Wegen der Corona-Krise war jetzt leider eine lange Pause zwischen dem erscheinen des ersten Teiles und dem zweiten Teil – die Teile drei und vier folgen schneller:

Hier könnt ihr den 1. Teil noch einmal nachlesen:

Investoren bei anderen Fußball-Vereinen – ein Blick über den Tellerrand (Teil 1)

Teil II

Ein Artikel von Stefan Kranzberg

Leeds United

Was war das für ein großartiger Tag, dieser 09.08.2000, als die Löwen damals zur CL-Quali bei Leeds United antraten? Unvergessen, wie Paul Agostino mit seinem Tor in der 90. Minute für komplette Ekstase im Block sorgte und die Hoffnung zurückbrachte. Doch der TSV 1860 verlor auch im Olympiastadion sehr unglücklich mit 0:1, die Peacocks hingegen marschierten bis ins Halbfinale durch und eine goldene Zukunft war zum Greifen nahe. Doch es kam ganz anders!

Auf Pump wurden unter Chairman Peter Ridsdale Unsummen für neue Spieler ausgegeben, um sich erneut für die Königsklasse zu qualifizieren, doch die Mission misslang zwei Jahre in Folge und United war nicht in der Lage, seine Schulden abzubezahlen. Die Insolvenz wurde durch die Übernahme durch ein lokales Konsortium abgewendet, der sportliche Abstieg in die Championship im Jahr 2004 konnte indes nicht vermieden werden. 2007 folgte gar der bittere Abstieg in die League One (3. Liga), Punktabzüge durch die FA aufgrund finanzieller Unregelmäßigkeiten gab es des Öfteren. 2010 gelang dennoch die Rückkehr in die Championship, wo man auch aktuell noch spielt, da man gerade eben erst in den Play-Offs an Derby County scheiterte.

Sportlich schaut es also einigermaßen okay aus, aber zur Ruhe kommt man in Leeds dennoch nicht.
Geduld ist eine Tugend. Massimo Cellino ist ein Mensch, der nicht zwingend als geduldig zu bezeichnen ist: in den 22 Jahren, in denen ihm der sardische Klub Cagliari Calcio gehörte, verschliss er 36 Trainer. Da können nicht mal wir mithalten…

2014 erwarb er den in der Zweitklassigkeit gestrandeten Traditionsklub Leeds United und wollte mit ihm auf dem schnellsten Weg zurück in die Premier League. In den ersten zwei Jahren entließ er sechs Trainer, der Aufstieg ist bis heute nicht gelungen.

Dafür wurde Cellino zweimal wegen nicht gezahlter Steuern gesperrt. Außerdem drohte er damit, nicht mehr so viele Auswärtstickets für Leeds-Fans in den Verkauf zu bringen, weil sein Klub zu oft im Fernsehen gezeigt würde. Das würde für schlechtere Zuschauerzahlen an der Elland Road sorgen, weshalb er die Kameras von Sky sogar aus Protest mal nicht ins Stadion ließ.

Im Februar 2016 projizierten entnervte Fans der Whites bei einem Heimspiel ihren Protest gegen Cellino per Beamer auf die Tribünen: „Wir werden hier sein, wenn du längst weg bist.“ Und sie hatten recht, denn 2017 wurde Cellino rausgekauft, der das Geld sofort re-investierte und Brescia Calcio erwarb.

 

Hull City

Zu Beginn seiner „Regentschaft“ agierte der gebürtige Ägypter Assem Allam als Besitzer noch recht unauffällig, doch dann verfiel er 2013 auf die Idee, seinen Klub in Hull City Tigers bzw. Hull Tigers umbenennen zu wollen. Der Grund ist recht einfach: er wollte den Club auf diese Weise für ausländische Sponsoren attraktiver machen. Bei den Fans kam das natürlich nur so semi-gut an…

Aus Protest gegen die Umbenennung Citys schworen sie im Stadion lauthals Treue bis in den Tod  »City till we die«), was Allam wenig empathisch folgendermaßen kommentierte: „Sie können sterben so schnell sie wollen, solange sie Platz für die Mehrheit machen, die einfach nur guten Fußball sehen will“.

