Kürzlich hatten wir unsere Leser dazu aufgerufen, uns Berichte von ihren Fußballreisen zuzuschicken. Tatsächlich kamen einige interessante Rückmeldungen, die wir Euch nicht vorenthalten wollen. time_for_football_089 hat beispielsweise einen lesenswerten Artikel zum Groundhopping in Georgien geschrieben, den wir Euch heute aufgrund seines Umfangs in zwei Teilen präsentieren werden. Viel Spaß beim Lesen!

Frust zu Corona-Zeiten

Wir schreiben das Jahr 2021 und die ganze Welt steht still, alle sind eingesperrt und müssen in ihrer kleinen Welt leben. Doch irgendwie scheint es, als habe ein auch bei den Löwen bekannter Groundhopper ein Schlupfloch gefunden, um regelmäßig Spiele zu besuchen. Gefühlt fast täglich poppte eine Nachricht der Futbology App auf: “Phillip R. hat sich hier und dort eingecheckt.” Wie macht der das bloß? Ist nicht überall alles dicht?

Ich muss zugeben, dass ich in dieser Zeit wenig motiviert war, mich zu informieren oder überhaupt was in diese Richtung zu unternehmen, aber die Neugier war doch zu groß und daher schrieb ich den Kollegen an. Ich bekam meine Antworten und noch viel mehr, denn er erzählte mir von seinen kommenden Touren, bei der es mir eine besonders angetan hat: Georgien!

Groundhopping Georgien Tiflis
Ein Blick über Georgiens Hauptstadt Tiflis

Die Lust aufs Reisen kehrt zurück

Wie vorher schon angedeutet, war ich weder motiviert noch in Planungslaune, doch das ließ den Motor wieder in die Gänge kommen und ich stürzte mich in die Arbeit. Voraussetzung war natürlich, dass ich meinen Urlaub verschieben musste und daher auf das Go von mein Chef warten musste. Dies war dann aber letztendlich überhaupt kein Problem.

Die größte Baustelle war jedoch die Planung der Spiele, denn es gab so unfassbar viele Partien in dieser Zeit. Nach etwas Jonglieren mit Daten und Routen stand die Tour endlich und man konnte das Auto und die Unterkünfte buchen. Die Tage bis zum Abflug wurden immer kürzer und bald war es dann auch soweit. Aber bevor es am 07.06.2021 in den Flieger nach Tiflis ging, musste ich am Morgen noch meine zweite Impfung abholen, denn ohne diese hätte ich nicht einreisen dürfen.

Unterschiedliche Quarantänebestimmungen

Abends am Flughafen bekam ich den Schock des Lebens, denn die nette Dame von der Lufthansa meinte, dass ich mit meiner Impfung nicht einreisen könne, da die zwei Wochen nach der zweiten noch nicht abgelaufen waren. Ich meinte dann zu ihr, dass das für Georgien nicht gilt. Nach kurzer Recherche gab sie mir Recht und ließ mich einchecken und somit ging die Reise los.

In Tiflis angekommen, ging es zur Einreisekontrolle und ich habe in mein ganzen Leben noch nie so viele Fragezeichen in den Augen einer Person gesehen wie bei den Zollbeamten an diesem Tag. Das gelbe Impfbuch hat sie so sehr überfordert, dass sie einige Minuten darin rumblätterten und wahrscheinlich bis heute kein Plan haben, was da drin steht. Egal: Hauptsache drin.

Groundhopping Georgien
Herzlich willkommen in Georgien

Aggressive Straßenhunde in Tiflis

Nach der Einreise ging es dann auch schnell zur Autovermietung. Dort holten wir unser Auto und schon ging die wilde Reise los. Unser Weg führte uns im Zickzack durch die ganze Hauptstadt. Zum Glück war es früh am Morgen, denn ungeübt hätte ich kein Bock auf den dichten Verkehr gehabt.

Einen kleinen Zwischenfall gab es dann doch und das direkt am Nationalstadion von Georgien. Dort standen Phillip und ich an der roten Ampel, als zwei Straßenhunde unser Auto angriffen. Gefühlt konnten wir uns zehn Minuten lang kein Stück vor- oder zurückbewegen, da die Hunde user Gefährt belagerten. Zum Glück löste sich die Situation dann aber doch noch auf und wir konnten unsere Fahrt ohne Verluste auf Material- oder Hundeseite fortsetzen.

Zweifelhafte Straßenverhältnisse

Nach einer gefühlten Ewigkeit verließen wir endlich die Stadt, fuhren auf die Autobahn, mussten diese jedoch schon bald wieder verlassen, denn zum ersten Spiel mussten wir über Landstraße, Schotterpisten und Serpentinen fahren. Laut Navi sollten wir drei Stunden unterwegs sein, durch die lange Anreise (Flug etc.) gingen mir jedoch bald die Kräfte aus und ich erwischte mich dabei, wie ich zweimal in einen Sekundenschlaf fiel.

