Die umstrittene Verschärfung der Stadionordnung wird nicht beschlossen! Dies berichten Teilnehmer eines Treffens zwischen Vertretern der Grünen, SPD, Volt und Rosa Liste sowie Vertretern der aktiven Fanszene, des Fanprojekts, der Löwenfans gegen Rechts (LFGR) und den Freunden des Sechzgerstadions (FdS). Im Vorfeld des Treffens hatte bereits die Partei Die LINKE die Ablehnung der Vorlage zugesagt.

Treffen zwischen Fanvertretern und Vertretern der Grün-Roten Koalition

Nachdem LFGR und FdS die umstrittene Verschärfung der Stadionordnung bereits in einer erneuten Stellungnahme deutlich kritisiert hatten (Sechzger.de berichtete), nahmen die Rathaus-Parteien die Einladung an, sich nochmals persönlich über die genauen Gründe der Ablehnung zu informieren.

In dem knapp einstündigen Treffen haben die Fanvertreter nochmal alle Kritikpunkte klar herausgestellt. Hierbei wurde die eindeutige Position vermittelt, dass bei einer derartigen Vorlage keine Überarbeitung mehr hilft, sondern lediglich die vollständige Ablehnung des wortwörtlich als “Rohrkrepierer” bezeichneten Referentenentwurfs. Danach, so boten alle Fanvertreter unisono an, könne man gerne an einer sinnvollen Abänderung der Stadionordnung mitwirken, um unter anderem auch den “Hufeisentheorie-Paragraph” abzuändern.

Besonders hervorgehoben wurde, dass alle als Begründung für die notwendige Verschärfung der Stadionordnung angeführten Punkte bereits jetzt als Ordnungswidrigkeiten bzw. Straftaten geahndet werden können. Es handle sich also dann bei dem Verstoß gegen die Stadionordnung um ein sogenanntes Zweitdelikt, welches lediglich dazu dient, das Gesamtstrafmaß zu erhöhen.

Auch die angebliche Dringlichkeit sei nicht gegeben, da aufgrund der aktuellen Coronalage bekanntermaßen keine Fans im Stadion zugelassen sind. Somit gibt es auch keinen Grund, sich wie an einem normalen Spieltag im Stadionumfeld zu versammeln.

Verschärfung der Stadionordnung bereits 2016 abgelehnt

Interessant ist auch, dass ein annähernd gleichlautender Entwurf bereits 2016 abgelehnt worden war. Dass es nunmehr zu einem erneuten Versuch kam, dies doch noch durch den Ausschuss zu bekommen, überrascht nicht. Immerhin wurden Polizei und Geheimdienste in den letzten Jahren durch das ständige Weiterdrehen am Rad der Befugnisse (siehe Bayerisches Polizeiaufgabengesetz) durchaus verwöhnt.

Die Polizei warnte damals vor den “Horden aus dem Osten”. Nach Ansicht der Polizei würden diese marodierend in München einfallen und die Beamten der Bereitschaftspolizei und des USK müssten dem Ganzen hilflos zusehen. Ein Zitat der aus Stellungnahme der Polizei aus dem Jahre 2015:

Ein weiterer Änderungsbedarf besteht dahingehend, dass das städtische Stadion an der
Grünwalder Straße als Spielort der 3. Liga in Frage kommt. Nicht nur bei einem Abstieg
des TSV München von 1860 aus der 2. Bundesliga, sondern auch bei einem Aufstieg der
Münchner Amateurmannschaften könnten dort zukünftig Spiele der 3. Liga stattfinden. In
diesem Falle sollte § 6 Risikospiele der Grünwalder-Stadionverordnung für sämtliche
Spiele der 3. Liga gelten. Der schwerwiegendste Aspekt ist hierbei das große
Gefahrenpotential der Anhänger der Gastmannschaften. Zu den Vereinen, bei denen die
Anhänger für zahlreiche Sicherheitsstörungen am Spielort sowie bereits auf dem
Reiseweg verantwortlich sind, gehören insbesondere SG Dynamo Dresden, FC Energie
Cottbus, FC Erzgebirge Aue, Carl Zeiss Jena, Chemnitzer FC, FC Magdeburg, FC Rot-
Weiß Erfurt, Hallescher FC und der FC Hansa Rostock.

