Ein herzliches Grüß Gott zur TAKTIKTAFEL vor dem Spiel Hallescher FC gegen den TSV 1860 München.
Eine ausgeglichenere Bilanz als der Hallesche FC kann man nach 26 Spielen kaum haben. Neun Siege, neun Niederlagen und acht Unentschieden konnten die Saalestädter bisher einfahren.
Das von Florian Schnorrenberg trainierte Team setzt entweder auf ein klassisches 4-4-2 System, das man in der Grundformation als flache Vier bezeichnet, oder auf ein 4-2-3-1 wie die meisten Teams in Liga 3 es spielen. Trainer Schnorrenberg lässt seine Mannschaft beide Systeme sehr flexibel interpretieren.
Die wichtigsten statistischen Werte des HFC
- Ballbesitz 46%
- Passgenauigkeit 78% (drittschlechtester Wert der Liga)
- Defensive Zweikampfquote 59% (drittschlechtester Wert der Liga)
- Flankengenauigkeit 34%
- PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) 11,13
Die Formationen mit und ohne Ballbesitz
In Ballbesitz verschiebt sich die flache Vier zum 4-1-3-2 oder zu 4-4-2 Raute. Gegen den Ball lässt sich der zweite Stürmer, der als hängende Spitze agiert, ins Mittelfeld fallen und die zentralen Mittelfeldspieler kippen beide auf die Sechserposition ab. So entsteht gegen den Ball ein kompaktes 4-2-3-1.
Einer der beiden Außenverteidiger rückt bei eigenem Ballbesitz in beiden Fällen oft mit ins defensive Mittelfeld auf, um in Pressingsituationen mehr Anspielstationen zu haben. Die Viererabwehrkette wird dann zu einer asymmetrischen Kette.
Das 4-2-3-1 verschiebt sich bei Ballbesitz mithilfe eines asymmetrischen Außenverteidigers zum 3-4-1-2.
Der HFC bevorzugt klar das Flügelspiel gegenüber Angriffen über das Zentrum. Die Angriffsverteilung im Positionsspiel zeigt, dass 34,5% der Angriffe über die linke Seite, 24,5% durchs Zentrum und 41% über die rechte Seite aufgebaut werden.
Defensive Ausrichtung
Hat der Gegner den Ball, versuchen die Hallenser die gegnerischen Angriffe möglichst auf die Flügel zu steuern. Dies geschieht je nach Ausrichtung der eigenen Defensivtaktik über Angriffs- oder Mittelfeldpressing mit guter Raumaufteilung im Stellungsspiel. Sobald der gegnerische Angriff auf einen Flügel gezwungen wurde, versucht der Hallesche FC durch Verdichtung auf dieser Seite und aggressives Anlaufen des ballführenden Spielers den Ball zurückzuerobern.
Das 4-4-2 im Fokus
Der TSV 1860 München hat bisher oft genug gegen Mannschaften im 4-3-2-1 gespielt. Daher beleuchte ich heute die Stärken und Schwächen des 4-4-2, das bisher in nur einer Partie vom Gegner gespielt wurde.
Die Stärken und Schwächen des 4-4-2
Die Stärken
Mit den doppelt besetzten Flügeln kann man großen Druck über die Außenpositionen erzeugen. Kurze Laufwege im Umschaltspiel helfen der Mannschaft im 4-4-2 kraftsparend zu spielen. Das kann am Ende einer Partie der entscheidende Faktor für Sieg oder Niederlage sein. Die kompakte Formation gegen den Ball kann Mannschaften, die kreativ limitiert sind, vor Probleme beim Eindringen in die Box stellen. Durch die Ausgewogenheit in allen Mannschaftsteilen kann man gegen manche andere Systeme mit geringen Verschiebungen für Überzahl sorgen. Mittelfeldpressing wird stark begünstigt.
Die Schwächen
Wenn die Stürmer vom Gegner gut isoliert werden, ist es für die Offensive schwer eine Bindung zwischen Mittelfeldzentrum und Stürmern herzustellen. Daher geschieht der Aufbau häufig über die Außenpositionen. Im Spiel gegen Mannschaften, die ein System mit nur einer Sturmspitze spielen, kann die Ausgewogenheit in beide Richtungen auch eine Schwäche darstellen. Nämlich dann, wenn die Stürmer gegen den Ball nicht mit nach hinten arbeiten und bei Ballbesitz beide Stürmer gleich in vorderster Front anzutreffen sind.
Wo muss der TSV 1860 München im Spiel gegen den Hallescher FC die Hebel ansetzen?
Wie die von mir beobachteten Spiele zeigen, kann man Halle auf zwei Arten aus dem Defensivkonzept bringen.
Mit Seitenwechseln und langem diagonalen Spiel auf die schwache Seite zu agieren wäre ein Ansatz. Wenn das im richtigen Moment gemacht wird, werden viele Spieler des HFC bei ihren defensiven Verschiebungen auf dem falschen Fuß erwischt.
Die zweite Möglichkeit, die erfolgsversprechend sein könnte, ist das genaue Gegenteil der Ersten. Über schnelles, präzises, lauffreudiges und kurzes Spiel auf engem Raum könnte man die durch Verdichtung von Halle geschaffene defensive Überzahl überspielen.
