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Im ersten Teil des Interviews ging es vor allem um die Zeit nach dem Zwangsabstieg, den Auszug des TSV 1860 aus der Allianzarena und eine mögliche Insolvenz – im zweiten teil des Interviews um den Umbau des Sechzgerstadions und mögliche Alternativen sowie die Kündigung des Kooperationsvertrages oder auch das Nachwuchsleistungszentrum. Hier ist jetzt der dritte und somit letzte Teil des Interviews mit Heinz Schmidt, Vize-Präsident des TSV 1860 München:

Wäre das auch ein Argument für eine Online-Mitgliederversammlung?

Heinz Schmidt:

So wie wir uns das vorstellen, sollte es eher eine Informationsveranstaltung sein, bei der wir berichten und man z.B. im Chat oder davor online Fragen stellen kann. Das ist unproblematisch. Ein echtes Problem sind rechtssichere Online-Wahlen, da kann es nämlich wirklich teuer werden.

Ich glaube allerdings, dass jetzt durch Corona mehr Anbieter dafür auf den Markt kommen. Dann wird entsprechende Software vielleicht auch günstiger. Sicher und bezahlbar muss es sein und soweit sind wir noch nicht. Aber wir machen uns schlau über diese Möglichkeiten. Für September sehe ich allerdings keine Möglichkeit, dies für Wahlen schon umzusetzen.

sechzger.de:

Wir sehen Präsenz-Veranstaltungen schon als sehr wertvoll bei einem Verein, mit Diskussionen, Nachfragen etc.

Heinz Schmidt:

Exakt, es geht ja nicht nur um die Wahlen und das ist auch nicht vergleichbar mit einer Briefwahl bei der Bundestagswahl. Es wird diskutiert, man kann Fragen beantworten. Das zeigt sich auch z.B. oft im kleinen Rahmen bei Fanclubveranstaltungen: Da gehen wir rein und spüren schon eine eisige Stimmung. Nach zehn Minuten wandelt sich das oftmals sehr stark: Da gibt es dann vielleicht noch einen eisigen Tisch, aber der Rest hört Dir dann zu.

Es gibt aber auch Gegenbeispiele. Ich glaube beispielsweise, dass die letzte Verwaltungsratswahl anders ausgegangen wäre, wenn der eine oder andere Kandidat geschwiegen hätte.

sechzger.de:

Definitiv. Nach dem Abstieg bzw. dem Lizenzentzug ist Dir ja vorgeworfen worden, Du hättest in die Kamera gegrinst. Besonders in einem Blog bzw. dem Kommentarbereich darin, ist immer wieder vom „Grinser“ die Rede. Wie geht es Dir mit diesen Vorwürfen? Immerhin investierst Du doch sehr viel Zeit in den Verein und sparst ihm ja durch Deine Arbeit auch einiges an Geld. Schmerzt so etwas dann nicht?

Heinz Schmidt:

Das mit den Blogs ist mir relativ egal, das mit dem Grinsen ist meine Art und die werde ich nicht ändern. Das werdet ihr auf jeder Mitgliederversammlung genau so sehen.

Was mir wirklich nahe gegangen ist, waren die Beleidigungen bis hin zu Morddrohungen. Es war dann auch wenig hilfreich, dass die Kripo München bei meiner Frau angerufen hat und gesagt hat, dass es Morddrohungen gibt. Man würde sie nicht sehr ernst nehmen, es aber trotzdem weitergeben. Da kommt man dann schon ins Überlegen.

Das mit dem Grinsen war vielleicht auch ein Stück weit Unsicherheit, weil ich keiner bin, der in die Medien drängt und gewohnt ist, vor Kameras zu stehen. Wenn das die einzigen Kritikpunkte sind, die man an meiner Arbeit findet, dann bin ich froh!

sechzger.de:

Die Vorwürfe sind ja eh immer die gleichen und wenig substanziell: Robert Reisinger ist der „Golfer“ und der „Scheiß-FC-Bayern“-Plärrer, Hans Sitzberger der „Zammkehrer“ und Du der „Grinser“… Natürlich kommt dann immer die Frage, wo denn die Sponsoren bleiben, die ihr versprochen habt. Obwohl wir uns an ein derartiges Versprechen gar nicht erinnern können.

