50+1 wird bekanntermaßen nicht von jedermann gutgeheißen und manch einer würde die Regel gerne lieber heute als morgen verschwinden sehen. Ein neues EuGH-Urteil könnte 50+1 nun jedoch nachhaltig stützen und den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen.

Neues EuGH-Urteil könnte 50+1 nachhaltig stützen

Wie üblich in dieser Causa ist die Sachlage etwas verzwickt und natürlich müssen auch diesmal mehrere Faktoren berücksichtigt werden. In der neuen Ausgabe der Juristen-Zeitung publizierte Alexander Scheuch seine Anmerkung zum EuGH-Urteil namens “Vorgaben für die Zulassung von Konkurrenzwettbewerben durch Monopolsportverbände – ESL (Super League)”. Der frühere Justiziar des 1.FC Köln kommt dabei zu dem Schluss, dass die Gesamtabwägungen der Luxemburger Richter “bei den Befürwortern von 50+1 Hoffnungen wecken” dürfen.

Worum geht es dabei?

Zwar bestätigt Schleuch, dass der EuGH u.a. im Verfahren Super League ein begründetes bezwecktes Wettbewerbsverbot erkannt habe, was auf den ersten Blick gegen die Beibehaltung von 50+1 spreche. Es liege hier “ein Missbrauch marktbeherrschender Stellung vor wegen der gegen die Super-League-Gründer 2021 ausgesprochenen (und mittlerweile wieder kassierten) Sanktionen der Konföderation, zudem ein Verstoß gegen die Dienstleistungsfreiheit”, wie es der kicker zusammenfasst.

Aber liegt bei 50+1 nicht auch eine eindeutige Wettbewerbsbeschränkung vor? Hier kommt nun der Fall Royal Antwerp ins Spiel, bei dem die “Homegrown-Player-Rule” der UEFA thematisiert wurde. Diese besagt, dass Vereine eine Mindestzahl an selbst ausgebildeten Spielern im Kader führen müssen. Der EuGH urteilte diesbezüglich jedoch, dass man es “dem vorlegenden Gericht überlassen müsse, zu beurteilen, ob die Vorschriften zur Kaderzusammensetzung eine Wettbewerbsbeschränkung bezwecken. Darüber hinaus ist zu bedenken: Nach der Logik des EuGH kann in der Rechtssache Wouters keine bezweckte Wettbewerbsbeschränkung vorgelegen haben (…).” 

Was bedeutet das für 50+1?

Bei der angesprochenen Rechtssache Wouters handelt es um einen Fall außerhalb des Sports, bei der eine Rechtsanwaltskammer Zusammenschlüsse zu fachübergreifenden Anwaltssozietäten verboten hatte. Alexander Scheuch erkennt dabei deutliche Parallelen zu 50+1: “Auch dieses beschränkte die Möglichkeit Dritter, in Unternehmen (dort: Rechtsanwaltskanzleien) einzusteigen. Insofern bestehen Ähnlichkeiten zur 50+1-Regel.”

Dreht man den Spieß um, bedeutete dies also, dass im Sinne der Erreichung legitimer Ziele 50+1 nicht als bezweckte Wettbewerbsbeschränkung erachtet werden könne, denn “die Regel schützt nicht primär die wirtschaftlichen Interessen des Verbandes bzw. seiner Mitglieder”. Stattdessen sollen gerade die vom EuGH als schutzwürdig erachteten Prinzipien und Werte des Profifußballs gewahrt werden.

Sonderfälle als Knackpunkt?

Alexander Scheuch fasst zusammen:

“DFL und DFB dürften daher gut daran tun, sich bei einem Plädoyer für 50+1 auf soziokulturelle Gründe (Vereinsprägung des deutschen Fußballs, Verankerung in der Bevölkerung) zu konzentrieren. (…) Unter Konsistenzgesichtspunkten kritischer zu sehen sind dagegen die in der Praxis bestehenden Ausnahmen von der 50+1-Regel. Es sind auch primär diese historisch begründeten Sonderfälle (Leverkusen, Wolfsburg), an denen sich das BKartA stört. Erst recht sollte daher anderen faktischen Ausnahmegestaltungen (Stichwort: Hannover 96) ein Riegel vorgeschoben werden.”

Das Thema 50+1 bleibt also spannend…

Titelbild: muenchnerloewen.de

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Kraiburger

Von welchem EugH-Urteil sprecht ihr? Aktuell warten wir doch auf das Urteil des Bundeskartellgerichts?

