Herzlich willkommen zur TAKTIKTAFEL Analyse des Spiels TSV 1860 München gegen die SG Dynamo Dresden.

Wie erwartet spielte die SGD ein 3-5-2 System, dass sich gegen den Ball zum 5-3-2 verschob. Michael Köllner schickte den TSV 1860 gegen Dynamo Dresden wie üblich mit einem 4-1-4-1 auf den Platz, bei dem sich im letzten Drittel meist Stefan Lex in mit in die Spitze schob und gegen den Ball Richy Neudecker als Box-to-Box Spieler neben Dennis Dressel die Position des zweiten Sechsers einnahm.

Die ersten Minuten

Zu Beginn waren die Dresdner ein wenig feldüberlegen, aber die Sechzger verteidigten konsequent. So entwickelte sich nach der kurzen sächsischen Drangphase zu Beginn der Partie ein Spiel, das sich vermehrt zwischen den beiden Strafräumen abspielte. Sowohl Dynamo als auch die Löwen fanden kaum gute Lösungen, sobald der Ball ins gegnerische letzte Drittel oder in die Box musste.

Im Aufbauspiel setzten die Löwen auf eine rechtsgependelte Viererkette. Das heißt Rechtsverteidiger Marius Willsch rückte auf dem rechten Flügel ins Mittelfeld vor und der Aufbau im Positionsspiel fand ruhig und überlegt aus einer stabilen Dreierkette heraus statt. Auffällig war, dass nach Überspielen der Pressingreihe der Elbstädter permanent der Weg ins Zentrum gesucht wurde. Die Bälle von dort weiterzuverteilen oblag hauptsächlich Dennis Dressel und Richy Neudecker.

Die Chancen für den TSV 1860 München gegen Dynamo Dresden

Die hellwache Defensive der Gäste vereitelte die meisten Angriffe der Löwen aus dem Positionsspiel heraus. So blieb die größte Chance der Sechzger in Halbzeit Nummer eins ein Schuss von Mölders (13.) nach einer Ecke, den Broll im Tor jedoch grandios parieren konnte. Weitere Versuche der Sechzger aus dem Spiel heraus ein Tor zu erzielen waren bis auf Steinharts Tor (85.) entweder zu schwach (Neudecker 52.) oder aus derart schlechten Positionen, dass ein Tor für den TSV 1860 München eher zufällig als zwingend gefallen wäre. Von den fünf geblockten Schüsse für die Löwen war Dressels Gelegenheit (63.) noch der vielversprechendste.

Aber auch die Defensive der Löwen verteidigte alles, was zu verteidigen war. Daferner (8.), Knipping (74.) und Königsdörffer (84.) hatten Möglichkeiten, die entweder Hiller vereitelte, oder wie im Fall von Königsdörffer neben dem Tor einschlugen. Der Kopfball von Mai (90.+1) und der Fallrückzieher von Kwadwo (90.+5) in der Nachspielzeit waren zu schwach, um als gefährlich angesehen zu werden. Dreimal konnten die Verteidiger der Sechzger einen Schuss der Sachsen blocken. Meiers Versuch (26.) war hier die vielversprechendste geblockte Chance für Dynamo.

Spielweise der Löwen

Das Pressing der Löwen gegen den Ball war auf einer etwas höheren Linie angesetzt als das der Dresdner, sodass das Aufbauspiel bei Dynamo Dresden schneller vonstatten gehen musste als beim TSV 1860 München. Daraus resultierte öfter als bei den Dynamos ein Ballgewinn bereits in der gegnerischen Hälfte.

Dresden war also gezwungenermaßen im Aufbau zügiger unterwegs. Allerdings spielte Dynamo auch etwas zielstrebiger und genauer Richtung Mittelfeldzentrum. Das bedeutete für die Mannschaft von Michael Köllner, dass die Präzision bei den Zweikämpfen stimmen musste. Diese Aufgabe konnten die Spieler des TSV 1860 München mit Bravour lösen.

Speziell die gefährlichen Standardsituationen der Sachsen wurden sehr konzentriert von den Löwen angenommen und verteidigt. Es brandete daher durch die Ecken und Freistöße weniger Gefahr auf, als man das im Vorfeld vermutet hätte.

