Im Interview mit sechzger.de äußert sich Geschäftsführer Dr. Christian Werner, dessen Vertrag bei den Löwen erst kürzlich von beiden Gesellschafter-Seiten verlängert wurde, zu den Planungen für die neue Saison. Er spricht darüber, welche Bedeutung die Heimspiele für den Kampf um den Klassenerhalt haben und wie er mit dem medialen Umfeld bei den Löwen umgeht. Ebenfalls erklärt er, wie er in seinem täglichen Arbeitsumfeld Künstliche Intelligenz einsetzt.
Bedeutung der jüngsten Heimsiege für den Kopf
Am Samstag geht es für die Löwen im Grünwalder Stadion gegen das Top-Team aus Cottbus. Wie wichtig war es für den Kopf der Spieler, gerade im Hinblick auf diese Partie und die wichtigen Heimspiele gegen Sandhausen, Aachen und Essen, dass die Mannschaft im März zwei Heimsiege gegen Unterhaching und Dortmund feiern und damit eine kleine Heimserie starten konnte? Sprich, dass sich das Team selbst bewiesen hat, dass es auch zu Hause gewinnen kann?
“Wir sind trotz der Siege mit unserer Heimbilanz absolut unzufrieden. Wir freuen uns natürlich, dass wir mit den zwei Heimsiegen unseren Fans etwas zurückgeben konnten. Der Support, den wir von unseren Fans verspüren, ist extrem. Wir haben es unseren Fans zu verdanken, dass wir letztes Jahr nicht abgestiegen sind. Es geht nun in die letzten fünf Heimspiele, die Spiele gegen Cottbus und Aachen sind bereits ausverkauft und auch gegen Sandhausen können jetzt schon Tickets gekauft werden, da wird das Stadion trotz des ungünstigen Termins auch wieder voll werden. Wir freuen uns über jeden Fan, den allseits beschworenen zwölften Mann und wollen mit dem Zitat der Fans „mit Kampf und Leidenschaft gemeinsam zum Klassenerhalt“.”
Die Entwicklung nach dem Trainerwechsel
In welchen Bereichen hat sich die Mannschaft seit dem Trainerwechsel zu Patrick Glöckner entscheidend weiterentwickelt? Wurden mit Patrick Glöckner bereits Gespräch über eine Vertragsverlängerung geführt? Und hatten Sie in der Winterpause noch die Hoffnung, den Turn-around mit Argirios Giannikis zu schaffen? Oder wieso erfolgte der Wechsel erst nach der Niederlage in Saarbrücken?
“Mit Vertragsdetails gehen wir grundsätzlich nicht an die Öffentlichkeit, daher möchte ich das auch jetzt nicht kommentieren. Aktuell zählt nur der Klassenerhalt, danach werden wir uns grundsätzlich mit der Situation auseinandersetzen und die Saison analysieren. Patrick Glöckner macht einen guten Job. Agi Giannikis hat im vergangenen Jahr einen eminent wichtigen Beitrag zum Klassenerhalt geleistet und auch in der laufenden Saison mit viel Herzblut und fleißiger Arbeit bei den Löwen gewirkt. Nach dem Saarbrücken-Spiel war es Zeit für einen neuen Impuls. Die Mannschaft hat nach der Verpflichtung von Patrick Glöckner einen weiteren Schritt gemacht. Besonders gefallen hat es mir, dass sie Spiele nach Rückständen gedreht hat. Dennoch müssen wir alle in den letzten Spielen nochmal eine Schippe drauflegen.”
Die Planungen für die neue Saison
Ihr Vertrag wurde Ende März nicht automatisch, sondern zuvor bereits ausdrücklich von beiden Gesellschaftern zusammen verlängert. Wie sehr freuen Sie sich über diesen Ausdruck der Wertschätzung? Wie sehr erleichtert Ihnen das die Planungen für die neue Saison und wie laufen diese bislang? Führen Sie die Gespräche über Vertragsverlängerungen und mit potenziellen Neuzugängen aktuell zweigleisig, also für 3. Liga und den Fall eines möglichen Abstiegs in die Regionalliga, oder wie können wir uns Ihre Arbeit aktuell vorstellen? Wie viele Spieler des aktuellen Kaders wären denn beispielsweise im Falle eines möglichen Abstiegs überhaupt noch an 1860 gebunden?
“Wir beschäftigen uns ausschließlich mit dem Klassenerhalt und sprechen wie beim Trainer auch bei den Spielern nicht über Vertragsinhalte. Dass sich beide Gesellschafter bei meiner Vertragsverlängerung einig waren, nehme ich als absolute Wertschätzung wahr. In der jetzigen Situation ist dies etwas Besonderes. Es erfüllt mich mit Stolz. Nun werde ich dieses in mich gesetzte Vertrauen mit den Attributen mit harter Arbeit rechtfertigen.”
Das mediale Umfeld an der Grünwalder Straße
Sie sind jetzt seit ihrem Wechsel von Waldhof Mannheim etwa 15 Monaten bei 1860, seit September 2024 als alleiniger Geschäftsführer und kennen das mediale Umfeld bei den Löwen inzwischen bereits sehr gut. Sind Sie dennoch manchmal noch überrascht, wie großer Druck von verschiedenen Seiten von außerhalb auf einzelne Personen ausgeübt wird oder haben Sie sich bereits ein dickeres Fell zugelegt, an dem so etwas abprallt?
“Ich hatte durchaus Zeit, mich schon vor meiner Zeit als Geschäftsführer mit dem TSV 1860 München und seinem Umfeld vertraut zu machen. Ich durfte die Löwen kennenlernen, mir ein Bild machen und bin gut vorbereitet in diese Aufgabe gestartet. Seit meinem Amtsantritt durfte ich viele Menschen kennenlernen, die ebenfalls alles für den Erfolg dieses Clubs geben und viel Zeit und Herzblut hineinstecken. Es gibt sehr viele positive Aspekte beim TSV 1860 München, die manchmal untergehen.”
Dein Einsatz von KI in der täglichen Arbeit
In verschiedenen Medien werden Sie immer wieder als KI-Doktor bezeichnet. Stört Sie diese Bezeichnung und in welchen Bereichen ihres täglichen Jobs beim TSV 1860 München kann Ihnen die künstliche Intelligenz tatsächlich hilfreich sein und setzen sie auch dementsprechend ein?
“Im heutigen Fußball ist die Nutzung von Smart Data im Scouting oder in der Analyse von Spielen und Spielern gang und gäbe. Man muss versuchen, alle Information zu nutzen, das Wichtigste ist aber sowohl bei der Verpflichtung als auch bei der Arbeit mit Spielern, dass es vor allem um das Menschliche geht.”
Vielen Dank, dass Sie sich so kurzfristig zu einem Kurz-Interview zur Verfügung gestellt haben.
Anmerkung der Redaktion:
Wir haben uns bewusst im Vorgriff auf ein ausführliches Gespräch in einigen Wochen auf fünf Kernfragen beschränkt. Diese sind aus unserer Sicht für die entscheidenden Wochen im Kampf um den Klassenerhalt besonders relevant.