Unsere Leser time_for_football_089 und Phillip haben im Jahr 2021 Georgien besucht, um ihrer Leidenschaft Groundhopping nachzugehen. In Teil I habt Ihr bereits von kleineren Problemen bei der Ein- und Anreise sowie dem Besuch der ersten Spiele erfahren. Von Kutaissi aus ging es nun weiter nach Lantschchuti, wo direkt das nächste Match auf dem Programm stand.

Morbide Schönheit in Lantschchuti

Spiel 1:
Guria Lantschchuti – FC Tiblis City  0:2

Die Nebenstraße zum Ground war die reine Kraterlandschaft – eine Straße mit so vielen und auch so tiefen Schlaglöchern hatte ich bisher noch nie befahren. Kein guter Ort für ein Auto, doch am Ende waren noch alle vier Reifen dran und es blieb unversehrt. Der Ground sollte sich als einer der Geilsten auf der Tour entpuppen: Große Löcher in der Tribüne, wo es 20 Meter runter geht, also alles komplett vergammelt. Ein Riesen-Teil muss das mal gewesen sein, denn durch die vielen Stahlträger konnte man noch erahnen, wie groß das mal war und das mitten in einer Einöde.

Groundhopping Georgien Lantschchuti
Das Stadion in Lantschchuti mit der Drohne fotografiert

Auch dank der tollen Umgebung waren die Aufnahmen mit der Drohne mega und man konnte die ganze Schönheit auf ein Bild bekommen. Phillip wurde kurz von einer Krankenschwester mitgenommen, als er sich mal wieder vergebens auf die Suche nach Wasser begab. Wir waren so froh, als das Spiel abgepfiffen wurde, denn an diesen Tag war es unfassbar heiß, dass es kaum auszuhalten war. Zurück im Auto und über die Kraterlandschaft auf die Hauptstraße, suchten wir sofort den nächsten Laden auf und deckten uns mit Getränken und Snacks ein, um die folgende zweistündige Fahrt zu überleben.

Enttäuschung und Begeisterung in Batumi

In Batumi angekommen, ging die Suche nach unserem Hotel los, denn irgendwie waren alle Straßen dorthin gesperrt. Erst wenige Tage zuvor hatten wir uns aus Preisgründen für diese Unterkunft entschieden. Es gab da nur ein kleines Problem: Das Hotel gab es an der angegebenen Adresse nicht. Zum Glück hatten wir die Option „Vor Ort zahlen“ gewählt… Also war Umdisponieren angesagt und die Jungs von der Rezeption waren auch recht verwirrt, denn bereits fünf Minuten nach der Buchung standen wir schon bei denen auf der Matte.

Strandpromenade Batumi
Die Strandpromenade in Batumi – Sightseeing statt Fußball

Nach dem Einchecken ging es schnell auf die Zimmer, denn wir hatten durch die Irrfahrt viel Zeit verloren und mussten eigentlich zu Spiel Nr. 2 an diesen Tag. Es folgte das nächste Ärgernis, denn Phillip erfuhr, dass das Spiel ausverkauft sei. So fiel das Spiel für uns flach und wir konnten nichts dagegen machen. Zur Info: Wir hatten bis dorthin keine Karten für irgendein Spiel gebraucht und auch nach Batumi nicht mehr – was für ein Pech!

Sightseeing statt Fußball

Im Nachhinein war das jedoch nicht so schlimm war, denn so konnte man sich ein wenig Batumi ansehen und in einen richtig geilen Restaurant zu Abend essen. Phillip verzog sich nach dem Essen ins Zimmer, ich blieb noch und schlenderte an der Strandpromenade entlang, denn dort gibt es einen Bauboom und es wird ordentlich in die Gebäude investiert. Was für eine tolle Stadt! Im Hotel angekommen ging es auch gleich ins Bett, denn wir hatten leider nur eine Nacht dort, da der Spielplan Phillip und mich am folgenden Tag nach Tiflis führte.

Groundhopping Georgien Restaurant Batumi
Kulinarisch blieben in Georgien kaum Wünsche offen

Die Strecke von 367 km wurde mit knapp sechs Stunden angegeben – ganz schön lang für so eine Distanz. Einmal mehr waren wir von der Landschaft ungemein angetan und ich möchte behaupten, dass Georgien eins der schönsten Länder ist, die ich bisher bereist habe. Aktuell ist man dabei, Batumi und Tiflis mit einer Autobahn zu verbinden, wie wir während unserer langen Fahrt beobachten konnten.

Groundhopping Georgien: 6 Stunden für 367 Kilometer

Das erste Spiel an diesem Tag fand im Dorf Duscheti statt. Dieses liegt auf  900 Höhenmetern, ist ca. 120 km von der russischen Grenze und nur 55 km von Tiflis, der georgischen Hauptstadt, entfernt.

Spiel 1:
FC Aragvi Dusheti – FC Kolkheti Khobi  0:0

Der Ground war einer der unattraktivsten dieser Tour und das 0:0 hat das Gesamterlebnis auch nicht besser gemacht. Das einzig Witzige, was man über diesen Ort erzählen kann, ist, dass das Gelände auch als Kuhweide diente. Nach dem Spiel musste es wieder schnell gehen, denn es gab noch viel zu erledigen und so teilten wir uns die Aufgaben. Ich fuhr Phillip mit dem ganzen Zeug schnell zum Hotel, schmiss ihn dort raus, damit er den Check-In absolvieren und das Zimmer beziehen konnte. Für mich ging es in der Zwischenzeit zum Flughafen, um das Auto abzugeben.

