Gestern war wieder eins der für mich so typischen Spiele dieser Saison. Sechzig startet gut und geht früh 2:0 in Führung. Damit ist Platz 4 gesichert und das Minimalziel der Saison erreicht. Dann kommt ein Bruch ins Spiel und man macht es sich schwerer als nötig. Zum Glück hat man den zwischenzeitlichen Schock gestern gut überwunden und am Ende klar gewonnen. Damit ist die DFB-Pokal-Qualifikation gesichert. Nun stellt sich die Frage: Ende gut – Alles gut?

Zwischenzeitliches Zittern

Die Löwen begannen stark und setzten die Zweitvertretung von Borussia Dortmund von Anfang an unter Druck. Durch zwei sehenswert herausgespielte Tore lagen die Löwen bereits nach 21 Minuten 2:0 in Führung. Mit dem zweiten sicherte sich Marcel Bär die Torjägerkanone. Wer aber nun meinte, Sechzig würde das Spiel routiniert nach Hause fahren und so die Qualifikation für den DFB-Pokal nervenschonend eintüten, war auf dem Holzweg. This is Sechzig, Baby! Hier läuft’s selten glatt. Die kleinen Borussen glichen noch vor der Pause aus. Besonders das zweite Tor schmerzte. Nach einem nicht gerade schlauen Ballverlust am gegnerischen Strafraum von Quirin Moll konterte der BVB der mustergültig. Bei Führung auf eigenem Platz darf so ein Tor eigentlich nicht fallen.

Ein schneller Einwurf stellt die Weichen

Zum Glück mussten die Löwenfans nicht allzulange zittern. Zwar kamen die Dortmunder agiler aus der Kabine und waren drauf und dran, die Spielkontrolle zu übernehmen. Dann drosch ein Dortmunder Verteidiger den Ball auf’s Tribünendach und während die Dortmunder Verteidiger dem Ball im weiß-blauen Giesinger Himmel nachschauten, warf Marcel Bär bereits ein. So konnte Merveille Biankadi unbedrängt Richtung Tor ziehen und die Löwen erneut in Führung bringen. Als Hiller dann in der 59. Minute dem alleine auf’s Löwentor zulaufenden Njimah den Ball vom Fuß stiebitze und Bär im Gegenzug auf 4:2 stellte, war der Widerstand der Borussen gebrochen. Es folgten noch drei Tore, zwei für Sechzig und eins für Dortmund und das Endergebnis von 6:3 war erreicht. Ende gut – Alles gut!

Minimalziel erreicht

Da Osnabrück verlor und das 7:0 der Waldhöfer gegen Havelse nur statistischen Wert besitzt, belegen die Löwen nun in der Endabrechnung Platz 4 und spielen nächste Saison wieder im DFB-Pokal. Das sichert Günther Gorenzel ca. 140.000 € Antrittsprämie plus Zuschauereinnahmen. Eventuell mehr. Und wir Fans träumen von erneuten magischen Nächten wie gegen Darmstadt und Schalke. Nachdem vor der Saison ja noch eine Verbesserung gegenüber der letzten Saison als Saisonziel ausgegeben wurde, hat der TSV 1860 München nun immerhin das später etwas nach unten korrigierte Saisonziel erreicht.

Kann man mit der Saison zufrieden sein?

Minimalziel erreicht, Ende gut – Alles gut? Wenn ich zehn Jahre jünger wäre, würde ich wahrscheinlich zum Erscheinungszeitpunkt dieses Artikels immer noch in einer Boazn stehen oder den Sonnenaufgang am Grünspitz bewundern und diese Frage mit anderen Löwenfans diskutieren. Ich bin mir nicht sicher, wie ich dese Saison bewerten soll. Und dem ein oder anderen, mit dem ich mich gestern nach dem Spiel unterhielt auch nicht.

DFB-Pokalquali erreicht. Passt schon. Junge Spieler wie Morgalla integriert, Lang und Greilinger weiterentwickelt. Die Causa Mölders überstanden und erneut ein Löwe als Torschützenkönig. Ist das gut? Ist das schlecht?

Es ist einfach schwer zu sagen. Das Spiel vergangene Woche in Magdeburg zeigte ja deutlich auf, dass den Löwen ganz nach oben doch noch ein Stück fehlt. Nur ein Sieg gegen die ersten 7 der Tabelle spricht die selbe Sprache. Dennoch wäre durchaus mehr drin gewesen. Ich denke da zuerst an die beiden Spiele gegen Braunschweig. Im Hinspiel auswärts ganz kurz vor Schluss 1:0 in Führung gegangen. In der Nachspielzeit den Ausgleich kassiert. Im Rückspiel in Giesing zur Halbzeit 2:0 geführt, am Ende “nur” in 2:2. Das hätte Sechzig auch gewinnen können… Die Auswirkungen in der Tabelle könnt Ihr selbst nachrechnen… Für mich bleibt einfach der Beigeschmack, dass diese Saison vielleicht doch mehr drin gewesen wäre. Da werden sich wohl viele Löwen gerade den Kopf drüber zerbrechen…

Schauen wir nach vorne: Neue Saison, neues Glück!

