Herzlich willkommen zur durchaus frustrierenden TAKTIKTAFEL-Analyse des Spiels TSV 1860 München gegen den FSV Zwickau.

Was war das für eine Partie. Zwickau war im Prinzip chancenlos und ging dennoch als Sieger vom Platz. An so eine bittere Niederlage kann ich mich in den mittlerweile fast 32 Jahren als regelmäßiger Stadionbesucher des TSV 1860 nicht erinnern. Wir haben schon blöde Spiele verloren, wir haben auch schon dumme Punkte daheim verschenkt in dieser ja durchaus langen Zeit. Aber an so etwas wie am Sonntag kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Das Spiel gegen Duisburg in der Hinrunde war ähnlich, wenn man Dominanz und Punktausbeute als Gradmesser nimmt. Da hatte der MSV aber im Vergleich deutlich mehr Spielanteile. Im Spiel am Sonntag hatte der TSV 1860 München Ballbesitzanteile von 87% im Maximum und 57% im Minimum im Vergleich zum FSV Zwickau. Gegen Duisburg lag das Maximum 22% niedriger.

Die statistischen Zahlen

  • Ballbesitz: 69% : 31% (zugunsten des TSV 1860)
  • Schüsse: 18:4 (davon aufs Tor 6:3)
  • Passgenauigkeit: TSV 1860 82%, FSV Zwickau 69%
  • Gewonnene Defensivduelle: TSV 1860 70%, FSV Zwickau 65%
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) TSV 1860 6,76; FSV Zwickau 16,6

Wie spielten die beiden Teams aus taktischer Sicht?

Ein Blick auf die Löwen

Der TSV 1860 München spielte gegen Zwickau wie immer aus einem 4-1-4-1 heraus. Bei eigenem Ballbesitz verschob sich das 4-1-4-1 zu einem 3-4-3, bei dem Biankadi und Lex dann mit in den Sturm aufrückten. Der Außenstürmer auf der schwachen (ballfernen) Seite schob dabei nach innen auf die Halbposition ins Zentrum zu Zielspieler Mölders.

Gegen den Ball (was selten vorkam) verschob sich das 4-1-4-1 zum 4-2-3-1. Box-to-Box Spieler Dennis Dressel ließ sich dabei ins defensive Mittelfeld fallen, um neben Daniel Wein den Druck von der Viererkette zu nehmen.

Da die Löwen im Ballbesitz dominierend waren und 65% aller eigenen Angriffe ins letzte Drittel des Gegners brachten, sahen wir die Löwen hauptsächlich in einem 3-4-3 agieren.

Wider Erwarten kamen die Spieler des TSV vor allem in der in der ersten Halbzeit wie ein Lötkolben durch Butter durch die beiden Ketten. Unter anderem weil der schnelle Stefan Lex immer wieder gut in der Schnittstelle der letzten Kette angespielt wurde und sich so lösen konnte, dass die Abseitssituationen (drei im ganzen Spiel) nicht (wie sonst oft in diesen Fällen) ein Problem wurden.

Und der Gast?

TSV 1860 Zwickau
Trainer Joe Enochs vom FSV Zwickau

Dem stellte Joe Enochs wie erwartet ein 4-4-2 entgegen. Dabei standen die beiden Viererketten gegen den Ball in der ersten Halbzeit tief vor dem eigenen Sechzehner und machten die Räume in der eigenen Spielfeldhälfte, speziell im letzten Drittel, für den TSV 1860 sehr eng.

In Halbzeit Nummer zwei ließ Enochs seine Elf höher und aggressiver pressen, um das Aufbauspiel der Löwen früh zu stören. Damit kam der TSV 1860 etwas schlechter zurecht als mit den tiefstehenden Viererketten von Zwickau. Trotzdem schafften es 62% der Angriffe der Sechzger bis ins Verteidigungsdrittel der Gäste.

Bei eigenem Ballbesitz setzten die Schwäne auf Konter oder lange Bälle. Die schnellen Außenspieler Coskun und Schröter sind für diese Art Angriffe natürlich prädestiniert. Dennoch kam der FSV in der ersten Halbzeit erst in der 43. Minute zum ersten Mal vor dem Tor der Löwen zum Schuss. Schröters Versuch aus siebzehn Metern konnte Hiller jedoch ohne Mühe entschärfen.

Fast alles richtig gemacht und doch kein Tor

Es gab am Spiel der Sechzger in der ersten Halbzeit bis auf eine äußerst wichtige Kleinigkeit fast nichts auszusetzen. Die Spieler brachten den Ball nicht ins Tor. 35 Mal tauchten die Löwen im letzten Drittel des FSV Zwickau auf. 22 Mal brachte der TSV 1860 das Spielgerät in den Strafraum. Das führte zu fünfzehn Ballkontakten und sechs Schüssen innerhalb des Sechzehners während der ersten 45 Minuten. Dazu kommen 6 weitere Schüsse aus der zweiten Reihe. Vier dieser Schüsse gingen aufs Tor. Alle konnte Brinkies mehr oder weniger gut, aber immer erfolgreich parieren. Fünf Ecken und vier Freistöße in Strafraumnähe führten leider nur zu einem einzigen Schuss. Der FSV Zwickau hatte an diesem Tag das Glück gepachtet oder der TSV, 1860, das muss man hier so deutlich sagen, Scheiße am Schuh.

Der FSV Zwickau gewann außer einem einzigen Kopfballduell keinen Zweikampf im eigenen Sechzehner. Der Gast konnte aber durch enge Staffelung in und vor der Box drei der zwölf Schüsse blocken. Vier wurden vom Torwart gehalten. Die restlichen fünf Abschlussversuche gingen daneben, drüber oder an die Latte (statistisch bedeutet das auch drüber). Es war zum Mäusemelken. Der Kasten war wie zugenagelt.

