Start Blog Seite 256

Traum erfüllt: Pokalfinale in Berlin

11

Ich gebe zu, das war schon ein kleiner, aber sehr lange gehegter Lebenstraum, den ich mir am vergangenen Wochenende erfüllt habe: Einmal zum DFB Pokalfinale nach Berlin. Und ich gebe weiter zu: Darauf, dass mir unser Lieblingsverein diesen Traum eines Tages noch erfüllen wird und ich mit zehntausenden Löwen gemeinsam ein Deutsches Pokalendspiel besuchen kann, möchte ich mich nicht verlassen. (Dafür müsste man in unserem Verein ja zumindest mal anfangen, den Totopokal zur Qualifikation am Hauptwettbewerb ernst zu nehmen und nicht alljährlich leichtfertig abzuschenken...aber dies nur als kleine Anmerkung am Rande, denn in diesem Beitrag geht’s ausnahmsweise mal nicht um die Löwen). Nachdem die Roten sich auch heuer wieder frühzeitig aus dem Wettbewerb verabschiedet hatten (denn deren Nichtteilnahme am Finale war für mich immer die Grundvoraussetzung für den möglichen Spielbesuch), wurden die Pläne für einen Berlintripp ins “deutsche Wembley” konkret.

Geiles Pokalfinale: Arminia Bielefeld vs. VfB Stuttgart

Ich liebe den DFB-Pokal! Und ich verfolge ihn – eigentlich ganz unabhängig von der Teilnahme des TSV 1860 am Wettbewerb – schon seit Jahrzehnten immer sehr intensiv. Dieses Jahr – angesichts der oben skizzierten Pläne – natürlich ganz besonders. Und dass mit Arminia Bielefeld ein Ligakonkurrent von Sechzig – mit vier Ex-Löwen im Kader – in bemerkenswerter Weise bis ins Finale vorrückte und dann der VfB Stuttgart – und nicht etwa das Kunstprodukt aus Leipzig – den Ostwestfalen folgte, steigerte meine Vorfreude noch weiter. Das versprach ein atmosphärisch stimmungsvolles Finale. Und ich nehm es vorneweg: Das Versprechen wurde gehalten.

Weit über 100.000 Fans – zunächst nicht zu sehen

Dank familiärer Bande in die Hauptstadt hatte ich ein Geldbeutel-schonendes Quartier sicher und verbrachte gleich das ganze Wochenende dort. Der Besuch der Fanmeilen beider Vereine stand für Samstag Mittag fest auf meiner To-do-Liste. Bemerkenswert finde ich, dass man am Freitag Nachmittag und Abend noch sehr wenig mitbekam, von den im Vorfeld kolpotierten 100.000 Bielefeldern und 50.000 Suttgartern, die sich zum Pokalfinale in Berlin aufhalten wollten. Die Stadt ist offensichtlich so groß und weitläufig, dass sich zumindest am Tag vor dem großen Spiel nur kleine Gruppen an Anhängern beider Finalteilnehmer ausmachen ließen.

Fanfeste am “Alex” und am Breitscheidplatz

Dies änderte sich dann am Samstag am Breitscheid- bzw. Alexanderplatz. Direkt an der berühmten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche sammelten sich die Fans des Bundesligisten und stimmten sich gut gelaunt und sehr entspannt (und sicher auch ziemlich siegesgewiss) auf das Spiel ein. Die Bielefelder hatten mit ihrem Fanfest am Alexanderplatz meiner subjektiven Empfindung nach das schlechtere Los gezogen, weil der “Alex” einfach zu den weniger schönen Ecken Berlins zählt. Aber auch beim Fanfest des DSC herrschte am Samstagmittag schon beste Stimmung, wobei ich die Atmosphäre dort etwas angespannter wahrnahm, als bei den Kollegen vom VfB. Wen wundert’s?

Die VfB-Fans stimmten sich am Breitscheidplatz…

…auf das große Spiel ein

Die Bielefelder nahmen…

 

…den Alexanderplatz in Beschlag

Gute Stimmung, wenig Polizei

Insgesamt war das Treiben an beiden Orten absolut friedlich und – das sei hier mal positiv hervorgehoben – die in nur sehr geringer Anzahl anwesende Polizei hielt sich angenehm dezent im Hintergrund. Sie hatte allerdings auch wenig zu tun. Die beiden Fanlager begegneten sich bei direktem persönlichen Kontakt – wie auch später im Stadion – sehr respektvoll und weder stellten einzelne VfBler rund um den “Alex”, noch der eine oder andere Armine am Breitscheidplatz ein Problem dar. Es war schon frühzeitig alles angerichtet für ein großes Fußballfest.

Lob für die BVG

Ein weiteres Lob erhalten in diesem Erlebnisbericht von mir die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die die offiziell 74.036 Besucher bzw. all jene von ihnen, die mit dem ÖPNV zum Olympiastadion kamen, zügig an- und abtransportierten. Schön zu sehen, dass ein 5-Minuten-Takt der S-Bahnen an den westlichen Rand der Hauptstadt kein Problem darstellt.

Schwierige Einlasssituation

Kritisch hingegen ist die Einlasssituation am Stadion anzumerken. Obwohl große Teile der beiden Fanlager schon sehr lange vor dem Spiel ihre Plätze eingenommen hatten und sich auf das Spiel einstimmten und einsangen (die Stadionöffnung ist beim Pokalfinale drei Stunden bevor der Ball rollt), dauerte es auch eineinhalb Stunden vor dem Anpfiff eine gefühlte Ewigkeit, bis man endlich drin war. Der automatisierten Einlasskontrolle mit Scannern und Drehkreuzen wird durch verschiedene Wartezonen begegnet, an denen im Stile einer Blockabfertigung Ordner die Massen zurückhalten. Aus Sicherheitsgründen natürlich nachvollziehbar, für die erwartungsfrohen Fans aber eine echte Geduldsprobe, die bei den Schwaben am Osteingang zum Stadion für einigen Unmut sorgte.

 

Am Einlass ins Olympiastadion ist Geduld gefragt.

Stuttgart in leichter Überzahl?

Gegen 19.15 Uhr hatte auch ich den Zutritt auf das geschichtsträchtige Stadionareal geschafft und konnte meinen Platz im Block 28.2 im Oberrang einnehmen. Obwohl ich davon ausgegangen war, die Plätze auf der Gegentribüne würden den einen oder anderen neutralen Besucher (wie mich) beherbergen, fand ich mich inmitten weiß gekleideter und sehr supportmotivierter VfB-Fans wieder. Nur vereinzelt waren hier Arminia-Anhänger anzutreffen. Allerdings war der Platz auch ein Stück näher am Stuttgarter Stimmungszentrum hinter’m Tor. Ich weiß nicht, ob der Schein trügte, aber mir kam es insgsamt so vor, als ob ein paar mehr Stuttgarter im Stadion waren, als Bielefelder. Haben die sich – aufgrund durchaus vorhandener DFB-Pokalfinal-Erfahrung – beim Erwerb der neutralen Tickets geschickter angestellt? Von der Lautstärke nahmen sich die beiden Fanlanger übrigens nicht viel. Vielleicht glichen die Ostwestfalen ihre leichte zahlenmäßige Unterlegenheit durch etwas mehr stimmlichen Einsatz aus?

Starke Choreos auf beiden Seiten

Nach dem Vorgeplenkel, das zum feierlichen Rahmen dieses Spiels allerdings irgendwie dazugehört und auch passt, ging es endlich los. Beide Kurven zeigten beeindruckende Choreos, wobei ich die mit der Stuttgarter Mundart-Botschaft (“Des glaubsch au koim – mitm Pokal wiedr hoim”) eine Idee kreativer empfand, als die “Von Generation zu Generation”-Choreographie der Bielefelder. Aber das sind Unterschiede auf ganz hohem Niveau und zugegebenermaßen konnte ich – wegen der großen Anzeigentafel über der Gegentribüne – das Kurvenbild der Arminen auch etwas weniger gut betrachten. Alles in allem dürfte man in den weit über 100 Ländern der Erde, in denen dieses Spiel live im Fernsehen ausgestrahlt wird, durchaus gestaunt haben, was hierzulande an Fankultur und Stadionatmosphäre geboten wird. Optisch und akustisch wusste das wirklich zu gefallen, was die beiden Fanlager auf die Beine stellten.

Das Pokalfinale als klare sportliche Angelegenheit…

Die sportliche Geschichte der Partie ist (leider) recht schnell erzählt. Obwohl ich auch mit einem Pokalsieger VfB Stuttgart ganz gut leben kann, hielt ich – wie wahrscheinlich 90% der Fußballfans der Republik – schon eher dem Underdog aus Ostwestfalen die Daumen. Und nachdem der wie die Feuerwehr loslegte, durfte man ein spannendes Spiel erwarten. Besonders gefiel mit natürlich, wie “unser” Marius Wörl in der Anfangsphase auf meiner Seite des Platzes wirbelte. Auch an dem Lattenkracher in der 12. Minute, der dem Spiel eine komplett andere Entwicklung hätte geben können, war er vorbereitend beteiligt. Aber wie es oft so läuft: Machst Du orne die 100%igen Chancen nicht rein, kassierst Du hinten die Tore. Humor- und kompromisslos nutze der VfB innerhalb von nur 13 Minuten drei kapitale Fehler der offiziellen Gastgeber und entschied das 82. DFB-Pokalfinale frühzeitig. Nach einer halben Stunde war die Messe gelesen und der VfB-Anhang feierte.

