Die Defensive im System von Michael Köllner

Grundsätzlich ist die defensive Ausrichtung einer Mannschaft immer davon abhängig, wie der Gegner offensiv erwartet wird. Es gibt aber einige Grundsätze, die bei Sechzig in der Defensive unter Michael Köllner immer gleich sind. Gegen den Ball verschiebt sich das 4-1-4-1 im letzten Drittel vor dem eigenen Strafraum zu einem 4-2-3-1. Sowohl der sogenannte Box-to-Box Mittelfeldspieler als auch der defensive Mittelfeldspieler nehmen dabei eine besondere Rolle ein, die ihnen einiges abverlangt.

Die Verteidigung im Überblick

Die Rollen von defensivem Mittelfeldspieler und Box-to-Box Spieler

In der Halbzentrale agierend lässt sich der Box-to-Box Spieler in die Tiefe fallen, wenn es gegen den Ball geht. Man sagt auch er kippt ab. Dadurch unterstützt er den defensiven Mittelfeldspieler bei der Balleroberung. Der Box-to-Box Spieler versucht vor allem über die Abdeckung von Freiräumen und seinem guten defensiven Stellungsspiel in Passwege einzulaufen und Bälle abzufangen.

Im Gegensatz dazu sucht der defensive Mittelfeldspieler eher den Kampf Mann gegen Mann. Allerdings geschieht dies nicht ad hoc, sondern bedingt durch Pressingaufgaben mit langsamen Fallenlassen immer knapp hinter die Linie, auf der sich gerade der Ball befindet. Im Zusammenspiel mit der Viererkette bildet das vor dem eigenen Strafraum eine sehr kompakte Formation und lässt dem Gegner wenig Freiraum, um Chancen zu kreieren. Bestenfalls gelingt das Eindringen in das letzte Drittel überhaupt nicht. Dafür sorgt in der Defensive von Michael Köllner das aggressive, hohe Pressing der Löwen, welches der Gegner bis dorthin überwinden muss. Das bringt die Spieler des TSV oft schon früh wieder in Ballbesitz.

Was machen die Außenverteidiger?

Zusätzlich zum zurück fallenden Box-to-Box Spieler schiebt bei gegnerischen Angriffen über die Flügel ein Außenverteidiger mit auf die Höhe des defensiven Mittelfeldspielers. In der dann entstehenden Dreierkette auf der Defensivlinie verschieben sich die Innenverteidiger und der Außenverteidiger auf der schwachen Seite leicht horizontal in Richtung attackierte Seite. Auf der schwachen Seite schirmt der Mittelfeldaußen leicht vor der Kette positioniert gegen Seitenwechsel ab.

Das Pressing in der Defensive bei Michael Köllner

Grundsätzlich kann beim 4-1-4-1 überall auf dem Spielfeld die Pressinglinie gesetzt werden. Tendenziell geht im modernen Fußball der Trend aber dahin, den Gegner immer hoch anzulaufen.

Wie soll vorgegangen werden?

Der Spieler, der dem Ball am nächsten ist, läuft den Ballführenden aggressiv an. Der Rest der Mannschaft verteidigt den zugeteilten Raum. Hierbei ist es wichtig, dass sie nicht zu nah, aber auch nicht zu weit vom Gegenspieler entfernt stehen. Einerseits könnten bei Fehlern im Stellungsspiel schnelle gegnerische Spieler leicht Raum gewinnen und steil angespielt werden. Andererseits könnten sie durch den angebotenen Raum direkt einen Pass bekommen, der dann zu Verschiebungen in der Pressingformation führt. Das wiederum eröffnet anderen Gegenspielern Räume.

Beim TSV 1860 München sieht das meist so aus, dass der Stürmer zuerst ein wenig tiefer steht und den defensiven Mittelfeldspieler abschirmt. Das provoziert den Spielaufbau über die Innenverteidiger. Gelingt das, versucht er den ballführenden Innenverteidiger bei der Spieleröffnung durch sichelförmiges Anlaufen von innen zum Spiel auf einen Flügel zu zwingen. Ist dieses Ziel erreicht, stellt der Stürmer den Raum zwischen den beiden Innenverteidigern zu, um Seitenwechsel oder andere Verlagerungen zu verhindern.

