Ein herzliches Grüß Gott zur Taktiktafel vor dem Auswärtsspiel unseres TSV 1860 München gegen den 1.FC Saarbrücken.

Uwe Koschinat, seit Sommer neuer Trainer der Saarländer, setzt beim Spiel seiner Mannschaft bisher meistens auf des beliebteste System 4-2-3-1. In den letzten beiden Spielen jedoch zeigten die Saarbrücker ein 4-4-2 mit einer Doppelsechs. Was Koschinat sich für das Spiel am morgigen Samstag ausdenkt, ist somit nicht ganz klar. Ich gehe aber stark davon aus, dass bei eigenem Ballbesitz mit zwei Spitzen agiert wird, selbst wenn Saarbrücken gegen den Ball im 4-2-3-1 auftreten sollte.

Die wichtigsten Statistiken des 1.FC Saarbrücken

  • Ballbesitz 50%
  • Passgenauigkeit 80%
  • Defensive Zweikampfquote 63%
  • Flankengenauigkeit 37%
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) 9,24

Wie spielt der 1.FC Saarbrücken?

Wenn Saarbrücken in Ballbesitz ist, gibt es kein langes Fackeln. Schnell und präzise nach vorn ist die Devise – und das funktioniert sehr gut. Ob durch die Mitte oder über die Flügel, der 1.FCS lässt es offensiv bei eigenem Ballbesitz so richtig krachen. Damit haben viele Mannschaften bisher durchaus Probleme gehabt. Die vorderste Reihe wird dabei auch gerne überladen. Mitunter stehen bei den Saarländern vier bis fünf Mann in der vordersten Linie, die dann für gehörig Unruhe in der gegnerischen Abwehrreihe sorgen. Die hohe Präzision bei den langen Pässen, die Saarbrücken auszeichnet, spielt bei dem Erfolg, der mit dieser Taktik erreicht wird, natürlich eine tragende Rolle.

Von daher gilt es für die Mannschaft unseres TSV 1860 München vor allem beim Stellungsspiel gegen den Ball immer höchst konzentriert zu sein, damit die schnellen vertikalen Vorstöße der Saarbrücker unterbunden werden können.

Genaues vertikales Spiel, eine hohe Flankengenauigkeit und die meisten Kopfballtore bisher zeigen, dass die Saarbrücker einen klaren Plan haben, wie sie offensiv vorgehen wollen.

Vorne Vollgas, hinten anfällig

Gegen den Ball ist die Pressingintensität im Ligavergleich unterdurchschnittlich, aber immer noch besser als sowohl der eigene als auch der Ligadurchschnitt der letzten Saison. Alle Teams spielen dieses Jahr generell aggressiver im Forechecking als in der letzten Spielzeit.

Über fehlende Unterstützung durch die Spitzen im Spiel gegen den Ball kann sich Saarbrücken allerdings nicht beklagen. Wenn der Gegner es nicht schafft schnell genug vor den Strafraum der Saarbrücker zu kommen, ist sich keiner der Stürmer zu schade Dreck zu fressen und auch defensiv die Balleroberung im Zweikampf oder auf andere Weise zu suchen.

Die taktische Ausrichtung in der Offensive macht den 1.FCS allerdings ein wenig konteranfällig. Aus einer massiven Abwehr heraus mit präzisem Spiel nach vorn kann man Saarbrücken arg in die Bredoullie bringen. Die letzten beiden Spiele gegen Halle und Braunschweig hätten bei vernünftiger Chancenverwertung der Gegner keine vier Punkte für die Saarländer bringen dürfen. Aber so ist Fußball. Wenn es läuft, läufts, und wenn nicht, dann nicht.

Das System

Ob der 1.FCS nun auf dem Papier im 4-2-3-1 oder im 4-4-2 mit Doppelsechs antritt, wird an der Spielweise nichts ändern. Lediglich die Verschiebungen offensiv und defensiv sehen dann ein wenig anders aus. Ich vermute jedoch, dass Koschinat gegen den TSV 1860 München wieder auf das 4-2-3-1 zurückgreift. Vor allem im letzten Spiel gegen Halle haben sich im 4-4-2 doch einige Großchancen für den Gegner aufgetan. Wenn Halle diese Chancen cleverer nutzt, schießen die schon vor dem Halbzeitpfiff mindestens vier Tore. Zwei Aluminiumtreffer von Boyd und Eberwein sprechen hier Bände.

Die Stärken und Schwächen des 4-2-3-1 dürften mittlerweile den meisten Lesern bekannt sein. Nichtsdestotrotz will ich sie auch heute nicht verschweigen, wenn auch nur in Form von Stichpunkten.

