Wie wir bereits berichteten, beinhaltet die neue Umfrage des TSV 1860 mehrere Fragen zur Spielstätte der Löwen. Die Fragen werfen jedoch weitere Fragen auf und sorgen aktuell für Unsicherheit im Fanlager. Was steckt hinter der Befragung, was will damit bezweckt werden? Und welchen Standpunkt hat die Stadt München eigentlich aktuell inne, nachdem der Tagesordnungspunkt “Ausbau Grünwalder Stadion” auf gut 18.000 Plätze inkl. (mindestens!) der Zweitligatauglichkeit bereits auf den Weg gebracht worden war (Teil 1 / Teil 2)?

Ausstehendes Bekenntnis zum Grünwalder Stadion

Bekanntermaßen hat sich seit dem Stadtratbeschluss in Sachen Ausbau – zumindet nach außen – recht wenig getan. Einen endgültigen Beschluss sucht man vergebens und die Bagger sind auch noch nicht angerückt, obwohl die Einwohner keinerlei Einwände vorgebracht hatten. Aber warum eigentlich? Woran hakt es? Von Seiten der Stadt vernimmt man kritische Stimmen, dass man auf ein klares Bekenntnis seitens der Stadionnutzer und insbesondere des TSV 1860 warte. Aber natürlich ist das auch nur die halbe Wahrheit, denn…

Was beinhaltet der Ausbau?

… den Löwen geht es auch nicht anders. Nur zu gerne würden die Löwen klar Stellung beziehen und eine verbindliche Aussage treffen. Allerdings müssten sie dazu wissen, welche Pläne die Stadt München verfolgt und welche Veränderungen konkret angedacht sind. So ist beim TSV 1860 bislang noch keine Information eingegangen, welche Werbemöglichkeiten es nach der Sanierung gäbe, wie hoch die Miete nach dem Umbau wäre und ob es beispielsweise elektrische Werbebanden oder eine elektrische Anzeigetafel geben werde. Für einen Verein (bzw. eine KGaA) sind das natürlich elementare Informationen, bevor man sich voll und ganz auf einen Deal einlässt. Oder würdet Ihr in eine Wohnung einziehen, bei der man Euch erst nach Vertragsunterschrift mitteilt, wie sie ausgestattet ist und wie hoch die Miete ausfällt?

Emotionale Heimat des TSV 1860

Aktuell befinden sich der TSV 1860 und die Stadt München also in einer klassischen Patt-Situation, die den Löwen allerdings deutlich mehr schadet als der Kommune. Die Ausgangslage ist klar: Das Grünwalder Stadion in seiner jetzigen Form ist nicht zweitligatauglich, d.h. im Falle eines Aufstiegs dürften die Löwen (oder Türkgücü) im aktuellen Zustand maximal ein Jahr dort spielen. Diesbezüglich sollte man sich jedoch auch die emotionale Komponente vor Augen führen. Während das Stadion in Giesing für die Löwen Heimat bedeutet, ist es für den Verein von Hasan Kivran nur Mittel zum Zweck. Ob Türkgücü nun im Sechzgerstadion spielt oder beispielsweise in einem ausgebauten Sportpark in Unterhaching, dürfte relativ egal sein.

Grünwalder Stadion: Heimathafen oder Ruine?

Wie gehts nun aber weiter in Sachen Grünwalder Stadion? Und: Geht es überhaupt weiter? Welche Alternativen hätte der TSV 1860 denn im Fall der Fälle?

Gerade die letzte Frage beschäftigt die Fans ja schon seit langem. Während die einen den Standort Giesing als unabdingbar betrachten, bezeichnen andere das Sechzgerstadion schon seit Jahren als “Ruine”. Fakt ist jedoch, dass man nach dem Komplettabsturz 2016/17 heilfroh sein konnte, wieder an die Grünwalder Straße zurückkehren zu können. Alleine dafür hat sich der jahrelange Einsatz für den Erhalt der Spielstätte schon gelohnt.

Aber liegt die Zukunft des TSV 1860 wirklich im Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße? Momentan drehen sich KGaA und Stadt zum Leidwesen der Löwen ein wenig im Kreis und es geht quasi nichts voran. Die Entscheidung, das Stadion auf “nur” gut 18.000 Plätze auszubauen, war ja (zumindest für uns Fans) schon eher ernüchternd. Angesichts der Tatsache, dass die Stadt der primäre Kostenträger ist, wäre dies jedoch zu verkraften.

Gibt es realistische Alternativen?

