Durchaus turbulent ging es phasenweise bei der Presserunde zur Vorstellung des neuen kaufmännischen Geschäftsführers Oliver Mueller im Presseraum an der Grünwalder Straße 114 zu. Der e.V.-Präsident, Robert Reisinger, erteilte den Fragen eines bekannten Bloggers eine deutliche Absage, auch Pressesprecher Rainer Kmeth wies diesen noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass seine Fragen an den Präsidenten nicht beantwortet werden. Einen ruhigen und gelassenen Eindruck hinterließ Mueller bei seinem ersten Auftritt in Giesing. “Ich brenne für die Aufgabe”, erklärte der Badener und ging sehr sachlich auf die Fragen der zahlreich erschienen Pressevertreter ein.

Reisinger: “Wollen frühzeitig die Weichen stellen”

Eingangs der Presserunde erklärte Reisinger die Gründe für die sofortige Bestellung von Mueller zum kaufmännischen Geschäftsführer. “Der Verein hat sich entschlossen, den auslaufenden Vertrag von Marc-Nicolai Pfeifer vorzeitig zu beenden. Ab sofort ist Oliver Mueller durch 50+1 zum Geschäftsführer bestellt, er ist zuständig für Finanzen, Sponsoring und Marketing und bringt vielfältige Erfahrung aus der Sportbranche mit”. Reisinger zeigte sich überzeugt, die richtige Personalie für die Aufgaben gefunden zu haben: “Wir wollen Abläufe optimiert wissen. Geschäftsführer heißt für mich die Geschäfte zu führen und nur bei riskanten Maßnahmen die Zustimmung der Gesellschafter einzuholen”.

Reisinger: 2. Bundesliga ist das Ziel

Die Vereinsseite wünsche sich frühzeitig die Kennzahlen aus dem wirtschaftlichen Bereich zu erhalten. “Wir wünschen uns eine gute Kooperation und Kommunikation”, sagte Reisinger weiter. Es gehe darum, Talente an den Verein zu binden, Sponsoren zu finden und einen geeigneten Spielort sicherzustellen. “Die Rückkehr in die 2. Bundesliga ist unser kurz- bis mittelfristiges Ziel”, erklärte der e.V.-Präsident. Zur HAM-Seite ergänzte Reisinger: “Die Familie Ismaik ist ein großer Teil des Vereins. Wir versuchen ein so gut wie möglich abgestimmtes Handeln. Bis zum letzten Sommer wurden alle personellen Entscheidungen eng miteinander abgestimmt”. Nun habe man 50+1 gezogen und sich von Pfeifer getrennt, “um frühzeitig die Weichen für die kommende Saison zu stellen”.

Mueller: “Habe mich intensiv eingearbeitet”

Die erste Kontaktaufnahme zwischen Mueller, der vorher unter anderem für die Kölner Haie tätig war, und dem e.V. gab es im November letzten Jahres. “Danach haben wir uns ausgetauscht und ich habe mich intensiv eingearbeitet”, berichtete Mueller, der weiter betonte: “Ich stehe für Aufnehmen, Analysieren, Annehmen und Lösen”. Das Ziel seien zum Einen der sportliche und der finanzielle Erfolg, aber auch die Marke 1860 und das Image des Kult-Vereins zu pflegen. “Wirtschaftliche Vernunft”, sei ihm sehr wichtig, erklärte der neue Geschäftsführer. Mueller hat auch bereits den Aufsichtsrat kontaktiert, mit dem Wunsch sich auszutauschen. Aufgrund der Kürze der Zeit sei dies aber bislang noch nicht möglich gewesen. Im Umgang mit Konfliktsituationen sei er erprobt, sagte Mueller über sich selbst.

