Ein herzliches Grüß Gott zur TAKTIKTAFEL vor dem Spiel unseres TSV 1860 München beim MSV Duisburg.

Die seit dem Trainerwechsel von Gino Lettieri auf Pavel Dotchev, den wir zu seiner Zeit bei Viktoria Köln interviewen durften, recht ordentlich aufspielenden Duisburger mussten unter der Woche gegen den 1.FC Saarbrücken einen herben Dämpfer in Form einer 1:4 Niederlage hinnehmen. Aber auch in diesem Spiel, das Saarbrücken mehr aufgrund seiner Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor als durch tatsächliche Überlegenheit gewinnen konnte, war eines ganz klar zu erkennen. Duisburg ist vor allem im Spiel nach vorne ein nicht zu unterschätzender Gegner, den der TSV 1860 München nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte.

Statistische Werte des MSV Duisburg

  • Ballbesitz 47%
  • Passgenauigkeit 79%
  • Defensive Zweikampfquote 59%
  • Flankengenauigkeit 25%
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) 12,2

Wie spielt der MSV?

Vom anfangs der laufenden Saison noch hauptsächlich gespielten 4-1-4-1 System hat man schon vor dem Trainerwechsel zum defensiv kompakteren 4-2-3-1 ungeschwenkt. Seither steht die Defensive der Zebras viel sicherer auf dem Feld. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass der Ballbesitz nun öfter im Mittelfeld zugunsten der Zebras wechselt und die Meidericher mehr als zuvor Spielanteile in der gegnerischen Spielfeldhälfte bekommen.

Eine bevorzugte Angriffsseite kann man bei dem Team aus Duisburg nicht feststellen. Mit 33% über links, 32% durchs Zentrum und 35% über rechts ist die Angriffsverteilung bei den ausgespielten Positionsangriffen in etwa gleich. Im Angriff spielen die Zebras also äußerst variabel.
Auch hat der MSV dazu definitiv die richtigen Spieler. Auf diese Schlüsselspieler gehe ich wie üblich weiter unten genauer ein.

Was bedeutet variabel in der Offensive im Falle des MSV Duisburg genau?

Nun, die Offensivspieler der Zebras bringen, je nachdem wo der Gegner in der Defensive Lücken lässt, die Bälle mit allen möglichen Mitteln in die Box des Gegners. Hohe Flanken, flache Flanken, Dribblings von beiden Seiten über die Halbpositionen, Steilpässe im Zentrum. Alles was das “Playbook” hergibt, wird von den Zebras situationsabhängig genutzt. Abgesehen von der vernichtenden kurzen Phase in dem Spiel unter der Woche gegen Saarbrücken, als Duisburg das Spiel quasi herschenkte, waren die Duisburger über mindestens zwei Drittel der Spielzeit ein für Saarbrücken mindestens ebenbürtiger, wenn nicht sogar streckenweise überlegener Gegner. Es zeigen auch die letzten drei Spiele davor, die der MSV alle gewinnen konnte, dass man mit den Meiderichern in der jetzt langsam beginnenden Schlussphase der Saison durchaus rechnen muss.

Wenn die Sechzger defensiv nicht höchst wachsam bleiben, kann es diesmal gegen Duisburg ein noch schlimmeres Ende nehmen als im Hinspiel. Der im Aufwind befindliche MSV wird am Samstag, nach dem durchaus guten Spiel am Mittwoch, das gegen Saarbrücken mit 4:1 erstens zu hoch und zweitens auch ein wenig unglücklich verloren wurde, sicherlich mit Schaum vorm Mund in der heimischen MSV Arena auflaufen und den Löwen alles Abverlangen.

Stärken und Schwächen des Systems 4-2-3-1

Letzte Woche habe ich diese Stärken und Schwächen ausführlich behandelt. Heute gibt es deshalb wieder nur Stichpunkte.