 

 

 

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dfb-pokal erreicht. okay. sonst war es aber doch eher eine durchschnittliche Saison. eher etwas unter durchschnitt. Morgala ist für sein Alter schon sehr okay. aber Leandro braucht noch Zeit. viel Zeit. dressel hat sich sehr unter wert verkauft in dieser Saison. Neudecker auch. Deichmann und Bär waren gute Neuzugänge. Merv Biankadi hat trotz einiger schwächeren Spiele eine gute Saison gespielt mit 9 Toren und einigen Vorlagen. genauso Marco Hiller, um nur einige Spieler zu nennen. trotzdem, Thomas bin ich un zu frieden. natürlich muss man die ganze Situation um Corona auch sehen. mir hat aber auch die Breite im Kader und mit weiteren Verstärkungen gefehlt.

Zitat: „mir hat aber auch die Breite im Kader und mit weiteren Verstärkungen gefehlt.“
==> Mit anderen Worten, mir hat das Geld gefehlt, um eine Ersatzbank mit neun Ersatzspielern darzustellen, die auch genauso gut in der Startformation auflaufen hätten können.
So rum wäre es richtig ausgedrückt und würde nicht subtil die sportliche Führung kritisieren, sondern das 1860-Problem (zu wenig Geld) klar beschreiben.
Leider wird sich das monetäre Problem auch in der neuen Saison und auch nicht danach in Luft auflösen.
Grüße
Altdorfer

“Nur ein Sieg gegen die ersten 7 der Tabelle”
Wie in den Kommentaren schon erwähnt, waren da sehr zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen dabei und ausser gegen Mannheim waren wir da jetzt gar nicht so unterlegen, wie das statistisch aussieht.
“Mit einem blauen Auge davongekommen” trifft es gefühlt dennoch recht gut.

Pardon! Magdeburg! Nicht Mannheim.

Hat man im Sommer die Mannschaft verbessert? Meiner Meinung nach ja. War die Liga diese Saison stärker als letzte? Meiner Meinung nach nein, eher gleich stark oder etwas schwächer.

Klar hätte man auch Pech. Schiedsrichterentscheidungen waren unglücklicher als für andere Mannschaften. Und es gab auch einige unglückliche Gegentore, wenn man sich das Verhältnis xGA zu Gegentore ansieht. Auch wieder verglichen mit anderen Mannschaften.

Alles in allem fühlt sich der vierte Platz aber eher wie ein “mit blauem Auge davongekommen” an, nicht wie ein “Ende gut, alles gut”.

In der Rückbetrachtung wurde die Causa Mölders zu lange nicht gelöst. Das Experiment zu Saisonbeginn mit zwei Stürmern (immerhin Torschützenkönig letzte + Torschützenkönig diese Saison) scheiterte, obwohl es auf dem Papier toll aussah. Auch im Nachhinein.

Verspielt wurden Aufstieg/Relegation nicht nur in den Spielen gegen Braunschweig, sondern auch in und den Heimspielen gegen Halle (Pech), Meppen und Saarbrücken. Und dabei sollte man auch die Spiele gegen Türk Gücü nicht vergessen, die beide eine Katastrophe waren und man im Heimspiel nur mit viel Glück einen Punkt holte. Und dass man überhaupt auf den vierten Platz angewiesen war, lag auch nur an dem blutleeren und peinlichen Auftritt in Aubstadt.

Alles in allem: mit einem blauen Auge davon gekommen. Wäre mehr drin gewesen. Es wurden Fehler gemacht, und man ist selbst schuld, dass 1860 diese Saison nicht aufgestiegen ist. Die 66 Punkte aus dem Vorjahr hat man verfehlt. Die hätten dieses Jahr, wenn man Türk Gücü reinrechnet, auch nur für Platz 4 gereicht.

Alles in allem eine ordentliche Saison, mit Höhen und Tiefen, in der die Mannschaft oft das Niveau nicht erreicht hat, das sie spielen kann.

Das ist wieder ein der für mich so typischen Artikel zur Bewertung der gesamten Saison.
Letztendlich fällt die Bewertung nur deshalb durchwachsen aus, weil die Wunschziel des Autors nicht erfüllt wurde. Wie als wenn an Weihnachten nur ein paar Matchbox-Autos verschenkt werden und nicht die erhoffte Carrera-Rennbahn gibt. Nur ist Fußball eben kein Wünsch-Dir-Was-Spiel und das finale Ergebnis hängt von vielen Faktoren ab, die die Mannschaft und der Trainer nicht beeinflussen können, wie Spielglück, Schiedsrichterentscheidungen, Sperren und Verletzungsausfälle zum Spieltag usw. , und das alles nicht nur bei 1860, sondern auch bei der Konkurrenz.
Am Ende fehlen objektiv betrachtet 3 Punkte – ein Spiel mehr gewinnen als verlieren, egal gegen wen.
Es wäre also egal, ob mehr Spiele gegen die oberen Sieben gewonnen worden wären, die Punkte wären auch gegen Meppen , Wehen oder Duisburg auszeichnende gewesen.
Wiederum objektiv betrachtet war es eine erfolgreiche Saison mit einer sehr guten Weiterentwicklung der Mannschaft, wir hatten seit 2017 nie eine stärkere Mannschaft als jetzt. Auch das Umfeld wird ständig verbessert .Und obwohl viele hier glauben, dass nächste Saison alles reibungslos zum direkten Aufstieg führt, nur weil sich alle das wünschen und der Präsident das ausgesprochen hat, werden wir trotzdem auch das Glück und die eingangs genannten nicht beeinflussbaren Umstände mit glücklichem Ausgang für uns benötigen, um auch wirklich aufzusteigen.
Es sollte jeder gut beraten sein, nicht nur am Tabellenplatz des jeweiligen Spieltags den die Saison zu bewerten, sonst werfen wir nächste Saison 3-4 Mal den Trainer raus.
Schöne Grüße
Altdorfer