In der zweiten Halbzeit stellten die Sechzger im Aufbauspiel eine Kleinigkeit um. Willsch war bei eigenem Ballbesitz nun schon in der Eröffnung viel offensiver positioniert. Neudecker rückte auf den Flügel als Verbindungsspieler zwischen Abwehr und Zentrum. Staude, der zuvor meist rechts offensiv gespielt hat, war bei Ballbesitz nun hauptsächlich auf der rechten Halbposition zu finden. Die Dynamik nach vorne, wenn die Angriffe über die rechte Seite liefen, änderte sich durch diese Verschiebung sehr zum Vorteil der Löwen.

Kurz vor Schluss stellte Löwencoach Michael Köllner zur Absicherung des Ergebnisses durch die Hereinnahme von Wein und Erdmann für Neudecker und Staude das System noch auf ein 5-4-1 mit Doppelsechs um.

Die statistischen Werte der Partie zwischen dem TSV 1860 und Dynamo Dresden

TSV 1860SG Dynamo Dresden
Ballbesitz56%44%
Passgenauigkeit83%76%
Defensive Zweikampfquote75%52,7%
Schüsse1311
davon aufs Tor34
PPDA*13,2418,36
*(zugelassene Pässe pro Defensivaktion)

 

Das sind nun Zahlen die – hätten wird das Spiel nicht gesehen – eine haushohe Überlegenheit des TSV 1860 implizieren und Dynamo Dresden hätte nicht den Hauch einer Chance gehabt. Das dem nicht so war, weiß jeder, der das Spiel (live) verfolgt hat. Warum also gehen die Zahlen vor allem bei den defensiven Zweikämpfen und dem Indikator für die Pressingintensität (PPDA) so dermaßen eklatant auseinander?

Auswertung der Statistik

Defensivzweikämpfe

Schauen wir zuerst auf die Defensivzweikämpfe: 75% gewonnene Defensivzweikämpfe im Spiel sagt die Statistik für den TSV 1860. Das ist alleine gesehen eine relative Zahl, die noch gar nichts aussagt. Der TSV 1860 München hat im gesamten Spiel 44 Defensivzweikämpfe geführt, davon 20 in der eigenen Spielfeldhälfte. Verlorene Zweikämpfe gegen den Ball gab es 11. In der eigenen Spielfeldhälfte sogar nur 4.

Dynamo Dresden hat 74 Verteidigungszweikämpfe geführt und konnte davon 39 für sich entscheiden. In der eigenen Spielfeldhälfte gab es bei den Sachsen 52 defensive Zweikampfversuche, von denen 27 erfolgreich absolviert werden konnten.

Der Ballbesitz wechselte ungefähr gleich oft und auch die Schussanzahl war in etwa gleich. Bei Dresden konnte also aufgrund des guten Stellungsspiels der nächste Mann übernehmen. Dessen Zweikampf wiederum fruchtete meist. So wurden viele Bälle auf Dresdner Seite erst im zweiten Versuch erobert, während die Löwen das gleiche Resultat mit deutlich weniger individuellem Energieaufwand erreichen konnten.

PPDA

Der große Unterschied bei der PPDA wiederum rührt daher, dass beide Mannschaften das Pressing komplett unterschiedlich angingen. Die Löwen pressten meistens tief in der Spielfeldhälfte der Dresdner. Die Sachsen dagegen ließen ihrem Gegner in der eigenen Hälfte viel Raum und sorgten stattdessen für ein kompaktes Mittelfeld, um dort den Löwen das Kombinieren zu erschweren. Beide Herangehensweisen waren gut durchdacht. Tatsächlich muss man aber rückblickend sagen, dass speziell in der ersten Halbzeit der TSV 1860 München stark von kleinen Unkonzentriertheiten und Ungenauigkeiten im Zuspiel der Dynamos profitierte.

