann noch hat.

sechzger.de:

Was für Auswirkungen hätte eine Insolvenz denn auf den e.V. des TSV 1860?

Heinz Schmidt:

Da das Thema Gemeinnützigkeit geklärt ist, wären wir auf dieser Ebene fein raus. Natürlich hätte eine Insolvenz der KGaA aber immer Auswirkungen auf den e.V., alleine schon wegen der Mitgliederstruktur. Man muss schon ehrlich sein: Unsere 23.000 Mitglieder hätten wir nicht, wenn wir nicht eine erste Mannschaft im Profibereich hätten.

Dass die 23.000 Mitglieder eine Leistung vom e.V. sind und die KGaA hätte gar nichts dazu beigetragen, stimmt so natürlich nicht. Dass wir diese komfortablen Beitragszahlungen haben, wäre ohne KGaA und Profifußball so nicht möglich.

sechzger.de:

Das glauben wir auch nicht. Allerdings könnte man die neu eingetretenen Mitglieder schon als Vertrauensvorschuss für den jetzigen Kurs des e.V. in der KGaA bezeichnen, oder?

Heinz Schmidt:

Das hat uns natürlich schon den Rücken gestärkt und gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

sechzger.de:

Noch einmal zum Sechzgerstadion: Dem Auszug aus der Arena haben seinerzeit beide Gesellschafter zugestimmt, das war ja kein Alleingang des e.V. Hat es da interne Diskussionen gegeben oder war man sich einig, dass das der beidseitige Wunsch ist?

Heinz Schmidt:

Das war aus mehreren Gründen völlig klar: Niemand konnte sich 1860 in der Regionalliga in der Allianz Arena vorstellen, auch der Stadioneigentümer übrigens nicht. Es hätte auch niemals eine Option gegeben, für ein Jahr raus zu gehen und dann wieder zurück zu kehren. Oder –  was ich neulich auch gelesen habe – die hätten uns für ein Jahr dort umsonst spielen lassen. Diese Möglichkeit gab es nicht.

Es war für beide Seiten relativ klar, dass die Rückkehr nach Giesing die einzige Chance ist. Für die Geschäftsführung wäre nie etwas anderes in Frage gekommen und auch nicht für beide Gesellschafter. Es war in meinen Augen auch der richtige Schritt.

sechzger.de:

Jetzt ist man in einem Stadion, welches nahezu immer ausverkauft ist und auch noch Gewinn abwirft – im Gegensatz zu den Jahren davor.

Heinz Schmidt:

Ja, das ist so. Auch wenn der Gewinn natürlich größer sein sollte, aber: Tickets für die Löwen sind wieder ein knappes Gut, Sechzig ist wieder interessant. Wir haben auch wieder sehr viele junge Fans. Für mich ist das Stadion in der Stadt ein Schritt in die richtige Richtung für die Zukunft. Das sieht man ja auch in anderen Ländern.

In der Allianz Arena waren wir zum Schluss als Geheimtipp in japanischen Reiseführern: Schau Dir die Arena bei einem Löwenspiel an, das ist billiger als eine Stadionführung. Das ist doch wirklich peinlich…

Das Grünwalder Stadion war ja schon öfter unsere Rettung. Wer weiß, ob es den Verein noch gäbe, wenn wir diesen Heimathafen nicht gehabt hätten.

Teil II des Interviews folgt um 12:00 Uhr

Update: Teil II vom Interview mit Heinz Schmidt

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