Ein herzliches Grüß Gott zur TAKTIKTAFEL vor dem Ligaspiel unseres TSV 1860 München gegen den SV Türkgücü München.

Zum bereits dritten Mal kreuzen der Giesinger Traditionsverein und das Investorenkonstrukt in dieser Saison die Klingen. Nach einem Unentschieden, dass die Perlacher in der Hinrunde nur unter der Mithilfe des Schiedsrichters erlangen konnten, und einer ähnlich gearteten Niederlage im Toto-Pokal mit dem selben Referee, der den Sechzgern abermals einen klaren Elfmeter verwehrte, kommt es also am Samstag in der Betonschüssel auf dem Oberwiesenfeld zum letzten Duell zwischen Türkgücü und dem TSV 1860 in dieser Spielzeit. Und es stellt sich für alle die Frage: “Können die Löwen die Bilanz ausgleichen?”

Türkgücü spielte im Totopokal vor drei Wochen das beliebte 4-2-3-1 System und auch dieses Mal erwarte ich genau das vom Team aus der Heinrich-Wieland-Straße.

Die Statistischen Werte von Türkgücü München

  • Ballbesitz 47%
  • Passgenauigkeit 80%
  • Defensive Zweikampfquote 61%
  • Flankengenauigkeit 31,8%
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) 13,61

Wie wird Türkgücü dieses Mal gegen den TSV 1860 spielen?

Spielmacher Sararer wurde gegen Saarbrücken nicht eingesetzt, um ihn für das Spiel am Samstag “aufzuheben”, wie der sportlich Verantwortliche der Gastgeber es formulierte. Daher darf man mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Sararer spielen wird. Nicht so klar ist das hingegen bei Tormaschine Sliskovic. Er leidet unter einer Fußsohlenentzündung.

Wie das Trainerduo Dayat / Pummer die Mannschaft taktisch einstellen wird, ist allerdings die viel drängendere Frage als die Frage danach, wer spielt. Beim Unentschieden in der Hinrunde trafen die Löwen auf eine offensiv ausgerichtete Mannschaft, die starken Drang nach vorn gezeigt hat. Im Toto-Pokal zeichnete sich das Team des Aufsteigers aus der Regionalliga Bayern durch eine stabile Defensive aus, die nach vorne das schnelle vertikale Spiel suchte. Traut sich der SV Türkgücü im ersten Heimspiel gegen den TSV 1860 zu, offensiv nach vorne zu spielen? Oder wird man eher auf Sicherheit bedacht versuchen das Spiel in der eigenen Spielfeldhälfte für den Gegner wieder eng zu machen, um dann die im Umschaltspiel entstehenden Räume zu nutzen?

Abschließend kann ich das natürlich nicht beurteilen, denn ich kenne die Gedanken der beiden Trainer nicht. Daher muss ich mich selbst fragen, wie ich das Spiel angehen würde, wenn ich in den Schuhen der Trainer des kommenden Gegners wäre.

Diese Spielweise erwarte ich

Ich würde die mit etwas Glück behaftete erfolgreiche Variante aus dem Toto-Pokal mit dem vertikalen Spiel aus der gesicherten Defensive vielleicht als Grundlage nehmen, aber nicht das gesamte Spiel danach konzipieren. Hinten sicher zu stehen muss für die Perlacher natürlich die oberste Priorität haben.

Von daher wäre meine Herangehensweise gegen den Ball die stufenweise Verschiebung auf ein tiefes 4-4-1-1,  bei dem sich in der Frühphase der gegnerischen Angriffe der zentrale Mittelfeldspieler zwischen die beiden defensiven Mittelfeldspieler fallen lässt. Außerdem versucht der Sürmer zusammen mit den offensiven Außen auf mittlerer Pressinglinie das Spiel auf einen Flügel der Sechzger zu steuern. Das wäre im Gegenpressing ein defensives 4-3-3. Sollten die Löwen es schaffen die erste Pressinglinie zu überspielen, müssten sich die Mittelfeldaußenspieler auf die zweite Linie vor dem eigenen Strafraum zurückziehen. Währenddessen versucht der offensive zentrale Mittelfeldspieler zusammen mit dem Mittelstürmer das Zentrum zu halten. Damit würde sich das bis dahin entstandene 4-3-3 gegen den Ball zu einem 4-4-1-1 verschieben. Eine zugegeben mit viel Laufarbeit für die offensiven Außenspieler behaftete taktische Möglichkeit, aber für mich die sinnvollste Art und Weise den Löwen defensiv entgegenzutreten.

Wie kann der TSV 1860 die Offensive von Türkgücü stören?

Die viel wichtigere Frage für uns alle lautet aber wie der Gegner seine Offensivbemühungen gegen den TSV 1860 München gestalten könnte. Eine Mischung aus diagonalem und vertikalem Spiel kann hier der richtige Ansatz sein. Präzise, hohe Diagonalpässe von Flügel zu Flügel, der Angriffssteuerung des Pressings der Löwen angepasst, können hier ein Mittel sein. Selbstverständlich wird es für die Mannschaft des Trainerduos Pummer/Dayat sehr wichtig sein das Mittelfeld schnell zu überbrücken. Dann hofft man, dass der Gegner einen Fehler macht, den man ausnutzen kann.