…aber ganz großer Kampf des Außenseiters

Was mir wirklich gut gefiel und was ich mir von unserer Mannschaft auch öfter mal wünschen würde, war das Auftreten der Bielefelder. Trotz des  deutlichen Rückstands gaben sich die Männer in blau nicht auf, kämpften unermüdlich weiter, was auch von ihrem Anhang mit weiterhin beeindruckendem Support goutiert wurde. Und in der Schlussphase durften alle beteiligten Bielefelder sogar noch zweimal jubeln. Der große Einsatz wurde also zumindest ein wenig belohnt. Erwähnenswert ist an dieser Stelle noch der sehenswerte Pyro-Auftakt in der Ostkurve zu Beginn von Spielabschnitt zwei. Hinter einem überdimensionalen VfB-Schal wurden unter rot-weißem Rauch zahlreiche Blinker gezündet. Das sah richtig geil aus! Und obwohl auch die Arminen während des ganzen Spiel immer wieder für Feuer in ihrer Kurve sorgten, geht der Pyro-Pokal 2025 – wie der goldene Pott selbst – damit an die Fans des VfB Stuttgart.

Jubel beim VfB – Dank an tapfere Arminen

Der Abend im Berliner Olympiastadion endete mit einer rauschenden Siegesfeier euphorisierter Schwaben, die ihren ersten Titel nach 18 Jahren und den ersten Pokalsieg nach 28 Jahren bejubelten. Aber auch auf der anderen Seite gab es viel lautstarke Aufmunterung für den Verlierer, der allerdings – siehe oben – zu keiner Phase des Spiels wirklich enttäuscht hatte. Die individuellen Fehler mal ausgeblendet. Auf dem Weg zurück in die Stadt begegneten einem die Anhänger in blau dann auch folgerichtig mit – vielleicht typischer – westfälischer Gelassenheit, mit der sie die Niederlage ertrugen.

 

Ehrenrunde der geschlagenen Arminen…

…mit kleinem Feuerwerk als Dankeschön

Pokalübergabe, Erinnerungsbilder für Vater & Sohn, Ehrenrunde der Pokalsieger – Stuttgart genießt den Triumph

Fazit und nächster Lebenstraum

Mein persönliches Fazit des Tages: Das Erfüllen dieses Lebenstraums hat sich komplett gelohnt. Mit diesem Spiel habe ich wahrscheinlich eines der stimmungsvollsten und torreichsten Endspiele der letzten Jahre mitgenommen. Nachdem also dieses Ziel abgehakt ist, formuliere ich an dieser Stelle einfach einen neuen Traum. Und adressiere diesen gleich direkt an meine Löwen: Seid so gut und schenkt mir eines Tages eine Steigerung des im Mai 2025 Erlebten: Die Teilnahme des TSV 1860 München am Pokalfinale in Berlin!

 

26.05.1995: TSV 1860 feiert Klassenerhalt mit Sieg gegen 1. FC Köln

6

Was war das für eine grandiose Saison, die die Löwen nach dem Bundesligaaufstieg im Jahr 1994 hingelegt haben. In der Vorrunde musste man noch reichlich Lehrgeld bezahlen und kassierte massenhaft Platzverweise. Pünktlich zur Winterpause kletterte Sechzig erstmals aus der Abstiegszone und in der Rückrunde zeigte das Team von Werner Lorant, wozu es in der Lage war. Mit dem Sieg gegen den 1. FC Köln am 26.05.1995 machte der TSV 1860 den Klassenerhalt klar – und das, obwohl man ab der 19. Minute in Unterzahl agieren musste.

Starke Rückrunde der Löwen

Es waren goldene Wochen in Giesing. Seit dem 25. Spieltag Anfang April 1995 hatten die Löwen in der Bundesliga nicht mehr verloren. 0:2 hieß es damals, Basler und Herzog hatten im Weserstadion für Werder Bremen getroffen. Danach aber liefen Nowak, Dowe, Winkler & Co. zur Höchsform auf. Der VfL Bochum wurde im Grünwalder Stadion mit 4:0 in alle Einzelteile zerlegt, beim 1:1 erkämpften sich die Löwen ein 1:1. Anschließend folgte ein 2:0 gegen Gladbach, und zwei 1:1 in Duisburg und zuhause gegen den HSV. Mit dem 2:0-Auswärtssieg bei Bayer Leverkusen machte der TSV 1860 einen riesigen Schritt zum Klassenerhalt. Durch Tore von Nowak und Bayer-Leihgabe Rydlewicz wurde das Ulrich-Haberland-Stadion gestürmt und die Lorant-Truppe war fast durch.

Früher Platzverweis für Schwabl

Vor dem 32. Spieltag stand fest: Mit einem Sieg gegen den 1. FC Köln hätte der TSV 1860 den Klassenerhalt geschafft. Wer hätte das gedacht? Zugetraut hatte es den Löwen wohl kaum jemand, doch schon während der Vorrunde wurde die Mannschaft sinnvoll verstärkt und Trainer Werner Lorant bastelte aus dem großen Kader eine schlagkräftige Truppe.

Es war also angerichtet! Giesing, Freitag Abend, Flutlicht, 28.500 Zuschauer in der Heimat der Löwen. Und doch kam erstmal alles anders: In der 19. Minute musste Manfred Schwabl mit Gelb-Rot vom Platz, die Löwen waren (wieder einmal) in Unterzahl. Es setzte die Magie des Sechzgerstadions ein, der berüchtigte Funke sprang von den Zuschauern auf die Mannschaft über. Die verbliebenen zehn Löwen wurden gepusht und von Minute zu Minute stärker und selbstbewusster.

TSV 1860 feiert Klassenerhalt im Sechzgerstadion

In der 31. Minute traf der überragende Peter Nowak zum 1:0 für 1860 und der Klassenerhalt war zum Greifen nah. Aber es war ja noch eine Stunde zu spielen und die Löwen ein Mann weniger. An diesem Abend aber waren die Fans der 11., 12. und manchmal auch noch 13. Mann und trieben das Team an. Trares, Miller und Kutschera räumten defensiv alles ab, Störzenhofecker, Rydlewicz und Dowe rackerten im Mittelfeld wie die Irren und nach vorne sorgten Nowak, Winkler und Bodden für Entlastung. Letzterer sorgte kurz vor der Pause gar fürs 2:0 und verwandelte das Grünwalder Stadion endgültig zu einem Tollhaus. Im Tor stand Bernd Meier wie eine Wand und sorgte dafür, dass 1860 mit einer 2:0-Führung in die Kabine ging.

Nach dem Seitenwechsel stand die Verwaltung des Ergebnisses im Vordergrund. Auf den Rängen wurde der ein oder andere Fingernagel zur Bekämpfung der Nervosität geopfert. In der 82. Minute sah Olaf Janßen, der später Co-Trainer bei den Löwen werden sollte und zuletzt Viktoria Köln (siehe Foto unten) trainierte, ebenfalls Gelb-Rot. Ebenfalls dezimiert verkürzte Labbadia in der 85. Minute für die Geißböcke, doch wenige Minuten später war es vollbracht. Der TSV 1860 hatte den 1. FC Köln geschlagen und konnte den Klassenerhalt feiern!

Die Aufstellung des TSV 1860

Werner Lorant schickte heute vor 30 Jahren folgende Mannschaft auf den Rasen des Grünwalder Stadions:

Meier – Miller, Trares, Kutschera – Rydlewicz, Störzenhofecker, Schwabl, Nowak, Dowe – Bodden (63. Strogies), Winkler (89. Brajkovic)

Tore:
1:0 Nowak (31.), 2:0 Bodden (41.), 2:1 Labbadia (85.)

Gelb-Rot:
Schwabl (19.); Janßen (81.)

Saisonrückblick 2024/25 von Jan Schrader

3
Tsv 1860 Anderson Andy Lucoqui

Schon im fünften Jahr hintereinander blicken sechzger.de-Redakteure am Ende der Saison in einem Rückblick aus ihrer ganz persönlichen Perspektive zurück auf die zu Ende gegangene Spielzeit. Nachdem bereits zahlreiche Redakteure einen ausführlichen Blick auf die Spielzeit 2024/25 geworfen haben, ist heute Jan Schrader mit seinem Saisonrückblick an der Reihe.

Heimspiel gegen Cottbus – warum nicht immer so?

Nichts Halbes und nichts Ganzes war die Saison 2024/25 mit unseren Löwen. Erneut musste ein Trainerwechsel her, um die Mannschaft wieder in die Spur zu bekommen. Auch wenn man das beim TSV 1860 München durchaus gewohnt ist, nervt es rückblickend dennoch. Dass sie das Potential zu mehr hatte, ließ sie immer wieder aufblitzen – nur um wenig später mit der nächsten Enttäuschung aufzuwarten. Immerhin wurde wir als Fans vom Abstiegskampf an den letzten Spieltagen verschont.

Welches war Dein Löwenspiel der Saison?

Spielerisch und ergebnistechnisch möchte ich an dieser Stelle definitiv das überraschende 5:1 gegen Energie Cottbus nennen. Verloren die Löwen im Hinspiel in dieser Höhe noch unglücklich mit 1:5 in Cottbus, drehten sie gegen den Aufsteiger im Rückspiel den Spieß mit einem tollen Auftritt um und sorgten für Begeisterung unter den Löwenfans. Es war ein toller Heimspieltag an diesem Samstag in Giesing.

Wenn wir vom Gesamtpaket sprechen, ist bei mir definitiv der Auftritt bei Waldhof Mannheim ganz vorne. Vom Ergebnis über den Support hat an diesem Tag einfach alles gepasst. Ein top aufgelegter Gästeblock zeigte dem Heimanhang die Grenzen auf und das Geschehen auf dem Platz befeuerte die Löwenfans passenderweise auch noch.

Waldhof Mannheim TSV 1860 Fotogalerie (36)

Wer war Dein Spieler der Saison?

Auch wenn er erst zur Rückrunde zu der Mannschaft dazu stoß, steht er für mich sinnbildlich für eine der wesentlichen Verbesserungen unter Patrick Glöckner. Gemeint ist Anderson Lucoqui, der sich mit viel Kampf, Willen und Einsatz innerhalb kürzester Zeit in die Herzen der Fans gespielt hat. Das sind genau die Tugenden, die man leider sehr oft vermisst hat und die Siege noch schöner und Niederlagen erträglicher machen. Ich hoffe, dass man sich mit Lucoqui auf einen neuen Vertrag einigen kann und er sich von seiner Knie-Operation gut erholt. Dann werden wir auch 2025/26 wieder viel Freude mit dem ehemaligen Braunschweiger haben.

Was oder wer war für Dich die Überraschung (positiv/negativ) der Saison?

Hier möchte ich die Entwicklung von Sean Dulic als positiven Aspekt nennen, die Peter in seinem Rückblick auch bereits umfangreich beschrieben hat. Aus der Not heraus musste oder durfte der Junglöwe in der Innenverteidigung ran und hat seinen Job von Beginn an stark gemacht. Gekrönt wurde das Ganze durch die geniale Offensivaktion im Spiel gegen Energie Cottbus. Umso schöner, dass man sich vor kurzem auf eine langfristige Verlängerung des ursprünglich bis 2026 laufenden Vertrags einigen konnte. Macht Dulic so weiter, werden ihn die Löwen früher oder später nicht mehr halten können, aber man darf dann stolz sein auf den nächsten Junglöwen, der es im Profifußball weit bringen könnte.

Auch bei der negativen Überraschung schließe ich mich einem Vorredner an und zwar Christian. Die Heimbilanz war schon erschreckend und auch einer der Gründe, wieso die Löwen lange im Tabellenkeller und abschließend im Mittelfeld der Liga gelandet sind. Wirkliche Gründe gibt es für das schlechte Abschneiden auf Giesings Höhen nicht – man kann nur hoffen, dass es 2025/26 wieder deutlich besser aussehen wird.

Was war für Dich das schönste Tor der Saison?

Es waren tatsächlich einige schöne Treffer in der Rückrunde dabei (Guttaus Treffer in Hannover, Wolfram in Köln, Deniz gegen Haching), aber wie in meinem Jahresrückblick 2024 nenne ich an dieser Stelle erneut den Treffer von Thore Jacobsen in Bielefeld. Einmal hochgeschaut, gezielt, perfekt getroffen und drei ganz wichtige Punkte auf der Habenseite.

Insgesamt eine enttäuschende Saison

Am Ende stand Platz 11. Bist Du zufrieden mit dieser Saison?

Zufrieden kann man definitiv nicht sein – einzig mit dem Umstand, dass der Klassenerhalt dann doch frühzeitig unter Dach und Fach gebracht wurde. Die Einschätzung, dass das ein Kader für die obere Tabellenregion in der 3.Liga ist, konnte die Mannschaft viel zu selten bestätigen. Hoffentlich kommt in der nächsten Spielzeit mehr Konstanz bei den positiven Leistungen rein, dann kann ein Aufstieg ein realistisches Szenario sein.

Enttäuscht bin ich mittlerweile allerdings auch nicht mehr, denn bereits zur Winterpause war ja absehbar, dass in dieser Saison der Klassenerhalt das höchste der Gefühle sein wird. Zumindest lag ich mit meinem Tipp Ende 2024 fast richtig (Platz 9).

Wie schätzt Du die Arbeit von Patrick Glöckner und seinem Trainerteam ein?

In Mannheim trauert man Glöckner zum Teil noch nach und ich denke mittlerweile kann man auch sehen, warum dem so ist. Der Ansatz mit mehr Emotionen gefällt mir persönlich besser als der analytische und ruhige Stil von Giannikis. Für eine abschließende Bewertung möchte ich allerdings die kommende Saison abwarten. Zu oft hat man sich bei den Löwen schon gefreut, um dann doch nach einigen Monaten den nächsten Trainerwechsel erleben zu müssen. Ich fände es schön, wenn wir an dieser Stelle auch nach der Saison 2025/26 über Patrick Glöckner und sein Trainerteam diskutieren können.

Was wird Dir von der Saison 2024/25 besonders in Erinnerung bleiben?

Zum einen die schwache Heimbilanz, zum anderen den Wechsel von Marco Hiller. 17 Jahre sind im Profifußball heuzutage eine absolute Seltenheit und Hiller hat nicht nur regelmäßig mit Paraden die Mannschaft im Spiel gehalten, sondern trägt den Löwen auch im Herzen. Eine traumhafte Kombination, die nun leider erst einmal nicht mehr zu sehen sein wird. Ich kann mir aber vorstellen, dass das nicht der letzte Auftritt im Löwentrikot war. Zumindest hoffe ich sehr, dass Marco irgendwann den Weg zurück nach Giesing findet.

Nächste Saison um den Aufstieg mitspielen

Was rechnest Du Dir in der kommenden Saison mit den Rückkehrern Volland, Niederlechner und Jakob aus?

Puh, das ist wirklich eine spannende Frage. Zum einen sind das natürlich schon Transfers mit Signalwirkung und schön ist es auch, dass Spieler wieder zu ihrem Verein zurückkehren. Andererseits schwirrt mir immer wieder der Name Stefan Aigner im Kopf herum. Da waren die Umstände ja ähnlich und dann hat die Wiedervereinigung von Spieler und Verein mal so gar nicht gefruchtet. Ich möchte aber positiv bleiben und sage daher: so einiges! Der Aufstieg ist ja seit Jahren ohnehin das selbsternannte Ziel, aber aktuell habe ich auch wirklich ein gutes Gefühl dabei, dass die Rückkehr in die 2.Bundesliga gelingen könnte.

Von welchem Spieler erwartest Du Dir in der Saison 2025/26 besonders viel?

Da führt kein Weg daran vorbei, auch hier Niederlechner und Volland zu nennen. Ich bin gespannt, wie schnell sie in der 3.Liga ankommen werden – der Fußball, der hier gespielt wird, ist ja doch ein anderer als in Liga 1 und 2 – doch wenn das zeitnah gelingt, müssten beide locker 10+ Tore erzielen können.

Was ist Dein dringendster Wunsch in Bezug auf den TSV 1860?

Da habe ich sogar zwei. Fortschritte in Sachen Stadion wünscht man sich gefühlt in jedem Saison- und Jahresrückblick, passieren tut allerdings in den letzten Jahren herzlich wenig. Ich baue mal auf das Wort von Oberbürgermeister Dieter Reiter, dass in diesem Jahr nun auch wirklich eine Entscheidung in Sachen Grünwalder Stadion fallen muss. Dann wird man sehen, wohin die Reise für die Löwen gehen wird. Dass für mich die Zukunft nur in Giesing liegen kann, daraus möchte ich keinen Hehl machen. Mir fehlen einfach nach wie vor realistische (!) Alternativen, von daher kann die Antwort nur Sechzgerstadion lauten.

Mein zweiter Wunsch ist, dass die Durchlässigkeit in Sachen Nachwuchs – Profis noch besser wird. Reich und Dulic sind zwei positive Beispiele, mit denen die Löwen früher oder später Transfereinnahmen generieren können. Nur so kann der TSV 1860 München grüne Zahlen schreiben – entsprechend hoffe ich, in der Saison 2025/26 die nächsten Durchstarter erleben zu dürfen.

