Nachdem Jutta Schnell bereits Ende der 90er Jahre als Fanbetreuerin beim TSV 1860 angestellt worden war, wuchs auch der Einfluss ihres Gatten Gerhard Schnell immer weiter an. Schon als Vorsitzender der ARGE Region 11 griff er dabei zu fragwürdigen Methoden. Aber es sollte noch viel besser kommen…

Der Umsturz der ARGE-Führung

Stellt sich die Frage nach dem Motiv dieses Handelns. Es ist davon auszugehen, dass Jutta Schnell einen recht angenehmen Job zu leisten hatte. Als Vollzeit-Angestellte musste sie lediglich ein- bis zwei Mal in der Woche im Büro erscheinen, erledigte die meiste Arbeit von zu Hause aus. Man muss wissen, dass Familie Schnell damals Inhaber eines Edeka-Marktes in Neuburg war und unter anderem auch Geld durch eine Karten-Vorverkaufsstelle einnahm. Auch hier schien der direkte Draht zum TSV 1860 München nicht nachteilig gewesen zu sein. Und bei den Spielen der Löwen traf man die Schnells nicht etwa im Fanblock an – wie es ursprünglich von einem Fanbeauftragten zu erwarten wäre – sondern in den VIP-Bereichen.

Jeder Gegenpart stellte also eine potenzielle Gefahr dar. Sei es der Mitarbeiter des Fanprojekts München, der viel aktiver war als Jutta Schnell und daher auch in der Fanszene deutlich mehr wahrgenommen wurde, als die hauptamtliche Fanbeauftragte. Oder eben die beiden Mitarbeiter in dem angedachten ARGE-Büro, die wahrscheinlich alleine aufgrund ihrer Präsenz rasch einen guten Kontakt in die Fanclubs aufbauen hätten können und damit die Position von Jutta Schnell gefährdet hätten. Dies musste verhindert werden – und zwar um jeden Preis. Schnells Job dürfe nie in Gefahr geraten, mögliche Gegenspieler sollten rasch wieder von der Bildfläche verschwinden.

Gerhard Schnell als Schriftführer der ARGE

Tatsächlich hatte die Aktion Erfolg. Siegbert Stemmer wurde als neuer Vorsitzender der ARGE gewählt. Gerhard Schnell fungierte als Schriftführer und hatte ein gewaltiges Wort in der Vorstandschaft mitzureden. Und die Kombination mit Gattin Jutta als einzige hauptamtliche Fanbeauftragte schien wie geschaffen. Kleinere Scharmützel mit dem Fanprojekt München oder auch mit der aktiven Fanszene, damals federführend mit der Ultra-Gruppierung „Cosa Nostra“, wurden mit offenen Briefen an die Geschäftsführung des TSV 1860 München bekämpft. Zunächst ist festzuhalten, dass die ARGE ein relativ einfaches Spiel hatte. Ultras wurden damals wie heute von Unwissenden gerne mit gewaltbereiten Hooligans gleichgesetzt. Dementsprechend war das Ansinnen der ARGE ja – zumindest in den Augen der Geschäftsführung – ein Gutes. In die bilaterale Kommunikation ging der Verein damals nicht. Man vertraute den Aussagen des Dachverbands der Fanclub, der gerne mit 50.000 Mitgliedern in etwa 500 Fanclubs warb.

ARGE: Einmischung in die Vereinspolitik

Unter dem Präsidium Wildmoser entwickelte sich die ARGE auch vereinspolitisch. Karl-Heinz Wildmoser war taktisch clever genug um zu erkennen, dass ihm die Mitglieder der ARGE bei seinem eigenen Machterhalt behilflich sein konnten. So suchte er einen engen Schulterschluss zum Fanclub-Dachverband. Regelmäßig tauschte er sich mit der ARGE-Führung und mit Mitarbeitern der Geschäftsstelle in seiner Gaststätte in Hinterbrühl aus. Wildmoser wusste, dass viele Fanclub-Mitglieder auch Mitglied beim TSV München von 1860 e.V. waren und bei der Mitglieder- bzw. Delegiertenversammlung seine Alleinstellung als Präsident sicherstellen konnten. Tatsächlich gab es um die Jahrtausendwende herum nur eine relativ kleine und noch sehr unorganisierte Opposition. Zunächst waren es die „Freunde des Sechzger Stadions“, die den waghalsigen Plänen, gemeinsam mit dem FC Bayern München einen Stadionneubau anzustreben, gefährlich im Weg standen. Die aufkommende Opposition, die auch die ARGE zu spalten drohte, konnte jedoch im Keim erstickt werden.

