Ich gebe zu, das war schon ein kleiner, aber sehr lange gehegter Lebenstraum, den ich mir am vergangenen Wochenende erfüllt habe: Einmal zum DFB Pokalfinale nach Berlin. Und ich gebe weiter zu: Darauf, dass mir unser Lieblingsverein diesen Traum eines Tages noch erfüllen wird und ich mit zehntausenden Löwen gemeinsam ein Deutsches Pokalendspiel besuchen kann, möchte ich mich nicht verlassen. (Dafür müsste man in unserem Verein ja zumindest mal anfangen, den Totopokal zur Qualifikation am Hauptwettbewerb ernst zu nehmen und nicht alljährlich leichtfertig abzuschenken...aber dies nur als kleine Anmerkung am Rande, denn in diesem Beitrag geht’s ausnahmsweise mal nicht um die Löwen). Nachdem die Roten sich auch heuer wieder frühzeitig aus dem Wettbewerb verabschiedet hatten (denn deren Nichtteilnahme am Finale war für mich immer die Grundvoraussetzung für den möglichen Spielbesuch), wurden die Pläne für einen Berlintripp ins “deutsche Wembley” konkret.
Geiles Pokalfinale: Arminia Bielefeld vs. VfB Stuttgart
Ich liebe den DFB-Pokal! Und ich verfolge ihn – eigentlich ganz unabhängig von der Teilnahme des TSV 1860 am Wettbewerb – schon seit Jahrzehnten immer sehr intensiv. Dieses Jahr – angesichts der oben skizzierten Pläne – natürlich ganz besonders. Und dass mit Arminia Bielefeld ein Ligakonkurrent von Sechzig – mit vier Ex-Löwen im Kader – in bemerkenswerter Weise bis ins Finale vorrückte und dann der VfB Stuttgart – und nicht etwa das Kunstprodukt aus Leipzig – den Ostwestfalen folgte, steigerte meine Vorfreude noch weiter. Das versprach ein atmosphärisch stimmungsvolles Finale. Und ich nehm es vorneweg: Das Versprechen wurde gehalten.
Weit über 100.000 Fans – zunächst nicht zu sehen
Dank familiärer Bande in die Hauptstadt hatte ich ein Geldbeutel-schonendes Quartier sicher und verbrachte gleich das ganze Wochenende dort. Der Besuch der Fanmeilen beider Vereine stand für Samstag Mittag fest auf meiner To-do-Liste. Bemerkenswert finde ich, dass man am Freitag Nachmittag und Abend noch sehr wenig mitbekam, von den im Vorfeld kolpotierten 100.000 Bielefeldern und 50.000 Suttgartern, die sich zum Pokalfinale in Berlin aufhalten wollten. Die Stadt ist offensichtlich so groß und weitläufig, dass sich zumindest am Tag vor dem großen Spiel nur kleine Gruppen an Anhängern beider Finalteilnehmer ausmachen ließen.
Fanfeste am “Alex” und am Breitscheidplatz
Dies änderte sich dann am Samstag am Breitscheid- bzw. Alexanderplatz. Direkt an der berühmten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche sammelten sich die Fans des Bundesligisten und stimmten sich gut gelaunt und sehr entspannt (und sicher auch ziemlich siegesgewiss) auf das Spiel ein. Die Bielefelder hatten mit ihrem Fanfest am Alexanderplatz meiner subjektiven Empfindung nach das schlechtere Los gezogen, weil der “Alex” einfach zu den weniger schönen Ecken Berlins zählt. Aber auch beim Fanfest des DSC herrschte am Samstagmittag schon beste Stimmung, wobei ich die Atmosphäre dort etwas angespannter wahrnahm, als bei den Kollegen vom VfB. Wen wundert’s?
Die VfB-Fans stimmten sich am Breitscheidplatz…
…auf das große Spiel ein
Die Bielefelder nahmen…
…den Alexanderplatz in Beschlag
Gute Stimmung, wenig Polizei
Insgesamt war das Treiben an beiden Orten absolut friedlich und – das sei hier mal positiv hervorgehoben – die in nur sehr geringer Anzahl anwesende Polizei hielt sich angenehm dezent im Hintergrund. Sie hatte allerdings auch wenig zu tun. Die beiden Fanlager begegneten sich bei direktem persönlichen Kontakt – wie auch später im Stadion – sehr respektvoll und weder stellten einzelne VfBler rund um den “Alex”, noch der eine oder andere Armine am Breitscheidplatz ein Problem dar. Es war schon frühzeitig alles angerichtet für ein großes Fußballfest.
Lob für die BVG
Ein weiteres Lob erhalten in diesem Erlebnisbericht von mir die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die die offiziell 74.036 Besucher bzw. all jene von ihnen, die mit dem ÖPNV zum Olympiastadion kamen, zügig an- und abtransportierten. Schön zu sehen, dass ein 5-Minuten-Takt der S-Bahnen an den westlichen Rand der Hauptstadt kein Problem darstellt.
Schwierige Einlasssituation
Kritisch hingegen ist die Einlasssituation am Stadion anzumerken. Obwohl große Teile der beiden Fanlager schon sehr lange vor dem Spiel ihre Plätze eingenommen hatten und sich auf das Spiel einstimmten und einsangen (die Stadionöffnung ist beim Pokalfinale drei Stunden bevor der Ball rollt), dauerte es auch eineinhalb Stunden vor dem Anpfiff eine gefühlte Ewigkeit, bis man endlich drin war. Der automatisierten Einlasskontrolle mit Scannern und Drehkreuzen wird durch verschiedene Wartezonen begegnet, an denen im Stile einer Blockabfertigung Ordner die Massen zurückhalten. Aus Sicherheitsgründen natürlich nachvollziehbar, für die erwartungsfrohen Fans aber eine echte Geduldsprobe, die bei den Schwaben am Osteingang zum Stadion für einigen Unmut sorgte.
Am Einlass ins Olympiastadion ist Geduld gefragt.


