Ein herzliches Grüß Gott zur TAKTIKTAFEL vor dem Spiel des TSV 1860 München gegen den KFC Uerdingen. Mit vier Siegen, zwei Unentschieden, und vier Niederlagen steht Uerdingen momentan mit 14 Zählern auf Platz neun der Tabelle. Im 28 Spieler starken Kader stehen nicht weniger als 16 Neuzugänge sowie ein Aufrücker aus der eigenen Jugend. Damit hat der Uerdinger Kader den fünfthöchsten Marktwert der 3. Liga und wir haben es am Samstag nicht mit Laufkundschaft auf Giesings Höhen zu tun.

Was ist im Spiel am Samstag von der Mannschaft aus Krefeld zu erwarten?

Sicher ist, dass bei den systemtechnisch variablen Uerdingern – zumindest was die Offensive angeht – nichts sicher ist. Defensiv dagegen setzt Uerdingen auf eine bewährte Formation: in allen Spielen, die ich vom KFC analysiert habe, wurde auf zwei tiefe Viererketten gegen den Ball gesetzt. Diese Formation stellt den Gegner vor das Problem, in engen Räumen den Ball ins letzte Drittel und in die Box zu bringen. Nicht umsonst stellt die Mannschaft von Stefan Krämer – trotz des 0:4 Debakels gegen Wiesbaden – mit bisher erst zwölf Gegentreffern eine der besten Defensiven der Liga. Von den Mannschaften, die alle zehn Spiele planmäßig absolvieren konnten, stehen sie damit gleichauf mit unseren Sechzgern und den Schanzern aus Ingolstadt auf Platz drei bei den am wenigsten kassierten Gegentoren.

Gegen Mannschaften im 4-1-4-1-System brachten die Krefelder bei Ballbesitz bisher ein offensives 4-3-3 auf den Platz. Die dazu nötigen Verschiebungen beim Umschaltspiel sind so gering, dass es kaum zu Abstimmungsschwierigkeiten bei Raumaufteilung und Laufwegen kommt. Nur ein Spieler aus der zweiten Viererkette muss dann nach vorne verschieben. Das geschieht beim KFC in Abhängigkeit davon, über welche Seite angegriffen wird.

Oft glücklos agieren die Offensivkräfte der Krefelder vor dem gegnerischen Tor; erst zehn Treffer stehen für den KFC auf der Habenseite zu Buche. Das bringt Uerdingen zusammen mit Magdeburg und Duisburg auf den vorletzten Platz bei den geschossenen Toren der Teams, die aktuell alle zehn Spiele absolviert haben.

Man muss allerdings auch erwähnen, dass sich die Truppe aus der Samt- und Seidenstadt im Aufwärtstrend befindet: drei der letzten vier Spiele wurden gewonnen. Unter anderem wurden sowohl Saarbrücken als auch Duisburg (gegen die der TSV 1860 München jeweils den Kürzeren zog) von Krämers Mannschaft besiegt. Am vergangenen Wochenende schoss man zudem Haching mit 3:1 aus dem Düsseldorfer Rheinstadion. In diesen drei gewonnenen Partien schossen die Uerdinger insgesamt sechs Tore.

Die bisherigen Durchschnittswerte bei den relevanten Statistiken sehen wie folgt aus:

  • Ballbesitz 48%;
  • Passquote 81%,
  • 36% gewonnene Offensivzweikämpfe (guter Wert),
  • 61% gewonnene Defensivzweikämpfe (ein eher schlechter Wert),
  • 40% der Flanken des Gegners finden ihr Ziel im Krefelder Strafraum und
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) 13,44.

Die Uerdinger kommen meistens über rechts. Mit 45% starten sie fast die Hälfte aller Attacken über den rechten Flügel. Dagegen leiten sie ein knappes Drittel ihrer Vorstöße über links ein (32%), nur knapp ein Viertel, nämlich 23% der Angriffe, laufen über das Zentrum. Die Uerdinger werden also vornehmlich über die Flügel angreifen. Hier müssen unsere offensiv ausgerichteten Außenverteidiger also besonders aufpassen.

Was kann man nun außerdem aus den uns vorliegenden Informationen für das Spiel der Uerdinger gegen Sechzig schlussfolgern?

Eines ist für mich absolut klar: An den tief verteidigenden Viererketten wird Krämer zumindest taktisch nichts ändern, zumal sich sicher auch bis zum Niederrhein rumgesprochen haben dürfte, dass Sechzig gewisse Schwächen gegen tiefstehende Mannschaften zeigt.