Auch eine dritte Variante wäre denkbar. Sie ist aber in der Ausführung riskant. Im Aufbau müsste sich ein technisch starker Spieler aus dem offensiven ins defensive Mittelfeld fallen lassen. Dann wird versucht über ein asymmetrisch verschobenes 4-3-2-1 im Zentrum die Angriffssteuerung im Pressing so auszuschalten, dass man sich nicht auf die Flügel treiben lässt. Der TSV 1860 München würde damit quasi schon beim Überspielen der Pressinglinie des Halleschen FC Überzahl nach vorne generieren. Das wäre allerdings für die Spieler in der Mittelfeldzentrale eine äußerst laufintensive Variante, die bei frühem Ballverlust zu bösen Kontern für Halle führen kann. Die leichte Schwäche in den Zweikämpfen Mann gegen Mann, die Halle in allen Mannschaftsteilen aufzeigt, könnte man so unter Umständen ausnutzen.
Falls man es schafft so hinter die Pressinglinie zu kommen, würden sich dann im Spielfeldzentrum für die passsicheren zentralen/offensiven Mittelfeldspieler der Löwen viele Varianten ergeben, den Hallensern das eigene Spiel aufzuzwingen.
Die Schlüsselspieler des HFC
Der nach einem Muskelbündelriss vor kurzem wiedergenesene Sven Müller (#30) im Tor hat diese Saison noch keinen Lufzweikampf im Strafraum verloren. Er hat außerdem gute Reflexe und weiß auch im eins gegen eins seinen Mann zu stehen. Schwächen zeigt er bei Schüssen aus der zweiten Reihe.
Stipe Vucur (#23) kehrt nach einer Gelbsperre wieder in die Mannschaft zurück. Im Gegensatz zum Spiel gegen die Vorstädter aus Unterhaching kann Halle also wieder auf ihn zählen. Er ist nicht der Schnellste, hat aber sonst keine nennenswerten Schwächen.
Mannschaftskapitän Jonas Nietfeld (#33), der den offensiveren Part auf der Doppelsechs der Hallenser einnimmt, ist der Ballverteiler in der Zentrale. Er ist somit einerseits Ausgangspunkt, aber oft auch eine Zwischenstation, wenn der Ball kurz vor oder im letzten Drittel von den Flügeln wieder ins Zentrum kommt.
Der schnelle Braydon Manu (#28) kam im Winter als Leihgabe aus Darmstadt nach Halle. Er ist ein nicht zu unterschätzender Dauerläufer auf dem rechten Flügel. Technisch gut, schnell und offensiv sehr zweikampfstark kann er mit Flankenläufen seine Gegenspieler ins Schwimmen bringen.
Mit dreizehn Toren und zwei Vorlagen ist Terrence Boyd (#13) der Spieler, der beim Halleschen FC den großen Unterschied macht. Fast an der Hälfte aller Tore der Saalestädter (32) ist der Stürmer beteiligt. Nachdem er vergangene Woche nicht treffen konnte, wäre er am Samstag dem Gesetz der Serie nach wieder fällig für einen Treffer.
Hallescher FC – das Fazit
Man darf sich auf gar keinen Fall vom 6:1-Hinspielergebnis oder dem 0:3 der Hallenser vergangenes Wochenende gegen die SpVgg Unterhaching blenden lassen. Der Hallesche FC ist wie alle Mannschaften in dieser Liga kein Fallobst. Schon in der Analyse zum Duisburg-Spiel habe ich geschrieben, dass es Gegner dieser Kategorie in dieser Liga nicht gibt.
Halle muss im Gegensatz zum Hinspiel, als sieben Spieler nicht einsatzfähig waren, dieses Mal bezogen auf die Stammspieler nur auf Guttau und Lindenhahn verzichten. Wir werden ein anderes Team des Gegners sehen als noch beim Gastspiel des HFC im Grünwalder Stadion.
Ein klarer Plan und eine gute Tagesform werden die Schlüssel für die Mannschaft von Löwendompteur Michael Köllner sein, um in Halle erfolgreich zu agieren. Ich sage nicht, dass ein Sieg Utopie ist. Dennoch wäre ich im Vorfeld mit jedem Ergebnis (außer einer Niederlage natürlich) sehr zufrieden. Es kommt ein starker Gegner auf die Löwen zu. Mit Derstroff, Manu, Eberwein und Boyd hat man vier exzellente Offensivspieler auf dem Platz. Deshalb sollten die Löwen den Halleschen FC nicht unterschätzen. Die alte Fußballphrase “über den Kampf ins Spiel zu finden” wird am Samstag die Maxime sein müssen, um das Spiel erfolgreich zu gestalten.
Sicher ist, die Mannschaft wird alles geben. Hoffen wir auf ein wenig Spielglück und gutes Zielwasser in der Offensive.
Diese Aufstellung sind denkbar


Datenquelle: wyscout








Danke für die sehr genaue und gute Analyse.
Für die Köllner-Jungs kann das eine ganz unangenehme Aufgabe werden. Wie auch Frau Dietl hier ja schon anklingen lässt, erwartet jetzt jeder ein ähnliches Feuerwert wie im Hinspiel. Man muss kein Prophet sein um vorauszusehen, dass es dazu nicht kommen wird. Und wehe dem, man kommt mit einem Unentschieden (womit ich persönlich jetzt gar nicht mal so unzufrieden wäre) oder noch schlechter nach Hause: da haben dann wieder alle diejenigen Oberwasser, die angeblich schon immer gesagt und gewusst haben, die dieser oder jener nichts tauge, das Präsidium sowieso schuld sei, man noch ein paar Milliönchen Schulden zu machen habe etc. pp.
Hoffen wie mal, dass die Jungs in dieser Situation cool bleiben und vielleicht auch wieder etwas mehr Glück im Abschluss haben.