Stuttgart in leichter Überzahl?
Gegen 19.15 Uhr hatte auch ich den Zutritt auf das geschichtsträchtige Stadionareal geschafft und konnte meinen Platz im Block 28.2 im Oberrang einnehmen. Obwohl ich davon ausgegangen war, die Plätze auf der Gegentribüne würden den einen oder anderen neutralen Besucher (wie mich) beherbergen, fand ich mich inmitten weiß gekleideter und sehr supportmotivierter VfB-Fans wieder. Nur vereinzelt waren hier Arminia-Anhänger anzutreffen. Allerdings war der Platz auch ein Stück näher am Stuttgarter Stimmungszentrum hinter’m Tor. Ich weiß nicht, ob der Schein trügte, aber mir kam es insgsamt so vor, als ob ein paar mehr Stuttgarter im Stadion waren, als Bielefelder. Haben die sich – aufgrund durchaus vorhandener DFB-Pokalfinal-Erfahrung – beim Erwerb der neutralen Tickets geschickter angestellt? Von der Lautstärke nahmen sich die beiden Fanlanger übrigens nicht viel. Vielleicht glichen die Ostwestfalen ihre leichte zahlenmäßige Unterlegenheit durch etwas mehr stimmlichen Einsatz aus?



Starke Choreos auf beiden Seiten
Nach dem Vorgeplenkel, das zum feierlichen Rahmen dieses Spiels allerdings irgendwie dazugehört und auch passt, ging es endlich los. Beide Kurven zeigten beeindruckende Choreos, wobei ich die mit der Stuttgarter Mundart-Botschaft (“Des glaubsch au koim – mitm Pokal wiedr hoim”) eine Idee kreativer empfand, als die “Von Generation zu Generation”-Choreographie der Bielefelder. Aber das sind Unterschiede auf ganz hohem Niveau und zugegebenermaßen konnte ich – wegen der großen Anzeigentafel über der Gegentribüne – das Kurvenbild der Arminen auch etwas weniger gut betrachten. Alles in allem dürfte man in den weit über 100 Ländern der Erde, in denen dieses Spiel live im Fernsehen ausgestrahlt wird, durchaus gestaunt haben, was hierzulande an Fankultur und Stadionatmosphäre geboten wird. Optisch und akustisch wusste das wirklich zu gefallen, was die beiden Fanlager auf die Beine stellten.