Scheinbar zählte hier der Ersteller der Stellungnahme einfach alle ihm bekannten Vereine aus dem Osten der Republik auf. Dieser Entwurf hatte es aber glücklicherweise auch ohne Einflussnahme von Seiten der Fans nicht durch den Ausschuss geschafft.

Annähernd einhellige Unterstützung der Aufforderung zur Ablehnung

Nachdem sowohl durch die LFGR, FdS und Fanprojekt die Kritikpunkte ausführlich beleuchtet und deutlich gemacht wurden, meldeten sich auch erste, aber deutliche Stimmen der Parteien, die Verständnis für die Ausführungen zeigten. Besonders die eindeutige Unterstützung des Anliegens durch die 3. Bürgermeisterin der Stadt München, Verena Dietl (SPD), sorgte für positive Überraschung bei den Fanvertretern, aber auch die Stadträte der Grünen/Rosa Liste Nimet Gökmenoğlu und Beppo Brem äußerten sich eindeutig.

Ein Teilnehmer von Seiten der Rathausparteien warf ein, dass es jedoch durchaus auch während der Geisterspiele zu verabredeten Treffen von “Hooligans” käme. So etwas habe sich zum Beispiel kürzlich bei der Partie von Bayer Leverkusen gegen Eintracht Frankfurt ereignet. Diese natürlich medial ausgeschlachtete Begegnung war allerdings mitnichten verabredet, sondern lediglich Zufall. Beide Fanlager sind dafür bekannt, in der Vergangenheit ihre Mannschaft von außerhalb des Stadions gesanglich unterstützt zu haben. Ein Aufeinandertreffen konnte weiterhin erfolgreich verhindert werden.

Es wurde hier von Seiten der Fanvertreter jedoch zurecht auf die bisher lupenreine Weste der Löwenfans verwiesen. Diese ist auch durch die Polizei mehrfach lobend erwähnt worden, unter anderem durch den Polizei-Vizepräsident Werner Feiler: “Bisher sind wir mit dem Verhalten der Sechzger-Fans sehr zufrieden. Man merkt, dass sie sich bei den Heimspielen absolute Selbstdisziplin auferlegt haben.” Die Fanvertreter machten klar, dass man wisse, was man an dem besonderen Standort, mitten in Giesing, habe. Daher gäbe es keinerlei Grund, davon auszugehen, dass sich das urplötzlich ändere.

Nach einer angeregten Diskussion zogen sich die Parteien dann in die Beratung zurück, nicht jedoch, ohne deutlich durchblicken zu lassen, dass diese Vorlage nicht so, wie eigentlich geplant, am Dienstag, den 04.05. verabschiedet wird. Ein großer Erfolg für die Fanszene der Löwen, die durchaus mit Stolz auf die letzten Jahre seit Rückkehr in die Heimat der Sechzger zurückblicken kann.

2 KOMMENTARE

  1. Sehr guter Einsatz aller Beteiligten und Danke dafür. Alle für Sechzig und eine gute Löwenzukunft auf Giesings Höhen. Gab es auch Anmerkungen zum noch ausbleibenden ligaunabhängigen Umbauansatz bzw. Vorbescheid ?

  2. Gute Arbeit der Fanvertreter! Hervorzuheben wäre auch, dass der TSV 1860 endlich mal einen Präsidenten hat, der ein klares Wort nicht scheut. Reisinger bei tz/Merkur: “Aus meiner Sicht ist die geplante Neufassung eine Überregulierung, die weder wünschenswert noch erforderlich ist. Es kann nicht sein, pauschal Tausende von Fußballfans an einem Spieltag zu potenziellen Kriminellen zu erklären. Das ist grotesk und ein falsches Signal.”

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