Herzlich willkommen zur Taktiktafel-Analyse des Spiels TSV 1860 München gegen den SV Meppen 1912.

 

Die vergangene Woche von Montag bis Sonntag hat uns mal vor allem eines gelehrt: In dieser Liga ist für alle Mannschaften in jedem Spiel alles möglich.
Wie lief das Spiel des TSV 1860 gegen Meppen? Im kompletten Spiel hatten unsere Sechzger mit leichten Schwankungen in der Summe mehr Ballbesitz und somit bis auf kurze Phasen in beiden Halbzeiten auch die Spielkontrolle. Das bringt uns mehr oder weniger zu drei Abschnitten im Spiel und einer wichtigen Erkenntnis daraus: Die Ballverluste der Löwen im letzten Drittel waren entscheidend.

Die Phase bis zum Führungstreffer

Vor allem in den Anfangsviertelstunden der beiden Halbzeiten hat Sechzig das Kommando übernommen und die Partie an sich gerissen. 62% Ballbesitz zu Beginn der ersten und 65% Ballbesitz zu Beginn der zweiten Halbzeit für die Löwen zeigen das klar auf. Im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit hat unsere Mannschaft 54% Ballbesitz zu Buche stehen. Bis zur 62. Minute, in der der Führungstreffer durch Semi Belkahia fiel, summiert sich das zu insgesamt 58% Ballbesitz. Daraus konnte der TSV 1860 gegen den Gast aus Meppen allerdings kein Kapital schlagen.

Wie gewohnt gegen tief stehende Teams, deren Interesse eher im Zerstören als im Spielen liegt, kam die Mannschaft von Michael Köllner nicht entscheidend in den Sechzehner. Einen einzigen Schuss (Greilinger 41.) aufs Tor bis zum Führungstreffer hat der TSV 1860 München auf dem Konto. Zwei weitere Schussversuche von Tallig gingen bis dahin rechts am Kasten von Domaschke vorbei. Von 61 Angiffsversuchen der Löwen wurden 42 bis ins letzte Drittel vor das Meppener Tor gebracht. Ballkontakte im Strafraum gab es bei diesen 42 Angriffen genau drei für den TSV 1860. Im letzten Drittel des Spielfeldes verloren die Sechzger in der ersten Stunde des Spiels 13 Mal den Ball in einem Zweikampf am Boden. Weitere 13 Mal fanden Pässe ihren Adressaten nicht und 13 Mal sind Ballverluste mit anderen Gründen (verlorene Kopfballduelle, Stürmerfoul, Abseitspositonen etc.) zu erklären.

Wie kann es zu diesen vielen Ballverlusten kommen?

Man konnte gegen Meppen sehr leicht Raumgewinne erzielen, da die Emsländer tief standen. Pressing fand bei Thorsten Frings´ Team quasi nicht statt. Das Mittelfeld war relativ eng gestaffelt und richtig kompakt wurde Meppen in der Nähe der eigenen Box. Deshalb konnten die Löwen im letzten Drittel kaum Überzahlsituationen dort schaffen, wo es wichtig wird. Situationen, in denen dann ein freier Spieler Chancen gehabt hätte mehr aus den Ballbesitzvorteilen zu machen, ließ Meppen mit dieser Mauertaktik nicht zu. Man könnte auch sagen Meppen hat clever und diszipliniert verteidigt. Sehr ähnlich dem, was der TSV 1860 im Spiel gegen den FCI gezeigt hatte.

Meppen hingegen kam bei 55 Angriffsversuchen, davon 21 bis ins letzte Drittel der Sechzger, zu sechs Ballkontakten im Strafraum. Von der Effizienz her waren die Emsländer den Löwen also überlegen. Mehr “Ertrag” mit weniger Aufwand. Schüsse ergaben sich daraus in dieser Stunde zwei für den SVM. Boeres Schuss in der elften Minute wurde von Salger geblockt. Guder schoss in Minute sechzehn drüber.

Das Tor zum 1:0

Ein Freistoß nach einem Foul an Mölders wird rechts-zentral siebzehn Meter vor dem Tor von Richy Neudecker ausgeführt. Von Sascha Mölders wird der Ball zu Semi Belkahia abgefälscht. Der Innenverteidiger, mehr Bande als Spieler in diesem Moment, bringt das Leder mit dem Knie im Tor unter.

Die Phase bis zum Ausgleichstreffer

Auch in dieser Phase lagen die Ballbesitzvorteile beim TSV 1860 München. Die Mehrzahl an Vorstößen ins letzte Drittel war ebenfalls bei den Löwen zu finden. In diesem kurzen Spielabschnitt von 14 Minuten gab es drei Schüsse der Sechzger. Ein einziger davon ging aufs Tor (Neudecker 69.). Einer der drei Schüsse des TSV 1860 konnte von Meppen geblockt werden, einer ging drüber. Die Emsländer hingegen schossen genau einmal auf den Kasten von Marco Hiller. Das Ergebnis ist bekannt. Blicken wir dennoch auch hier wieder auf die Ballverluste. 12 von insgesamt 15 Ballverlusten der Sechzger fanden im letzten Drittel vor dem gegnerischen Tor statt. Man muss kritisieren, dass es dem TSV 1860 München nicht gelang mehr Schusschancen zu generieren bzw. seine Schusschancen effektiver zu nutzen.
Meppen hingegen brachte den Ball bei dreizehn Versuchen nur sechsmal in die rote Zone der Löwen.