Stärken

– kompakt im Zentrum und vor der Box gegen den Ball
– auch gegen Systeme mit mehr als einem Stürmer sicher
– variabel beim Spielaufbau
– offensiv schwer ausrechenbar

Schwächen

– Anfällig und laufintensiv gegen variables Flügelspiel mit Seitenwechsel
– in der Offensive ist viel Mittelfeldunterstützung für den Stürmer nötig um Gefahr zu kreieren

Schlüsselspieler

Torwart Leo Weinkauf (#1) ist einer der drei besten Torhüter der Liga. Seine Reaktionsschnelligkeit haben wir aus dem Hinspiel noch in schmerzlicher Erinnerung. Der 1,98 m große Keeper der Zebras ist in allen wichtigen Kategorien seiner Zunft als mindestens gut zu bewerten.

Innenverteidiger Vincent Gembalis (#26) ist mit einer defensiven Zweikampfquote von über 75% einer der herausragenden Innenverteidiger der 3. Liga.

Connor Krempicki (#6), eigentlich im offensiven Mittelfeld zuhause, ist für den verletzten Wilson Kamavuaka in die Schaltzentrale der Doppelsechs gerückt. Kamavuaka plagen Rückenprobleme. Ob er am Samstag einsatzfähig ist oder nicht, entzieht sich meiner Kenntnis. Krempicki bringt mit seinem Offensivdrang als sogenannter “Regista” spielend viel Kreativität aus der Tiefe mit ins Spiel der Duisburger. Fuchs sichert bei seinen Ausflügen nach vorne gut für ihn ab.

Moritz Stoppelkamp (#10) sollte allen Lesern aus seiner Zeit beim TSV 1860 München noch gut im Gedächtnis sein. Seine Qualitäten im Offensivspiel sind unbestritten. Ihn unter Kontrolle zu bringen ist eine der wichtigsten Aufgaben für die Löwendefensive.

Der Neuzugang aus Sandhausen Aziz Bouhaddouz (#39) im Sturm ist ein mit allen Wassern gewaschener, routinierter und technisch sehr guter Mittelstürmer. Der 33-Jährige weicht dann und wann gern auf den Flügel aus und rotiert im Spiel mit seinen Offensivkollegen. Sowohl im Abschluss als auch als Vorlagengeber ist er eine “tödliche” Waffe.

Fazit: Kann 1860 gegen den MSV Duisburg drei Punkte einfahren?

Es wird ein heißer Tanz in der Wedau. Duisburg strebt von den Abstiegsplätzen dem Mittelfeld entgegen, der TSV 1860 hingegen will den Anschluss zur Spitze nicht verlieren.

Höchste Konzentration in der Arbeit gegen den Ball sehe ich als wichtigstes Rezept dafür an. In erster Linie geht es darum, auswärts keine Niederlage einzufahren. Ob es ein Sieg werden kann, hängt wie immer von der Verwertung der sich bietenden Chancen ab. Wenn der TSV 1860 München es schafft vor dem Tor von Duisburg ähnlich kaltschnäuzig wie gegen Haching zu agieren, sind auch drei Punkte drin.

Es muss jedoch jedem klar sein, dass vor allem für den MSV Duisburg mit der Ankunft von Trainer Pavel Dotchev die Karten neu gemischt wurden. Der Coach kitzelt zuvor ungesehene offensive Kreativität aus dieser Mannschaft heraus. Das Duisburg 2021 unter Pavel Dotchev ist nicht mit dem Duisburg 2020 unter Torsten Lieberknecht zu vergleichen.

Hoffen wir auf ein gutes Spiel unserer Löwen, die wie immer top vorbereitet und auch ein wenig frischer als der Gegner ins Match gehen werden. Coach Michael Köllner wird der Mannschaft das richtige taktische Rezept mit an die Hand geben. Drei Punkte sind möglich, aber sicherlich keine Plichtaufgabe. Es wird ein sehr hartes Stück Arbeit.

So könnte der MSV Duisburg am Samstag gegen den TSV 1860 beginnen

Duisburg TSV 1860
Duisburg im beschriebenen 4-2-3-1

 

Unsere Datenquelle: wyscout

0 0 votes
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments