Für meine ersten Giesinger Gedanken weiß ich gar nicht, wo ich überhaupt anfangen soll. Stunden nach dem Spiel bin ich immer noch ratlos. Wir haben uns sicherlich alle den Start in die Saison anders vorgestellt, besonders das erste Auswärtsspiel. Über 2000 Löwenfans reisten am Sonntag nach Großaspach und die Belohnung für die Fahrt war letztlich ein absoluter Grotten-Kick…
Am Sonntagmorgen, als sich meine kleine Reisegruppe also auf den Weg nach Großaspach machte, war ich wirklich guter Dinge. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. In meiner Vorstellung hätten wir gegen die Stuttgarter einen Sieg geholt und danach gefeiert, als wäre es ein Heimspiel. Gefeiert haben wir schon irgendwie, wenn auch nicht wegen der Leistung der Mannschaft, dann trotz dieser Show auf dem Rasen.
VfB Stuttgart II – was macht ihr hier?
Man muss den Elefanten im Raum ansprechen, wenn wir über das Debakel gestern reden. Dass unsere Gegner nicht die Stuttgarter Kickers, sondern die Ersatztruppe eines Bundesligisten war, ist mehr als nur ärgerlich. Man stelle sich das Auswärtsspiel der Unterhachinger oder Schanzer in der WIRmachenDRUCK-Arena vor. Oder vielleicht auch nicht, denn da gäbe es auch nicht sonderlich viel zu beschreiben. Zusammengefasst: Zweite Mannschaften in der dritten Liga sind wie Rote in München – unnötig, aber leider unvermeidbar.
„Erwartungen untertroffen“ passt recht gut zu diesem Spieltag. Enttäuschender Gegner, schlechtes Spiel und die Organisation… Ein chaotischer Spieltag mit langen Wartezeiten in der Sonne hat mehr Tradition bei Sechzig als RB Leipzig je haben könnte, meinte meine Begleitung, das lasse ich so mal stehen.
Es dauerte Ewigkeiten, bis wir Löwenfans endlich in die Spielstätte gelassen wurden. Die Schlange für den Einlass zur Stehtribüne zog sich, Löwenfans warteten in der prallen Sonne. Es gab zwei Verkaufsstände für Getränke und Essen, beide schon nach wenigen Minuten maßlos überfordert. Die Organisation erinnerte stark an Unterhaching: irgendwie noch nicht ganz angekommen in der dritten Liga.
Die wahren Helden stehen in der Kurve
Die Einzigen, auf die man bauen kann, sind halt mal wieder die Fans. Wenigstens in der Hinsicht keine Enttäuschung. So viele hatten sich auf den Weg zum Mekka der Andrea Berg Anhänger gemacht. Sie zeigten den paar Hanseln auf der Gegengerade, was gute Stimmung ist. Und das, obwohl wir verloren haben. Respekt gebührt allen Auswärtsfahrer*innen und all denjenigen, die bei dieser Affenhitze zwei Stunden in der Sonne standen.
Diese Dissonanz zwischen dem, was da auf dem Spielfeld ablief, und der Stimmung im Gästeblock war unglaublich. Es schien ein bisschen so, als hätten wir alle kollektiv entschieden, das einfach alles zu ignorieren, um die eigenen Nerven zu schonen.
Zwei Gesichter des TSV
Was mich aber am meisten beschäftigt, ist dieser seltsame Gegensatz bei 1860. Der e.V. ist stärker als je zuvor, der neugewählte Verwaltungsrat strebt auch weiterhin einen emanzipierten Kurs an. Das Jubiläums-Trikot, das Panini-Album und das Bamboleo nur als Beispiele für Erfolge in den letzten Monaten.
Doch auf der anderen Seite steht die sportliche Leistung zu Saisonbeginn, absolut enttäuschend und blutleer. Wie kann es sein, dass wir uns gerade so gut weiterentwickeln und trotzdem stillstehen? Vielleicht erklärt es mir ja jemand diese Woche im Bamboleo bei der Happy Hour…