Ein herzliches Grüß Gott zur TAKTIKTAFEL vor dem Spiel unseres TSV 1860  München beim 1.FC Saarbrücken.

Der furios in die Saison gestartete Aufsteiger 1.FC Saarbrücken aus dem Saarland befindet sich mit einem Spiel und vier Punkten Rückstand auf den TSV 1860 München momentan auf Platz acht der Tabelle.

Der am Saisonende scheidende Trainer Lukas Kwasniok schickt seine Elf bevorzugt im 4-3-3 offensiv System auf den Platz. Gegen den Ball verschiebt Saarbrücken variabel auf 4-2-3-1 oder auch 4-3-1-2, je nachdem was der Matchplan für Pressing und Verteidigung des Positionsspiels vorsieht. Weil aber ein defensiver Mittelfeldspieler und damit die Schaltzentrale des 1. FC Saarbrücken eine Rotsperre absitzen muss, kann es durchaus sein, dass Trainer Kwasniok auf ein 4-1-4-1 zurückgreift. Da dieses System und wie es gespielt wird allen unseren Lesern bestens bekannt sein sollte, konzentriere ich mich in dieser Taktiktafel für die Offensive der Saarländer auf das 4-3-3.

Das Hinspiel hatten die Saarländer, mehr als glücklich, aufgrund eines Fehlers der Löwen im Umschaltspiel und einer überragenden Leistung von Torhüter Batz, der seine Mannschaft mit sechs, teilweise unfassbar guten Paraden im Spiel hielt, für sich entscheiden können.

Die bisherigen statistischen Werte des 1.FCS

  • Ballbesitz 56% (drittbester Wert der Liga)
  • Passgenauigkeit 83,2% (drittbester Wert der Liga)
  • gewonnene Defensivzweikämpfe 60,6%
  • Flankengenauigkeit 34,1%
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) 10,67

Wie spielt der 1.FC Saarbrücken?

Die Saarländer legen ihr Hauptaugenmerk beim 4-3-3 ganz klar auf das Flügelspiel und versuchen erst im letzten Drittel vor dem gegnerischen Tor den Ball ins Zentrum zu spielen. Bei einer Verteilung der zu Ende gespielten Angriffe von 33% über die linke Seite, 25% durch die Mitte, und 41% über die rechte Seite ist diese Präferenz klar erkennbar.

Das 4-3-3 von Kwasniok ist aufgrund seiner Flexibilität sowohl für ballbesitzorientiertes Positionsspiel als auch für Umschalt- und Konterspiel gut geeignet. Um diese Flexibilität zu Tage treten zu lassen, bedarf es taktisch gut geschulter Spieler. Vor allem Passsicherheit und Laufbereitschaft sind erforderlich, da sie ihre Positionen nicht statisch interpretieren, sondern immer wieder situationsbedingt in Räume abkippen oder hochschieben, um sich den Anforderungen des gegnerischen Positions- oder Stellungsspiels anzupassen.

Der Spielaufbau

Der Aufbau geschieht auf zweierlei Art: Entweder über die Viererkette auf die Halbpositionen im Mittelfeld oder über eine dynamische Dreierkette nach außen.

Bei der dynamischen Dreierkette schieben die Außenverteidiger ins Mittelfeld während gleichzeitig der Sechser ins Zentrum der Abwehrkette abkippt und die Innenverteidiger nach außen hin das Spiel breit machen. Je nach Angriffssteuerung des gegnerischen Pressings wird also entweder schon in der Frühphase über außen gespielt oder zunächst durch das Zentrum aufgebaut und erst im Mitteldrittel des Spielfelds der Weg auf die Außenpositionen gesucht.

Im letzten Drittel haben die Saarländer verschiedene Waffen im Arsenal, um gefährlich in die Box der verteidigenden Mannschaft vorzudringen. Die Außenstürmer sind technisch versiert und ballsicher genug, um mit dem Ball am Fuß nach innen zu ziehen. Aber man sieht auch an über einem Drittel Erfolgsquote, dass genug Flanken in der Box von den Stürmern verwertet werden können.

