Einen Wutmonolog soll Kapitän Dennis Dressel laut Abendzeitung nach dem Spiel in Burghausen abgelassen haben. Hier würde man sich wünschen, dass der Boulevard einmal nicht übertrieben hat, sondern es im Inneren der Mannschaft wirklich so aussieht. Wut und Ärger darüber, sich wieder einmal selbst um die verdienten Punkte gebracht zu haben. Ich war gestern – zum zweiten Mal in dieser Spielzeit – nicht zornig, dafür aber enttäuscht und leider auch etwas ratlos. Wie kann man so ein Spiel noch verlieren? Warum wechseln wir so komisch aus? Warum hat Flo Niederlechner einfach kein Glück? Hier sind meine – wenig ausgefeilten – Giesinger Gedanken zur Partie in Burghausen, die mich noch immer nicht loslässt.
Stand your ground!
Über eine Szene zum Spielende war ich dann aber doch einigermaßen sauer. Da schießen die Burghauser doch tatsächlich das 3:1 und besiegeln den Sieg. So weit, so gut. Dann rennt aber alles Weiß-Schwarze inklusive Staff und Auswechselspieler direkt vor die Bank der Löwen und jubelt, als wäre ihnen gerade der Aufstieg gelungen. So etwas darf sich eine Mannschaft doch nicht einfach gefallen lassen! Ich verlange natürlich keine wilden Handgemenge, aber etwas mehr Reviermentalität wäre schon angebracht.
Sonst ist es eine Mischung aus Ungeduld, Ernüchterung und Ratlosigkeit, die mich nach der Partie einigermaßen geknickt zurücklässt. Die Ausrede der fehlenden Erfahrung zieht gegen ein Burghausen mit einem Altersschnitt weit diesseits der 25 nicht wirklich. Nach dem Bachschmid-Ausfall war der älteste Feldspieler 25 Jahre alt. Mit Spielern wie Niederlechner, Weber und auch Dressel sind wir dagegen eine routinierte Truppe.

Woran hat es gelegen?
Aber woran hat es dann gelegen? Zum einen auf dieses Match bezogen, aber auch spielübergreifend gesehen. Dass wir die Tore nicht machen, ist (noch) Unvermögen. Viele geblockte Schüsse bedeuten nicht nur Pech, sondern auch fehlende Ruhe und Übersicht vor dem Tor. Außerdem fehlt uns ein (zweiter) Stürmer. Hinter Florian Niederlechner – der noch nie ein echter Goalgetter war – kommt erstmal lange nichts. Calderon ist von wirklicher Regionalligaqualität noch meilenweit entfernt und Noah Klose muss sich nach seiner Verletzung auch erst wieder finden. Aktuell steht er ja für den Spieltagskader noch nicht zur Verfügung. Das wird kombiniert mit Problem Nummer drei zur echten Schwierigkeit, denn unsere Nummer sieben hat aktuell einfach Pech. Niederlechner ackert für drei, kommt in Abschlusspositionen und steht oft gut. Der Ball will aber einfach nicht ins Tor. Ich bin überzeugt, dass der Knopf im Laufe der Saison noch aufgeht, aktuell bräuchte es aber einfach einen zweiten Angreifer, den man einwechseln könnte. Hoffentlich kommt Michael Eberwein bald zurück, ihm traue ich auch die Position ganz vorne ohne Bedenken zu.
Schwierige Lösungsfindung
Zwei weitere Punkte, die in Gesprächen mit einigen Fans und in der ausführlicheren Analyse während der Heimfahrt immer wieder aufkamen, sind die Ecken und die Umstellung in der Verteidigung. Zu den Ecken fällt mir in der aktuellen Situation nicht wirklich eine Lösung ein. Mit den Ausfällen von Faßmann und Eberwein haben wir eigentlich überhaupt keine wirklichen Kopfballspieler mehr auf dem Feld. Ständig irgendwelche Varianten zu probieren, ist aber auch nicht das Ei des Kolumbus.
Kopfballstark sind eventuell die zwei Innenverteidiger aus der U19, die bei den Profis mittrainieren. Davon saß gestern Ludwig Estermann auf der Bank. Warum nicht er als gelernter Innenverteidiger ins Spiel kommt, wenn Felix Weber anscheinend nicht mehr weitermachen konnte, ist mir schleierhaft. Eine weitere Möglichkeit wäre es gewesen, Dressel zurückzubeordern und dann Collins im Mittelfeld zu bringen. Bis zu dem Zeitpunkt der Variante mit Bell als Innenverteidiger – die gegen Buchbach ja auch schon eher suboptimal funktioniert hat – konnte Burghausen offensiv keinerlei Akzente setzen, danach ermöglichte eine fehlerhafte Zuordnung den Führungstreffer. Wenn man ein funktionierendes System schon nicht personell aufrechterhalten kann, erscheint es seltsam, dann gleich alles über den Haufen zu werfen.

Meckern auf hohem Niveau
Abschließend gilt es aber noch einmal festzuhalten, dass es sich hier immer noch um Meckern auf sehr hohem Niveau handelt. Aber wir sind halt bei Sechzig. Und da erwartet jeder – mich eingeschlossen – ob bewusst oder unbewusst, dass die Löwen in der Regionalliga oben mitspielen. Mich persönlich würde es ja gar nicht so sehr ärgern, wenn wir – wie im Toto-Pokal – recht chancenlos verlieren und der Gegner einfach besser war. Diese knappen, unnötigen und selbstverschuldeten Niederlagen und Unentschieden wie schon gegen Fürth II sind es, die mich sauer machen. Weil ja sichtbar ist, dass es besser gehen könnte, dass die anderen nicht besser sind. Aber das ist doch eigentlich auch etwas Schönes?
Die Giesinger Gedanken erscheinen regelmäßig als Kommentar und stellen die persönliche Meinung eines Mitglieds unserer Redaktion oder eines Gastautors dar. Sie spiegeln nicht grundsätzlich die Meinung der gesamten Redaktion wider.





















































