Heinz Schmidt:

Ich wüsste tatsächlich nicht, wann wir irgendwelche Sponsoren versprochen haben sollen. Es ist nicht die Aufgabe des Präsidiums des e.V., diese heranzubringen. Was sehr wohl unsere Aufgabe ist, ist die Sponsorenpflege. Das machen wir immer, wenn uns die KGaA darum bittet. Gerade in letzter Zeit ist es so, dass die Teilnahme vom Präsidium wieder mehr gewünscht ist und dem kommen wir sehr gerne nach.

sechzger.de:

Hast Du das Gefühl, es geht wieder mehr in eine Richtung? KGaA und e.V.?

Heinz Schmidt:

Wir waren ja von der Mannschaft relativ weit weg. Irgendjemand hat ja der Mannschaft auch gesagt, dass das Präsidium angeblich nicht aufsteigen will und so waren wir da nicht sehr beliebt. Das wird jetzt wieder deutlich besser. Vielleicht haben sie jetzt auch gesehen, dass wir sehr gerne aufgestiegen wären und diese Behauptung ein Blödsinn war. Jetzt rückt man wieder zusammen.

sechzger.de:

Dieses „die wollen ja nicht aufsteigen“ liest man immer wieder in den Kommentarspalten. Woher kommt das? Also wie kommt es, dass Leute ernsthaft glauben, dass Leute wie der Robert Reisinger, der ja Lebensmitglied seit den 90ern ist, nicht aufsteigen wollen?

Heinz Schmidt:

Das liegt zig Jahre zurück, als Robert noch Fußballabteilungsleiter war. Da fanden zeitgleich ein wichtiges Spiel der e.V. -Mannschaft und ein sportlich wenig bedeutendes Spiel der Profis in der Allianz Arena statt. Da sagte er zu irgendjemanden auf die Frage, warum er heute nicht in der Arena wäre „die Profis gehen mir am Arsch vorbei.“ Diese – noch dazu aus dem Zusammenhang gerissene – Aussage geistert immer noch rum. Da kannst Du noch so oft das Gegenteil beweisen, das wirst Du nicht mehr wegbekommen. Ist aber ähnlich wie bei mir: wenn sie keine besseren Argumente haben…

sechzger.de:

Das bedeutet: Du willst aufsteigen?

Heinz Schmidt:

Natürlich! Klar!

 

sechzger.de:

Uns wird ja auch immer wieder vorgeworfen, wir würden lieber Regionalliga im Sechzger spielen als 1. Bundesliga, was Blödsinn ist…

Heinz Schmidt:

Natürlich. Ich bin auch heilfroh, dass wir direkt aus der Regionalliga aufgestiegen sind, weil ich nicht weiß, ob wir noch eine Saison in der Konstellation geschafft hätten. Ich sehe die 3. Liga als Profiliga mit interessanten Gegnern, aber natürlich möchte ich aufsteigen. Du möchtest immer größtmöglichen Erfolg. Da habe ich Werner Lorant bewundert: Der hat bei Saisonziel immer „Meister“ gesagt. Du brauchst ja auch nicht antreten, wenn Du nicht sagst, Du willst möglich viel erreichen.

Natürlich möchte ich aufsteigen. Ich hoffe, dass uns die Chance gegeben wird, eine Mannschaft aufzubauen, die in 2-3 Jahren die Chance hat aufzusteigen. Wenn es eher klappt: schön! Natürlich kann das Ziel nur Aufstieg sein – auch aus wirtschaftlicher Sicht. Dieses Ziel haben in der 3. Liga allerdings fast alle Vereine. Man hat ja in dieser Saison gesehen, wie eng die Liga ist: Wir hatten bis zum letzten Spieltag die Chance aufzusteigen – und waren am Ende Achter in der Tabelle.

sechzger.de:

In einem vollen Sechzger hätten wir vermutlich bessere Chancen gehabt, um den Aufstieg mitzuspielen. Wir haben vor Kurzem mit Aaron Berzel gesprochen, der uns aus Spielersicht geschildert hat, wie wichtig die Atmosphäre ist.

Heinz Schmidt:

Vermutlich bzw. ziemlich sicher. Wenn es immer heißt „Geld schießt Tore“ – das ist richtig. Aber Zuschauer auch.

sechzger.de bedankt sich für dieses offene Gespräch

Das Interview führten Benedikt Niedergünzl und Stephan Tempel

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