Der ballferne Außenstürmer wird immer zur Unterstützung des Mittelstürmers mit in die Box schieben. Die offensiven bzw. zentralen Mittelfeldspieler warten am Strafraumrand oder knapp dahinter auf mögliche Abpraller, um mit Schüssen aus der zweiten Reihe erfolgreich zu sein.

Die Abwehrarbeit

Gegen den Ball richten sich die Saarländer stark an der zu erwartenden Taktik des Gegners aus. Wie man im Hinspiel gesehen hat, beherrschen die Spieler des 1.FCS die Kunst den Bus erfolgreich am bzw. im Strafraum zu parken. Viele andere Spiele und auch die durchschnittliche PPDA (Indikator für Pressingintensität) mit einem Wert von 10,67 zeigen, dass aggressives und hohes Anlaufen die bevorzugte Defensivtaktik der Saarländer ist.

Stärken und Schwächen des 4-3-3

Stärken

Im Offensivspiel kann eine Mannschaft, die ein 4-3-3 praktiziert sehr variabel auftreten. Durch die drei Stürmer wird Stress für die Abwehr des Gegners ausgelöst. Das rührt daher, dass durch die Variabilität, die mit drei Spitzen hergestellt wird, in Puncto Breite oder Enge des Spiels und dem Wechselspiel beider Varianten die Angreifer schwer ausrechenbar sind. Somit können in jedem Spielzug andere Laufwege zum Tragen kommen. Dadurch überlagern sich manchmal die im Raum zu verteidigenden Schnittstellen, wodurch eine Überzahl für die Angreifer bei kreuzenden Stürmern entstehen kann.

Wenn die im 4-3-3 spielende Mannschaft obendrein auf Ballbesitzfußball mit hohem Pressing gegen den Ball setzt, ist die Chance für sie, andauernden Druck auf den Strafraum bzw. das Tor des Gegners auszuüben, sehr hoch.

Dadurch, dass die beiden Außenstürmer mit relativ wenig Energieleistung zwischen Sturm und Mittelfeld pendeln können, ist auch eine gute Anpassung an das Spielsystem des Gegners möglich. Es kann dort gegen den Ball leicht eine Überzahl generiert werden, die für den Gegner zu Ballverlusten führen kann, wenn die Räume gut verteidigt werden. Dafür müssen die Stürmer gegen den Ball konsequent nach hinten mitarbeiten.

Mit drei Stürmern geht vom 4-3-3 obendrein eine hohe Gefahr für Kontergegenstöße nach Ballgewinn aus. Es kann schnell umgeschaltet werden und die Sturmreihe wird, auch wenn sich die Außenstürmer in der Rückwärtsbewegung ins Mittelfeld haben fallen lassen, schnell wieder besetzt sein. Der Außenstürmer ist nämlich schon vom Anforderungsprofil her ein sehr schneller Spieler.

Schwächen

Wenn die Gegner schnell spielen, entstehen Lücken im Raum, die dann von ihnen durch entstehende Überzahl ausgenutzt werden können. Schnelle Spieler im Mittelfeld gepaart mit vertikalem Spiel helfen den Gegnern diese Räume gegen ein 4-3-3 zu schaffen. Das ist zwar nicht gerade attraktiv, aber höchst effizient.

Im Defensivspiel gegen Positionsangriffe sind die Halbräume und/oder Außenbahnen eine Schwäche des 4-3-3, da diese mit nur drei Mittelfeldspielern ohne Unterstützung der Außenstürmer nie vollständig zugestellt werden können.

Auch gegen diagonales Spiel (Seitenwechsel) ist das System, wenn die Defensivunterstützung durch die Außenstürmer nicht konsequent geboten wird anfällig. In diesem Fall geht im Mittelfeld ein Spieler ab, um beide Flanken abzudecken.

Die Schlüsselspieler vom 1.FC Saarbrücken

Daniel Batz (#1) im Tor. Dass er eine Wand sein kann und seinem Team Punkte rettet, hat er bereits im Hinspiel unter Beweis gestellt. Auch seine Strafraumbeherrschung ist überragend. Er hat noch keinen Zweikampf um einen hohen Ball verloren. Trotzdem musste er schon 30 Gegentore hinnehmen. Die Schuld dafür ist eher seinen Vorderleuten als ihm selbst anzukreiden.