Andere Optionen für die gegnerische Mannschaft

Eventuell versucht der Innenverteidiger diese Situation durch ein erfolgreiches Dribbling gegen den anlaufenden Stürmer zu lösen. Falls der Stürmer den Zweikampf nicht gewinnt, muss er den Innenverteidiger auf jeden Fall verfolgen und weiter unter Druck setzen.

Holt sich der defensive Mittelfeldspieler selbst die Kugel und hält das Spiel doch im Zentrum, orientiert sich der Stürmer an ihm. Systematisch bleibt das Verhalten genauso als würde er einen Innenverteidiger anlaufen.

Die Mittelfeldspieler laufen ihre Gegenspieler direkt vertikal an, um sie unter Druck zu setzen. Selbst wenn es den Spielern nicht direkt im Zweikampf gelingt dem Gegner den Ball abzuluchsen, baut das Pressing so meist starken Druck auf die gegnerische Mannschaft auf. Das führt zu Fehlern im Aufbau der angreifenden Mannschaft.

Die Vorgehensweise mit zwei attackierenden Spielern

Auch Varianten mit zwei pressenden Spielern in vorderster Front haben wir schon öfter zu Gesicht bekommen. Bei diesen Varianten ist es das Ziel, das Spiel der gegnerischen Mannschaft gezielt auf einen bestimmten Spieler bzw. in einen bestimmten Bereich (Pressingfalle) zu lenken.

Erste Variante

Dabei schiebt in Variante eins zusätzlich zum Stürmer einer der äußeren Mittelfeldspieler, bei uns meistens Stefan Lex, in die vordere Pressinglinie. So werden beide Innenverteidiger zugestellt. Der ballführende Spieler wird ebenfalls in einem Bogen hoch angelaufen. Sobald die Richtung des Angriffs dann klar ist, verschieben die verbliebenen verteidigenden Mittelfeldspieler auf diese Seite und machen den Raum dort eng (Verdichtung). Der Spieler, der die starke Seite in vorderster Front angelaufen hat, lässt sich dann in diese Dreierkette zurückfallen. Das ermöglicht dem Box-to-Box Spieler das Verschieben nach hinten.

Bei dieser Art des Pressings sollen lange Bälle provoziert werden. Im Idealfall werden diese Zuspiele dann abgefangen. Sowohl bei vertikalem als auch diagonalem Spiel haben die tiefer stehenden Spieler der verteidigenden Mannschaft hier genügend Zeit sich so zu positionieren, dass der Raum für den Passempfänger so eng wird (Pressingfalle), dass er selbst sowohl bei der Verarbeitung als auch beim Passspiel wenig Zeit hat, Kontrolle ins Spiel zu bringen.

Variante zwei

Die zweite Variante im Pressing mit zwei “Stürmern” der Löwen ist ähnlich der ersten. Der Unterschied liegt darin, dass der vertikale Spielmacher aus dem Mittelfeld verzögert mit in die vordere Pressinglinie schiebt. Begonnen wird diese Pressingtaktik wie die anfangs beschriebene mit nur einem Stürmer. Sollte es der ballführende Innenverteidiger jedoch schaffen, seinen Kollegen in der Innenverteidigung anzuspielen, rückt dann der vertikale Spielmacher ebenfalls mit sichelförmigem Laufweg in die Pressinglinie mit auf und läuft diesen an.

Der Stürmer wird sich auf der anderen Seite zwischen den Innenverteidiger und den Außenverteidiger stellen, um einen Aufbau über diesen Flügel zu verhindern. Wichtig dabei ist es dem ballführenden Innenverteidiger so viel Raum zu lassen, dass ihm immer noch die Drehung mit Ball ermöglicht wird. Nach der Drehung muss er sofort so unter Druck gesetzt werden, dass kein Pass ins Mittelfeldzentrum möglich ist. Die Mittelfeldaußen schieben gleichzeitig so auf die Außenverteidiger drauf, dass diese ebenfalls nicht anspielbar sind. Das zwingt nun den Innenverteidiger entweder zu einem langen Ball oder zum Rückpass. Der lange Ball wird dann auf eine Position erfolgen, die für den Passgeber zunächst als Freiraum erscheint. Falls alle Spieler der verteidigenden Mannschaft jedoch ihre Aufgaben richtig erledigen und ihre defensiven Laufwege in Abhängigkeit der Positionen der jeweiligen Gegenspieler richtig gestalten, ist der Passempfänger isoliert und kann sofort gedoppelt werden (Pressingfalle).

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