Unseren Leser Daniel Hartmann hat ein Kommentar “In eigener Sache” auf dem größten Blog im Umfeld des TSV 1860, dieblaue24, der gestern Nachmittag erschien und sich mit der auf der Mitgliederversammlung des Vereins geäußerten scharfen Kritik an den Umgangsformen auf besagtem Blog beschäftigte, so verärgert, dass er uns einen Leserbrief dazu zukommen ließ. Da nicht davon auszugehen ist, dass so eine Reaktion auf db24 veröffentlicht wird, übernehmen wir – als kleiner aber feiner Fanblog – diese Aufgabe gerne. Daniel ging es nicht darum, einfach zurückzuschießen oder ein weiteres Lager zu bedienen. Im Gegenteil: Er hat versucht, einen Text zu schreiben, der Fans beider Seiten zum Nachdenken anregt — über das Muster, das hinter dieser Art von Berichterstattung steckt, und über die Frage, wem der ständige Lagerkampf eigentlich nützt.
Leserbrief: Das eigentliche Muster – und warum es beide Lager betrifft
Der Text “In eigener Sache” von Oliver Griss ist rhetorisch klug gebaut. Er verwandelt die Frage des Wie in eine Frage des Ob – und steht am Ende als letzter unabhängiger Journalist da, den eine kritikunfähige Vereinsführung mundtot machen will. Eine elegante Erzählung. Sie hat nur einen Fehler: Sie weicht dem eigentlichen Punkt aus.
Denn natürlich gehört Kritik zum Journalismus. Ein Verein, der nur Beifallklatscher erträgt, hätte ein ernstes Problem. Wer dieblaue24 vorwirft, dass sie kritisch berichtet, hat nicht verstanden, wozu Berichterstattung da ist. Genau deshalb ist es so geschickt, die Debatte auf diesen Punkt zu lenken. Es geht nämlich nicht darum, dass hier kritisch berichtet wird. Es geht darum, wie – und mit welcher Absicht.
Kalkulierter Boulevard
Hier schreibt kein zorniger Fan, sondern ein gelernter Journalist, der sein Handwerk beherrscht. Einer, der genau weiß, welche Schlagzeile zündet und welche Formulierung trifft – den Verein, seine Verantwortlichen und immer wieder auch die eigene Kurve. Das ist kein “Spiegel vorhalten”. Das ist kalkulierter Boulevard. Reichweite entsteht nicht durch Einordnung, sondern durch Empörung. 50.600 Netto-Leser an einem Tag bekommt man nicht mit Differenzierung, sondern mit Eskalation.
Und jetzt kommt der Teil, den man einmal in Ruhe zu Ende denken sollte. Egal, welche Sicht ihr habt!
Schaut euch das Muster an. Auf der einen Seite hat dieblaue24 Hasan Ismaik über Jahre verteidigt – fast gleichgültig, was er tat. Unbequeme Fakten wurden kleingeredet, Negatives ausgeblendet, irrationale Entscheidungen gebilligt. Warum ein Portal einen Investor derart bedingungslos in Schutz nimmt, muss jeder für sich bewerten. Die Frage allein aber stellt sich unweigerlich.
Konstante Feindbilder
Auf der anderen Seite steht ein ebenso konstantes Feindbild: Der e.V. und seine Vertreter. Erst waren es Robert Reisinger und der Verwaltungsrat, allen voran Walch und Seeböck. Heute ist es der neue Präsident Gernot Mang, dazu weiterhin Köpfe aus dem Verwaltungsrat. Und wenn diese Personen eines Tages ihr Amt niederlegen, wird es neue Feindbilder geben. Genau das ist der Punkt, den ich euch ans Herz lege: Nicht der Name bleibt – das Schema bleibt.