Der eklatant höhere Ballbesitz für die Löwen ist dem abwartenden Aufbauspiel in der eigenen Hälfte geschuldet. Die im Spielaufbau entstehende Dreierkette bei den Giesingern mit Steinhart, Salger und Belkahia verzeichnet bei 211 Querpässen der Löwen im gesamten Spiel 96 davon. Rückpässe waren diesmal kein Faktor für die Ballbesitzquote. Mit nur fünf Rückpässsen insgesamt mehr beim TSV 1860 München sind diese absolut vernachlässigbar.

Das goldene Tor

In der 85. Minute erobert Willsch rechts an der Seitenauslinie in der eigenen Hälfte etwa auf Höhe des Mittelkreises den Ball von Meier und spielt sofort diagonal nach vorn zu Staude auf die halbrechte Mittelfeldposition. Während sich Staude mit dem Ball dreht, rennt Willsch die Linie entlang in die gegnerische Hälfte und bekommt den Ball postwendend wieder. In diesem Moment zieht er drei Gegenspieler – Meier, Will und Königsdörffer – auf sich, die aber alle nicht nahe genug am Geschehen befinden, um den Pass zu Stefan Lex, der im Mittelfeldzentrum einläuft, zu verhindern. Speziell Königsdörffer war weitab von seiner eigentlich angedachten Defensivposition, was sich im weiteren Verlauf rächen wird. Stefan Lex geht, verfolgt von Mörschel, noch einige Meter mit dem Ball und passt das Leder dann auf Steinhart. Der Torschütze ist auf halblinks sehr frei, weil Königsdörffer dort fehlt, und kann den Ball an der Strafraumkante entgegen nehmen. Steinhart dringt in die Box ein und schießt unbedrängt an Ehlers und Broll vorbei aus etwa acht Metern ins lange Eck.

Fazit zum Sieg vom TSV 1860 München gegen Dynamo Dresden

In einem kampfbetonten, aber nie unfairen Spiel, bei dem der Schiedsrichter für meinen Geschmack eine gelbe Karte für den TSV 1860 zu viel (Neudecker 21.) aus der Hemdtasche zog und eine für Dynamo Dresden zu wenig (Mai 4.) siegt die abgezocktere Mannschaft nicht unverdient mit 1:0. Dresdens Trainer Markus Kauczinski analysierte das Spiel nach der Partie mit den Worten: “Eigentlich muss es 0:0 ausgehen oder 1:1”. Da mag er recht haben, aber uns ging es nach dem Hinspiel auch nicht anders. Wir waren schon in Dresden mindestens ebenbürtig, aber nicht clever genug. Diesmal war es andersherum. Unterm Strich ist ein Sieg und eine Niederlage für beide Mannschaften einen Zähler mehr wert als zwei Unentschieden.

Seit nun drei Spielen ohne Gegentor festigen die Sechzger mit diesem Sieg den vierten Tabellenplatz, der zum Schluss die direkte Qualifikation für den DFB Pokal bedeuten würde. Ob man noch auf die Aufstiegsplätze respektive den Relegationsplatz schielen darf, sollen andere beurteilen. Momentan haben wir noch neun Spieltage vor der Brust. Wer weiß schon welche Mannschaft noch wie oft stolpert. Drei Spiele, sieben Punkte, kein Gegentor. Weiter so Löwen! Am Samstag im Totopokal gibt es den nächsten heißen Tanz.

Datenquelle: wyscout

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4-1-4-1 also. Obwohl man das am TV nicht immer 100%ig beurteilen kann, hat für mich das in der Grundformation sehr nach Dreierkette (Steinhart, Salger, Belkahia) ausgesehen mit sehr hoch stehenden Willsch und Lex auf den Aussenbahnen und Staude und Biankadi nach innen versetzt etwas dahinter im Halbfeld, was letztlich auch die Dresdner im Spielaufbau deutlich eingebremst hat.
Wie auch immer, selten habe eine so konzentrierte Leistung unserer Elf gesehen.

ich finds immer wieder super, nach einem Spiel mit vielen subjektiven Eindrücken das Ganze mit dener taktisch/ statistischen Aufarbeitung abzugleichen!
man lernt echt immer was dazu, ganz herzlichen Dank dafür

Drei Spiele, 7 Punkte, kein Gegentor wäre richtig!

Danke geändert

Gerne doch!