Fußballspiele in Corona-Zeiten als Geisterspiele – die richtige Entscheidung

Ein Kommentar von Stephan Tempel

Ob Fußball in Corona-Zeiten als Geisterspiele stattfinden soll bzw. sein muss – diese Diskussionen gibt es nun bald seit einem Jahr. Die Reise des FC Bayern nach Katar oder die nach Budapest verlegte Championsleague-Partie RB Leipzig – FC Liverpool haben die Diskussionen darüber wieder angeheizt. Zeit für eine nüchterne Analyse.

Gastronomie und Schulen geschlossen, aber Fußballer dürfen spielen

Klingt erst einmal unlogisch, ist aber ein Vergleich der stark hinkt. Ebenso könnte man bemängeln bzw. kritisieren, dass (Großraum-)Büros und Produktionsstätten geöffnet sind. Dreharbeiten für Fernsehserien weiterlaufen. Die Beispiele sind schier endlos.

Berufsfußballer spielen nicht, sie gehen ihrer Arbeit nach. Mit einem Unterschied zu den genannten Beispielen. Es handelt sich um eine relativ kleine Gruppe mit überschaubarem Risiko. Die Fußballer werden ständig auf Corona getestet und leben quasi in ihrer eigenen Blase. Das Konzept funktioniert gut. Ausreißer und Ausnahmen gibt es. Überwiegend klappt es aber, wie man gerade beim TSV 1860 sehr gut sehen kann.

Warum sollte man also Berufssportlern die Arbeit verwehren, wo doch viele Millionen Menschen in Deutschland auch während Corona ganz normal arbeiten?

Arbeitsplätze beim Fußball

Oft wird vergessen, dass es ja nicht nur um Spitzenverdiener in den Spitzenclubs geht, die sich weiter die Taschen vollstopfen können. Sehr viele Berufsfußballer haben kein sonderlich hohes Gehalt, in Relation zu den wenigen Jahren in denen sie diesem Beruf nachgehen können gleich zweimal nicht.  Am Fußball hängen auch sehr viele ganz normale Arbeitsplätze. Wie viele Arbeitsplätze genau – diese Anzahl lässt sich nicht genau beziffern. Das belegt auch dieser Artikel. Es sind aber viele – egal ob Vereinsmanager, Zeugwart oder auch einfach nur die vielen Medien die über den Fußball berichten.

Fußballer werden auf Corona getestet – Pflegekräfte nicht

Gemessen am Gesamtaufkommen der Corona-Tests liegen die Fußballspieler im Promillebereich und nehmen niemandem Testkapazitäten weg. Dass die Pflegekräfte nicht getestet werden, ist eine politische Entscheidung. Dafür kann der Fußball nichts.

Brot und Spiele, um das Volk zu beruhigen

In vielen Diskussionen wird oftmals als Argument „Brot und Spiele“ verwendet. Den Leuten wäre alles egal, so lange sie nur Fußball schauen dürften. In meinen Augen hinkt auch dieser Vergleich.

Die modernen Spiele der Neuzeit zur Unterhaltung des Volkes dürften eher das tägliche TV-Programm sein als die wöchentlichen 90 Minuten Fußball. Wie bereits weiter oben erwähnt – auch TV-Produktionen laufen weiter. Der öffentliche Aufschrei bleibt hier jedoch aus.

Keine Fußballspiele ohne Fans

Diese Forderung war vor dem Re-Start der Fußball-Ligen öfters zu hören. Alternative Vorschläge damals waren, die Saison zu unterbrechen – oder sie abzubrechen und zur neuen Saison wieder anzufangen. Heute wissen wir, dass die Fußball-Ligen dann für mindestens ein Jahr überhaupt nicht gespielt hätten. Ein Ende ist derzeit nicht absehbar. Das dies nicht funktioniert hätte, liegt auf der Hand.

Auch mir machen Geisterspiele ohne Fans keinen wirklichen Spaß. Es fehlt der Stadionbesuch und selbst für den Fernsehzuschauer fehlt mit der Kulisse etwas ganz Entscheidendes. Den Löwen fehlt auch etwas. Der eine oder andere Punkt mehr wäre in einem vollen Sechzgerstadion sicherlich drinnen gewesen. Das legt auch eine Studie nahe.

Fazit: Fußball als Geisterspiele während Corona – die richtige Entscheidung

Alles in allem war und ist es dennoch richtig, die Fußballspiele als Geisterspiele durchzuführen. Auch wenn das mit dem Fußball, den ich kenne und liebe natürlich wenig bis gar nichts zu tun hat.

Fußball gehört den Fans

Dieses Banner hängt seit dem ersten Geisterspiel am Stadionzaun an der Westkurve im Sechzgerstadion. Günther Gorenzel, Geschäftsführer des TSV 1860 hat das ja auch erst wieder in einer Pressekonferenz bekräftigt. Der derzeitige Zustand ist nur ein vorübergehender. Ansonsten würde der Fußball auf Dauer nicht überleben. Meiner Meinung nach zumindest.

Ich vermute ohnehin, dass mit sinkender Corona-Inzidenz, steigendem Impfangebot und vor allem dem Einsatz von Corona-Schnelltests die Stadionbesuche in gar nicht mehr so weiter Ferne liegen. Zeit wird´s.

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