Während Uli Hoeneß die Allianz Arena noch heute als “allerallergrößte Chance” der Löwen erachtet, “wenn sie die richtig genutzt hätten”, stellt Karl-Heinz Wildmoser junior den Bau des Stadions in Fröttmaning in der Retrospektive deutlich anders dar. In der dritten Folge des überaus hörenswerten Podcasts Inside 1860 (zu finden bei FYEO) offenbart er, dass sich der TSV 1860 München die Arena nie hätte leisten können.

Münchner Donald Trump

Diese Meinung vertraten bereits damals, also vor dem ominösen Bürgerentscheid, viele Löwenfans und gingen auf die Barrikaden. Auch Christian Waggershauser, Betreiber der Muffathalle, interessierte sich unter Präsident Karl-Heinz Wildmoser immer mehr für die Vereinspolitik des TSV 1860 und kam in Sachen Arena zu dem Schluss:

“Wenn ein Milliardär und ein Hartz IV-Empfänger entscheiden, wir ziehen jetzt zusammen und der Millardär sagt “Ich hab da was”… Das war von Anfang an zum Scheitern verurteilt, weil jeder, der rechnen kann, der konnte es sich selber ausrechnen.”

Überhaupt sah er den Präsidenten schon damals sehr kritisch. Natürlich sei es legitim, die Kontakte, die Wildmoser über 1860 knüpfen konnte, für sich selber gewinnbringend einzusetzen. Waggershauser wirft dem Großgastronomen jedoch vor, dabei die Bodenständigkeit verloren zu haben. Zu diesem Fazit kommen auch die beiden SZ-Redakteure Markus Schäflein und Philipp Schneider, die Wildmoser gar als “Münchner Donald Trump” und “Tycoon des Wirtshaus-Business” bezeichnen.

Wildmoser als One Man-Show

In der Folge kritisiert Waggershauser auch weitere Gremien der Löwen der damaligen Zeit, die es versäumten, Wildmoser einzubremsen. So hätte man in der Frage der Beteiligung am Arenabau auf jeden Fall ein “best case”- und ein “worst case”-Szenario berücksichtigen müssen. Auch Christian Ude bestätigte, dass Wildmoser eine One Man-Show, ein Alleinherrscher war. Ude war damals übrigens nicht nur Münchner Oberbürgermeister, sondern saß auch im Aufsichtsrat des TSV 1860. Er wolle “Wildmoser gar nicht negativ darstellen”, so Ude, aber “selbst die Stellvertreter hatten nichts zu sagen. Wildmoser hat gemacht, was er wollte.”

“Wir haben alles zusammen entschieden.”

Auch die Geschäftsführung, sowohl bei den Löwen als auch in der Stadion GmbH, stellte sich Wildmosers (über-?)ambitionierten Plänen nicht in den Weg. Kein Wunder, denn diese lag damals beim Sohn des Präsidenten, Karl-Heinz Wildmoser jun., liebevoll “Heinzi” genannt.

Dieser bezeichnete das Verhältnis zu seinem Vater als sehr gut und eng, da man jeden Tag zusammen gewesen sei und an einem Schreibtisch zusammen gearbeitet habe.

“Wir haben alle Sachen zusammen entschieden. (…) Wir waren Familie und Geschäftspartner (…) und sicher auch Freunde.”

Noch heute schwärmt Heinzi von der Rhetorik und Ausstrahlung seines Vaters und bezeichnet ihn als “Vorbild”, später – als es um das zerrüttete Verhältnis geht – jedoch auch als “Egomanen”. Zudem bestreitet er, dass er von seinem Vater als Geschäftsführer des TSV 1860 eingesetzt worden sei. Dies sei auf Geheiß des Aufsichtrats geschehen. Auch der FC Bayern habe diese Personalie wohlwollend unterstützt. Die SZ-Journalisten fassen aber treffend zusammen, dass Wildmoser jun. den Job “natürlich nicht bekommen hätte, wenn sein Vater nicht Präsident gewesen wäre”.

Leichte Herzbeklemmungen

Als es um die Finanzierung der Arena ging, wurde Wildmoser jun. ziemlich bald klar, dass da Welten aufeinander treffen.

“Ich war tief beeindruckt, als ich die Verträge des FC Bayern lesen durfte. Wo es um die Finanzierung ging, da habe ich leichte Herzbeklemmungen bekommen, weil ich mir gedacht hab: Oh, Sechzig ist echt klein!”