Dasselbe Muster trifft die Kurve. Bei jeder Aktion – Pyrotechnik, Protest, all das, was in Fankurven nun einmal vorkommt – wird sofort der Zeigefinger gehoben. Nicht, um einzuordnen, sondern um Stimmung gegen bestimmte Personen zu machen. Die eigenen Ultras werden dort als das Übel dargestellt, das ein Verein wie 1860 angeblich nicht verdient hat – dabei ist genau dieser Teil der Fans der Motor des Stadions. Menschen, die Stunden und Tage investieren, um ihren Verein zu unterstützen, und die damit – anders als der Betreiber – keinen Cent verdienen, werden von einem sichtlich von Wut getriebenen Portal bei jeder Gelegenheit vorgeführt. Auch hier liegt eine persönliche Note offen zutage: Die Kurve hat Griss und seinem Portal schon häufiger deutlich die Meinung gesagt und heißt ihn nicht mehr willkommen – weil sie längst erkannt hat, dass diese Berichterstattung die Fans spaltet und den Verein gezielt schlecht aussehen lässt. Diese Abneigung hat sich Oliver Griss hart erarbeitet – und gibt sich trotzdem bei jeder Gelegenheit als Opfer. Es ist eben schwer, wenn jemand permanent austeilt, aber selbst nichts einstecken kann.
Und genau das ist das eigentlich Verräterische: Oliver Griss legt sich früher oder später mit fast jedem in diesem Verein an. Mit Präsidenten, mit dem Verwaltungsrat, mit der Kurve. Immer wieder fließen persönliche Befindlichkeiten in die Berichterstattung ein. Wenn aber einer nacheinander mit allen über Kreuz liegt, lohnt eine schlichte Frage: Liegt das wirklich an allen anderen?
Gelöste Probleme kosten Reichweite
Denn wenn der Gegner ständig wechselt, das Schema aber dasselbe bleibt, dann geht es nicht um die jeweilige Person. Dann ist die Empörung das Produkt – und der Schuldige nur austauschbarer Rohstoff. Ein Feindbild bindet Leser. Ein gelöstes Problem dagegen kostet Reichweite. Deshalb wird es nie ein zufriedenes “Jetzt passt es zwischen uns” geben. Es darf nie passen.
Besonders bemerkenswert ist die Pose dahinter. Ausgerechnet jene Seite, deren Kommentarbereich seit Jahren ein dokumentiertes Hass-Problem hat – bis hin zu Anzeigen, gesammelten Screenshots und Entgleisungen, die Menschen den Tod nahelegten – stellt sich öffentlich als Instanz gegen “Hass und Hetze” auf. Wer den Spiegel so gern anderen vorhält, sollte gelegentlich selbst hineinschauen. Anstand erkennt man nicht an der Lautstärke, mit der man ihn von anderen einfordert.
Lagerkampf als Geschäftsmodell
Und damit zu euch, Löwen auf beiden Seiten dieses Grabens. Ihr werdet gegeneinander in Stellung gebracht, weil euer Streit sich besser verkauft als eure Einigkeit. Jede neue Front bedeutet neue Klicks. Der Lagerkampf, unter dem dieser Verein seit Jahren leidet, ist für manche kein Übel, das man bedauert – er ist ein Geschäftsmodell.
Deshalb eine einzige ehrliche Frage, ganz gleich aus welchem Lager ihr kommt: Wem nützt es eigentlich, dass wir uns gegenseitig zerlegen? Und wer verdient daran, dass nie Ruhe einkehrt?
Wer diese Frage ehrlich beantwortet, sieht danach die Berichterstattung von dieblaue24 mit anderen Augen. Und vielleicht ist diese Erkenntnis genau der erste Schritt, den Sechzig dringender braucht als jedes neue Feindbild.
Wir haben jetzt, im Zuge des Neuanfangs, die Chance, an einem Strang zu ziehen und uns von altem, negativem Ballast zu befreien.
Einmal Löwe, immer Löwe!
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Ein Löwen-Leserbrief auf sechzger.de ist ein Text, der uns unaufgefordert erreichte und nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder einzelner Mitglieder der Redaktion widerspiegelt. Der aber von uns als so wertvoll erachtet wird, dass wir ihn an dieser Stelle veröffentlichen. Wir danken dem Autor Daniel Hartmann für sein Engagement, seine Überlegungen mit uns und Euch zu teilen.
Titelbild: CR-Fotos

























