Bisher erschienene Saisonrückblicke der sechzger.de-Redaktion auf die Saison 2024/25:

Thomas Enn
Christian Jung
Thomas Spiesl
Stefan Kranzberg
Peter Gratz

Sechzig um sieben: Sommerpause

3
TSV 1860 München Sechzgerstadion

Guten Morgen, liebe Löwinnen und Löwen! Die 3. Liga und unser Herzensverein TSV 1860 München befinden sich nun seit gut einer Woche in der Sommerpause. Auch für uns Redakteure von sechzger.de soll es die nächsten paar Wochen etwas ruhiger werden.

Sechzig um sieben geht in die Sommerpause

Hinter uns liegt mal wieder eine anstrengende Saison und es war uns trotz aller Widrigkeiten eine Freude, Euch durch die Saison 24/25 begleitet zu haben. Damit auch wir ein wenig durchatmen können, haben wir beschlossen, unsere allmorgendliche Zusammenfassung der Themen rund um 1860 und die 3. Liga ebenfalls in die Sommerpause zu schicken. Das gibt uns die Möglichkeit, mal etwas durchzuschnaufen, einen Abend mehr im Biergarten verbringen zu können, unseren eigenen sportlichen Aktivitäten und so weiter nachgehen zu können. Wir hoffen, Ihr habt Verständnis dafür, dass auch wir mal ein paar Wochen kürzer treten.

Ihr verpasst nichts!

Natürlich werden wir wie gewohnt über alles Wichtige von der Grünwalder Straße berichten. Ihr werdet keinen Transfer verpassen, über die wichtigsten Transfergerüchte im Bilde sein und natürlich über die wichtigsten Zu- und Abgänge der Konkurrenz informiert werden. Und natürlich haben wir auch in der Sommerpause das eine oder andere historische Spiel oder andere Schmakerl aus der Welt des runden Leders für Euch. Schaut auch in den kommenden Wochen regelmäßig hier vorbei.
Da uns ja der e.V. besonders am Herzen liegt, werden wir natürlich auch ausführlich über die anstehende Mitgliederversammlung am 06.07.2025 berichten. Besonders die Neuwahl des Präsidiums rund um Gernot Mang dürfte da im Zentrum stehen. Wir hoffen allerdings inständig, dass die Berichterstattung weniger aufwändig wird als diejenige um die Mitgliederversammlung im vergangenen Jahr.

Ab Trainingsauftakt wieder für Euch am Start

Wenn Patrick Glöckner sein neues – wir sagen mal vielversprechendes – Team für die Saison 25/26 erstmals zum Training versammelt, sind wir natürlich für Euch wieder in vollem Umfang zu Stelle. Das wird also der 23.06.2025 sein. Bis dahin werdet Ihr hoffentlich ohne Eure gewohnte Morgenlektüre auskommen.

Saisonrückblick 2024/25 von Peter Gratz

0
Feuerwerk über der Westkurve

Schon im fünften Jahr hintereinander blicken die sechzger.de-Redakteure am Ende der Spielzeit in einem Saisonrückblick aus ihrer ganz persönlichen Perspektive zurück auf das, was hinter uns liegt. Heute blickt Peter Gratz zurück auf seine erste Saison als Redakteur.

Saisonrückblick von Peter Gratz

Welches war Dein Löwenspiel der Saison?

Sportlich gesehen das Heimspiel inklusive Sieg gegen Aachen in der Rückrunde. Bei bestem Wetter einen etwas glücklichen Sieg zu feiern, mit dem man eigentlich nicht mehr gerechnet hatte. Das ist einem nicht so oft vergönnt. Endlich war uns einmal das Glück hold und nicht dem Gegner, der Lucky Punch auf unserer Seite. Jubel beim Siegtreffer gegen Aachen 24/25Aus irgendeinem Grund waren auch die Torjubel für ein Heimspiel überdurchschnittlich emotional. Zusätzlich war die Stimmung rund ums das Spiel durchwegs positiv, die Fanlager verstanden sich gut und es war anscheinend für alle ein Wochenende zum genießen.

Wenn man mehr das “Drumherum” in den Blick nimmt, teilen sich die Auswärtsspiele in Verl/Osnabrück/Mannheim den ersten Platz. Die Gründe für die ersteren werden im Folgenden noch erläutert bzw. habt ihr bei Christian schon gelesen. Mannheim war nicht nur aufgrund von Stimmung und Spiel so besonders, sondern speziell aufgrund der besonders kulinarisch herausragenden Busfahrt unter Leitung der Sexikaner!

Wer war Dein Spieler der Saison?

Nachdem in dieser Rückblicks-Rubrik immer eher die Rückrunde im Fokus ist, steht bei mir diese Spielzeit Sean Dulic ganz oben. An seinem Beispiel konnte man live mitverfolgen, was passieren kann, wenn man einem Talent Vertrauen und Spielzeit schenkt. Nachdem er, besonders bedingt durch die Verletzung von Raphael Schifferl, einen Platz in der Innenverteidigung erobert hatte, steigerte er seine Leistungen von Spiel zu Spiel und ist für mich nicht mehr aus unserer Defensive wegzudenken.

Dulic Sean TSV 1860 U21

An der Seite von Jesper Verlaat reifte der Junglöwe zu einem absoluten Stabilitätsgaranten im defensiven Zentrum und war für mich in der Rückrunde mehrmals der beste Löwe auf dem Platz. Seine technischen Fähigkeiten und Schnelligkeit standen nie in Frage, aber seine Körperlichkeit und Cleverness im Zweikampf hat er nochmal auf ein neues Level gehoben. Mit welcher Ruhe eine junger Spieler plötzlich agieren kann, wenn er Vertrauen spürt und seine Erfahrungen machen kann, zeigte sich für mich in eher verteidigeruntypischen Situationen. Während Sean in Aue noch etwas überhastet auf der Außenbahn agierte und mehrere Flanken auf die Tribüne jagte, blieb er daheim gegen Cottbus in der Offensive so cool, dass er mit Patrick Hobsch die gesamte gegnerische Mannschaft überspielte und als Innenverteidiger überlegt einen Treffer vom linken 16er Rand vorbereiten konnte.

Was oder wer war für Dich die Überraschung (positiv/negativ) der Saison?

Da man beim TSV nie wirklich weiß, was man bekommt, ist es schwierig mit den Überraschungen. Auf der positiven Seite ist natürlich Sean Dulic, über den ich ja schon genug geschrieben habe. Auch die Entwicklung der U21, die bis zum Ende im Meisterschaftsrennen der Bayernliga dabei war, sowie der U19 mit ihren mehr als respektablen Auftritten in der Meisterrunde der DFB-Nachwuchsliga, sind für mich positive Ausreißer nach TSV 1860 München U21 Feiert Mit Fans Nach Sieg Beim FC Deisenhofenoben. Außerdem haben ausnahmsweise endlich einmal die Winterneuzugänge funktioniert. Sowohl Dickson Abiama als auch Anderson Lucoqui waren/sind absolute Verstärkungen und waren nicht mehr aus der Mannschaft wegzudenken. Hoffentlich kann man zumindest einen von beiden halten!

Negative Überraschungen gab es leider auch zuhauf. Auf Spielerebene sind hier besonders Fabian Schubert, Raphael Schifferl und René Vollath zu nennen. Keiner der drei konnte die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen, besonders Ersterer enttäuschte leider auf ganzer Linie und ließ mich ratlos zurück. Ergebnistechnisch steht natürlich das erneut frühe Ausscheiden im Toto-Pokal ganz oben, mittlerweile ist dieses Ereignis aber leider keine wirkliche Überraschung mehr… Abschließend muss ich noch die Einsatzbilanz der Eigengewächse aus dem Nachwuchs anmerken. Besonders nach den Ankündigungen der Geschäftsführung, mehr auf die Jugend setzen zu wollen, hatte ich mir mehr Vertrauen und damit auch Spielzeit für unsere Junglöwen erhofft. Was man damit gewinnen kann, sieht man am Beispiel Dulic eindrucksvoll.

Was war für Dich das schönste Tor der Saison?

Am besten gefallen hat mir dieses Jahr der Freistoß von Maximilian Wolfram in Köln, durch den wir das Spiel noch drehen konnten. Vor Ausführung habe ich den Ball schon drin gesehen, rechts oben, da war ich mir sicher. Den Rest könnt ihr hier genießen:

Am Ende stand Platz 11. Bist Du zufrieden mit dieser Saison?