Personelle Veränderungen sind beim breiten Kader des KFC Uerdingen schwer vorherzusagen. Zumindest Christian Dorda (#7), Assani Lukimya (#5) und Patrick Göbel (#33) sollten in der Viererabwehrkette gesetzt sein. Ob diese durch Girdvainis, Velkov oder gar Kirchhoff komplettiert wird, werden wir wohl erst kurz vor Anpfiff erfahren.

Falls offensiv das 4-3-3 zum Zuge kommen sollte, sind neben dem gesetzten Muhammed Kiprit (#36) vermutlich Christian Kinsombi (#11) für die rechte Außenbahn und für den situativ zwischen Mittelfeld und Sturm pendelnden Posten Kolja Pusch (#10) die wahrscheinlichsten Alternativen. Das Mittelfeld sähe ich mit Fridolin Wagner (#22) Gino Fechner (#16) und Dave Gnaase (#26) für die 4-3-3 Variante am sinnvollsten besetzt.

Diese personelle Aufstellung in Mittelfeld und Sturm brächte auch noch eine andere Variante mit sich: je nach Spielstand könnte schnell auf ein 4-4-2 (Raute eng) oder 4-4-2 (Doppelsechs) umgestellt werden. Die Spieler gäben diese Varianten auf alle Fälle her.

Stärken und Schwächen der jeweiligen Systeme:

Hier muss ich heute generell auf die Stärken und Schwächen, die Uerdingens Variabilität gegen das 4-1-4-1 der Löwen auf den Platz bringt, unter die Lupe nehmen.

Fangen wir mit den Stärken in Abhängigkeit der Spielweise der Sechzger an: Gegen spielstarke Mannschaften wie 1860, die das Spiel selbst gestalten wollen, hat das System mit den beiden tiefen Viererketten gegen den Ball den Vorteil, dass bei Positionsangriffen das Bollwerk aus acht verteidigenden Spielern erst einmal durchbrochen werden muss. Mit der feinen Klinge kommt man da meistens nicht sehr weit. Falls die Angreifer die Brechstange auspacken (müssen), kommt es immer darauf an, wie gut die Defensive es versteht, den eigenen Strafraum zu sichern. Aufgrund der wenigen Gegentore sehe ich hier bei Uerdingen kaum Schwächen, sodass es am Samstag Schwerstarbeit für Köllners Team werden wird, Chancen zu kreieren und Tore zu schießen.

Aufgrund der Variabilität im Umschaltspiel können die Uerdinger  den Löwen bei Ballbesitz auf vielfältige Weise gefährlich werden. Ihre defensive Formation in Kombination mit dem überdurchschnittlich guten Spielermaterial in der Offensive ermöglicht den Uerdingern, sowohl über die Flügel als auch durchs Zentrum Druck aufzubauen. Die Löwen müssen sich auf sehr variable Angriffe der Uerdinger einstellen, weil alle Positionen doppelt besetzt sind und alle Mittelfeldspieler und Stürmer auch auf ihren Nebenpositionen zu überzeugen wissen. Die in den ersten Spielen der Uerdinger noch eklatanten Lücken zwischen Mittelfeld und Sturm wurden mittlerweile geschlossen. Pässe kommen an und die Stürmer treffen. Die schlechten Zahlen bei geschossenen Toren kann man nach den letzten Ergebnissen der Uerdinger also nicht mehr als Gradmesser benutzen. Sechs Treffer in drei siegreichen Spielen sprechen Bände.

Wo liegen nun die Schwächen bei den Krefeldern?

Defensiv gibt es bei Positionsangriffen, abgesehen von individuellen Fehlern, keine Schwächen im Uerdinger System. Falls die Löwen es jedoch schaffen den KFC aus der Reserve zu locken und ihre Angriffe bei Ballgewinn schnell und präzise vorzutragen, kann das zu Situationen führen, in denen die Sechzger dann wegen der offensiven Verschiebung bei Uerdingen viel Raum vorfinden. Wenn solche Situationen (idealerweise schon zu Beginn) eiskalt ausgenutzt werden und 1860 es schafft in Führung zu gehen, hat man gute Chancen, im weiteren Spielverlauf öfter solche Situationen zu kreieren.

In der Offensive sind mögliche Schwächen bei der großen Variabilität im Uerdinger Spiel am ehesten in der Abstimmung der Laufwege zu erwarten. Ansonsten hat die Mannschaft von Stefan Krämer in der Offensive in den letzten Wochen keine Schwächen gezeigt. Ausnahme ist das Spiel in Lübeck, bei dem der KFC nur neun Mal in neunzig Minuten zum Abschluss kam und von den neun Schüssen nur ein einziger den Torwart prüfte.