Als der englische Fußballverband die Umbenennung verbot, verlor Allam das Interesse an dem Klub und ist seitdem auf der Suche nach einem Käufer. Da seine Preisvorstellungen jedoch utopisch sind, dürfte dies ein schwieriges Unterfangen werden. Weitere unmittelbare Konsequenz nach der Ablehnung: Allam investierte kein Geld mehr in Transfers, weswegen Trainer Steve Bruce, den Klub frustriert verließ, obwohl er gerade erst in die Premier League zurückgekehrt war. Selbstredend folgte mit einem Rumpfkader der direkte Wiederabstieg, aktuell kickt man in der Championship (2.Liga).

 

FC Portsmouth

Ismaik-ähnliche Traumschlösser wurden 2011 auch den Fans des FC Portsmouth versprochen: Der russische Geschäftsmann Vladimir Antonov wollte Pompey ein neues Stadion bauen und aus dem damaligen Zweitligisten „ein Chelsea am Meer“ machen. Drücken wir es mal vorsichtig aus: das hat nicht ganz geklappt… Stattdessen wurde wurde Antonov keine fünf Monate später aufgrund eines europaweiten Haftbefehls festgenommen, da es bei zwei Banken, die er in Litauen gegründet hatte, finanzielle Unstimmigkeiten gab. In diesem Zusammenhang ging auch sofort jene Firma in Konkurs, mit der Antonov den Kauf des Klubs vollzogen hatte. Der Klub musste daraufhin ebenfalls Insolvenz anmelden, ein Zehn-Punkte-Abzug war die Folge. Erstmals seit drei Jahrzehnten war der FC Portsmouth plötzlich nur noch drittklassig. Der freie Fall konnte aber auch in der unteren Liga nicht gebremst werden und so stieg man 2013 sogar in die vierte Liga ab; seit 2017 spielt man nun zumindest wieder drittklassig – schon bitter, wenn man bedenkt, dass Pompey vor zehn Jahren noch im europäischen Wettbewerb aktiv war.

 

Charlton Athletic

Dem belgischen Geschäftsmann Roland Duchâtelet gehören mehrere Vereine, so richtig beliebt hat er sich allerdings bei keinem gemacht. So ist Duchâtelet auch am FC Carl Zeiss Jena beteiligt, wo er eigenmächtig ein missliebiges Präsidium entmachtete, der spanische Zweitligist AD Alcorcon, der ungarische Traditionsverein Ujpest Budapest und der belgische Erstligist St. Truiden. In seinem  Heimatland war er zwischendurch auch mal Besitzer von Standard Lüttich, wo ihn wütende Fans so lange bedrohten, bis er den Klub wieder verkaufte. Auch bei Charlton Athletic hat er nicht zuletzt durch den Abstieg in die dritte Liga „ein außergewöhnliches Maß von Wut hervorgerufen, weil dieser Niedergang die Folge eines giftigen Cocktails aus Arroganz, Inkompetenz und Sturheit“ sei, wie Richard Wiseman vom Supporters Trust der Addicks betont. Kommt einem irgendwie bekannt vor, oder? Immerhin können die Fans aktuell die Rückkehr in die Championship feiern, den die Addicks durch einen dramatischen Last Minute-Sieg im Play-Off-Finale gegen Sunderland realisierten.

Auf den populären Manager Chris Powell, den Duchâtelets Leute vertrieben, folgten vier Trainer ohne jede Erfahrung im englischen Fußball, darunter einer direkt aus der dritten belgischen Liga. Besondere Abneigung im Südwesten Londons zog allerdings CEO Katrien Meire auf sich, deren Wissen in europäischem Wettbewerbsrecht größer ist als ihre Erfahrung im Fußball. Eigentlich hatte sie vorher sogar noch nie ein Unternehmen geführt und wurde somit nach dem Abstieg in die dritte Liga auch entlassen, seit 2018 ist sie allerdings CEO von Sheffield Wednesday. Herzlichen Glückwunsch.

Welche Erfahrungen im Sportbereich haben eigentlich Andrew Livingston, Yahya Ismaik, Saki Stimoniaris und Anthony Power vorzuweisen?

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[…] keine goldene Zukunft – ganz im Gegenteil! Wir hatten Euch die traurige Geschichte im Rahmen unserer Reihe „Investoren-Desaster“ bereits erzählt, nun scheint ein Happy End in Sicht, denn nach zwischenzeitlicher Drittklassigkeit […]