Der Ausgleichstreffer

Nach einem Einwurf von der rechten Meppener Angriffsseite verliert Steinhart ein Kopfballduell. Der Ball fällt Salger vor die Füße und verspringt ihm nach einem gewonnenen Defensivzweikampf gegen Boere mittig in Richtung Strafraumgrenze. Von dort zieht Bozic unhaltbar für Hiller ins vom Schützen aus gesehen linke Eck ab.

Die Schlussphase

Hier ergab sich das gleiche Bild wie im restlichen Spiel. Der TSV 1860 München drückte und fand vorne keine Räume um effizient abzuschließen. Meppen verteidigte mit zehn Mann plus Torhüter aufopferungsvoll. Zwölf von zweiundzwanzig Angriffen der Sechzger in der Schlussviertelstunde zerschellten am Abwehrbollwerk im letzten Drittel des SVM. Fünf Schüsse setzten die Sechzger in ihren durchgebrachten Angriffen ab. Drei davon wurden geblockt, einer ging daneben sowie einer über das Tor.
Meppen brachte in 20 Ballbesitzphasen keinen einzigen Schuss mehr zustande.

Die statistischen Werte im Spiel

  • Ballbesitz 57%:42% (zugunsten des TSV 1860)
  • Schüsse 12:3 (davon aufs Tor 3:1)
  • Passquote 1860 86%; SVM 81%
  • Gewonnene Defensivzweikämpfe TSV 1860 58%; SVM 63%
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) TSV 1860 8,87; SV Meppen 23.06

Fazit

Grundsätzlich haben die Löwen vieles, wenn auch nicht alles richtig gemacht. Man kann der Mannschaft an sich keinen Vorwurf machen. Wenn man aber merkt, dass die vielbeinige Hintermannschaft des Gegners schwer zu knacken ist, muss man am Spiel nach vorne an kleinen Stellschrauben drehen. Den Gegner könnte man mit verzögernder Spielweise möglicherweise herauslocken. Ein kleines Geduldsspiel daraus machen und nicht 90 Minuten lang versuchen, mit der Brechstange eine vernagelte Kiste zu öffnen.

Ein gutes Beispiel, wie das gehen kann, war das Spiel gegen Halle in der Hinrunde. Da hat man bis zum 2:0 viele Angriffe sehr geduldig aufgebaut und gewartet, bis der Gegner sich beim Versuch, in Ballbesitz zu gelangen, etwas mehr entblößt. Dadurch hat Sechzig bei dieser Tore-Gala sehr viele Standardsituationen erzwungen. Wir erinnern uns: die ersten beiden Tore fielen damals nach Ecken. Eben diese Standards muss man sich in solchen Spielen gegen tief stehende Gegner öfter erarbeiten. Das war gegen Meppen am Sonntag leider Mangelware. Nur drei(!) Ecken und vier Freistöße aus mehr oder weniger aussichtsreichen Positionen wurden von den Löwen herausgearbeitet. Bei 78 Angriffen bis ins letzte Drittel sollte zumindest die Eckenbilanz viel besser ausfallen.

Schlecht gespielt, wie viele Kritiker in den sozialen Netzwerken verlauten ließen, hat die Mannschaft von Michael Köllner aber keineswegs. Der letzte Punch hat einfach gefehlt. Mit dem Punkt kann man natürlich dem Spielverlauf nach nicht zufrieden sein. Aber liebe Leser, so ist Fußball. Eine Mannschaft läuft 90 Minuten lang das gegnerische Tor an und am Ende steht es doch nur unentschieden.

Welche positiven Erkenntnisse nehmen wir aus diesem Spiel mit?

Semi Belkahia
  • verliert nur einen defensiven Zweikampf und ein Kopfballduell
  • schießt noch dazu sein erstes Profitor
  • hat eine Passquote von 95%
  • 88% erfolgreiche Aktionen insgesamt im Spiel
Daniel Wein
  • gewohnt passsicher (90% Quote; unter anderem zwölf Pässe ins letzte Drittel, von denen neun ihr Ziel finden)
  • verliert in der eigenen Spielfeldhälfte keinen defensiven Zweikampf
  • ersetzt Quirin Moll derart gut, dass sein Ausfall nicht bemerkbar war

Zu guter Letzt verweise ich an dieser Stelle an unser TAKTIKTAFEL-Lexikon, dass zum Verständnis meiner Texte hoffentlich ein wenig beitragen kann.

Datenquelle: http://www.wyscout.com/

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