Allianz Arena: Fass ohne Boden

Nach dem erzwungenen Rücktritt von Präsident Wildmoser verschoben sich allerdings die Fronten. Schnell wurde klar, dass die Beteiligung an der Allianz Arena für den Verein tatsächlich ein Fass ohne Boden war. Der Abstieg aus der Bundesliga und die fehlende Absicherung brachte den Verein mehrfach und nachhaltig an den Rande einer Insolvenz. Entsprechend Zulauf bekam auch die Opposition. Offensichtlich wurden die Differenzen zwischen der ARGE und dem „Rest der Fans“ im Rahmen des Eröffnungsspiels der Allianz Arena im Jahr 2005. Nachdem die Ultras der Cosa Nostra eine Choreografie für die Feierlichkeiten ablehnten, bat die Geschäftsstelle der Löwen die ARGE um Mithilfe. Es entstand eine überdimensionale Blockfahne, die in der Nordkurve über die Köpfe der Fans gezogen werden sollte. Dies geschah allerdings ohne Rücksprache mit der aktiven Szene, was am Spieltag zu erheblichen Problemen führen sollte. Der „Kern“ der Kurve verhinderte das Hochziehen, es entstand ein „Fanstreit“ zwischen der ARGE und der Cosa Nostra.

Die Fake-Accounts des Gerhard Schnell

Am 23. September 2005 titelte die Münchner Abendzeitung, die Löwen bräuchten einen „Fan-Gipfel“. Pikanterweise wurden dazu vier Leserbriefe abgedruckt die deutlich machten, wie zerrissen die Meinung innerhalb der Löwenfans hinsichtlich des Stadions ist. Während sich mit Wolfgang Budack ein Fanclub-Vorstand des ARGE-Fanclubs „Göppinger Löwen“ sehr kritisch äußerte („Die ARGE präsentiert sich in einer Form überdimensional, wie es in Fußballstadien nicht zeitgemäß ist.“) kritisierten ein gewisser Erich Hargesheimer („Raus mit den Krawallos“) und Erwin Stengelin („Stadionverbot für Störenfriede“) sehr deutlich die aktive Fanszene. Beide Leserbriefe stammen aus der Feder von Gerhard Schnell, wie man mittlerweile weiß. Mit der Mailadresse erwinstengelin@abacho.de wandte sich Schnell auch an den Vize-Präsidenten Wolfgang Hauner und drohte damit, „in unserer Region alle Fanclubs aufzurufen, mit dem Dauerkartenkauf abzuwarten“. Zeitgleich schreibt Siegbert Stemmer als ARGE-Vorsitzender einen Brief an 1860-Geschäftsführer Detlef Romeiko und bittet dabei um ein Gespräch. Er schreibt dazu: „Wie Sie sicher durch viele E-Mails aus den Reihen unserer Fanclubs, die auch an uns in Kopie gesandt werden, lesen konnten, herrscht eine sehr starke Unruhe in der Fanlandschaft, die so weit geht, dass eine ganze und auch wichtige Region komplett und mit ihren ganzen Mitgliedern aus dem TSV 1860 austreten werde, was eine erhebliche Medienreaktion hervorrufen wird.“ Auf die Führung der Löwen wurde also verstärkt Druck gemacht. Die vermeintlichen E-Mails gab es tatsächlich, allerdings steckte ebenfalls Schnell dahinter, der weiterhin unter verschiedenen Namen und Fanclubs schrieb.

Neue Feindbilder: PRO1860 und ein neuer Fanbetreuer

Im morgigen Teil 5 wird der Ton seitens der ARGE und auch von Gerhard Schnell nochmal rauer. Mit PRO1860 und einem zweiten Fanbetreuer neben Jutta Schnell entstehen neue Feindbilder, die es zu bekämpfen gilt…

Überblick

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Vieles hat man ja vermutet, doch der Sumpf ist ja noch viel tiefer, als man es sich hätte vorstellen können.

Das war ja alles noch viel schlimmer als man schon vermuten konnte….

Das war noch lange nicht alles…

Wieso habt ihr nichts über Manni Riedl geschrieben, ein Hetzer vor dem Herrn!

Warte mal den heutigen Teil 5 ab.