Groundhopping Armemien – Unterwegs in Sachen Fussball in Jerewan

FC Urartu – FC Ararat Yerewan, 2:1
Ուրարտու Ֆուտբոլային Ակումբ – Ֆուտբոլային Ակումբ Արարատ Երեւան
31.3.2017, Banants Stadion Jerewan

Es sollten 10 aufregende Tage in den kleinen Kaukasusländern werden, die ich im Frühjahr 2017 mit Freunden verbringen wollte. Auf dem Plan stand der Besuch der Länderspiele Georgien gegen Serbien in Tiflis und Aserbaidschan gegen Deutschland in Baku. Und wenn es irgendwie gehen sollte, dann wäre auch Groundhopping in Armenien ganz nett.

Komplizierte Grenzübertritte inklusive

Wohlwissend, dass es aufgrund politischer Spannungen keine Chance gab, direkt die Grenze von Aserbaidschan nach Armenien überqueren zu dürfen. Von Georgien aus dürfen wir in beide einreisen, aber wer einmal in Aserbaidschan war, darf nicht mehr nach Armenien. Umgekehrt geht das eventuell schon, aber so wirklich sicher ist sich auch keiner. Außerdem war der Spielplan noch nicht ganz raus. Trotzdem endete unsere Rundreise, die uns unter anderem zum Kongress der Deutschlehrerinnen Aserbaidschans in das Bergdorf Sheki führte, dann 2 Tage zu früh in Tiflis, dem geplanten Rückflugort.

Mittlerweile hat sich in der armenischen Hauptstadt Jerewan ein Erstligaspiel aufgetan, und im Gespräch mit dem Hostelchef konnten wir in Erfahrung bringen, dass ein Grenzübertritt „derzeit“ kein Problem sei. Wir haben also zwei Tage Zeit, also erklärte er sich bereit uns nach Jerewan zu fahren!

Auf nach Jerewan!

Also los geht’s! 6 Stunden dauert die Fahrt im klapprigen alten Mercedes. Vorbei an verschneiten Bergen, Viehherden und liegengelassenen LKWs. An der Grenze wurden wir intensiv über unsere Reisepläne befragt, was sich in etwa so darstellte: „Sie waren schonmal in Aserbaidschan, was wollen Sie in Armenien?“ – „Fußball schauen“ – „Was wissen Sie über Armenien?“ – „Die erste Liga hat 8 Teams, heute spielt der Siebte zuhause gegen den Sechsten, es ist also Jerewan-Derby!“ – Fragende Blicke – Problem gelöst! Der klapprige Mercedes setzte uns bei unserer neuen Unterkunft ab und machte sich wieder 6 Stunden lang auf den Rückweg.

Das Fußballspiel: FC Urartu – FC Ararat Yerewan

Via Uber ging es zum Stadion. Dass das Spiel selbst einem Derby nicht würdig war steht auf einem anderen Blatt. Ligafußball hat in der ehemaligen Sovietrepublik nicht den größten Stellenwert, und so waren bei diesem Spiel auf einer ackerähnlichen Bezirkssportanlage weit vor der Stadt auch nur etwa 400 Menschen anwesend. Das Heimteam Urartu gab sich jedoch alle Mühe uns zu bespaßen, organisierte das Catering in Form der gegenüberliegenden Tankstelle, Eintrittskarten und Einlaufkinder mit bunten Luftballons.

Und unser Uber-Fahrer glaubte nicht im Traum daran, dass er uns wirklich 2 Stunden, nachdem er uns in diesem unwirklichen Wohngebiet abgesetzt hatte, genau dort wieder lachend und angetrunken in Empfang nehmen würde. Ein riesiger Spaß, abseits großer Arenen und dem Hochglanzfußball, der uns paar Tage vorher noch beim Länderspiel in Baku präsentiert wurden (bei dem wir uns allerdings auch zu VIP-Tickets gemogelt hatten).

Sightseeing in der Hauptstadt Jerewan

Den darauffolgenden Tag nutzten wir noch zum Sightseeing in der Hauptstadt, wobei wir uns auf die größten Bauten und Museen in der Innenstadt konzentrieren.