FC Aragvi Groundhopping Georgien
Der Sportplatz des FC Aragvi Dusheti

Treffpunkt war dann am Stadion. Ich kam mit dem Taxi an und war erst einmal verwirrt, denn der Fahrer ließ mich vor einem Tor aussteigen, das zu einen Militärgelände gehört.

Sport auf dem Militärgelände

Spiel 2:
FC Speari – FC Saburtalo II  1:1

Der Typ am Eingang hatte auch kein so rechten Plan, was ich von ihm wollte, ließ mich aber dennoch rein. Interessant war auch, dass so viele Leute da waren, obwohl das Spiel auf ein Militärgelände stattfand – ich war also tatsächlich richtig!

Um ein paar Schnappschüsse zu machen, musste ich mich durch die Büsche schlagen, aber der Typ in seinem Wachturm fand das nicht so lustig und schnauzte mich an, was mir aber egal war, da ich alle meine Aufnahmen bereits gemacht hatte und das Spiel fast zu Ende war. Dieser Abend endete – wie alle anderen auch – in einem klasse Restaurant am Fuße des Nationalstadions, wo sich auch unser Hotel befand.

FC Speari Groundhopping Georgien
Attraktives Panorama beim FC Speari

Imposante U-Bahn und unentspannte Ordner

Am folgenden Tag machten wir dann die Stadt ein wenig unsicher, für Phillip und mich ging es mit der Gondel zum Fernsehturm hoch. Dort befand sich auch ein kleiner Freizeitpark, doch leider durften wir den Turm nicht betreten, da ein Feuer die Einbauten 2004 zerstört hatte. An diesem Tag fuhr ich dann auch das erste Mal mit der berühmten georgischen U-Bahn. Die Rolltreppen dort runter sind echt gewöhnungsbedürftig, da sie recht schnell sind und man da echt auf zack sein muss.

FC Garga – FC Shevardeni 1906 Tbilisi  2:0

Nach dem kleinen Ausflug am Nachmittag wurde es Zeit, zum einzigen Spiel des Tages aufzubrechen. Unweit eines künstlich angelegten Sees fanden wir den Ground, bei dem die Ordner sehr unentspannt waren und uns auch nicht erlaubten, Getränke mit ins Stadion zu nehmen, obwohl die Temperaturen an diesem Tag gefühlt die der Hölle überstiegen.

FC Gagra Groundhopping Georgien
Der FC Gagra ist ein Verein in der georgischen Hauptstadt Tiflis

Festmahl zum Abschied

Nach dem Abpfiff mussten wir in der Hitze lange aufs Taxi warten und nach einer gut 20 minütigen Fahrt erreichten wir unser Hotel. Dort machten wir uns kurz frisch und nach einigen Minuten ging es schon wieder los ins Restaurant, denn zu Abend hatten wir noch nicht gegessen. Wir zelebrierten den Abend dann genüsslich mit Speis und Trank, bis die Kellner uns freundlich raus schmissen.

Am nächsten Morgen begann Phillips letzter Tag in Georgien, während ich aufgrund der Quarantänevorschriften um eine Woche verlängert hatte. In Deutschland hätte ich sonst für eine Woche in Quarantäne gemusst, weil meine zweite Impfung – wie vorher bereits angedeutet – noch keine zwei Wochen alt war. Für nur 5 Euro konnte den Rückflug umbuchen und auch die Unterkünfte waren in Georgien nicht allzu teuer. Am Ende hatte ich in etwa 200 Euro Mehrkosten, was ich allerdings gerne in Kauf nahm statt nach dem Urlaub eine Woche in Quarantäne verbringen zu müssen.

Ein letzter Kick in Tiflis

Dieser Tag verlief dann größtenteils ereignislos, nur ein Spiel stand noch auf dem Zettel, das im Norden von Tiflis stattfand. Der Ground war einer der wenigen, den man gut öffentlich mit Bus und Bahn erreichen konnte. Trotz Kunstrasen war die Anlage – da hat man schon Schlimmeres gesehen!

WIT Georgia – FC Rustavi   1:1

Nach dem Spiel ging es dann noch in eine Brauerei, die wir durch Zufall gefunden hatten. Dort beendeten wir den letzten Tag der gemeinsamen Tour mit einem tollen Abendessen.

WIT Georgia Groundhopping Georgien
Letzter Kick des Trips: WIT Georgia

Groundhopping auf sechzger.de

In den letzten Monaten erschienen bereits einige Groundhopping-Artikel auf sechzger.de. Hier eine kurze Übersicht:

Groundhopping Rumänien
Groundhopping Mazedonien bzw. Nordmazedonien
Groundhopping Armenien
Groundhopping Thailand
Groundhopping Ukraine
Groundhopping Kuba
Groundhopping Montenegro
Groundhopping Indien
Groundhopping Kirgisistan
Groundhopping Saudi-Arabien
Groundhopping Antarktis (Südgeorgien)
Groundhopping Kolumbien
Groundhopping Indonesien
Groundhopping Laos
Groundhopping Georgien

5 1 vote
Article Rating
Vorheriger ArtikelGroundhopping Georgien – Teil I: Abenteuerliche Reise zu Corona-Zeiten
Nächster ArtikelEin Kommunikations-Desaster bei den Löwen – mal wieder
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments