Junge, Junge, was war das für eine Löwenwoche! Am Montag den Tabellenführer geschlagen. Nach dem Spiel dann aus heiterem Himmel der Rücktritt von Stefan Schneider. Am Donnerstag dann die Vertragsverlängerung mit Phillipp Steinhart. Am Freitag Abend der nächste Hammer: das Schuldeingeständnis von Gerhard Schnell. Und zum Abschluss gestern der Elferkrimi gegen Ingolstadt mit dem glücklicheren Ende für unsere Löwen.

Was für eine Löwenwoche!

Da ist so viel passiert, dass mir die Gedanken rund um unseren TSV 1860 nur so durch den Kopf schießen. Da muss ich jetzt erstmal ordnen. Fangen wir mit Montag an. Auf Grund des Rücktritts von Stefan Schneider kam das Spiel ja in den letzten Giesinger Gedanken etwas zu kurz. Ich war beeindruckt von der Leistung von Sechzig. Für mich ein Spiel auf ganz hohem Niveau, auch wenn natürlich nicht viele Strafraumszenen dabei waren. Aber das lag an der starken Defensivleistung beider Teams, die sich in diesem Spiel nichts schenkten. Am Ende belohnten sich die Löwen durch das Tor von Steinhart (nach tollem Zuspiel von Lex) und gingen endlich mal aus einem knappen Spiel als Sieger hervor. Sie können also doch gegen Top-Teams gewinnen!

Rücktritt einer wirklichen Identifikationsfigur

Direkt im Anschluss ließ dann Stefan Schneider seine Bombe platzen. Dadurch rückte das Spiel für mich in den Hintergrund. Es wird ja immer vom Verlust der Identifikationsfiguren beim TSV 1860 geschrieben. Stefan Schneider war wirklich eine Identifikationsfigur für mich. Er ist als einer von uns mit den Löwen durch dick und dünn gegangen. Hat die Höhen und die Tiefen erlebt wie wir alle. Es kam mir manchmal so vor, als ob er einfach ein Fan war, von dem irgendjemand gemerkt hatte, dass er gut reden konnte. Dieser jemand drückte ihm dann ein Mikrofon in die Hand und stellte ihn aufs Spielfeld. Stefan wird mir mit seiner authentischen Art fehlen. Nach 28 Jahren und 602 Spielen soll mir mal jemand eine größere Identifikationsfigur in der jüngeren Giesinger Geschichte zeigen. Ich hoffe nur, dass sein “richtiger” Nachfolger (nicht Ersatzmann Rainer Kmeth, der kurzfristig einspringt) sorgfältig ausgewählt wird und wir nicht so einen Werbefuzzi-Marktschreiertyp bekommen, der keine Ahnung von 1860 hat. Und noch was: so sehr ich Stefans Rücktritt bedauere, so sehr repektiere ich seine Entscheidung. Dass da aus Dubai jetzt wieder Überredungsversuche gestartet werden, finde ich ziemlich repektlos.

Vertragsverlängerung mit dem zweitbesten Linksverteidiger der Liga

Eher eine Randnotiz in dieser Löwenwoche, aber Phillipp Steinhart hat verlängert. Damit nimmt der Kader für die kommende Saison mehr und mehr Gestalt an. Phillipp spielt eine starke Saison, trotz der zuletzt beiden vergebenen Elfmeter (gestern hat er ja eh schon wieder getroffen). Michi Köllner hat ihn offensiv meines Erachtens etwas zurück genommen, wodurch er im Spiel etwas weniger heraussticht. Dafür steht er defensiv wesentlich besser und über seine Seite kommen weniger gefährliche Angriffe auf unser Tor.

Salamitaktik von Gerhard Schnell

Und am Freitag platzte dann die nächste Bombe: Gerhard Schnell räumte die gegen ihn im Raum stehenden Vorwürfe ein. “Hut ab” schrieb ich dazu in unserer Eilmeldung. Das brachte mir einige verwunderte Kommentare ein. Offenbar, ist es mir nicht gelungen, das als einen ironischen Kommentar herauszustellen. “Hut ab” dafür, dass er einfach die bestehenden und nicht mehr widerlegbaren Vorwürfe einräumt. In einer Art Salamitaktik geht er nicht darauf ein, was seine Motivation für dieses groteske Fehlverhalten war und was er damit erreichen wollte. Einfach einräumen, was nicht mehr zu leugnen ist. Über Monate (wenn nicht Jahre) litten Mitarbeiter der KGaA unter den gefakten Mails von Schnell, bis hin zu gesundheitlichen Problemen. Ich hoffe sehr, dass hier weiteres Licht ins Dunkel gebracht wird und die KGaA überdenken wird, ob sie mit dieser Organsiation weiterhin so eng zusammenarbeiten will. Als “unorganisierter” Fan aus der Stadt München erschloss sich mir ihr Sinn eh nur bedingt. Für mich war immer das Fanprojekt um Lothar Langer mein Ansprechpartner in Fanbelangen.

Und dann noch ein Pokalkrimi obendrauf

So viel Themen abseits des grünen Rasens. Oder den noch grünen Teilen davon im Sechzgerstadion… Daher jetzt zum Spiel von gestern: Ingolstadt trat mit einer – nennen wir es – B-Elf an, Michi Köllner schonte keine Spieler und zeigte somit, dass ihm der Toto-Pokal und die damit verbundene Qualifikation für den DFB-Pokal sehr wichtig sind. Es entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe, in der der TSV 1860 München in der ersten Hälfte wieder mal Chancen liegen ließ und dann in Rückstand geriet. Toll aber, wie die Löwen dann reagierten und mit 2:1 in Führung gingen. Leider kam Ingolstadt kurz drauf noch zum Ausgleich. Dann schlug die große Stunde von Marco Hiller. Sekunden vor Abpfiff parierte er sensationell gegen den im Fünfmeterraum vollkommen freistehenden Antonitsch. Im Elfmeterschießen avancierte unser Keeper dann (wie schon gewohnt) endgültig zum Matchwinner. Er parierte den Elfer von Marcel Gaus und sorgte damit für die Entscheidung zu Gunsten der Löwen.

Zum Ende der Löwenwoche also erneut ein Spitzenteam geschlagen, wenn auch (“nur”) die B-Elf. So kann es weiter gehen! Zum Beispiel am Dienstag, wenn das Achtelfinale des Toto-Pokals ansteht und wir auf Türkgücü treffen. Der Sieger kommt ins Viertelfinale. Dort sollen dann vier erfolgreiche Teilnehmer des Ligapokals der Regionalliga Bayern hinzukommen und außerdem noch drei niederklassige Vereine aus dem BFV-Pokal. Ob das wegen Corona alles stattfinden wird, ist aber mehr als ungewiss. Egal, wie es weitergeht. Wenn die Löwen den Totopokal gewinnen, ist das die erste Titelverteidigung seit den “Gau Kriegsspielen”, die 1860 in den Jahren 1915 und 1916 für sich entscheiden konnte. Zumindest ergab das eine Schnellrecherche in Thorsten Ruinys’ Löwenkompendium. Falls ich etwas übersehen haben sollte, bitte ich um einen kurzen Hinweis in den Kommentaren.

Die Frequenz bleibt hoch

Gewiss ist allerdings, dass eine ereignisreiche Woche hinter uns Löwen liegt. Und die kommende Löwenwoche verspricht das auch zu werden mit dem “Achtelfinale” gegen die Elf aus Neuperlach und dem Ligaspiel gegen Uerdingen mit Adriano Grimaldi, der in den letzten vier Spielen getroffen hat. Wer ein austrudeln der Saison und ein schunkeligen Kampf um die goldene Ananas erwartet hatte, sieht sich getäuscht.