Stärken und Schwächen des 4-2-3-1

Stärken

– kompakt im Zentrum und vor der Box gegen den Ball
– auch gegen Systeme mit mehr als einem Stürmer sicher
– variabel beim Spielaufbau
– offensiv schwer ausrechenbar

Schwächen

– Anfällig und laufintensiv gegen variables Flügelspiel mit Seitenwechsel
– in der Offensive ist viel Mittelfeldunterstützung für den Stürmer nötig, um Gefahr zu kreieren

Die Schlüsselspieler

Daniel Batz (#1) im Tor ist wie schon letzte Saison ein Garant für gute Leistungen zwischen den Pfosten. Viermal konnte er bereits die Null halten. Gegentore, die er kassiert, sind selten seine Fehler. Vor allem seine Reflexe suchen ihresgleichen. Aber auch in der Strafraumbeherrschung ist er eine Bank. Einzig im eins gegen eins hat er Probleme.

Kapitän Manuel Zeitz (#8), eigentlich defensiver Mittelfeldspieler, ist diese Saison nach hinten in die Viererkette gerutscht. Seine einzige leichte Schwäche sind Kopfballduelle, die wenn er sie verliert in den meisten Fällen außerhalb des eigenen Sechzehners stattfinden. In der Box ist er auch da eine Bank. Sein als nomineller Mittelfeldspieler gutes Stellungsspiel und seine Übersicht im Aufbau sind für den 1.FCS Gold wert.

Luca Kerber (#23), seit der letzten Rückrunde auf der Sechserposition gesetzt, hat Mannschaftskapitän Zeitz in die Viererkette verdrängt. Das ist für die Saarbrücker jedoch eine Win-Win-Situation. Seine Zweikampfquote lässt zwar etwas zu wünschen übrig, aber im Spielaufbau ist er durch seine hohe Präzision beim Passspiel und seine Stärke im offensiven eins gegen eins ein sehr wichtiger Faktor.

Der Alte Bekannte an der Grünwalder Straße, Adriano Grimaldi (#39), bedarf wohl keiner Vorstellung. Für ihn läuft es bei seinem neuen Verein wie am Schnürchen. Er kam im Sommer aus Uerdingen an die Saar. Sechs Treffer und drei Vorlagen hat er bisher zu Buche stehen. Außerdem ist er sich nicht zu schade auch tief in der eigenen Spielfeldhälfte gegen den Ball mitzuhelfen. Vor allem seine Kopfballstärke könnte unsere Innenveteidigung vor große Probleme stellen.

Fazit

Es wird ein harter Brocken auswärts im Ludwigsparkstadion, das steht fest. Klar ist aber auch, dass die Sechzger absolut eine Chance haben dort etwas mitzunehmen, wenn sie die definitiv vorhandenen Schwächen der Saarländer im Spiel gegen den Ball ausnutzen. Höchste Konzentration gegen den Ball und schnelles präzises Spiel nach vorne bei Ballgewinn, sodass die Saarbrücker keine Zeit haben sich defensiv zu formieren, müssen die Maxime für die Löwen am morgigen Samstag sein, um das Spiel erfolgreich zu gestalten.

Der Matchplan von Michael Köllner muss diesmal auf eine sichere, kompakte Defensive ausgerichtet sein. Ohne Gegentor zu bleiben wird wahrscheinlich ein Ding der Unmöglichkeit. Die Unzulänglichkeiten der Saarbrücker auszunutzen sollte den Löwen aber doch das ein oder andere mal gelingen. Dann müsste nur noch die Präzision bei den Torschüssen nachjustiert werden und wir haben definitiv Chancen im Saarland zu punkten. Vielleicht sogar dreifach. Braunschweig und Halle haben klar aufgezeigt wo die Schwächen der Saarländer liegen. Diese Erkenntnis muss sich nun die Mannschaft des TSV 1860 München zu nutze machen und ins eigene Spiel einfließen lassen.

Ich bin von einem Punkt dort fest überzeugt. Mit diszipliniertem Spiel und etwas Glück können es auch drei werden. Der hoffentlich vorhandene Auswärtssupport sollte unseren Löwen den nötigen Schub geben sich über die neunzig Minuten voll reinzuhauen.

So könnte der 1.FC Saarbrücken gegen den TSV 1860 München starten

1.FC Saarbrücken mögliche Aufstellung gegen den TSV 1860 München im 4-2-3-1

Datenquelle: wyscout

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