Durch den Ausfall von Staude werden in der Mittelfeldzentrale bei den Löwen lauter defensivstarke Kämpfernaturen stehen. Neudecker, Tallig und Dressel werden ihr Terrain gewohnt einsatzfreudig verteidigen. Deshalb ist diese Herangehensweise für mich logisch. Im weiteren Verlauf eines Angriffs ist es dann für die Fußballer aus Perlach notwendig, schnell nachzurücken und gleichzeitig positionell zu verschieben. Variabilität der Positionen im letzten Drittel ist das Mittel, mit dem ich arbeiten würde. Vor allem die in zweiter Reihe nachrückenden Offensivspielern sollten die Vorgabe erhalten, durch Positionswechsel untereinander beim Nachrücken sogenannte Missmatches zu kreieren. Der Mannschaft sollte man hier viele individuelle Freiheiten lassen. Die Spielintelligenz und Einschätzung der eigenen Fähigkeiten gegenüber den Gegenspielern wird in solchen Situationen dann über Erfolg und Misserfolg des jeweiligen Angriffs  entscheiden.

Wie sieht es aber für den TSV 1860 aus?

Bekanntlich wird nicht nur Staude, sondern auch der gelbgesperrte Phillipp Steinhart fehlen. Nun gibt es für die Löwen zwei Möglichkeiten, vor allem das Fehlen von Steinhart zu kompensieren. Einerseits kann man das System so lassen, wie es ist. Steinhart könnte man durch Gresler wie im Toto-Pokal, durch Klassen wie bei Steinharts gelb-rot Sperre gegen Saarbrücken, oder über die Variante Willsch nach links zu ziehen und Wein auf die Position des rechten Verteidigers zu stellen, ersetzen. Zudem erscheint mir und auch einem meiner Kollegen in der Redaktion eine zweite Variante denkbar. Man könnte es wie im Ligaspiel gegen die defensiv mit einer ähnlichen taktischen Herangehensweise operierenden Hachinger versuchen. Allerdings würde man dann, im Unterschied zum Spiel gegen den aktuell Tabellenletzten, Biankadi auf die linke Seite stellen. Das wäre dann ein 3-5-2, das sich gegen den Ball zum 5-4-1 verschieben würde.

Über mögliche taktische Varianten im Offensivspiel der Löwen möchte ich nicht spekulieren. Gegen Türkgücü muss das Hauptaugenmerk sowieso auf eine stabile Defensivarbeit gerichtet werden. Offensiv haben die Löwen mit ihrem variablem und variantenreichem Spiel alle Möglichkeiten. Welche im taktischen Konzept für dieses Spiel vom Trainer vorgesehen sind, wird sich zeigen. Im Aufbauspiel von hinten heraus ist man immer davon abhängig, wie der Gegner im Pressing agiert, welche Räume man zum Spielen angeboten bekommt und wie diese von den Spielern des TSV 1860 genutzt werden können. Die Spielintelligenz und das fußballerische Können unserer Mannschaft lässt mich auf alle Fälle mit gutem Gefühl auf die kommende Aufgabe blicken.

Werfen wir nun stichpunktartig einen Blick auf die Vor- und Nachteile des Systems von Türkgücü, dass sie gegen den TSV 1860 voraussichtlich auf den Platz bringen werden.

Stärken und Schwächen des 4-2-3-1

Stärken

– kompakt im Zentrum und vor der Box gegen den Ball

– auch gegen Systeme mit mehr als einem Stürmer sicher

– variabel beim Spielaufbau

– offensiv schwer ausrechenbar

Schwächen

– anfällig und laufintensiv gegen variables Flügelspiel mit Seitenwechsel

– in der Offensive ist viel Mittelfeldunterstützung für den Stürmer nötig, um Gefahr zu kreieren

Die Schlüsselspieler

Torhüter René Vollath (#1) ist einer der besten Keeper der Liga. Er hat keine Schwächen, konnte bereits zehn mal die Null halten und weist mittlerweile die zweitbeste Savepercentage auf.

Der Innenverteidiger und Abwehrchef Alexander Sorge (#13) weist sehr gute Zweikampfwerte auf. Sein Stellungsspiel ist verbesserungswürdig, das größte Manko ist allerdings die fehlende Grundschnelligkeit.

Ünal Tosun (#8) ist der Spieleröffner im defensiven Mittelfeld. Gegen den Ball ist seine Leistung eher ausbaufähig.

Sercan Sararer (#10) ist klar der Star dieser Mannschaft. Mit seiner Leistung steht und fällt das Offensivspiel von Türkgücü. Zwölf Vorlagen und zehn Tore hat er in der Liga bisher erzielt.

Bei Lucas Röser (#9) ist mit vier Toren aus zwölf Spielen sicher noch nicht die Grenze dessen, was er leisten könnte, erreicht. Schlecht ist diese Quote jedoch nicht, wenn man seine Einsatzzeiten bedenkt. Nur drei Spiele ging er über die volle Distanz. In den restlichen Spielen wurde er dreimal ein- und sechsmal ausgewechselt.

Fazit

Revanche ist angesagt und gemäß dem Gesetz der Serie sollten die Löwen diesmal den Dreier einfahren. Um die Aufstiegschancen weiterhin zu wahren, ist vermutlich allen klar, was die Devise sein muss. Mit dem heißen Atem des 1.FC Saarbrücken im Nacken ist der vierte Platz, der zur Teilnahme am DFB-Pokal berechtigt, auch lange noch nicht sicher eingetütet.

Nichtsdestotrotz ist es ein Auswärtsspiel. Deshalb sollten wir alle, die den Löwen die Daumen drücken, in erster Linie zumindest einen Punkt zu holen als Voraussetzung im Kopf haben. Michael Köllner wird wie immer die seiner Meinung nach beste taktische Herangehensweise wählen und eine heiße, einsatzwillige Löwenmannschaft auf den Platz schicken. Ich bin zuversichtlich, dass man den Platz als Sieger verlassen kann. Die letzten Spiele haben gezeigt, dass wir jeden schlagen können.

So könnte Türkgücü gegen den TSV 1860 München starten

voraussichtliche Aufstellung von Türkgücü München gegen TSV 1860 München

 

Datenquelle: wyscout

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