Mueller hat Affinität zum SC Freiburg

Über seine bisherigen Arbeitsplätze sagte Mueller, es sei sehr wertvoll, die Club-Arbeit aus vielen Perspektiven kennengelernt zu haben. “Ich weiß wie Athleten ticken”, erklärte der neue Geschäftsführer, der wie berichtet seit Freitag im Amt ist. Zudem kenne er das Fußball-Business und die finanzielle Seite. “Ich bin Badener und habe daher eine Affinität zum SC Freiburg. Diesen begleite ich seit der Oberliga, im Schwarzwald gibt es nichts anderes”, sagte Müller auf Nachfrage von sechzger.de, für wen sein Fußballherz vor dem ersten Kontakt zu den Löwen geschlagen habe. “Ich werde keine Spielsysteme für die Mannschaft entwickeln, aber es hilft wenn man Sportler lesen kann. Die Mechanismen und Prozesse sind über die Sportarten hinweg ähnlich”, sagte Mueller weiter.

Geschäftsführer will sich aus Vereinspolitik heraushalten

“Ich tue gut daran, mich aus vereinspolitischen Aktivitäten herauszuhalten. Ich habe eine Gesellschaft zu führen und werden mich aus Gesellschafter-Streitigkeiten raushalten”, sagte Mueller im Hinblick auf die Konflikte zwischen e.V. und HAM Ltd. Zu seinen Aufgaben gehöre es “Sponsoren zuzuhören und Vertrauen zu schaffen”. Mueller war schon mehrmals im Grünwalder Stadion zu Gast, zuletzt beim Heimspiel der Sechzger gegen Sandhausen. Aber auch Jahre zuvor habe er dort schon Spiele verfolgt, erklärte der Finanz-Chef der KGaA. “Ich kennen die Rahmenbedingungen und werde mir erstmal ein Bild machen”, erklärte Müller zur Stadionfrage und zum Thema Fans. Mit den Anhängern wolle er schnell in den Dialog gehen und “mit Anstand diskutieren”.

Klare Absage an den Blogger

Just aus vorgenannten Gründen erteilten, wie bereits vorab berichtet, erst Reisinger und dann Kmeth Rückfragen des Bloggers an den e.V.-Vorsitzenden eine klare Absage und entzogen ihm das Wort. “Wir wollten die KGaA handlungsfähig halten. Wir sprechen Probleme intern an, das ist kein Konfrontationskurs”, erklärte Reisinger im Hinblick auf die HAM Ltd. Man wolle, dass die KGaA bereit sei für die nächste Saison. “Wir wollten eine Basis schaffen für sauberes Arbeiten”, sagte Reisinger weiter.

Reisinger: Wir brauchen neue Impulse

Robert Reisinger erklärte auf Frage von sechzger.de, dass man bereits im November oder Dezember entschieden habe, den Vertrag von Pfeifer nicht über diese Saison hinaus zu verlängern. “Es macht Sinn im Ausblick auf die nächste Saison, gleich einen neuen Geschäftsführer zu installieren. Wir brauchen neue Impulse”, sagte Reisinger. Mueller habe sich beim e.V. vorgestellt, man habe Gespräche geführt und “schnell gemerkt, dass Konsens herrscht” (Reisinger). Im Anschluss wurde durch die Gremien entschieden, Mueller zu verpflichten. Muellers Familie bleibt erst einmal in Bergisch-Gladbach. “Das regelt die Familien-Managerin, also meine Frau. Ich gehe mit meiner ganzen Kraft und meinem ganzen Elan an die Aufgabe heran”, sagte Mueller. “Oliver Mueller gibt es nur mit Vollgas”, so der neue Geschäftsführer.

Drei Gründe für die Unterschrift bei den Löwen

Aus drei Gründen habe er sich für die Löwen entschieden, sagte Mueller: “Ich frage mich immer, was für einen Beitrag kann ich leisten. Ich bin seit 27 Jahren im Sport-Marketing und habe eine gewisse Resilienz geschaffen”, erklärte Mueller. Zum Zweiten wolle er die positive Entwicklung der KGaA beeinflussen, aber “es wird keine One-Man-Show”. Der dritte Punkt sei seine Familie und “Da gab es schnell einen grünen Haken, also packen wir es an!”, zeigte sich Mueller hemdsärmlig. Mit Sportdirektor Dr. Werner sei er vor seinem Engagement in München nicht bekannt gewesen, erklärte der Badener, man werde aber umgehend in intensiven Austausch treten.

