Nachdem ich das Glück hatte, alle (12) Europacup-Auswärtsspiele mit den Löwen seit meiner Geburt live zu sehen, starte ich an dieser Stelle die Serie über historische Spiele mit dem ersten Europa-Cup-Auftritt der Löwen den ich live begleiten durfte. Es geht um UI-Cup-Spiel des TSV 1860 München bei Spartak Varna 1996.

Spartak Varna – TSV 1860 München, 2:1, 22.06.1996

Irgendwie komme ich mir beim Verfassen dieses Berichtes vor wie mein eigener Opa:  Reiseplanung ohne Handy, Internet, Google(-Maps) und keinerlei Whatsapp-Gruppen und Chats, sondern nur die spärlichen Informationen die es aus der Zeitung gab. Jene sahen wie folgt aus:

1. Internationales Pflichtspiel für den TSV 1860 seit 1969

Zum ersten internationalen Pflichtspiel seit dem Messepokal 1969 und somit zugleich seit meiner Geburt gab es von Seiten des TSV 1860 in Verbindung mit dem damaligen Sponsor „Ambiente Reisen“ einen Flug mit der Mannschaft und mit einer Übernachtung am Goldstrand für 650,- Deutsche Mark. Für damalige Verhältnisse und einen Azubi mit 800,- Mark Lohn eher ein ganzes als ein halbes Vermögen und so war der erste Gedanke „da fahren wir mit dem Auto“.

Um den rund 1800 Kilometern Wegstrecke zu trotzen stand jedoch nur ein alter BMW zur Verfügung mit nur einem potentiellen Fahrer, der wenige Wochen zuvor seinen Führerschein gemacht hatte. Den potentiellen Wahnsinn verhinderten dann seine Eltern mit einem Machtwort und so blieb dann letztlich nur das Angebot von Ambiente übrig. Erschwerend kam hinzu, dass ich zu dem Zeitpunkt Berufsschule und bereits Attestpflicht ab dem ersten Tag auferlegt bekommen hatte. Die vielen Spiele unter der Woche waren nicht spurlos an meiner „Karriere“ im öffentlichen Dienst vorbeigegangen.

Kein Reisepass, dafür Attestpflicht

War noch was? Ja, nach Bulgarien brauchte man damals einen Reisepass und selbigen hatte ich nicht – was aber kein Problem in der Weltmetropole Olching darstellen sollte. Am Tag vor dem Abflug noch eben den Reisepass beantragt den ich am nächsten Tag in der früh holen konnte, blieb nur noch das Problem „Berufsschule & Attestpflicht“ und „Abflug am Mittag“. Das Spiel fand zwar an einem Samstag statt, aber die Löwen sollten bereits Freitag Mittag abheben.

Morgens um acht in der Schule angerufen, dass ich wegen Magenkrämpfen entweder später kommen oder zum Arzt gehen würde, punkt acht Uhr den Reisepass geholt und dann nach München in die Berufsschule, im Rucksack ein Schulheft, frische Unterwäsche und natürlich die Olching-Fahne. Mit dem kurzen Erscheinen in der Schule galt ich ja bereits als anwesend und die Attestpflicht als ausgehebelt, erklärte dem Lehrer nach 10 Minuten was von „Magenkrämpfen die leider nicht besser werden würden“ und machte mich auf den Weg zum Flughafen.

Auf zum Europacup zu Spartak Varna

Dort war bereits ein buntes Gemisch Löwenfans anwesend, einige kamen geradewegs aus England von der Fußball-Europameisterschaft bzw. hatten ihren England-Trip für dieses Spiel unterbrochen und flogen mal eben für ein UI-Cup-Spiel von London nach Varna und wieder zurück.

Geisteskrank? Möglich. Ein damaliger Allesfahrer (hier vorgestellt) kam sogar zweimal aus England eingeflogen, einmal für den Varna-Trip und einmal für das wichtige Vorbereitungsspiel in Vaterstetten.

Zusammen mit der Mannschaft ging es dann in eine Tupolev 154m der Bulgarian Airlines und mit dieser in Richtung Bulgarien – mit meinem heutigen Wissen über diesen Flugzeugtyp (siehe Link) würde ich da vermutlich nicht unbedingt einsteigen.

Während die offiziellen des Vereines und Spieler im vorderen Teil der Maschine Platz nahmen, machten die Fans es sich im hinteren Teil des Flugzeuges breit. Dort hatte jeder mehrere Plätze, es gab zwar wenig zum Essen, dafür aber einiges zum trinken.

Ankunft in Varna

In Varna angekommen wurden die Spieler ins Mannschaftshotel gebracht und die Löwenfans in ein anderes Hotel am Goldstrand.

Im Bus dorthin die eindringliche Warnung, Geld bitte nur im Hotel zu wechseln weil das sicher wäre – ich wechselte dort 50 Mark und bekam dafür meine Lew. Auf dem Weg zum Strand ärgerte ich mich dann kurzfristig etwas. Die Herren die dort am Straßenrand standen boten einen um 10% besseren Kurs, so dass einige Löwenfans das Angebot annahmen – um dann an der Strandbar beim zahlen doof aus der Wäsche zu schauen. Man hatte ihnen nicht bulgarische Lew, sondern alte rumänische Leu angedreht bzw. fein säuberlich in die Hand gezählt. Diese waren natürlich nur einen Bruchteil wert.

Trotzdem wurde es natürlich ein lustiger Tag bzw. Abend, erst am Goldstrand und später zusammen überwiegend mit den Allesfahrern im Hotel. Der erste Europacup-Abend mit den Löwen im Ausland fühlte sich gut an.

Hier ist die Fortsetzung:

Spartak Varna – TSV 1860 München – Spieltag

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