Das Pokalfinale als klare sportliche Angelegenheit…
Die sportliche Geschichte der Partie ist (leider) recht schnell erzählt. Obwohl ich auch mit einem Pokalsieger VfB Stuttgart ganz gut leben kann, hielt ich – wie wahrscheinlich 90% der Fußballfans der Republik – schon eher dem Underdog aus Ostwestfalen die Daumen. Und nachdem der wie die Feuerwehr loslegte, durfte man ein spannendes Spiel erwarten. Besonders gefiel mit natürlich, wie “unser” Marius Wörl in der Anfangsphase auf meiner Seite des Platzes wirbelte. Auch an dem Lattenkracher in der 12. Minute, der dem Spiel eine komplett andere Entwicklung hätte geben können, war er vorbereitend beteiligt. Aber wie es oft so läuft: Machst Du orne die 100%igen Chancen nicht rein, kassierst Du hinten die Tore. Humor- und kompromisslos nutze der VfB innerhalb von nur 13 Minuten drei kapitale Fehler der offiziellen Gastgeber und entschied das 82. DFB-Pokalfinale frühzeitig. Nach einer halben Stunde war die Messe gelesen und der VfB-Anhang feierte.
…aber ganz großer Kampf des Außenseiters
Was mir wirklich gut gefiel und was ich mir von unserer Mannschaft auch öfter mal wünschen würde, war das Auftreten der Bielefelder. Trotz des deutlichen Rückstands gaben sich die Männer in blau nicht auf, kämpften unermüdlich weiter, was auch von ihrem Anhang mit weiterhin beeindruckendem Support goutiert wurde. Und in der Schlussphase durften alle beteiligten Bielefelder sogar noch zweimal jubeln. Der große Einsatz wurde also zumindest ein wenig belohnt. Erwähnenswert ist an dieser Stelle noch der sehenswerte Pyro-Auftakt in der Ostkurve zu Beginn von Spielabschnitt zwei. Hinter einem überdimensionalen VfB-Schal wurden unter rot-weißem Rauch zahlreiche Blinker gezündet. Das sah richtig geil aus! Und obwohl auch die Arminen während des ganzen Spiel immer wieder für Feuer in ihrer Kurve sorgten, geht der Pyro-Pokal 2025 – wie der goldene Pott selbst – damit an die Fans des VfB Stuttgart.

Jubel beim VfB – Dank an tapfere Arminen
Der Abend im Berliner Olympiastadion endete mit einer rauschenden Siegesfeier euphorisierter Schwaben, die ihren ersten Titel nach 18 Jahren und den ersten Pokalsieg nach 28 Jahren bejubelten. Aber auch auf der anderen Seite gab es viel lautstarke Aufmunterung für den Verlierer, der allerdings – siehe oben – zu keiner Phase des Spiels wirklich enttäuscht hatte. Die individuellen Fehler mal ausgeblendet. Auf dem Weg zurück in die Stadt begegneten einem die Anhänger in blau dann auch folgerichtig mit – vielleicht typischer – westfälischer Gelassenheit, mit der sie die Niederlage ertrugen.
Ehrenrunde der geschlagenen Arminen…
…mit kleinem Feuerwerk als Dankeschön


Pokalübergabe, Erinnerungsbilder für Vater & Sohn, Ehrenrunde der Pokalsieger – Stuttgart genießt den Triumph
Fazit und nächster Lebenstraum
Mein persönliches Fazit des Tages: Das Erfüllen dieses Lebenstraums hat sich komplett gelohnt. Mit diesem Spiel habe ich wahrscheinlich eines der stimmungsvollsten und torreichsten Endspiele der letzten Jahre mitgenommen. Nachdem also dieses Ziel abgehakt ist, formuliere ich an dieser Stelle einfach einen neuen Traum. Und adressiere diesen gleich direkt an meine Löwen: Seid so gut und schenkt mir eines Tages eine Steigerung des im Mai 2025 Erlebten: Die Teilnahme des TSV 1860 München am Pokalfinale in Berlin!
















Aus irgendeinem Grund waren auch die Torjubel für ein Heimspiel überdurchschnittlich emotional. Zusätzlich war die Stimmung rund ums das Spiel durchwegs positiv, die Fanlager verstanden sich gut und es war anscheinend für alle ein Wochenende zum genießen.
oben. Außerdem haben ausnahmsweise endlich einmal die Winterneuzugänge funktioniert. Sowohl Dickson Abiama als auch Anderson Lucoqui waren/sind absolute Verstärkungen und waren nicht mehr aus der Mannschaft wegzudenken. Hoffentlich kann man zumindest einen von beiden halten!


Alle Auswärtsspiele wurden besucht und unzählige Stunden mit Freunden und Bekannten in Zügen, Bussen und Autos verbracht. Die Rolle, welche der TSV 1860 mittlerweile in meinem Leben spielt, hat eine Größe erreicht, welche ich mir in der Vergangenheit nicht hätte träumen lassen.













Ich wünsche mir als allererstes, dass das 