Deswegen fuhr ich bei der nächsten Möglichkeit rechts ran – leider bot sich diese jedoch auf einer Schotterpiste und durch das starke Bremsen schlitterten wir schön über den Weg. Blöd nur, dass Phillip geschlafen hatte und sich dermaßen erschrak, dass er gar nicht überriss, was los war. Nach zwanzig Minuten ging es dann aber doch weiter, denn wir hatte noch kein Bargeld und die Bankendichte war bislang auch sehr überschaubar gewesen…

Groundhopping Georgien Kühe
Ab und an war die Anreise zu den Spielorten etwas abenteuerlich

Endlich: Fußball in Sicht

Endlich in Zestafoni angekommen, stellten wir uns mit über mehreren Dutzend Leuten am Automaten an. Keine Ahnung, was es da für ein Problem gab, denn keiner bekam Geld und so folgten lebhafte Diskussionen mit den Bankangestellten. Ich versuchte trotz der Situation mehrmals mein Glück und siehe da: Beim sechsten Versuch an zwei verschiedenen Automaten spuckte das Gerät ein paar Scheine aus und somit waren die ersten Tage gesichert.

Mit Geld in der Tasche suchten wir uns einen Laden, wo wir was zum Frühstücken bekamen, denn das letzte Mahl war schon ewig her.

Groundhopping Georgien: Länderpunkt in Zestafoni

Nach 2-3 Kaffees und einem kleinen Snack ging es dann endlich zum ersten Spiel:

FC Zestafoni – SFC Shturmi 4:0

Für den Länderpunkt Georgien, war das schon ne ziemlich geile Hütte und am Ende konnte sich Zestafoni mit einen 4:0 durchsetzen. Nach dem Spiel ging es dann auf fast direkten Weg ins Hotel, denn der Tag war auch schon echt lang mittlerweile.

Groundhopping Georgien Zestafoni
Das Stadion in Zestafoni – auch im Titelbild des Artikels zu sehen

Wir erlaubten uns nur einen kleinen Zwischenstopp, um uns noch schnell eine SIM-Karte zu holen. Nach dem Check-In machten wir uns kurz auf dem Zimmer frisch und fuhren anschließend mit dem Taxi zum Abendessen. Eine weitere eigene Autofahrt war nach all den Strapazen einfach nicht mehr drin…

Drei Spiele an einem Tag

Am nächsten Morgen brachen wir nach dem Frühstück auf zum ersten Spiel, denn gleich drei Matches standen an diesem Tag auf der Liste.

FC Odishi 1919 – FC Wit Georgia II  0:2
Imerti Khoni – Merani Martvili II  1:2
Torpedo Kutaisi – FC Samtredia  1:1

Das erste Spiel fand in der Stadt Anaklia statt. Diese grenzt an das abtrünnige Gebiet Abchasien, von Problemen war jedoch (Gott sei Dank) nichts zu sehen. Es standen lediglich ein paar Autos der UN herum, die unweit des Grounds geparkt hatten. Das Stadion selbst war geil gelegen: auf einer Landesspitze, vorne das Schwarze Meer und hinten der Fluss Enguri.

Groundhopping Georgien FC Odishi
Das Stadion des FC Odishi

Ein perfekter Ort also für Aufnahmen mit der Drohne. Nach einem Abstecher zum Strand mussten wir dann aber auch schon weiter, denn Spiel Nummer 2 des Tages wartete. Über wunderschöne Landstraßen nahe des Kaukasus-Gebirges ging es in das Dorf Choni. Auf dem Weg dorthin versperrten uns ständig Kühe den Weg, die wir im Slalom umfahren mussten. Linus Straßer hätte seine Freude an unseren Fahrkünsten gehabt!

Rasche Weiterreise zum zweiten Match

Der Ground befand sich hinter einem großen Tor, wo wir eigentlich das Auto abstellen wollten. Allerdings waren wir uns unsicher, ob das später nicht geschlossen sein könnte  und wir dann am Ende nicht mehr weg kommen. Also parkten wir zur Sicherheit draußen – eine gute Entscheidung. Der Ground befand sich in der Mitte des Dorfes neben einer schönen Kirche, die Tribüne war an ein Haus gebaut und bestand nur aus Stahlträgern mit Sitzen drauf. So schnell wie wir dort waren, mussten wir auch wieder weg, denn zum Abendspiel in Kutaissi mussten wir noch ein paar Kilometer überbrücken.

Imerti Khoni Groundhopping Georgien
Das Stadion von Imerti Khoni mit der Drohne fotografiert

Unser Hotel befand sich in der Nähe des Stadions, doch zuvor stand noch Abendessen auf dem Programm und die Parkplatzsuche in der drittgrößten Stadt Georgiens gestaltete sich einfacher als erwartet. Das Restaurant, das Phillip rausgesucht hatte, war mega! Die haben so gut aufgetischt, dass wir fast zu spät zum Spiel gekommen wären.

Glasflasche? Kein Problem!

Der Ground bot eine tolle Sicht auf die Stadt. Wie die Tage zuvor, gab es auch diesmal im Stadion nichts zum Trinken. Zum Glück hatten wir aber vorgesorgt und uns außerhalb an einer Pizzabude mit Bier und Limo versorgt. Beim Einlass hat sich keiner für unsere Mitbringsel interessiert, obwohl es das Bier nur in Glasflaschen gab.

Torpedo Kutaissi Groundhopping Georgien
Zu Gast bei Torpedo Kutaissi

Bereits am nächsten Tag standen wieder zwei Spiele und ein Tapetenwechsel auf dem Plan. Zuerst führte uns die tolle Landstraße nach Lantschchuti; dort fand das erste Spiel statt, bis es weiter nach Batumi gehen sollte.

Fortsetzung folgt…

So viel zu Teil I des Berichts von Groundhopping Georgien – die Fortsetzung veröffentlichen wir heute Nachmittag!

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