Ein herzliches Grüß Gott zur Taktiktafel für das Spiel TSV 1860 München gegen SG Dynamo Dresden. Was können wir von der Sportgemeinschaft aus der sächsischen Hauptstadt erwarten?

Die taktische Aufstellung in den bisherigen Partien

Dynamo brachte zu Beginn der bisherigen neun Partien acht mal mit einem 4-2-3-1 eine eher defensiv ausgerichtete Grundaufstellung, auf den Rasen. Allerdings interpretiert die Mannschaft dieses System sehr flexibel was sie einerseits beim Umschaltspiel schwer ausrechenbar macht, jedoch andererseits wegen oft fehlender Abstimmung nach vorn auch fehleranfällig ist, und bei Ballverlust laufintensiv werden kann.

Je nach gegnerischer Ausrichtung gegen den Ball verschiebt die SGD wenn sie in Ballbesitz ist zu einem im Raum etwas lückenhaften 4-3-3 (DM), 4-4-2 Raute oder 4-1-3-2.

Auch die jeweilige Pressinglinie bei Dresden verschiebt sich gegnerabhängig. Dresdens Coach Markus Kauczinski setzt also sehr stark auf das taktische Verständnis seiner Elf, und hat für jeden Gegner ein angepasstes System im Köcher, ohne jedoch die Qualitäten seines eigenen Kaders aus den Augen zu verlieren.

Bisher spielte die, mit sechs verbliebenen Spielern aus dem letztjährigen Kader, sechzehn Neuzugängen von anderen Clubs und vier Aufrückern aus der eigenen U19 bestückte Elf der Sportgemeinschaft mit eher durchwachsenem Erfolg.

Dresden blieb also, wenn man die aktuelle Tabelle betrachtet, hinter dem, was die Allgemeinheit vom Zweitligaabsteiger erwartet hatte, zurück. Vier Siegen stehen vier Niederlagen und ein Unentschieden gegenüber.

Verloren hat Dresden bisher gegen die Zweitvertretung eines Erstligaclubs, sowie gegen Ingolstadt, Zwickau und Saarbrücken. Mit dem SV Waldhof Mannheim teilte man sich Zuhause zwei Punkte. Gewinnen konnte man die Duelle mit Meppen, Lübeck, Magdeburg und Kaiserslautern.

Die SGD in Zahlen

Die bisherigen Durchschnittswerte bei den relevanten Statistiken sehen wie folgt aus: Ballbesitz 55%; Passquote 80%, 41,5% gewonnene Offensivzweikämpfe – ein sehr starker Wert – 58,1% gewonnene Defensivzweikämpfe – ein eher schlechter Wert. Auch bei den defensiven Kopfbällen im Strafraum sieht die bisherige Bilanz der SGD mit 58% gewonnenen Duellen in der Luft nicht wirklich dominant aus.

Die PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) liegt bei 11,37. Obwohl die bevorzugte Seite der Dresdener, Angriffe vorzutragen die Linke ist, konnte man in den bisherigen Spielen durchaus Variabilität hinsichtlich der Positionsangriffe beobachten. Klar ist jedoch, Flügelspiel (41% links / 35% rechts) wird gegenüber dem Spiel durch das Zentrum (24%) bevorzugt.

Die erwartete Aufstellung der Dresdener

Was können wir aus diesen Informationen für das kommende Duell unserer Sechzger mit der SGD schließen?

Generell ist eine Vorhersage, wie eine gegnerische Mannschaft gegen das variable 4-1-4-1, das Trainer Michael Köllner bei Sechzig spielen lässt, bei eigenem Ballbesitz zu erwarten sein wird schwer zu treffen. Das System des Löwencoaches hat, sieht man von individuellen Fehlern ab, fast keine defensiven Schwachpunkte.

Trotzdem will ich eine Prognose wagen. Gehen wir davon aus, dass die Grundaufstellung der Dynamos beim 4-2-3-1 bleibt, und bei Ballgewinn so verschoben werden muss, dass man gegen den TSV 1860 eine Chance hat, mit Ball effektiv in die Box zu kommen, um dort den Abschluss zu suchen. Da kommt für mich von den bisher gezeigten Varianten der SGD nur das 4-1-3-2 in Betracht.

Dabei schiebt, wenn sich Dresden im Angriff befindet, Yannick Stark (#5) ins Zentrum vor und Christoph Daferner (#33) oder Ransford Königsdörffer (#35) bzw. Panagiotis Vlachodimos /#7) rücken als zusätzliche Spitze aus dem Mittelfeld in den Sturm auf. Daferner würde dann eher als hängende Spitze, und Königsdörffer/Vlachodimos als Flügelstürmer in Erscheinung treten.

Aufgrund der dann entstehenden numerischen Ausgeglichenheit, die sich dadurch für die Offensivspieler der SGD ergäbe, könnte Dynamo so individuelle Fehler in der Hintermannschaft der Löwen am wahrscheinlichsten zu ihren Gunsten ausnutzen, ohne selbst zu anfällig für Konter zu werden.

Die Stärken und Schwächen des 4-2-3-1 haben wir in mehreren vorangegangenen Artikeln der Rubrik Taktiktafel schon ausführlich beleuchtet, deshalb gibt es heute wieder nur Stichpunkte zur Orientierung:

Stärken:

  • kompakt im Zentrum und vor der Box gegen den Ball
  • auch gegen Systeme mit mehr als einem Stürmer sicher
  • variabel beim Spielaufbau
  • offensiv schwer ausrechenbar

Schwächen:

  • anfällig und laufintensiv gegen variables Flügelspiel mit Seitenwechsel
  • in der Offensive viel Mittelfeldunterstützung für den Stürmer nötig, um Gefahr zu kreieren

Wie schon gegen unsere Gegner aus dem bobfahrenden Dorf und aus Halle, wird man mit diagonalem Spiel die größten Erfolgsaussichten haben. Angriffe, die nach dem Eindringen in die gegnerische Spielfeldhälfte die defensiven Mittelfeldspieler erst zu starken Verschiebungen in der horizontalen Ebene zwingen und dann zügig auf die schwache Seite des Spielfelds wechseln haben gegen ein 4-2-3-1 die größten Erfolgsaussichten.

