Wer hat als Kind oder Jugendlicher nicht davon geträumt, Fußballprofi zu werden und das geliebte Hobby zum Beruf zu machen? So erging es auch Marius Wolf, Fotios Katidis und Niko Reislöhner, drei Jungs aus der fränkischen Provinz, deren Weg der renommierte Sportjournalist Ronald Reng neun Jahre lang begleitete. Das Ergebnis: “Der große Traum – Drei Jungs wollen in die Bundesliga”. Ein großartiges Buch über (Selbst-)Vertrauen, Kampfgeist, Versuchungen, Erfolge und das Scheitern.

Bestsellerautor im Sportbereich

Mit “Traumhüter”, der Story über den den unbekannten deutschen Torwart Lars Leese, der plötzlich in der Premier League zwischen den Pfosten stand, gelang Ronald Reng 2002 ein Überraschungserfolg. Es folgten lesenswerte Biographien über Robert Enke und Miroslav Klose. Viel lesenswerter fand ich persönlich jedoch seine Langzeitstudien “Spieltage. Die andere Geschichte der Bundesliga” über Heinz Höher und Mroskos Talente – Das erstaunliche Leben eines Bundesligascouts”. Auch “Der große Traum” schlägt in diese Kerbe; Reng begleitete die aufstrebenden Talente Marius Wolf, Fotios Katidis und Niko Reislöhner neun Jahre lang auf ihrem Weg quer durch die Republik.

Ronald Reng portraitiert Marius Wolf

Während Reislöhner der Jugendakademie der SpVgg Greuther Fürth entstammt, lernt der Leser Marius Wolf und Foti Katidis im NLZ des 1. FC Nürnberg kennen. Die beiden Letztgenannten wechselten jedoch im Laufe der Jahre zum TSV 1860, was das Buch für Löwenfans besonders interessant macht. De Abläufe innerhalb der Nachwuchsleistungszentren werden anschaulich dargestellt, die Faktoren “Vertrauen” und “Glaube” erhalten eine zentrale Bedeutung. Oft ist es eine einzige Person, deren Einschätzung der Fähigkeiten dazu führt, ob ein Spieler weiter gefördert oder entlassen wird. So brachte der 1. FC Nürnberg Marius Wolf eines Tages kein Vertrauen mehr entgegen, sein Mentor Wolfgang Schellenberg hingegen, der mittlerweile nach Giesing gewechselt war, gab ihm beim TSV 1860 eine neue Chance – und wurde belohnt.

Trikots Marius Wolf
Marius Wolf ist in den letzten Jahren ganz schön rumgekommen.

Omnipräsente Löwen

Das Ende der Geschichte ist bekannt: Marius Wolf wurde Profi und spielt aktuell bei Borussia Dortmund. Der Weg dorthin jedoch war gepflastert von Entbehrungen und Enttäuschungen, aber auch von Verlockungen und Gefahren. Wer sind wahre Freunde, wer falsche? Immer wieder tauchen Namen auf, die dem geneigten Löwenfan bekannt sein dürften. Egal ob Felix Weber, Julian Weigl, Gerhard Poschner oder Thorsten Fröhling – sie alle finden ihren Platz in diesem Buch.

Wenn der große Traum platzt…

Ronald Reng beschreibt in seinem Buch jedoch auch, die schnell der große Traum platzen kann. Während Niko Reislöhner nach einem Intermezzo beim FC Ingolstadt 04 nun bei seinem Heimatverein in der 8. Liga kickt, hat Foti Katidis die Fußballstiefel inzwischen an den Nagel gehängt. Von den Anlagen her hatten beide wohl ähnlich viel Talent wie Wolf, scheiterten jedoch an den Umständen und sich selbst. Ein klasse Buch, das jeder Fußballfan gelesen haben sollte!

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