Die Schlüsselspieler des KFC Uerdingen

Seit vier Spielen steht Hidde Jurjus (#31) im Uerdinger Kasten und konnte dabei schon zwei Mal zu Null spielen. Drei dieser vier Spiele gewann Uerdingen. In all diesen Partien zeigte sich Jurjus als sicherer Rückhalt. An beiden Gegentoren, die er kassierte, war er schuldlos. Mit dem Ball am Fuß agiert er ebenfalls sehr sicher und strahlt permanent Ruhe und Gelassenheit aus.

Assani Lukimya (#5) ist Kapitän und Innenverteidiger, der gerne auch einmal einen Ausflug nach vorne unternimmt. Kopfballstärke, gute Zweikämpfe und sehr präzises Passspiel zeichnen den Deutsch-Kongolesen aus. Allerdings fällt auf, dass mit seiner Leistung oft die Leistung der gesamten Mannschaft steht und fällt.

Gino Fechner (#16) ist ein kopfballstarker defensiver Mittelfeldspieler, der auch in der Innenverteidigung eine gute Figur macht. Er zeichnet sich durch gutes Stellungsspiel gegen den Ball aus, spielt präzise Pässe und ist der Dauerbrenner in Uerdingens Team. Er verpasste nur ein Spiel wegen einer Gelbrotsperre, in allen anderen Partien ging er über die volle Distanz.

Fridolin Wagner (#22), der zentrale Mittelfeldmann, dessen Stärken auch eher in der Arbeit gegen den Ball liegen, flog im Spiel gegen die Zweitvertretung des Nachbarn aus der Säbenerstraße mit Rot vom Platz und verpasste deshalb zwei Spiele. Seit dem Ende dieser Rotsperre fehlte auch er keine einzige Minute im Uerdinger Spiel. Als zentrale Anspielstation im Aufbau zieht er mit dem Ball oft auf den rechten Flügel oder die linke Halbposition und leitet von dort Attacken ein.

Muhammed Kiprit (#36): Der Mittelstürmer hat seit dem Derbysieg gegen Duisburg ein wenig Ladehemmung. Mit Vorlagen konnte er diese Saison noch gar nicht aufwarten. Nichtsdestotrotz ist er mit vier Treffern Uerdingens bester Torschütze.

Ob der wieder genesene Innenverteidiger Jan Kirchhoff (#4) am Samstag schon einen Startelfeinsatz bekommt, ist fraglich.

Fazit

Das wohl härteste Spiel bisher steht den Löwen am Samstag bevor. Der TSV 1860 München muss vor allem beim Spiel in der Offensive zusehen, wie er den Ball durch die massive Abwehr der Krefelder hindurch in den Strafraum und dann ins Tor bekommt. Wahrscheinlich wird es nicht viele Chancen geben und Effektivität vor dem Tor könnte der entscheidende Faktor sein. Und auch gegen den Ball wird es gegen die variablen und immer besser in Form kommenden Uerdinger sicherlich kein Zuckerschlecken.

Mit einem Punkt wäre ich überaus zufrieden. Ich gehe jedoch davon aus, dass Michael Köllner dieses Spiel gewinnen will und von daher die Mannschaft auch so ausrichtet und darauf einschwört. Sind wir gespannt, was da am Samstag auf uns zukommt. Spannend wird es auf jeden Fall. Hoffen wir auf ein gutes Spiel unserer Sechzger.

Ich erwarte den KFC gegen den Ball in folgender Aufstellung:

Bei Ballbesitz düften die Uerdinger dann auf diese Formation umstellen:

 

6 KOMMENTARE

  1. […] Wie erwartet spielte Uerdingen gegen den Ball mit zwei tiefen Viererketten; somit war für die Löwen das Spiel im letzten Drittel vor dem Tor des Gegners nicht einfach. In Ballbesitz versuchten die Uerdinger sehr bemüht, ein 4-3-3 herzustellen. Das war gegen die in allen Mannschaftsteilen gegen den Ball bravourös agierenden Löwen kaum von Erfolg gekrönt. So wirkten die Bemühungen der Krefelder im Spiel nach vorne eher wie ein 4-2-3-1, bei dem jeweils einer der offensiven Außenspieler versuchte, mit in die Spitze zu gehen. […]

  2. […] Nachdem wir schon zu Beginn geklärt hatten, dass die Bildergalerie nicht das „last-but-not-least“ wird, kann es am Tag vor dem Spiel nur noch eines dafür geben: Die Taktiktafel – Bernd Winninger hat sich wieder unzählige Spiele unseres Gegners reingezogen und Statistiken gewälzt, um eine möglichst präzise Vorhersage des morgigen Spieles zu treffen – Prädikat „unbedingt anschauen“ – die TAKTIKTAFEL. […]

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