Bei der Antwort auf eine solche Frage gibt es natürlich zwei Antworten, die aus dem Herzen und die aus dem Kopf heraus. Das Herz ist natürlich unzufrieden mit dieser Spielzeit und will, dass die Löwen immer im Aufstiegsrennen mitspielen, das Grünwalder Stadion zu einer Festung machen und die Mannschaft sich 24/7 den Arsch aufreißt für den Löwen auf der Brust. Dass es das natürlich nicht immer spielen wird, ist auch klar und so ist der Kopf froh über die Verbesserung im Vergleich zur letzten Saison und freut sich, dass es zumindest Phasen gab, in denen der TSV wie eine Spitzenmannschaft agierte.

Anzeigetafel gegen Cottbus 24/25        Anzeigetafel gegen Verl 24/25

Mit den ganzen Querelen im Verein und dem riesigen Umbruch zu Saisonbeginn plus einem Trainerwechsel mitten in der Saison ist Platz 11 durchaus in Ordnung. Besonders da man die in den letzten Spielen verlorenen Punkte durchaus der fehlenden Relevanz der Spiele zumessen kann. Wenigstens wurde da fleißig Punktprämie gespart. Die desaströse Heimbilanz in der Hinrunde ist etwas, was mich eher nachdenklich stimmt. Eine wirklich schlüssige Erklärung dafür gibt es wahrscheinlich nicht, man kann nur auf Besserung hoffen…

Wie schätzt Du die Arbeit von Patrick Glöckner und seinem Trainerteam ein?

Grundsätzlich positiv mit gewissen Ausreißern in beide Richtungen. Besonders gefallen hat mir die Ruhe und Besonnenheit des Teams im Zuge der Übernahme zu einem sehr schwierigen Zeitpunkt. Auch die Fokussierung auf das Wesentliche, die Betonung der emotionalen Werte und eine gute Kommunikation nach Außen tragen zu dieser Bewertung bei. Spielerisch konnte mit einer “weniger-ist-mehr” Einstellung wieder phasenweise ansehnlicher Fußball geboten werden. Auch das Selbstvertrauen konnte zurückgebracht werden, besonders zu sehen an David Philip, der zu Saisonende häufig starke Impulse von der Bank bringen konnte und uns den Sieg gegen Aachen bescherte.

Was mir nicht gefällt, sind die Auswechslungen und die damit einhergehende fehlende Spielzeit für junge Spieler. Ich bin kein Experte, aber verstehe die Wechselentscheidungen der letzten beiden Trainer oftmals überhaupt nicht. Auch das weitgehende Ignorieren von Mike Gevorgyan macht mir etwas Sorgen, nicht nur für den Spieler selbst, sondern auch als Signal für die Junglöwen in der Akademie. Etwas enttäuscht hat mich auch die Einstellung in den letzten Saisonspielen. Eigentlich hatte ich erwartet, dass es Glöckner schaffen würde, die Spannung hochzuhalten…

Alles in allem bin ich sehr froh um die Fortschritte, die wir unter Patrick Glöckner und Co. in dieser Saison gemacht haben. Ich bin noch etwas skeptisch, ob er, auch mit den hochkarätigen Neuzugängen, die Mannschaft nun spielerisch auf das viel zitierte “nächste Level” heben kann. Ich wünsche mir natürlich, dass es klappt, denn Kontinuität auf den wichtigen Positionen braucht der TSV ja wie einen Bissen Brot!

Was wird Dir von der Saison 2024/25 besonders in Erinnerung bleiben?

Sportlich eher wenig, die desaströse Niederlage in Saarbrücken inklusive Umdrehen im Block wahrscheinlich am ehesten. Persönlich werde ich Osnabrück nicht vergessen, aus unerfindlichen Gründen stellte die Bremer Brücke seit mehr als 10 Jahren einen fußballerischen Sehnsuchtsort dar, den ich nun endlich besuchen durfte. Auswärtsblock in Osnabrück 24/25

Abseits des grünen Rasens gab es aber einiges, was die vergangene Saison zu etwas sehr besonderem macht. Besonders die neu gewonnene Rolle als Redakteur inklusive gemeinsamen Auswärtsfahrten, Tankstellenanalysen und unserer Spruchbandaktion in Verl, ist etwas, was ich nicht mehr missen möchte. Auch war diese Spielzeit, die mit Abstand intensivste meiner “Fankarriere”. Spruchband an der Theke in Verl 24/25Alle Auswärtsspiele wurden besucht und unzählige Stunden mit Freunden und Bekannten in Zügen, Bussen und Autos verbracht. Die Rolle, welche der TSV 1860 mittlerweile in meinem Leben spielt, hat eine Größe erreicht, welche ich mir in der Vergangenheit nicht hätte träumen lassen.

Was rechnest Du Dir in der kommenden Saison mit den Rückkehrern Volland, Niederlechner und Jakob aus?

Jetzt noch einen Toptorhüter plus eine Granate auf der offensiven Außenbahn und dann schießen wir im klassischen 4-4-2 a la Werner Lorant die Liga kaputt und steigen souverän auf!

Aber im Ernst: Ich glaube wirklich, dass man nächste Saison ganz oben angreifen kann. Mit diesen zwei Stürmern hat man wahrscheinlich die stärkste Offensivabteilung der Liga – aber halt auch nur für eine begrenzte Zeit. Sportchef Werner ist mit diesen Transfers all-in gegangen und möchte anscheinend sofort gewinnen. Mit großen Namen nach Großem streben. Wenn man um diese Speerspitze ein fähiges, junges Team aufstellt und nicht wieder den halben Kader austauscht, traue ich unserer Mannschaft viel zu. Andererseits sind wir aber natürlich immer noch bei Sechzig. Wenn ein guter Plan scheitern kann, dann in jedem Fall an der Grünwalder Straße 114.

Von welchem Spieler erwartest Du Dir in der Saison 2025/26 besonders viel?

Natürlich von Kevin Volland, wie sollte es zu diesem Zeitpunkt auch anderes sein? Mit 32 ist er noch in einem gutem Fußballeralter und kommt, trotz zwischenzeitlicher Verletzung und wenig Spielpraxis, direkt aus der Bundesliga nach Giesing. Anlaufschwierigkeiten wird es sicher geben, nachdem er in 24/25 so wenig auf dem Platz gestanden ist. Doch wenn man vor zwei Jahren noch in der Champions League getroffen hat, sollte es für Liga 3 doch locker reichen. Ich hoffe auf einen Sascha Mölders-Effekt und träume wieder von Torschützenkönigen in weiß-blau. Förderlich könnte auch sein, dass nach der Verpflichtung von Florian Niederlechner nicht die gesamt Last nur auf seinen Schultern liegt.

Unabhängig vom sportlichen Wert hoffe ich, dass die durch seine Rückkehr ausgelöste Euphorie eine einende Kraft auf die Fangemeinde ausüben kann und der gemeinsame Fokus auf dem Wirken der neuen/alten Nummer 31 liegen wird, anstatt sich wieder und wieder in Grabenkämpfen zu verlieren.

Was ist Dein dringendster Wunsch in Bezug auf den TSV 1860?

Dass sich die Gemengelage in eine Richtung entwickelt, in der langfristig geplant und einzig und allein zum Wohle des Vereins gearbeitet werden kann und wird. Persönliche Befindlichkeiten und Ambitionen müssen hinten angestellt werden, wenn es um die Arbeit im und für den Verein geht, egal ob dies nun im e.V. oder in der KgaA ist. Ich hoffe, die Euphorie, welche jetzt schon spüren ist, kann in die nächste Saison mitgenommen werden und man reißt nicht mit dem Arsch wieder alles ein, was man vorher mühsam mit den Händen aufgebaut hat. Ruhe und sachliche Arbeit anstatt öffentliche Querelen und strategische Schnellschüsse!

Bisher erschienene Saisonrückblicke der sechzger.de-Redaktion auf die Saison 2024/25:

Thomas Enn
Christian Jung
Thomas Spiesl
Stefan Kranzberg

Drittligisten beim Finaltag der Amateure

2
FV Illertissen

Insgesamt neun Drittligisten standen gestern beim Finaltag der Amateure im Einsatz und kämpften um die Teilnahme am DFB-Pokal 2025/26. Dass man es da weit bringen kann, zeigte Arminia Bielefeld eindrucksvoll, das sich erst gestern im DFB-Pokalfinale dem VfB Stuttgart geschlagen geben musste.

Finaltag der Amateure mit neun Drittligisten

Drittligavertreter von Waren an der Müritz bis Illertissen waren gestern beim Finaltag der Amateure im Einsatz. Zu einem direkten Duell zweier Drittligisten kam es zwischen Viktoria Köln und Alemannia Aachen. Dabei hatte die Viktoria das Glück, das Heimrecht zu haben. Vor 7.440 Zuschauern im Sportpark Höhenberg zeigten die Gäste aus Aachen eine reife Leistuung in der ersten Hälfte und gingen mit einem 2:1-Vorsprung in die Kabinen. Die Viktoria konnte sich aber in den zweiten 45 Minuten steigern und das Spiel durch Tore von Lopes Cabral und Sticker noch drehen. Damit verabschidet sich Olaf Janpen als Mittelrheinpokalsieger von der Viktoria.

