Der Traum vom Aufstieg lebt! Trotz einer 0:2-Niederlage des TSV 1860 im Jahresfinale gegen Verl am Samstag Nachmittag auf Giesings Höhen. Die Löwen, vorsaisonal zu den Topfavoriten auf eine Rückkehr in die 2. Bundesliga erklärt, sind nach schwerer sportlicher Krise, Niederlagenserie und Trainerwechsel im Herbst, zuletzt in die Erfolgsspur zurückgekehrt und schließen die Hinrunde als Tabellenachter ab. Dreißig Punkte konnten in den 19 absolvierten Partien erkämpft werden. Kann das die Hinrundenbilanz eines Aufsteigers sein?
Rückblick auf die Zahlen in 17 Spielzeiten der 3. Liga
An dieser Stelle wurden schon Anfang November, nach dem 13. Spieltag und dem Heimsieg gegen Tabellenführer Cottbus die entsprechenden Vergleiche angestellt, die hier nun aktualisiert wiederholt werden. Referenz sind dabei die letzten 17 Spielzeiten seit Gründung der 3. Liga im Sommer 2008.
In fünf Spielzeiten reichen 30 Punkte zur Pause nicht
Fangen wir mit der Betrachtung der – allerdings sehr wenigen – Negativbeispiele an. Und das eine liegt gar nicht lang zurück. Im letzten Sommer stiegen Arminia Bielefeld und Dynamo Dresden in die 2. Liga auf. Nach Abschluss der Hinrunde hatten die Ostwestfalen 31, die Sachsen gar schon 38 Zähler eingeheimst. Jeweils mehr als die Löwen aktuell. Die vier anderen Spielzeiten, in denen eine Hinrundenausbeute von 30 Punkten am Ende nicht zum großen Wurf reichte, rühren aus den allerersten Jahren der 3. Liga. 2009, 2010, 2011 und 2013 hatten die späteren Aufsteiger zur Halbzeit alle einen – teilweise deutlich – besseren Punkteschnitt, als 1,58 Zähler pro Spiel (wie die Löwen derzeit) vorzuweisen.
Zwei scheitern in der Relegation
Auf der anderen Seite gab es aber entsprechend auch zwölf Spielzeiten, in denen mindestens eine Mannschaft, die nach der Hälfte der absolvierten Spiele 30 oder weniger Punkte eingefahren hatte, im Mai in die 2. Bundesliga aufstieg oder zumindest die Relegation erreichte. Exakt 30 Punkte hatte der KSC Ende 2017 gesammelt, landete im Frühsommer 2018 mit 69 Zählern auf dem 3. Platz – und scheiterte in der Relegation an Erzgebirge Aue. Ebenfalls erfolglos in der Relegation – und wir erinnern uns sehr gut daran – blieb Holstein Kiel 2015. Gegen den TSV 1860. Nach der Hinrunde hatten die Störche nur 29 Punkte auf dem Konto gehabt und den achten Platz belegt.
Elf Aufsteiger mit weniger als 30 Punkten nach 19 Spielen
In zehn Spielzeiten gelang es insgesamt elf Mannschaften (fünfmal über die Relegationsspiele) den Aufstieg in die Zweitklassigkeit zu schaffen, obwohl es zur Winterpause punkte- und platzierungstechnisch gar nicht danach aussah. Die beiden extremsten Beispiele sind Preußen Münsten in der vorvergangegen Saison und die Würzburger Kickers im Jahr 2016. Jeweils nur 25 Punkte und Platz zwölf (Münster) bzw. neun (Würzburg) stand zur Winterpause zu Buche. Am Ende schafften es die Preußen als Zweiter mit 67 Punkten direkt, die Kickers als 3. mit 64 Zählern über die Relegation in die 2. Bundesliga. Beide übrigens als Aufsteiger in die 3. Liga im Vorsommer. Jeweils also ein Durchmarsch mit extrem starker Perfomance in der Rückrunde.
2017 – zwei Spätzünder als Aufsteiger
Im Jahr 2017 gelang zum einzigen Mal zwei Vereinen, die in das Jahr mit nur 28 bzw. 27 Punkten gestartet waren, später der Aufstieg. Holstein Kiel und – in der Relegation gegen unsere Löwen – Jahn Regensburg. Nach der Hinrunde hatten sie den sechsten bzw. elften Tabellenplatz belegt.
Von Aalen bis Osnabrück
Der Vollständigkeit halber zu erwähnen wären in dieser Reihe – ohne viel nähere Betrachtung der Punktausbeute nach der Hinrunde – noch die Teams aus Osnabrück im Jahr 2023, aus Kaiserslautern in 2022, Rostock 2021, Wiesbaden 2019, Darmstadt 2014 und Aalen 2012. Sie alle hatten im Winter noch knapp unter 30 Punkte auf dem Konto und landeten am Ende im Spitzentrio der Liga. Hervorzuheben sind an dieser Stelle dann noch – und erneut – die Würzburger Kickers, die – nach nur 26 Punkten im Dezember 2019 – im Spätsommer 2020, nach langer Spielunterbrechung wegen Corona, das Kunststück fertig brachten, mit 64 Punkten der punktbeste Aufsteiger zu sein. Als Tabellenzweiter. Den Titel holten sich damals die nicht aufstiegsberechtigten kleinen Roten.
Kauczinski 2012/13 beim KSC zur Halbzeit schon besser
Der oben schon angesprochene Artikel zum Thema auf sechzger.de vom November noch angeführte Vergleich zum Karlsruher SC unter einem gewissen Trainer Markus Kauczinski in der Saison 2012/13 greift hier übrigens leider nicht mehr. Die Badener hatten zwar nach dem ersten Drittel der Saison noch deutlich weniger Punkte, als die Löwen zum vergleichbaren Zeitpunkt der laufenden Saison auf dem Konto. Nach der Hinrunde waren es aber dann schon 34 Zähler. Und am Saisonende beeindruckende 79.
Auf die Rückrunde kommt es an!
Klar, kritische Geister wenden nun ein, dass es sich hier doch nur um Zahlenspiele handelt und dass die im Kampf um den Aufstieg konkret wenig helfen. Spannend ist die Betrachtung aus Sicht des Verfassers dieser Zeilen aber allemal. Und dass es so viele Mannschaften gibt, die eigentlich erst in der Rückrunde einer Saison richtig durchgezogen haben und den Aufstieg realisieren konnten, ist zumindest bemerkenswert.





