Vermutlich sind wir uns alle einig, dass eine Kapazität von 25.000 – 30.000 Plätzen für den Fall eines Aufstiegs durchaus wünschenswert wäre. Allerdings müssen wir auch der Realität ins Auge blicken und feststellen, dass der TSV 1860 vermutlich auch in der kommenden Saison drittklassig spielen wird und ein Aufstieg beim besten Willen nicht planbar ist. Und bei den Löwen und ihrer finanziellen Situation schon zweimal nicht… Außerdem kommt es im Zeitalter der TV-Vermarktung immer weniger auf Zuschauereinnahmen an.

Aber Träume und Wünsche sind hinisichtlich der Kapazität zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin fehl am Platz. Man hat sich auf 18.000 geeinigt, mehr gibt das Baurecht aktuell nicht her. Die einzige realistische (?) Alternative wäre vermutlich der Bau eines Stadions auf der grünen Wiese, aber will man das wirklich? Also schon rein emotional hätten da sicher viele Fans ein großes Problem damit.

Ist nicht das Sechzgerstadion in Giesing ein großer Teil der Identität des TSV 1860? Soll man es wirklich noch einmal versuchen, auf Träume und Wunschvorstellungen (nett umschrieben für: “Größenwahn”) basierend ein Stadion zu bauen? Verbunden mit der Gefahr, den Verein erneut in den Abgrund zu reißen, dann aber ohne den möglichen Rettungsanker “Sechzgerstadion” zu haben?

Und wer soll das bezahlen? Allein durch das Abtreten von Namensrechten wird man bei der Finanzierung nicht wirklich weit kommen. Oder gibt es im Hintergrund einen Plan B mit Hasan Ismaik? Hierbei sollte jedoch klar sein, dass diese Möglichkeit nur dann realisierbar wäre, wenn der Mehrheitseigentümer der KGaA einem Schuldenschnitt zustimmen würde. Dies wurde seitens des Investors jedoch bislang abgelehnt.

Schlechte Erfahrungen fernab von Giesing

Ablehnend gegenüber stehen dürfte dem vermutlich auch der große Teil der Löwenfans. Noch zu präsent sind die Erinnerungen an die letzten beiden Auszüge aus dem Sechzgerstadion. Im Olympiastadion ging es kurzfristig immerhin bis zur Champions-League-Qualifikation, aber auch schon wenige Jahre später zurück in Liga zwei.

Nach einem Jahr Verschnaufspause im Sechzgerstadion zog man in die Allianz Arena ein – auch dort ließ die anfängliche Begeisterung der Löwenfans schnell nach. Die Zuschauerzahlen brachen ein, der Rest ist bekannt. Ein überschuldeter TSV 1860 musste erst seine Anteile an der Arena an den FC Bayern, dann Anteile der KGaA an Hasan Ismaik verkaufen – um sich wenige Jahre später in Liga vier wiederzufinden.

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ich denke, dass schon eine berechtigte Frage im Vorfeld sein wird wie hoch ist die Miete und wie lange ist der Mietvertrag? was stellt sich hier die Stadt München genau vor? und was noch oben drauf kommt: was macht aktuell die Corona-Pandemie aus? kann man überhaupt die Auswirkungen auch in die nähere oder auch weitere Zukunft einigermaßen fair abschätzen?

Denke im Gegenteil dass hier schon sehr klare Bekenntnisse pro Umbau und längerfristiger Mietvertrag in den Gesprächen mit OB Reiter u. Verena Dietl mit kgaA GF , AR und Präsidium als Vors. der GF-GmbH getroffen wurden. Warten wir die Sitzung und Vorstellung von Sport- mit Baureferat ab. Da alternativlos muss dieses Jahr der Beschluss inkl. Finanzvolumen her und rasch gestartet werden. Als Übergangslösung 1 Saison nach Haching, die nach Abstieg jeden Euro benötigen werden. TG im Oly und FCBäh II …mir egal

Soweit mir bekannt, werden im April durch den Sportausschuss der Stadt München verschiedene Ausbau-Varianten der Vollversammlung des Stadtrates vorgelegt. Außerdem kann man dann wohl auch abschätzen, was an Kosten auf die Mieter zukommen wird.
Auch die Löwen dürften dann in die weiteren Pläne mit einbezogen werden, man braucht ja auch von ihrer Seite ein klares Bekenntnis zum GWS, also das der Löwe nach dem Umbau dort spielen will.

Wer von der Stadt fordert ein solches Bekenntnis? Geht es mehr um eine grundsätzliche Bereitschaft oder bereits um eine rechtlich gültige Zusage?

Ich denk mal die Sitzung des Stadtrats im April kann man da noch abwarten. Ohne zu wissen für was, wird man dem Löwen kein Bekenntnis abzwingen können.