Im Duisburger Wedau-Stadion kam es vor 27.000 Zuschauern zu einem Duell zweier Drittligsten der kommenden Saison. Aufsteiger MSV Duisburg empfing im Derby Rot-Weiss Essen, das von über 5.000 mitgereisten Fans unterstützt wurde. Der Aufteiger ging durch Meuer in der 18. Minute in Führung, die Gjasula in der Nachspielzeit der ersten Hälfte egalisieren konnte. Den 2:!-Siegtreffer für RWE erzielte Safin in der 52. Minute. Die Zebras konnten nicht mehr ausgleichen.

Überraschung in Osnabrück

An der Bremer Brücke empfing der VfL Osnabrück Blau-Weiß Lohne zum ersten diekten Aufeinandertreffen der beiden Klubs. Osnabrück verschlief den Start komplett und lag bereits nach neun Minuten mit 0:2 zurück. Die Hausherren kämpften sich in die Partie zurück und konnte unmittelbar vor der Pause noch ausgleichen. Doch Lohne ließ sich davon nicht beeindrucken und Thoben köpfte Lohne nach einer Ecke mit 3:2 in Führung. In der 76. Minute machte Risse mit dem 4:2 für Blau-Weiß Lohne alles klar. Die Gäste sorgten damit für eine der großen Überraschungen beim Finaltag der Amateure und gewannen den Niedersachsenpokal.

Der SV Sandhausen konnte seine Fans nach dem Abstieg wenigstens ein wenig versöhnen. In Eppingen konnte der SVS sein Finale gegen den Sechstligisten GU-Türkspor SV Pforzheim siegreich gestalten und somit die Teilnahme am DFB-Pokal 2025/26 klar machen. Nachdem sich Sandhausen in der ersten Hälfte schwer tat und es mit 0:0 in die Kabinen ging, trafen Duman, Schikora und zwei Mal Otto für den Absteiger gegen Pforzheimer, denen sichtbar die Kraft ausging.

Rostock lässt nichts anbrennen

Auch Hansa Rostock hatte nach der verpassten Relegation zur zweiten Liga etwas gut zu machen und traf auf einen Sechstligisten. In Waren an der Müritz traf die Kogge als klarer Favorit auf den SV Pastow. Durch Tore von Fröling, Haugen und Harenbrock lagen die Rostocker zur Pause bereits mit 3:0 in Front. Im zweiten Durchgang legte Rostock noch vier Treffer nach zog so ungefährdet in den DFB-Pokal ein.

Im Hessenpokal kam es am Bornheimer Hang in Frankfurt zum Duell zwischen dem SV Wehen und Hessen Kassel. Der Regionallist aus Kassel ging mit dem Rückenwind aus drei Siegen in Folge in das Finale. Kassel konnte mit den Dritlligtsen gut mithalten, so dass es nach 120 Minuten 1:1 stand und das Elfmeterschießen über den Hessenpokalsieger entscheiden musste. Darin behielt der SV Wehen die Nerven und sicherte sich den Hessenpokal und die Teilnahme am DFB-Pokal.

Hochspannung in Leipzig

Der letzte Löwengegner in der Liga, Erzgebirge Aue musste zu Regionalliga-Nordost-Meister Lok Leipzig reisen, der kommende Woche noch das Aufstiegs-Play-Off gegen den TSV Havelse absolvieren muss. Im Bruno Plache Stadion mussten die Auer auf zahlreiche Verletzte verzichten. Beide Teams legten vor Allem Wert auf die Defensive, so dass es torlos ins Elfmeterschießen ging. Dort trafen die ersten zehn Schützen allesamt. Aues sechster Schütze, Tim Hoffmann, scheiterte am Leipziger Torwart Müller, den Matchball für Lok ließ Kireski sich nicht entgehen. Damit steht Lok Leipzig als Sachssenpokalsieger im DFB-Pokal der nächsten Saison.

Das vierte Mal in den letzten fünf Jahren stand der SV Illertissen im Finale des bayerischen Toto-Pokals. Zu Gast im Vöhlin-Stadion war Drittliga-Absteiger Unterhaching, der 1860 bekanntlich mit einer ganz bitteren Niederlage aus dem Wettbewerb gekegelt hatte. Illertissen dominierte den ersten Durchgang und in der 26. Minute durch Neuberger mit 1:0 in Führung gehen. In der zweiten Hälfte trat Haching stärker auf, konnte aber den Ausgleich nicht mehr erzielen. Dadurch holte Illertissen den Toto-Pokal und steht zum dritten Mal in der ersten Runde des DFB-Pokals.

Erstes Gerücht um Hiller Nachfolge: Philipp Schulze im Fokus von 1860?

20
Gesellschafterversammlung bringt wenig Neues
Die Gebäude des TSV 1860 München an der Grünwalder Straße 114

Nachdem Dr. Christian Werner im Laufe der vergangenen Woche klar gestellt hatte, dass der TSV 1860 München eine neue Nummer eins sucht, gibt es nun ein erstes Gerücht, wer Marco Hiller nachfolgen könnte. Philipp Schulze ist der erste Name, der als neuer Keeper von 1860 gehandelt wird.

Philipp Schulze hat Interesse von 1860 geweckt

Philipp Schulze steht beim VfL Wolfsburg unter Vertrag, wurde zuletzt von den Wölfen aber mehrfach verliehen. In dieser Saison stand Schulze bei Ligakonkurrent SC Verl leihweise im Kasten. Bei den Ostwestfalen verpasste er nicht eine Minute, stand also bei allen 38 Saisonspielen zwischen den Pfosten. Schulze ist 22 Jahre alt und erblickte in Hannover das Licht der Welt. Seit seinem 14. Lebensjahr spielt er für den VfL Wolfsburg. In der Rückrunde der Saison 2023/24 war er an den Halleschen FC ausgeliehen. Dort wurde er 14 Mal in der dritten Liga eingesetzt. Sein Vertrag beim Wolfsburg läuft noch bis zum 30.06.2026, so dass er nur wieder verliehen werden könnte, wenn er seinen Vertrag in Wolfsburg verlängert. Alternativ könnte es zu einer Vertragsauflösung kommen oder 1860 ist bereit, eine Ablöse für ihn zu bezahlen.

Schulze fällt unter U23-Regelung

Da Schulze Jahrgang 2003 ist, fällt er noch unter die U23-Regel. Das macht Schulze für den TSV 1860 München (und andere Drittligisten) besonders attraktiv. Gerade nach den Abgängen mehrerer Talente aus dem NLZ ist noch nicht klar, wie die Löwen die U23-Quote erfüllen wollen. Da könnte ein unter 23-jähriger Stammkeeper natürlich ein Teil der Lösung sein. Beim SC Verl sah man die Saison von Schulze sehr positiv. „Philipp ist ein außergewöhnlicher Torhüter. Er hat eine starke Ausstrahlung, zeigt hervorragende Präsenz und coacht lautstark,“ äußerte sich Verl-Sportchef Sebastian Lange.

 

 

Saisonrückblick 2024/25 von Stefan Kranzberg

9
Titelbild Alemannia Aachen TSV 1860 Fotogalerie

Schon im fünften Jahr hintereinander blicken sechzger.de-Redakteure am Ende der Saison in einem Rückblick aus ihrer ganz persönlichen Perspektive zurück auf die zu Ende gegangene Spielzeit. Heute ist Stefan Kranzberg mit seinem Saisonrückblick an der Reihe und zieht Bilanz.

Saisonhighlight: Auswärts in Aachen

Welches war Dein Löwenspiel der Saison?

Da blieb mir besonders das Auswärtsspiel in Aachen in Erinnerung. Weniger wegen der 90 Minuten auf dem Rasen, als vielmehr wegen des Drumherums. Man wurde als Löwe freundlich empfangen, die hatten da richtig Bock auf das Duell mit 1860 vor voller Hütte. Ich habe das Wochenende zudem mit Besuchen bei Fortuna Köln und Fortuna Sittard garniert und trotz des Bahn-Chaos war es alles in allem ein super Trip.

Emotional war auch das Testspiel beim SSV Ulm 1846 etwas Besonderes, weil ich es mit meinem 7-jährigen Sohn besuchen konnte, der auf jedes einzelne Foto, das er zusammen mit seinen Helden schießen konnte, stolz ist. Ganz toll auch, wie zugänglich die Spieler waren.

Wer war Dein Spieler der Saison?

Auch wenn ich mich in der Vorrunde das eine oder andere Mal kolossal über Jesper Verlaat geärgert habe, so hat man in der Phase, als er verletzt ausfiel, ganz besonders gemerkt, wie wichtig er als Spieler, Mensch, Charakter und Kapitän für diese Mannschaft ist. Für mich war er – trotz Patrick Glöckner und der Neuzugänge im Winter – das Gesicht des Aufschwungs in der Rückrunde.

Jesper Verlaat

Was oder wer war für Dich die Überraschung (positiv/negativ) der Saison?