Die Stadt blickt auf eine beeindruckend wechselhafte Geschichte zurück, und ist vor allem Stolz auf seine eigene Schrift. Der Erfinder der Schriftart hat – der Geschichte nach – auch die georgische Schriftart erfunden, und zwar indem er einen Teller Spaghetti an die Wand warf. Wir glauben das mal und freuen uns hier gewesen zu sein.

Da der Rückflug von Tiflis aus ging, hatten wir am nächsten Tag erneut eine Schlaglochrally vor uns, konnten dabei aber noch zwei wirklich tolle Kloster, sowie mit Alawerdie die wahrscheinlich hässlichste Stadt der Welt besuchen. Ein Überlandtrip in dieser Region ist auf jeden Fall ein besonderes Erlebnis.

Das Spiel der deutschen Nationalmannschaft in Armenien

Das Spiel der deutschen Elf wird im November natürlich nicht auf dem Platz von Ararat stattfinden, sondern im ”Republikanischen Stadion” am Stadtrand mit 14.000 Plätzen. Noch geiler wäre es allerdings, wenn das Stadion Hrazdan zwischen Innenstadt und Bergkette für das Spiel reaktiviert werden könnte, ein ziemlich geiler, alter Kommunistenbau mit riesigen Flutlichtmasten.


Für ein Spiel in diesem Stadion würde ich möglicherweise sogar nochmal im November einen Trip nach Jerewan wagen.

Top-Sehenswürdigkeiten Jerewan: Am „Complejo Cascade“, einer riesigen Treppenanlage, kommt kein Touri vorbei.

Top-Restaurant in Jerewan:
Kavkaz Tavern, Teryan Street – die größten Fleischspieße des Landes, leider nicht ganz  günstig.

Nachtleben Jerewan:
„Cantaloupe Bar“ in der Pushkin Street. Naja, ein Tip ist es nicht wirklich, aber ein Treffpunkt für Söldner aus der ganzen Welt, die von ihren Kriegsgeschichten prahlen. Der deutsche Mob wird sich wohl eher im „Kilikia Beerhouse“ treffen.

Übernachtungstip Jerewan:
„Envoy Hostel“ ist nicht sonderlich sauber und leise, aber punktet vor allem mit kostenlosen Stadtführungen und dem Shuttle nach Tiflis.

Anreisetip Jerewan:
Entweder mit Direktflug nach Tiflis, und dann eine Abenteuerreise mit dem Mercedes übers Land. Oder man zahlt ein paar Taler mehr und fliegt von München über Wien.

(Bilder: Eindrücke vom Banantas Stadion – Blick über Jerewan – Nationalstadion)

Die Auswärtsgegner der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft zur WM-Qualifikation 2022

Über Rumänien und (Nord-)Mazedonien habe ich ja bereits berichtet. Einfach die Verlinkungen anklicken.

War das schon alles?

Aufmerksame Leser werden bemerken, dass noch zwei Auswärtsspielorte der Nationalmannschaft in meinen Erzählungen fehlen. Der Besuch eines Fußballspiels auf Island fehlt mir aber leider noch, sodass ich außer einem 24stündigen Stopover, von Rejkavik auch nichts berichten kann.

Naja, und über die Hauptstadt Liechtensteins Vaduz kann man nur wenig berichten. Sofern bis März überhaupt wieder Zuschauer zugelassen sind, und man an Tickets kommt, überquert man am Bodensee kurz die Grenze. Dann sieht sich das Spiel an und fährt wieder heim. Bier trinkt man wegen dem enormen Preisunterschied auch lieber daheim.

Natürlich konzentrieren sich meine Reisen nicht nur auf die Nationalmannschaft, auch wenn ich jetzt hier die Tips dafür schreibe. Am schönsten ist für mich eine Reise, wenn ich ein paar Wochen das Land kennenlernen darf, auf unterschiedliche Menschen treffe und viele Erfahrungen aufsauge, und das Ganze auch noch mit dem Besuch eines Fußballspiels kröne. Daher geht’s im nächsten Bericht auch aus der Komfortzone der UEFA raus, und ab nach Südostasien. Freut euch drauf.

Stefan M. berichtet von seinen Reisen zu Fußballspielen in aller Welt. Die Vorstellung von ihm findet ihr hier.

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