Drittligist

Ich tippe mal, daß nicht das Urteil neu ist, sondern die Anmerkung dazu von Alexander Scheuch in der JuristenZeitung. Das Urteil dürfte genau das von Ende Dezember(?) sein, das das BKartA in der 50+1 – Bewertung mit berücksichtigen will.

Steffen Lobmeier

Das Urteil des EuGH in Sachen Wouters dürfte gemeint sein – siehe Artikel und folgende Erklärung.

Herbert

50+1 muss weg. Die Regel ist im heutigen Fussball nicht mehr zeitgemäß.

Last edited 2 Monate zuvor by Herbert
Kraiburger

Eigentlich ist 1860 München der beste Beweis dafür, dass der deutsche Fußball eine Regel wie 50+1 mehr als alles andere nötig hat!

Benjisson

Herbert muss weg. Der Name ist in der heutigen Gesellschaft nicht mehr zeitgemäß.

age

Willst wieder provozieren? 😉
Das damit Sechzig auch von der Bildfläche verschwindet ist dir auch egal.
Oder glaubst du tatsächlich, dass Investoren sich auf einen hochverschuldeten Dritt-/Viertligisten stürmen?

Herbert

Schon mal was von Insolvenz gehört?

Drittligist

Nein! Erklärs mir!

Drittligist

Hast Du ausser ‘nicht mehr zeitgemäß’ auch noch ein echtes Argument?
Z.B. dass der deutsche Fussball im internationalen Vergleich nicht mehr konkurrenzfähig ist, im Unterschied zu Ländern ohne 50+1-Regel wie England. Das zeigen ja CL und EL, die sozusagen von englischen Vereinen dominiert werden, während die deutschen Vereine alle schon in der Vorrunde raus sind!

Siggi

“Sarkasmus off” hättest Du noch am Ende dazuschreiben können, sonst glaubt noch jemand es handele sich um Fakten 😉

BluePunisher

Hust*Leverkusen Hust*

Drittligist

Gute Besserung!

Roloe

Was ist denn genau “zeitgemäß”? Und ist alles, was “zeitgemäß” ist, auch richtig und gut? Ist Fußball tatsächlich nur noch ein Teil der Unterhaltungsindustrie, die nur das eine Ziel verfolgt, nämlich: Noch mehr Geld zu generieren, ohne Rücksicht auf Qualität, die nicht nur in der sportlichen Weiterentwicklung und der professionellen Präsentation liegt, speziell in einem Land wie Deutschland mit dieser beispielslosen Vereinskultur, aus der sich der hiesige Fußball entwickelt hat? Und, wenn dem so sei, müssten dann die Protagonisten nicht damit aufhören, mit der kulturellen und sozialen Bedeutung des Sports und des Fußballs zu argumentieren, wenn es um öffentliche Förderung aus Steuergeldern geht? Zum Beispiel für die Bezahlung der Bereitstellung von Infrastruktur wie Stadien oder der Polizeieinsätze im Rahmen der Veranstaltungen des Profifußballs. Denn diese wird auch von den Gegnern einer 50+1-Regel gerne ins Spiel gebracht, wenn es darum geht, öffentliche Gelder zu beanspruchen. Hier müsste man sich dann auch entscheiden. Entweder, oder: Fußball als Teil des sozialen Gefüges, der mit seiner Jugendarbeit wichtige soziale Funktionen erfüllen kann und der auch Menschen verschiedener Gesellschaftsschichten zusammenbringt, oder als Gelddruckmaschine für einige wenige mit einem Publikum ohne irgendein Mitspracherecht.

Siggi

Sehr schön auf den Punkt gebracht! Danke dafür.

Kraiburger

Und was mich stört ist auch immer noch der Irrglaube, dass Fußballer schneller laufen können, wenn noch mehr Geld – als eh schon – im Spiel ist.

Kein einziger Spieler wird dann schneller laufen. Aber es wird noch mehr Geld zur Verfügung gestellt, dass für schwindlige Spielerberater, Wettbüros, Briefkastenfirmen auf den cayman Islands und Zockerpaten zur Verfügung steht.

black_belt_blues

Sonst noch ein Argument oder war es das schon wieder?
Deine Meinung ist bekannt und interessiert ohne Begründung hier keinen.

Steffen Lobmeier

Aha. Warum?