Positiv bleibt da nicht viel hängen, aber die Entwicklung von Sean Dulic war schon bemerkenswert. Vom Stammspieler in der U21 zum Notnagel bei den Profis, reichlich Lehrgeld in den ersten paar Spielen und dann mitunter eine Abgezocktheit, die man sich nicht hatte vorstellen können. Die Krönung war natürlich diese sensationelle Torvorlage für Patrick Hobsch gegen Energie Cottbus.

Stark war selbstverständlich auch die Saison der Amateure in der Bayernliga. Bis zum letzten Spieltag um die Meisterschaft mitgespielt, Talente für die Profis ausgebildet und ein Trainer, der zielstrebig und doch ungemein menschlich vorgeht. So muss das sein!

Negatives gab es reichlich, besonders diese katastrophale Heimbilanz bis zum Trainerwechsel war schmerzhaft. Dass man im Toto-Pokal einmal mehr gnadenlos versagt hat, passt da bestens ins Bild.

Was war für Dich das schönste Tor der Saison?

Die Heimniederlage gegen Viktoria Köln war zusammen mit dem 0:4 gegen den SC Verl vermutlich der sportliche Tiefpunkt der Saison. Gott, was das erbärmlich! Und doch hatte dieser Katastrophenkick auf Giesings Höhen ein Highlight, das in Erinnerung blieb. Raphael Ott erzielte sein erstes (und bislang einziges) Drittligator – und das mit einem sensationellen Fallrückzieher!

Wir brauchen mehr englische Wochen

Am Ende stand Platz 11. Bis Du zufrieden mit dieser Saison?

Mit dieser Saison kann man natürlich nicht zufrieden sein. Damit beziehe ich mich weniger auf die Platzierung, sondern vielmehr darauf, wie die Spielzeit verlaufen ist. Von Spielern mit dieser individuellen Klasse darf man mehr erwarten, aber zuerst fehlte es m.E. an Emotionen und am Saisonende am Biss, um eine bessere Tabellenposition zu erreichen. Kurz: Da war ganz, ganz viel Luft nach oben in allen Bereichen.

Wie schätzt Du die Arbeit von Patrick Glöckner und seinem Trainerteam ein?

Bis vier Spielrunden vor Schluss hätte ich gesagt, er hat den Hebel gefunden, wie man die Mannschaft packen kann und muss. Nach einer kurzen Eingewöhnung zeigte das Team teilweise begeisternden Fußball und fuhr auch entsprechende Ergebnisse ein. Nach dem feststehenden Klassenerhalt verfiel die Mannschaft aber wieder in alte Muster. Ich bin gespannt, ob Glöckner da zur neuen Saison wieder Impulse setzen kann, die den Kader reizen.

Was wird Dir von der Saison 2024/25 besonders in Erinnerung bleiben?

Alles in allem wahrscheinlich nicht viel. Tatsächlich wird es für mich vermutlich wohl als die Saison im Gedächtnis bleiben, in der Marco Hiller zum letzten Mal im Tor des TSV 1860 stand. Als Learning aus der Saison nehme ich mit: Wir brauchen mehr englische Wochen, denn die haben uns irgendwie den Arsch gerettet, oder?

 

Samuel Althaus als große Überraschung?

Was rechnest Du Dir in der kommenden Saison mit den Rückkehrern Volland, Niederlechner und Jakob aus?

Man darf jetzt nicht den Fehler begehen und glauben, dass mit Kevin Volland der Messias an die Grünwalder Straße gewechselt ist. Nüchtern betrachtet hat er ein Jahr lang kaum ein Spiel bestritten und muss erstmal wieder seinen Rhythmus und sich in der neuen Liga zurecht finden. Niederlechner ist sicher auch ein Guter, aber halt auch schon 34. Von Kilian Jakob erwarte ich einiges, aber auch der muss sich erstmal durchsetzen.

Von welchem Spieler erwartest Du Dir in der Saison 2025/26 besonders viel?

Ich traue den jungen Samuel Althaus und Emre Erdogan zu, für eine große Überraschung zu sorgen und sich bei den Profis festzuspielen. Althaus ist womöglich noch ein bisschen zu impulsiv, aber was für ein geiler Fußballer!

Samuel Althaus Tsv 1860 U19

Was ist Dein dringendster Wunsch in Bezug auf den TSV 1860?

Ich würde mir sehr wünschen, dass sich die Gesellschafterstruktur verändert und es in der Stadionfrage endlich vorangeht. Der aktuelle Zustand ist einfach nur lähmend und ermüdend.

Bisher erschienene Saisonrückblicke der sechzger.de-Redaktion auf die Saison 2024/25:

Thomas Enn
Christian Jung
Thomas Spiesl

Relegationshinspiel: Braunschweig gewinnt in Saarbrücken

3
1 Fc Saarbrücken Tsv 1860 20250118 (5)

Im Hinspiel der Relegation am heutigen Freitagabend hat Eintracht Braunschweig auswärts beim 1.FC Saarbrücken einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht. Die Niedersachsen gewannen im Ludwigsparkstadion und haben vor dem Rückspiel alle Trümpfe in der eigenen Hand.

Eintracht Braunschweig feiert Auswärtssieg in Saarbrücken

Zwei Plätze für die 3.Liga 2025/26 gilt es in den kommenden Tagen noch zu befüllen. Zum einen spielen der TSV Havelse und Lok Leipzig einen Aufsteiger aus der Regionalliga aus, zum anderen geht es zwischen Braunschweig und Saarbrücken um die Zweit- und Drittklassigkeit. Zwischen den beiden letztgenannten Teams stieg am heutigen Freitag das Hinspiel im Saarbrücker Ludwigsparkstadion.

Im ersten Durchgang neutralisierten sich beide Teams weitesgehend und waren jeweils darauf bedacht, in der Defensive nichts anbrennen zu lassen. Das gelang größenteils auch, wobei der BTSV kurz vor der Pause um ein Haar in Führung gegangen wäre. Polter und Bicakcic verpassten eine Hereingabe nur denkbar knapp. Aufgrund der verpassten Gelegenheit ging es mit einem zu diesem Zeitpunkt verdienten, torlosen Remis in die Katakomben. Nach dem Seitenwechsel sollten jedoch Tore fallen – und jubeln durften dabei die Gäste. Auch wenn die Saarbrücker mit Dampf aus der Kabine kamen, waren es die Braunschweiger, die drei Minuten nach Wiederanpfiff in Führung gingen. Menzel konnte gegen Philippe noch stark retten, den Nachschuss auf das leere Tor versenkte Ex-Löwe Tempelmann jedoch zum 0:1.

In der Folge kam es noch dicker für den FCS, denn die Niedersachsen konnten nur wenig später erhöhen. Eine flache Hereingabe gelangte zu Rittmüller, der am zweiten Pfosten kompromisslos versenkte (61.). Saarbrücken probierte in der verbleibenden halben Stunde zumindest noch den Anschlusstreffer zu erzielen, kam gegen gut gestaffelte Gäste aus Braunschweig allerdings nur selten gefährlich vor das Tor. So blieb es schlussendlich beim 0:2 aus Sicht des FCS. Die Trainerentlassung scheint bei der Eintracht die erhofften Früchte zu tragen. Marc Pfitzner, der bislang als Assistent unter Daniel Scherning agierte, hat die Mannschaft allem Anschein nach gerade noch rechtzeitig wach gerüttelt.

Das Rückspiel zwischen Braunschweig und Saarbrücken steigt dann am kommenden Dienstag. Anpfiff im Eintracht-Stadion ist um 20:30 Uhr.

Saisonrückblick 2024/25 von Thomas Spiesl

0
Saisonrückblick 2024/25 von Thomas Spiesl
Saisonrückblick 2024/25 von Thomas Spiesl

Schon im fünften Jahr hintereinander blicken die sechzger.de-Redakteure am Ende der Spielzeit in einem Saisonrückblick aus ihrer ganz persönlichen Perspektive zurück auf das, was hinter uns liegt. Heute präsentieren wir die Rückschau von Thomas Spiesl.

Saisonrückblick von Thomas Spiesl

Welches war Dein Löwenspiel der Saison?

Saisonrückblick 2024/25 von Thomas Spiesl
Die Löwen in Aachen zu Gast bei Freunden

Womit sollte der Saisonrückblick von Thomas Spiesl beginnen, eigentlich immer mit dem gleichen Satz: Auswärts ist es immer am Schönsten. So lautet die Devise vieler Kollegen und oft auch die meinige. Auch heuer war ich einige Male auswärts mit dabei. Meine Highlights waren dabei die Spiele in Aachen und Dortmund.
Der Besuch am neuen Tivoli wurde von uns mit Spannung erwartet. Schließlich verabschiedeten wir nicht nur unseren Redaktions-Kollegen Vali zu seiner Südamerika-Reise, sondern hatten auch noch einen Besuch in der zweiten holländischen Liga auf dem Plan.