Welchen Spielern Kauczinski am Sonntag in der Startelf den Vorzug geben wird, war seinen Aussagen während der Pressekonferenz am Freitag leider nicht zu entnehmen. Stefaniak wird aber offensichtlich eine Pause bekommen. Drei weitere nicht näher genannte Spieler sind wohl Wackelkandidaten.

Begründet hat das Kauczinski mit der inkonstanten Leistung aufgrund des jugendlichen Alters bei einigen Spielern. Jonathan Meier (#19), Paul Will (#28), und Ransford Königsdörffer (#35) könnte es also zusätzlich zu Stefaniak treffen.

Die Schlüsselspieler der SG Dynamo Dresden

Torwart Kevin Broll (#1) behielt in den bisherigen neun Spielen bereits viermal eine weiße Weste, und hat sowohl in der Strafraumbeherrschung als auch im Eins gegen Eins, sowie bei der Reaktionsschnelligkeit bei Schüssen aus der Nahdistanz große Stärken. Bei 1,86 m Größe bringt Broll nur 77 kg Gewicht mit und ist somit für einen Torhüter heutzutage eher schmächtig. Die Genauigkeit bei langen Abschlägen ist verbesserungswürdig.

Innenverteidiger und Kapitän Sebastian Mai (#26) ist formmäßig eine Wundertüte. An einem guten Tag gewinnt er mehr als 75% seiner Zweikämpfe, an schlechten Tagen fällt dieser Wert aber auch gerne mal auf 60% und darunter.

Abwehrtalent Kevin Ehlers (#39) mit einem Marktwert von 1,5 Mio € der teuerste Spieler der dritten Liga wird seinen Gegenspielern in weiß-blau mit Sicherheit alles abverlangen. So ein Prädikat wird seine Kontrahenten aber sicherlich auch dazu anstacheln selbst Höchstleistungen auf den Platz zu bringen.

Ex-Löwe Yannick Stark (#5) kam im Sommer aus Darmstadt an die Elbe. Der Allrounder im defensiven Mittelfeld ist der Dreh- und Angelpunkt im Aufbauspiel der SGD. 73% erfolgreiche Aktionen, eine Passquote von 85%, 68% gewonnene defensiv Duelle, zehn Balleroberungen und Rund fünf abgefangene Pässe im Schnitt pro Spiel sprechen eine deutliche Sprache. Hinzu kommt, dass seine Werte von Spiel zu Spiel besser werden.

Ebenfalls mit Löwengenen behaftet ist Christoph Daferner (#33) – er spielt nominell auf der linken offensiven Mittelfeldseite, ist aber bei vielen Angriffen als hängende Spitze zur Unterstützung Hosiners eher im Zentrum zu finden. Er hat bereits zwei Treffer und zwei Assists auf dem Konto.

Der dritte Ex-Löwe unter den Schlüsselspielern und gefährlichster Dresdner Spieler überhaupt ist zu guter Letzt Mittelstürmer Philipp Hosiner (#14). Vor der Saison aus Chemnitz zur SGD gekommen hat der Österreicher, der von 2006 bis 2009 für die Löwen in der U19 und der 2. Mannschaft auflief, nach Anlaufschwierigkeiten den Stammplatz als Mittelstürmer nun sicher.

Er beweist mit drei Treffern in den letzten fünf Spielen seine Gefährlichkeit sehr deutlich. Gegen den TSV 1860 war Hosiner als er letzte Saison mit Chemnitz zum Duell im Sechzgerstadion antrat bereits mit einer Vorlage und einem Treffer erfolgreich. Das heißt allerhöchste Vorsicht ist geboten.

Abwehrfehler werden von ihm gnadenlos bestraft. Seine Klasse als Stürmer stellte er unter anderem schon den ersten Ligen in Deutschland, Österreich und Frankreich unter Beweis. 60 Treffer in 141 Erstligaspielen hat er auf dem Konto.

Mein Fazit

Aufgrund der Erflogsquote der Löwen gegen Mannschaften, die defensiv ein 4-2-3-1 praktizieren, könnte man leichtfertig von einer gmahden Wiesn sprechen. Das wird aber der mit exzellenten Einzelspielern, die vor der Saison zu einer Mannschaft neu zusammengewürfelt wurden, gespickten SG Dynamo Dresden Elf nicht gerecht.

Die Löwen werden höllisch aufpassen müssen, dass die spielstarken und technisch versierten Offensivspieler der Dresdener sie nicht gehörig durcheinanderwirbeln.

Aus einer soliden Defensive heraus klug zu spielen, das Tempo zu variieren und den Ball nicht leichtfertig abzugeben wird gepaart mit diagonalem Spiel bei den Positionsangriffen für die Sechzger der Schlüssel zum Erfolg sein. Wenn dann in den richtigen Situationen auch noch die Konter sitzen ist mir vor Sonntag nicht bange.

Dresden spielt Zuhause, steht von der Tabellensituation nicht da wo es hinwill, und muss versuchen das Spiel zu machen. Das kommt dem Spiel der Löwen zu Gute. Michael Köllner wird die Mannschaft wie bisher immer taktisch gut einstellen. Ich bin gespannt wie sich unsere Löwen in diesem sicherlich interessanten Duell schlagen werden.

Erwartete Aufstellung der SGD:

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