Pyrotechnik (Pyro) wird in Form von Bengalischen Feuern und Rauchfackeln oder Rauchbomben vor allem von den Ultras gerne als Stilmittel beim Support benützt. Heftige Debatten über die Gefahr, Sicherheit und den Einsatz von legaler Pyrotechnik werden immer wieder geführt. Auch werden die (Geld-)Strafen durch die Verbände für die Vereine, aber auch für den einzelnen Zündler durch Vereine und Behörden immer drakonischer.

In einer Anfrage zweier Abgeordneten  des Bayerischen Landtags (Katharina Schulze und Maximilian Deisenhofer, Die Grünen) an das Bayerische Staatsministerium ging es unter anderem um Einsatzstunden von Polizisten bei Fußballspielen in Bayern. Außerdem um die Anzahl von Fans der Kategorie B und C bei Bayerischen Fußballvereinen und eben auch Pyro beim Fussball. Aber der Reihe nach:

Pyrotechnik beim Fußball in Deutschland

Pyrotechnik beim Fußball schwappte vor allem zum Ende der 80er bzw. Anfang der 90er Jahre von den südländischen Ländern nach Deutschland. Eines der ersten Fußballspiele in Deutschland mit großer Pyroshow welches live im TV kam war im Jahre 1991 das legendäre Rückspiel im Europapokal der Landesmeister 1. FC Kaiserslautern – FC Barcelona auf dem Betzenberg.

In einem deutschen Fußballstadion hatte so etwas zuvor noch niemand gesehen.

Die Pyro-Welle erreicht deutsche Fußballstadien

Die ersten Pyromanen in deutschen Fußballstadien hatten ein Problem: Woher diese Sachen bekommen? Das Internet gab es noch nicht, nur über diverse Waffen- und Schifffahrtsgeschäfte konnte man Seenotsignale bestellen oder kaufen.  Dann kamen die ersten Kataloge aus Italien nach Deutschland, dort konnte man farbenfrohe Rauchbomben bestellen. Die ersten Ultra-Vorläufer beim TSV 1860 fuhren einst zu T.I.F.O. nach Turin um sich mit entsprechenden Materialien einzudecken.

Wer zündete damals Pyro?

Das neue Phänomen Pyro war am Anfang keine Sache der Ultras – die gab es nämlich in Deutschland zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. Es waren normale Fans, Kuttenträger oder Hooligans die mit dem Feuerwerk ihrer Begeisterung Ausdruck verleihen wollten.

Die Reaktionen der Vereine

Bei vielen Vereinen wurde Pyro geduldet. Die Kickers aus Offenbach druckten beispielsweise ein Foto vom ben­ga­li­schen Lich­ter­meer auf ihre Ein­tritts­karten und warben mit dem Slogan ​Der Berg brennt“.

Beim 1. FC Nürnberg durften die Fans nach Absprache mit dem Verein wäh­rend der gesamten Rück­runde 1991/92 auf der Aschen­bahn vor der Nord­kurve zün­deln. Dort standen etwa zwanzig Leute und hielten Hand­fa­ckeln hoch. ​Die See­not­lichter der Firma Comet waren Gefah­ren­klasse 2 und somit ganz­jährig frei erhält­lich“, erin­nert sich Heino Hassler, der bei diesem kon­trol­lierten Abbrennen dabei war und später Fan­be­auf­tragter beim Club wurde (aus “11Freunde“).

In anderen Städten sah das freilich anders aus. In München beispielsweise wurden Zündler schon frühzeitig aus den Kurven geholt und sanktioniert.

Gab es zu Beginn noch vergleichsweise milde Strafen für Pyro wegen einer Ordnungswidrigkeit, so wurden die Strafen mit zunehmender Zeit immer härter. Stadionverbot, Geldstrafen, Anzeigen wegen Straftaten.

Geldstrafen durch den DFB

Der DFB untersagte in seiner Musterstadionordnung erst nach der Jahrtausendwende den Einsatz von Pyrotechnik. Inzwischen werden durch den DFB Geldstrafen an die Vereine verhängt. Das hat dazu geführt, dass inzwischen viele Fans Pyrotechnik ablehnen, weil diese durch die Kosten dem Verein schaden. Auch für die Zündler hat es das Risiko noch einmal deutlich verschärft. Entsprechende Strafen können auf ertappte Pyromanen umgelegt bzw. an diese weitergeleitet werden.

Verletzte in Fußballstadien durch Pyrotechnik

All diese Sanktionen und Strafen haben letztlich ein Ziel. Pyro in Fußballstadien zu unterbinden um die Verletzung von Personen zu verhindern. Die Antwort des Bayerischen Staatsministeriums vom 29.12.2020 wirft diesbezüglich zumindest Fragen auf.

In bayerischen Fußballstadien gab es seit dem Jahr 2015 zwei verletzte Ordner durch Pyrotechnik und 10 verletzte Unbeteiligte. Zwei Pyromanen haben sich dazu wohl selber verletzt.

Sicherlich, 14 verletzte Personen sind 14 verletzte Personen zuviel. Klammert man die diesjährige Corona-Saison aus, verteilen diese sich aber immer noch auf fünf Spielzeiten mit über 2000 polizeilich betreuten Fußballspielen in Bayern. Die Polizisten verwendeten hierfür über eine Million Einsatzstunden. Zum Vergleich: Durch den Einsatz von Reizgas und Pfefferspray wurden in diesem Zeitraum über 30 Personen verletzt. Darunter neun Polizisten.

Fraglich ist, ob bei einem legalen Einsatz von Pyrotechnik es überhaupt noch Verletzte geben würde. Aufwand, Verfolgungsdruck und Strafen scheinen im Vergleich zu Wirkung und Gefahren ohnehin in keinem gesunden Verhältnis zu stehen.

Legale Pyro in Deutschen Fußballstadien

Ein entsprechendes Experiment gab es im vergangenen Jahr beim Hamburger SV. Der HSV setzte als erster Verein in Deutschland legale Pyro ein. Sechzger.de berichtete. Allerdings dominierte Corona kurz darauf das Geschehen in Deutschland – die Aktion geriet (vorerst) in Vergessenheit.

Geschichte und Besonderheiten von Pyrotechnik beim TSV 1860

Folgen in einem gesonderten Artikel

2 KOMMENTARE

  1. Interessanter Beitrag. Kurz: Es ist mehr als doppelt so wahrscheinlich, durch eine polizeiliche Reizgasattacke verletzt zu werden, als durch Pyro. Fazit: Polizei verbieten 😉

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here