Der TSV 1860 München hat gestern in der Vorstadt mit 0:2 verloren – gegen die SpVgg Unterhaching, den kleinen Nachbarn. Sportlich war die Leistung der Löwen dürftig, dennoch schaue ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf den Besuch im Manni-Schwabl-Sportpark zurück, denn rund um das Spiel gab es auch wieder so viele schöne Momente, auf den Rängen oder auch rund ums Stadion.
Verdammt ich lieb’ Dich…
Sonntag, 19:30 Uhr – was für eine bescheidene Anstoßzeit für einen Fußballfan. Trotzdem machen die Löwen den Hachingern die Bude voll. Ausverkauft – 14.200 Zuschauer – davon sicher die Hälfte in weiß-blau. Unglaublich! Und das als 14. der dritten Liga. Was waren das für schöne Bilder, als ich gut eine Stunde vor Spielbeginn mit dem Auto angekommen bin. Die Leute winken einem zu wenn man zum Parkplatz fährt – gut mein Auto ist blau und trägt die magische Zahl im Nummernschild. Man kommt sofort ins Ratschen, trifft Bekannte und Freude. Und dann führt mein Weg durch den Biergarten: Dort herrscht Volkfeststimmung. Die Fans beider Lager sitzen gemütlich bei einem Bier in der Abendsonne. Keine Spur von den ach-so-bösen Löwenfans, wie sie in gewissen Blogs oft dargestellt werden. Von der Gänsehaut in Minute 60 ganz zu schweigen… 4.000 Mann singen gemeinsam: “Wir sind der Verein!”
Oder wie singt Matthias Reim so schön in einem Lied das mir gestern mehrmals in den Sinn gekommen ist: Verdammt ich lieb’ Dich…
Ich lieb Dich nicht…
Mit einer halben Stunde Verspätung geht es los, weil ein Banner vor dem Gästeblock den Notausgang versperrt. Ewige Diskussionen mit den Fans, den Ordnern, der Staatsmacht. Alle Löwen-Verantwortlichen sind zur Stelle und es passiert… NICHTS! Eine halbe Stunde später hängt das Banner noch immer an Ort und Stelle und plötzlich kann doch gespielt werden -aha! Auf dem Feld wieder mal Magerkost. “Da kann einem Angst und Bange werden” schreibt ein Kollege nach dem Spiel auf Whatsapp. Fünf Punkte Vorsprung auf Halle und eine klar bessere Tordifferenz. Halle trifft noch auf Unterhaching, Bielefeld und Dortmund – ziemlich die gleichen Gegner wie wir. Ich persönlich glaube, dass wir noch maximal einen Punkt brauchen – wenn überhaupt. Mannheim hat das wesentlich schwerere Programm in Ingoldorf und Aue und zu Hause gegen Sandhausen. Aber sportlich war das schon wirklich dürftig von unserem Team. Und Matthias Reim würde singen …Ich lieb Dich nicht…
Früher warn wir oft gemeinsam hier
Nach dem Spiel ist die Stimmung bei den Vorstädtern für ihre Verhältnisse toll, für sie war es das Spiel des Jahres. Für die Löwen ein Auswärtsspiel in der Nachbarschaft, genau wie bei den Retorten-Clubs in Ingoldorf oder Regensburg. Mehr nicht und ganz sicher KEIN DERBY!!! Und wer mit dem Teufel paktiert… Aber lassen wir das und zurück zu den Löwen. Ich bin leider erst zu kurz vom Löwen-Virus erfasst, als dass ich mich an wirklich erfolgreiche Zeiten erinnern kann. Vier oder fünf Jahre sind es jetzt, die ich den Club, der mir schon immer sympathisch war, in der Intensität verfolge wie ich es jetzt tue. Und trotz der Niederlage in Unterhaching, auf dem Weg zum Auto ist die Niederlage schon wieder nicht mehr ganz so schlimm und man kommt ins Ratschen. Wir sind es ja gewohnt möchte man sagen. Wie Matthias Reim singen würde …ich sitz’ am Tresen trinke noch ein Bier, früher warn wir oft gemeinsam hier…
Hast Du ‘n Stich?
Ist ja nur Fußball, denke ich mir auf dem Heimweg – und eigentlich lüge ich mich damit wieder selbst an weil es halt doch mehr ist als “nur Fußball”. Und meine Kollegen im Auto haben auch einige gute Szenen gesehen, der Optimismus steigt – wenn auch langsam. Ja, einige Ballaktionen im ersten Durchgang, vor allem auf dem rechten Flügel, waren gut herausgespielt. Aber halt ohne jegliche Torgefahr, im Gegensatz zu Haching, das mit aller-einfachsten Mitteln zum Erfolg kam. Und dann liege ich nach ein paar Stunden Schlaf im Bett und grüble, was tausende Menschen dazu bringt, am Sonntagabend nach Haching zu fahren und ihr Team bedingungslos anzufeuern – teilweise sogar mit dem Radl anzureisen. Matthias Reim würde singen… Hast Du ‘n Stich?
Verdammt ich lieb Dich!
Und auch wenn ich es mir nicht anmaßen möchte, Leuten die 40 Jahre mit den Löwen leiden, einen Ratschlag zu erteilen: Das ist es doch genau, was uns stark macht: Die Gemeinschaft, neudeutsch vielleicht auch “Das Rudel” genannt, auch wenn mir dieser Ausdruck nicht gefällt. 90 Minuten lang Support aus der Kurve, gegen den ein paar hundert rot-blaue Anhänger versuchen anzukämpfen. Support der die Mannschaft eigentlich nach vorne tragen soll. Keinerlei Aggression, Zusammenhalt – das ist es doch was die Löwen ausmacht. Auch wenn das Wort “gemeinsam” in den letzten Jahren zu oft stigmatisiert wurde. Miteinander schaffen wir das doch, nächste Woche den Klassenerhalt fix zu machen. Die Mannschaft versucht es, wenn auch oft überfordert. Der Trainer probiert etwas, auch wenn es mit zwei Spitzen wie gestern nicht klappt. Denkt an die Serie, die wir zu Beginn des Jahres gestartet haben, dann ist der Klassenerhalt nächsten Samstag in Giesing geschafft und wie Matthias Reim singen würde… Ich ziehe durch die Straßen bis nach Mitternacht!
Was kommt dann?
Was dann kommt ist viel wichtiger – wie gesagt ich habe keine ernsthaften Zweifel am Klassenerhalt – dann kommt die Mitgliederversammlung auf der wichtige Entscheidungen getroffen werden, was den Verwaltungsrat angeht. Wenn ich mir den gestrigen Auftritt der Löwen-Fans anschaue, bin ich für diese Veranstaltung optimistisch. Und im Anschluss gilt es sportlich endgültig die Weichen zu stellen. Was hierfür passieren muss, singt Matthias Reim in diesem Fall mal nicht: Dann wird man sich auch von einigen Spielern trennen müssen, denen der Verein zu groß ist oder der Druck oder denen schlichtweg die Klasse fehlt – so ehrlich muss man dann doch sein. Kopf hoch Löwen, am Samstag sieht die Welt schon wieder anders aus und dann singen wir gemeinsam am Grünspitz – mit oder ohne Matthias Reim!