Trotz erheblicher Zugprobleme und Streckensperrungen schafften wir es nach Aachen und fühlten uns dort zu Gast bei Freunden! Selten habe ich auswärts so ein harmonisches und stimmungsvolles Miteinander erlebt wie in Aachen, sodass wir trotz des Unentschiedens zufrieden nach Hause fuhren.

Saisonrückblick 2024/25 von Thomas Spiesl
Die Fettbeidl am Dortmunder Hauptbahnhof

Etwas ganz Besonderes war für mich auch das Spiel bei der Dortmunder Zweitvertretung im Stadion Rote Erde! Das Pressebuffet für die handgezählten sieben Medienvertreter war absolut Champions-League-würdig. Die Löwen holten wichtige drei Punkte und nicht zu vergessen das Wiedersehen mit meinem ehemaligen Mitbewohner Patrick aus dem Sauerland. Lustig war es auch auf der Heimfahrt.

So war es wie so oft: Auswärts ist es halt am Schönsten – abgesehen vom 5:1 gegen Cottbus, dass es als Heimspiel in meine Top Drei Spiele der Saison geschafft hat.

Wer war Dein Spieler der Saison?

Saisonrückblick 2024/25 von Thomas Spiesl
Mein Löwe der Saison: Anderson Lucoqui

Mein Löwe der Saison ist ein Winter-Neuzugang: Anderson Lucoqui. Keiner verkörpert für mich die Löwen-Seele so sehr wie der Außenverteidiger. Immer voller Einsatz, immer volle Konzentration, immer bis zur letzten Sekunde kämpfen! Umso mehr wünsche ich mir, dass er uns auch in der Spielzeit 2025/26 erhalten bleibt. Dabei vertraue ich voll auf das Verhandlungsgeschick von Dr. Christian Werner.

Was oder wer war für Dich die Überraschung (positiv/negativ) der Saison?

Das Heimspiel gegen Unterhaching im Toto-Pokal war so niederschmettern schlecht, so kampflos, so unterirdisch, dass es mir nicht nur den Tag, sondern eine ganze Woche versaut hat. So ein Spiel bleibt leider im Gedächtnis. Diese Partie wäre für mich der perfekte Zeitpunkt für einen Trainerwechsel gewesen… Nach solchen Niederlagen merkt man erst wirklich, wie emotional man als Löwenfan mit diesem Verein, der Mannschaft und dem Umfeld verbunden ist… Unglaublich schlecht, unglaublich traurig, unglaublich enttäuschend.

Saisonrückblick 2024/25 von Thomas Spiesl
Danke an die Bembelbande für diesen sensationellen Aufkleber!

Umso schöner war dann die Siegesserie, die 1860 unter Patrick Glöckner startete. Diese Euphorie, “Jetz steing ma auf, dann kaff ma an Braslianer”. Schade dass es am Ende nicht reichte, um bis zum Schluss oben dabei zu bleiben. Aber die Löwen haben uns in der Rückrunde auch viel Freude bereitet, das darf man nicht vergessen! Und auch das merkt man wieder, wenn man am Tag nach einem Heim-Sieg euphorisch aufsteht und Bäume ausreißen könnte.

Was war für Dich das schönste Tor der Saison?

Für mich war es der Weitschuss von Tunay Deniz beim 2:1-Auswärtssieg in Dortmund! Schon wieder ein Tor von der Mittellinie und die Löwen drehen einen 0:1-Pausenrückstand. Und – das muss man den Löwen schon lassen – auch wenn wir nicht immer den erfolgreichsten Fußball gespielt haben, wir haben auf jeden Fall eine ganze Reihe sehenswerter Tore geschossen.

Am Ende stand Platz 11. Bist Du zufrieden mit dieser Saison?

Ich muss mich schon fast für die Antwort entschuldigen: Ja bin ich! Den elften Platz hätte ich in der Winterpause mit Handkuss genommen. Klar war mehr drin, aber man darf nicht vergessen wie katastrophal sich die Löwen beim ersten Spiel des Jahres in Saarbrücken präsentierten. Wie nah wir den Abstiegsplätzen waren. Ich habe mit dem Schlimmsten gerechnet und schade, dass wir nicht bis zum Schluss vorne dabei waren. Aber die Mannschaft hat den Kopf eindrucksvoll aus der Schlinge gezogen. Drum sage ich ganz bewusst, ja bin ich. Auch wenn sicher mehr drin gewesen wäre.

Wie schätzt Du die Arbeit von Patrick Glöckner und seinem Trainerteam ein?

1860 Trainer Patrick Glöckner
Patrick Glöckner – der Mann mit der guten Laune!

Patrick Glöckner und seinem Team ist gelungen, das Team binnen weniger Wochen zurück in die Erfolgsspur zu bringen. Ich treffe ihn ja fast jede Woche bei der Löwenrunde und sein lustiges und fast immer gut gelauntes Wesen steckt an: Die Mannschaft und auch mich. Immer einen Scherz auf den Lippen, so soll es sein. Wobei ich an dieser Stelle auch nicht vergessen möchte, dass auch Argirios Giannikis mit seiner ruhigen Art ein angenehmer Zeitgenosse war, leider ohne den sportlichen Erfolg.

Dass in den letzten vier Spielen die Luft raus war, möchte ich jedenfalls nicht Patrick Glöckner anlasten. Das ist eine natürliche Reaktion nach dem ganzen Druck der Rückrunde, die schwierige Situation, dem ganzen Löwen-Blues. Was wirklich drin ist, werden wir in der nächsten Saison sehen… Ich bin optimistisch – wie eigentlich immer. Was der Trainerwechsel gebracht hat zeigte für mich schon alleine unser aller geschätzter Kollege Thomas Enn, der plötzlich klare Löwen-Siege vorhersagte. Die positive Art von Patrick Glöckner steckt einfach an – hoffentlich auch in der nächsten Saison!

Was wird Dir von der Saison 2024/25 besonders in Erinnerung bleiben?

Hier muss ich noch einmal zur dritten Frage zurückkommen. Was mir in Erinnerung bleiben wird ist die Erkenntnis, wie sehr man emotional mit diesem Verein, dieser Mannschaft, diesen Fans und allem rund um die Löwen verbunden ist. Ich bin ja erst – und daraus habe ich nie ein Geheimnis gemacht – seit fünf Jahren wirklich intensiv mit dabei. Und dass mich ein Verein einmal so in seinen Bann ziehen kann, habe ich davor ehrlichgesagt auch nicht für möglich gehalten.

Was rechnest Du Dir in der kommenden Saison mit den Rückkehrern Volland, Niederlechner und Jakob aus?

Ich bin optimistisch, dass wir auf keinen Fall etwas mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Auch wenn das natürlich schwer zu sagen ist, solange der Kader noch nicht komplett ist. Gelingt es Dr. Werner noch den einen oder anderen wichtigen Spieler wie Lucoqui, Guttau oder vor allem auch Abiama zu verlängern, dann ist viel drin. Besonders Abiama messe ich eine große Bedeutung bei, da man zu Spielern wie Volland und Niederlechner, die uns bestimmt viele Tore schenken werden, auch einen Offensivspieler braucht, der nicht auszurechnen ist, der manchmal selbst nicht weiß was er macht und das verkörpert für mich Abiama, der in meiner Top Drei der besten Spieler der letzten Saison seinen festen Platz findet. Meine Prognose: Vorderes Tabellendrittel – wenn wir einen würdigen Nachfolger als echte Nummer eins zwischen den Pfosten bekommen.

Von welchem Spieler erwartest Du Dir in der Saison 2025/26 besonders viel?

Hier stimme ich Christian voll zu: Natürlich von Kevin Volland. Ein Ex-Nationalspieler mit Champions League Erfahrung – welch Glanz in unserer Hütte. Hoffentlich bleibt unserer Rückkehrer gesund, die gilt natürlich auch für Flo Niederlechner, der bereits zu meiner Freiburger Zeit einer meiner Lieblingsspieler war.

Was ist Dein dringendster Wunsch in Bezug auf den TSV 1860?

Ich wünsche mir als allererstes, dass das Jubiläumsspiel zwischen meinem Heimatverein TSV Weyarn und dem TSV 1860 München ein richtig schönes Fußballfest mit der Löwenfamilie wird. Als dritter Vorstand des TSV Weyarn und Fan des TSV 1860 München ist es natürlich ein absoluter Traum, beide Seiten zusammenzubringen und ich würde mich freuen, wenn viele Fans mit dabei sind. Wir als Ausrichter werden auf jeden Fall alles dafür tun, dass ihr Euch in Weyarn wohlfühlt und einen schönen Tag habt. Und gegen ein paar Tore von Kevin Volland und Flo Niederlechner hätte ich natürlich auch nichts!

Bisher erschienene Saisonrückblicke der sechzger.de-Redaktion auf die Saison 2024/25:

Thomas Enn
Christian Jung