Als nächstes sollte hier eigentlich der Name eines Innenverteidigers stehen. Die Innenverteidiger des 1.FCS fallen aber diese Woche verletzungsbedingt oder gesperrt komplett aus. Das könnte also eine Chance für den TSV 1860 München sein.

Weil Manuel Zeitz (#8) noch eine Rotsperre absitzen muss wird vermutlich mit Tobias Jänicke (#25) ein offensiv ausgerichteter Mittelfeldspieler die tragende Rolle im Mittelfeld übernehmen müssen. Mit einer Quote von 75% erfolgreichen Aktionen im Spiel und guten bis soliden Leistungen im Saisonverlauf sollte dies dem 31-jährigen Routinier nicht allzu schwer fallen.

Nicklas Shipnoski (#7): 10 Tore, 9 Vorlagen. Damit ist eigentlich alles gesagt. Der Flügelflitzer gewinnt 54% seiner Dribblings, bringt mit 47% fast jeden zweiten seiner Schüsse aufs Tor und hat für einen Außenstürmer eine überdurchschnittliche Passquote von 71%. Er ist der gefährlichste Mann im Saarbrücker Angriffsspiel. Das wird Schwerstarbeit auf der linken Abwehrseite des TSV 1860 München.

Mittelstürmer Sebastian Jacob (#24) hat bisher 8 Tore und 3 Vorlagen auf seinem Konto. Knapp 58% seiner Schüsse gehen aufs Tor. Er gewinnt trotz seiner nur 1,83 m ein gutes Drittel seiner Kopfballduelle. Mit einer Erfolgsquote von 41,7% bei den Dribblings kann er auch hier gute Zahlen vorweisen. In Pressingsituationen gewinnt er knapp 64% seiner Zweikämpfe. Ihn zusammen mit Shipnoski in Zaum zu halten ist das A und O für erfolgreiches Defensivspiel des TSV 1860.

Fazit

Die Chance, beim 1. FC Saarbrücken Punkte zu holen, ist aufgrund der vielen Ausfälle in der Hintermannschaft der Saarländer riesengroß. Dabei ist es egal, ob sie im 4-1-4-1 oder 4-3-3 daherkommen. Die Krux wird die Chancenverwertung sein, da muss sich die Bilanz im Vergleich zu den letzten Spielen bei den Löwen eindeutig positiv verbessern. Grundsätzlich wissen wir, dass man dem 1. FC Saarbrücken absolut Paroli bieten kann. Im Hinspiel waren die Löwen über weite Strecken die eindeutig bessere Mannschaft. Es fehlte nur das berühmte Quäntchen Glück, um zu punkten.

Am Samstag dürfen wir wie immer eine bestens vorbereitete Mannschaft des TSV 1860 München erwarten, die alles geben wird, um den Dreier einzufahren. Taktisch sollte uns weder das 4-3-3 noch das ebenfalls mögliche 4-1-4-1 vor Probleme stellen. Mit offensiv ausgerichteten Mannschaften haben die Löwen im bisherigen Verlauf der Saison weitaus weniger Probleme gehabt als mit Mannschaften, die mit zwei Viererketten vor dem eigenen Sechzehner tief stehen und nur auf Kontermöglichkeiten lauern.

Dass Trainer Michael Köllner die richtigen Antworten auf die Spielweise von Saarbrücken haben wird, steht außer Frage. Wie die Mannschaft es umsetzen wird, werden wir sehen. Ich bin auf alle Fälle guter Dinge. Es spricht nichts gegen ein erfolgreiches Spiel unserer Sechzger.

Datenquelle: http://www.wyscout.com/

Das sind die möglichen Aufstellungen des 1.FC Saarbrücken

1.FC Saarbrücken Aufstellung TSV 1860
Meine erwartete Aufstellung: Saarbrücken im 4-1-4-1
1.FC Saarbrücken Aufstellung TSV 1860
Auch denkbar: das präsentierte 4-3-3
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An den werten Autor: wo bekommst du denn deine Daten für die dritte Liga her? Speziell PPDA Werte z.B.
Denke auch dass wir morgen gute Chancen haben da was zu holen. Merci im Voraus.