Auch das Verteidigen der Flanken gelang dem FSV sehr gut. Nur vier von elf Flankenversuchen in die Box fanden auch ihr Ziel. Vor allem die Flanken, die es gar nicht bis zur Strafraumgrenze geschweige denn in die Box hinein schafften, sind mir nachhaltig als etwas problematisch im Gedächtnis geblieben.

Die Umstellung zur 2.Halbzeit

Nach dem Pausentee brachte Enochs Starke für Willms als hängende Spitze. Der robustere Starke war für das, nun aggressivere, Pressing der Westsachsen eine weise Wahl. Infolgedessen kam der FSV Zwickau öfter als im ersten Durchgang in der Spielfeldhälfte des TSV 1860 in Ballbesitz. Die Westsachsen ließen mit dieser Spielweise außerdem zunächst keine gefährlichen Angriffe der Löwen zu, strahlten aber auch in den ersten neunzehn Minuten nach der Halbzeitpause keinerlei Gefahr aus. Abgeklärt fingen die Löwen alle Angriffe der Zwickauer ab.

Das Gegentor

Dann war sie da, die eine gefährliche Aktion der Gäste. Ein Angriff in der 65. Minute, bei dem die Giesinger nicht entscheidend den Zugriff bekamen, führte zum Treffer für die Gäste aus Zwickau.

TSV 1860 Zwickau
Schmerzhaft:: Zwickau bejubelt das 0:1

Ausgangspunkt dieser Situation war ein von Sechzig halbherzig gepresster Angriffsversuch der Zwickauer nach einem Fehlpass der Löwen. Steinhart konnte einen langen Ball in die Spitze auf Lex nicht an den Mann bringen. Der Zwickauer Innenverteidiger Frick kam somit an der eigenen Strafraumgrenze in Ballbesitz. Dann ging das Leder über die Stationen Stanic, Könneke und Schikora ohne nennenswerte Gegenwehr der Löwen quer ohne Raumgewinn über den Platz auf die linke Angriffsseite der Schwäne, wo Möker nach einem Steilpass von Schikora das Spiel plötzlich schnell machte. Er zieht nach einigen Metern, die er mit Ball an der Seitenlinie trabt, diagonal nach innen. Wenige Schritte später legte er auf den zentral an der Strafraumgrenze wartenden König ab. König bediente den einlaufenden Flügelflitzer Coskun. Der zog vom linken Fünfereck ab. Hiller hielt bravourös, konnte den Ball aber nur ins Strafraumzentrum abwehren. Dort wartete mutterseelenallein Schröter und versenkte die Kugel im Tor der Löwen.

Schröter hier so alleine zu lassen war der erste teure Fehler von Steinhart in dieser Saison. Tatsächlich muss man aber hier sagen, dass der komplette Angriff sehr nonchalant verteidigt wurde. Biankadi, Dressel, Wein, Willsch, Salger und Erdmann waren alle entweder viel zu passiv in ihrem Abwehrverhalten oder so aus der eigentlichen Position gerückt, dass ein Eingreifen zwischen dem abgefangenen langen Ball und dem Schuss von Coskun nicht stattfand bzw. nicht stattfinden konnte. Der Stellungsfehler von Steinhart ermöglichte als letzte Konsequenz den Schuss von Schröter.

Wieder Druck auf den Strafraum der Gäste

In den 25 Minuten plus Nachspielzeit, die den Löwen noch blieben, taten diese ihr Möglichstes, um wenigstens einen Punkt zu retten. 25 Mal brachten die Löwen das Leder noch bis ins letzte Drittel. Wein hatte zweimal den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte jedoch an Brinkies (67. und 70.). Biankadis (67.) und Mölders Schuss in der 68. Minute wurden geblockt. Auch Dressel (79.) und ein weiteres Mal Mölders (90.+2) versuchten ihr Bestes, um die Niederlage zu vermeiden. Sie schossen das Leder aber neben oder über den Kasten.

Fazit

Ich bin tatsächlich immer noch ziemlich geschockt. Wieder einmal hat uns ein tiefstehender Kontrahent die Grenzen aufgezeigt. Vor dem Spiel habe ich in der TAKTIKTAFEL einen Verlauf wie bei den Spielen gegen Duisburg, Uerdingen oder Meppen als möglich skizziert. Dass es noch bitterer werden sollte, konnte keiner ahnen.

Ich habe kein Problem mit Niederlagen. Hatte ich noch nie, sonst wäre ich vermutlich auch kein Fan vom TSV 1860 München. Ich habe auch kein Problem damit, dass wir dieses Spiel verloren haben. Das ist nun mal so. Ich bin einfach zutiefst enttäuscht, dass so saudumm verloren wurde. Bei so einer blöden, unnötigen und unverdienten Niederlage ist sogar der Folgetag einfach im Eimer.

Leider musste ich gestern wieder von diversen Kommentatoren in Foren und sozialen Netzwerken die “Verschwörungstheorie” vom Aufstiegsverbot lesen. Menschen die das wirklich glauben, sollten sich schnellstmöglich in Behandlung begeben. Man hat der Mannschaft und allen anderen Beteiligten die Enttäuschung deutlich angesehen.

Speziell bei Betrachtung der vom gegnerischen Torwart gehaltenen Bälle, bei denen es unwahrscheinlicher war, nicht zu treffen als das Tor zu machen, frage ich mich: Woher kommt diese fixe Idee, die ich immer mal wieder nach Spielen, die nicht gewonnen wurden, lesen musste? Wer ist die Quelle dieser Hirngespinste? Auf so etwas kommt ein Fan doch nicht ohne geistige Brandstiftung von irgendeiner Seite.

Datenquelle: http://www.wyscout.com/

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