“Nicht der erste Präsident der angegriffen wurde”

Abschließend ging es noch einmal um die schwelenden Konflikte zwischen dem Verein und der HAM. “Ich bin nicht der erste Präsident, der von der HAM angegriffen wird. Denken wir an Dieter Schneider oder Gerhard Mayrhofer. Das kommt mir vor wie ein Ritual. Das ist Teil einer bewussten Kampagne. Das Präsidium Schmidt/Sitzberger/Reisinger hat immer gesagt, wir stehen für einen partnerschaftlichen Dialog. Das war in den letzten sechs bis sieben Monaten aber nicht mehr der Fall. Wir haben nur das Wohl der KGaA im Auge”, erklärte der Präsident des TSV München von 1860 abschließend. So endete eine intensive erste Presserunde für Oliver Mueller, der einen abgeklärten, ruhigen und “sym-bad-ischen” ersten Eindruck hinterließ.

 

 

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El_Hefe

Puh, was für eine PK. 60 ist halt in allen Belangen der geilste Club der Welt. Chapeau Reisinger!

Müller hat auf alle Fälle einen stabilen Eindruck gemacht. Ohne zu euphorisch auf mehr Ruhe und Sachlichkeit zu hoffen, kann ich mir vorstellen, dass Müller sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen wird.

_Flin_

Ich finde es wichtig, dass Reisinger persönlich in der Pressekonferenz war. Die Situation klar benannt hat, aber nicht weiter Öl ins Feuer gegossen hat. Betrachtet man die ersten Jahre mit Köllner/Gorenzel, hat da die Zusammenarbeit ja grossteils funktioniert.

Auf den neuen GF darf man gespannt sein. Vorschusslorbeeren gibts erstmal keine. Vor der Bewertung möchte ich erstmal Ergebnisse abwarten. Seine Erfahrung mit Konfliktsituationen wird er brauchen.

Mein Wunsch ist, dass endlich mal das strukturelle Defizit beseitigt wird und die Verschuldungsspirale gestoppt wird. Das hat Pfeifer nicht geleistet. Unabhängig der Lobeshymnen über seine ach so tolle Sponsorenakquise ist beim Sportetat nicht erkennbar mehr angekommen als die Jahre zuvor. Trotz signifikanter Preiserhöhungen für Eintrittskarten, gleichzeitiger Senkung der Spielergehälter und dazu noch den Morgalla Millionen ist der Sportetat mehr oder weniger gleich geblieben. Kann man verstehen, ich tu es nicht.

Last edited 5 Monate zuvor by _Flin_
WilkinsMicawber

Ich muss sagen, mir hat die Pressekonferenz wirklich Mut gemacht.

Zu Reisinger:

Das mit Griss schlägt jetzt natürlich Wellen, aber ich fand seine Eingangsworte wahnsinnig wichtig und habe mich sehr gefreut, diese mal wieder so konkret zu hören: der e.V. ist nicht für den Profifußball zuständig, das ist Aufgabe der KgaA.

Mich nervt diese Dauervermischung der Verantwortlichkeiten und es ist gut, dass das klar gestellt wird. Fernerhin auch das Betonen, dass die Geschäfts geführt werden sollen und nicht alles einen förmlichen Gesellschafterbeschluss benötigt: wiederum absolut richtig.

Interessant fand ich seinen Hinweis, dass die Geschäftsordnung die Details definiert, wann solch einer nötig ist. Weiß da von euch einer mehr?

Seine Ausführungen zum Sportetat, der nicht immer scheibchenweise erhöht werden soll – dass die KgaA als Ausrichter einen zukunftsfähige Stadionlösung präsentieren soll: findet auch meine Zustimmung.

Zu Mueller:

Wir werden noch oft genug Gelegenheit bekommen, seine Arbeit zu bewerten: aber in dieser Konstellation so anzufangen, bereitet mir Hoffnung, dass er wirklich sein Ding durchzieht. HAM wird ihm das Leben schwer machen, aber das wird er auch erwarten. Und sein stets Betonen, dass er sich aus der Vereinspolitik raushalten will und auch nicht als Brückenbauer und Vermittler auftreten will: stark. So definiere ich Geschäftsführung. Möge er die Rolle auch so ausfüllen.

Optimistische Grüße

Wilkins