5 KOMMENTARE

  1. okay sorry für das “alle”. das nehme ich zurück. . ich möchte mich an keinerlei Spekulationen (weder in die eine oder in die andere Richtung beteiligen) das vorn weg. aber scheinbar gibt es ja doch Spekulationen. habe ich hier am Freitag gelesen. in den Kommentaren. wissen hier einige mehr als andere? oder glauben hier einige mehr zu wissen als andere? wenn ja halte ich das aber auch nicht für sauber. wieso wird hier von weiterer Aufklährung lückenlos wie einer schreibt gehofft.

  2. “litten alle Mitarbeiter der KGAA” nicht falsch verstehen: aber war es wirklich so schlimm? oder ist das nicht doch übertrieben? ich weiss, dass hier und zum beispiel im loewenmagazin die Familie Schnell nicht gemocht wird. ich habe eine etwas andere Sicht. ohne hier den Verteidiger spielen zu wollen.
    und warum soll man nicht versuchen Stefan zu überreden? ich finde, dass sogar sehr gut. mich hat das am Montag doch sehr überrascht und für mich ist das auch nicht normal.
    und zu gestern:
    der schiedsrichter war für mich doch sehr auf seite der gäste. viel zu wenig gelb für die Gäste. einen hand elfer? für uns nicht gegeben. Stefan Lex wirklich gelb? mit Beister und Gaus (wie es nicht hier vollkommen richtig geschrieben wird), dass kann niemals eine zweite Mannschafft der Gäste gewesen sein.
    Steinhart ein sehr wertvoller Spieler für uns.

    • Ich lese nichts von “alle” Mitarbeiter der KGAA im Bericht. Das hast du hinzugefügt. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen wie durch Schnells Emails unter falschen Namen und evtl auch noch mehr Eingeweihten die es ihm gleich taten, Vereinspolitik betrieben wurde. Über Jahre ein vermeintliches Meinungsbild dargestellt und so KG aber auch eV Leute unter Druck und Zugzwang gesetzt wurden.
      Aber hier können wir weiter spekulieren wie wir wollen, wir wissen nichts, da wir keinen Einblick in die Emails haben. Trotzdem hoffe ich auf lückenlose Aufklärung. Wer hier involviert war, hat bestimmt keine ruhige Minute mehr, denn wenn nur ein Mitwisser auspackt um seine eigene Haut zu retten, wird es einen riesigen Erdrutsch geben…!

  3. Auch in der Ironie ist das viel zu späte Teilgeständnis hinsichtlich der Kontakte zu HI , seinen Vertretern vor Ort und mit Ehefrau als langjährig bezahlte KGaA-Fanbeauftragte nicht nur inakzeptabel, sondern auch eines wahren Löwen unwürdig. Aufklärung vollumfänglich und Beantwortung aller Fragen der noch immer zugehörigen eifrigen Fanclubs. Deren Arbeit wird ja im Namen dieser Arge-Vorstandschaft(ein) im schlechten Licht bleiben und das haben die allermeisten nicht verdient. Fanclub-working bleibt wichtig, ob es dazu diesen Dachverband als Verien im Verein noch braucht fraglich.

  4. Zu Salamitaktik von G. Schnell: Auch ich habe die Ironie in Deinem Bericht über Schnell nicht entdeckt, bin nun aber froh, dass Du dies hier nochmal klarstellst. Hoffe es gibt noch weitere Aufdeckungen und Klarstellungen in dieser Causa.

    Was ganz Anderes: Super interessante Doku im ZDF über die inzwischen berühmten “Hopp-Schmähungen” vom Feb.2020, die Spox im folgenenden anpreist und verlinkt.

    https://www.spox.com/de/sport/fussball/bundesliga/fc-bayern/2103/Artikel/skandalspiel-gegen-hoffenheim–hopp-schmaehungen-empoerung-verdacht-inszenierung.html

    Betrifft alle Fan-Szenen und deshalb auch für uns hochinteressante Erkenntnisse.

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