Dennoch verneint Wildmoser jun. doch sehr vehement, dass es die Eitelkeit und der Größenwahn seines Vaters waren, die die Löwen trotzdem in das Arena-Projekt einsteigen ließen. Man wollte sich weiterentwickeln, auch international. Diese Vision habe Wildmoser sen. mit den Gremien geteilt.

Wildmoser jun.: Wir hatten keine Mittel für die Arena!

Der Junior bezeichnet die Zusammenarbeit mit dem FC Bayern als “sehr erfolgreich” und resümiert, dass es den Löwen damals entgegen kam, dass man in Sachen Arena unter Zeitdruck stand. Ob Einnahmen aus den Logen (beider Vereine) oder Namensrechte – alles sei zu 100 % in die Stadion GmbH und die Finanzierung der Arena geflossen. Konkret: Der FC Bayern hätte dadurch den TSV 1860 massiv subventioniert. Oder wie Wildmoser jun. es ausdrückt:

“Die Bayern hätten uns das Stadion bezahlt, unseren Anteil. Das Eigenkapital, damit überhaupt so eine Finanzierung möglich ist, hat der FC Bayern gestellt. Wir hatten ja gar keine Mittel. Wir haben die Mittel gebraucht für den Sport.”

Man einigte sich damals darauf, dass die Löwen ihren Anteil zurückzahlen sollen, sobald sie flüssig sind. Spitzen Idee!

Europarecht vs FC Bayern

Selbstverständlich war der Nachbar aus der Seitenstraße nur so semi-begeistert von diesem fragilen Konstrukt, konnte aber gar nicht anders, als mit dem TSV 1860 gemeinsame Sache zu machen. Der ehemalige OB Christian Ude machte dies den beiden Präsidenten Beckenbauer und Wildmoser sen. ziemlich deutlich und verwies auf das Europarecht, nach dem “eine öffentliche Ausgabe, die nur einem Wirtschaftsunternehmen zugute kommt, eine unzulässige Förderung” sei. Dabei bezieht sich Ude auf die Infrastruktur, also die neue Autobahnausfahrt und die neue U-Bahn-Station – also rund 210 Millionen Euro.

Heißt: Ohne den TSV 1860 hätte es keine Arena gegeben! Der FC Bayern musste also die bittere Pille schlucken und die Löwen mit ins (Schlauch-)Boot nehmen… Dessen war sich Wildmoser bewusst und setzte es als Druckmittel gegenüber dem Geschäftspartner ein. Dass auf die Löwen aber dennoch irgendwann eine gewaltige Rechnung zukommen würde, hat er dabei jedoch gekonnt ausgeblendet…

Kein Plan B

Die Frage der Finanzierung stellte auch Christian Ude in einer Aufsichtsratsitzung, zumal es sportlich zunehmend bescheiden lief. Es hagelte einen Sturm der Empörung:

“Das gibt es nicht! Wir bleiben in der 1. Liga!”

Klasse Plan, oder?

Der Junior als Einzeltäter?

Erstaunlich zudem, dass es die SZ tatsächlich wagt, die Alleinschuld von Wildmoser jun. in der Korruptionsaffäre rund um die Arena in Frage zu stellen. Mehr wollen wir dazu aber gar nicht verraten – hört es Euch an!

 

 

 

5 KOMMENTARE

  1. Völlig undenkbar, dass KHW sen. nichts von den Geheimverhandlungen bei der Bauvergabe an Alpine Bau gewusst haben will. Übrigens genauso unvorstellbar, dass der weitere GF der damalig neuen Stadionbetriebskosten GmmbH Prof. Fritz Scherer „außen vor“ gewesen kann.
    Aber wo kein Kläger keine Klage! Es regt mich noch immer auf, dass manche wie der Blogger diese Zeit beschönigen oder schönreden möchten. Uns allen wurden zwanzig Jahre geklaut und dem Verein mit seiner kgaA in der unausweichlichen Folge die Unabhängigkeit gestohlen. Für diese Hinterlassenschaft der Wildmosers und damaligen Aufsichtsräte gibt es kein Pardon. Zudem wurde so die wirtschaftliche Vormachtstellung der Seitenstrasse zementiert und damit Bundesligafussball zur langweiligen Zirkusveranstaltung ( außer im Abstiegskampf) und der ausgeuferten Überkommerzialisierung noch zusätzlicher Speed verliehen. Unverzeihlich!

  2. Interresant ist in dem Podcast auch, dass alle Beteiligten sich aufgrund der Arbeitssituation der beiden Wildmosers sich nicht vorstellen können, dass der Karl Heinz nichts von Heinzis Korruptionsaffäre gewusst haben soll.

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