Es ist wohl eines der umstrittensten Themen des deutschen Fußballs: Die Ligastruktur zwischen den Regionalligen und der 3. Liga, also zwischen Amateurfußball und Profigeschäft. Dadurch, dass es nur vier Absteiger, aber fünf Regionalligameister gibt, müssen jedes Jahr zwei Vereine, die sich den Aufstieg über die Saison hinweg verdient haben, in zwei Entscheidungsspielen gegeneinander antreten. Zusätzlich betrifft diese Regelung nur Vereine aus den Regionalligen Nordost, Nord und Bayern. Die Staffeln West und Südwest haben hingegen immer einen Aufsteiger sicher.
Seit jeher gibt es Bestrebungen dieses – ursprünglich als Übergangslösung gedachte – System zu reformieren. Nachdem man in der Arbeitsgruppe Regionalligareform zuletzt so nah an einer Lösung war wie nie zuvor, droht das Vorhaben nun erneut an den Partikularinteressen einzelner Landesverbände zu scheitern.
Initative Auftsiegsreform 2025 als Reaktion auf Ungleichbehandlung
Im Februar 2025 taten sich 17 Vereine der Regionalliga Nordost zusammen, um den NOFV zum Handeln aufzufordern. Nach dem Start der Kampagne solidarisierten sich mehrere Fanszenen mit dem Vorhaben der Ost-Clubs, und drängten auch ihre Vereine, sich dem Vorhaben anzuschließen. Im September letzten Jahres schloss sich unter anderem auch der TSV 1860 München an.
Arbeitsgruppe Regionalligareform formiert sich
Das Vorhaben Aufstiegsreform 2025 trug erste Früchte: Im August 2025 setzte der DFB nach einer Konferenz der Regional- und Landesverbände eine Arbeitsgruppe ein. Diese sollte mögliche Lösungen erarbeiten.
Mit der Zeit kristalisierte sich das Kompassmodell heraus: Vier Regionalliga-Staffeln mit je zwanzig Teams und einer dynamischen Zuordnung, die sich an den Entfernungen zwischen den Spielorten orientiert. Auf dieses Modell wollte man sich im Februar 2026 eigentlich einigen – doch die Landesverbände verweigerten ihre Zustimmung.
Nachdem bei der letzten Sitzung – ohne selber einen Gegenvorschlag vorzulegen – das Kompassmodell abgelehnt wurde, konnte man sich im März vorerst auf zwei Modelle verständigen: Das Kompassmodell sowie ein Regionenmodell, bei dem die Regionalligen Nord, Nordost und Bayern in zwei neue Staffeln zusammengeführt werden. Die Regionalligen West und Südwest bleiben hingegen in ihrer bisherigen Form bestehen.
Partikularinteressen und Verschleppungstaktiken
Den Verbänden aus West und Südwest dürfte das Regionenmodell entgegenkommen – für sie würde sich nichts ändern. Besonders die Regionalliga Südwest – die als GmbH organisiert ist – fiel bereits in der Anfangsphase der Arbeitsgruppe immer wieder mit Bedenken auf. Es darf angenommen werden dass das Regionenmodell ein weiterer Versuch war eine echte Lösung zu verhindern.
Bayerischer Fußballverband verwirrt mit eigenem Vorschlag
Der BFV schlägt nach einem Treffen von 25 Vertretern bayerischer Klubs aus der 3., 4. und 5. Liga überraschenderweise ein eigenes Modell vor. Im Zwei-Phasen-Modell sollen die fünf bestehenden Staffeln nach der Vorrunde geteilt werden: Die jeweils besten Teams würden in vier neuen Staffeln um die Aufstiegsplätze spielen, während die übrigen Klubs in regionalen Ligen um den Klassenerhalt kämpfen.
Entgegen den Medienberichten behauptet der BFV dass das Kompass- oder Regionenmodell zu keinem Zeitpunkt konsensfähig war. Welche bayerischen Vereine an der Konferenz teilnahmen, ließ der Verband offen. Nicht wenige Beobachter sehen in diesem Vorgehen einen bewussten Versuch, die Reform zu verzögern oder zu verhindern. Der Sprecher der Initative Aufstiegsreform und Geschäftsführer des Chemnitzer FC, Tommy Haeder, äußerte sich deutlich:
Drei Wochen nachdem die DFB-Arbeitsgruppe monatelang gearbeitet und zwei konkrete Modelle vorgelegt hat, plötzlich mit einer neuen Idee zu kommen, wirkt wie eine gezielte Nebelkerze. Für mich entsteht der Eindruck, dass hier der Prozess der Lösungsfindung bewusst gestört werden soll. Genau das dürfen wir jetzt nicht zulassen. Wir sollten uns auf das konzentrieren, was jetzt auf dem Tisch liegt – alles andere führt nur dazu, dass der Prozess einer Regionalliga-Reform zerfasert wird. Das ist nicht akzeptabel.
Warum der BFV in seiner Pressemitteilung davon spricht, eine Lösung anzustreben “die dem Anspruch ‘Der Meister muss aufsteigen!’ gerecht wird”, gleichzeitig aber alle – mit breiter Mehrheit ausgearbeiteten – Lösungsvorschläge der Arbeitsgruppe ablehnt und ein eigenes Modell präsentiert, bleibt offen.
Um zu einer echten Reform zu kommen, müssen alle Landesverbände Priviligien aufgeben. Solange aber niemand bereit ist, Kompromisse – auch zum eigenen Nachteil – einzugehen, bleibt eine Lösung in weiter Ferne. Der anfängliche Erfolg der Initative Auftsiegsreform 2025 hat gezeigt, das Druck zur Veänderung erzeugt werden kann.