Ich verrate an dieser Stelle kein Staatsgeheimnis, wenn ich berichte, dass in unserem redaktionsinternen WhatsApp-Chat nach dem Cottbus-Spiel in der vergangenen Woche und dem damit erfolgten endgültigen Abschied von allen Aufstiegsträumen für diesen Frühsommer die (leicht despektierliche) Phrase von der “Goldenen Ananas” um die die Löwen nun spielen würden, die Runde machte. Ein Begriff der gerne verwendet wird, wenn große sportliche Ziele verfehlt wurden, die Saison aber noch zu Ende gespielt werden muss. Und dies vereinzelt als lästige Pflicht empfunden wird.
Ist die Abschlussplatzierung egal?
Ein sehr geschätzter Kollege hat im letzten sechzger.de Talk 257 ebenfalls deutlich zum Ausdruck gebracht, dass ihm im Prinzip nun “völlig Wurscht” sei, auf welchem Platz hinter den faktisch nicht mehr erreichbaren Aufstiegsrängen der TSV 1860 am 16. Mai um Viertel nach drei einlaufen wird. Die mögliche Einschränkung mit dem vierten Rang, der ja die Qualifikation für den lukrativen DFB-Pokal schon vor dem die Saison abschließenden Totopokalfinale in Würzburg garantieren würde, kann bei dieser Frage tatsächlich vernachlässigt werden. Auch auf diesen Platz fehlen uns – Stand heute – schon neun Punkte und viele Tore. Und finanziell spielt die Abschlussplatzierung tatsächlich auch keine Rolle. Anders als in der 1. und 2. Bundesliga, wo die Fernsehgelder entsprechend der Platzierung vergeben werden, partizipieren in der 3. Liga alle Vereine – außer den Zweitvertretungen – in gleichem Maße vom kleinen TV-Topf. Ist es also völlig egal, was nun in den noch ausstehden Spielen auf dem Platz geschieht? Spielen wir wirklich nur noch um die “Goldene Ananas”?
Ein erfreulicher Fußballabend gegen den Jahn
Ich sage: Nein, auf keinen Fall! Und gerade der gestrige Auftritt gegen Jahn Regensburg hat mir einmal mehr deutlich bewiesen, dass ich mich der Behauptung, es ging nun nur noch um diese “Goldene Ananas” kein bisschen anschließen, dass ich sie tatsächlich auch nicht nachvollziehen kann. Ich habe am Sonntag Abend auf Giesings Höhen die wahrscheinlich beste Leistung der Löwen der Rückrunde wahrgenommen. Und mich darüber sehr gefreut! Nach dem – aus meiner Sicht – extrem zähen Kick gegen Waldhof Mannheim eine gute Woche zuvor – ich weiß, dass diese Auffassung nicht alle teilen – und dem – darüber dürfte Einigkeit herrschen – komplett chancenlosen Auftritt in Cottbus, war das gestern ein erfreuliches Ereignis (was zugegebnermaßen auch am Gegner lag, der ebenfalls richtig Fußball spielen wollte), das Spaß gemacht hat. Eigentlich die ganze Mannschaft, aber im speziellen die beiden Nachwuchskräfte Samuel Althaus und Lasse Faßmann waren mit ganz viel Leidenschaft und Energie bei der Sache und schürten Hoffnung auf die Löwenzukunft. Zufrieden bin ich nach einem Analyse-Bier an der berühmten Tankstelle nach Hause gefahren. Obwohl wir nicht mal gewonnen hatten… Und obwohl es doch angeblich um gar nichts mehr geht in den letzten sechs Spielen der Saison, außer um diese oft zitierte “Goldene Ananas”.
Das Spiel als Ziel
Aber genau diese Behauptung stimmt eben nicht! Wenn Sechzig spielt, dann geht es mir immer darum, dass die elf Löwen auf dem Platz alles geben, sich reinhauen, mit Leidenschaft und Einsatz den Sieg für Münchens Große Liebe erringen wollen. In jedem Spiel. Egal, ob in der aktuellen Situation vielleicht noch ein Titel zu erringen ist, ein Aufstieg zu erreichen oder womöglich ein Abstieg zu verhindern. Dies ist der Grund, warum ich seit so vielen Jahrzehnten – und hoffentlich auch noch in den nächsten Jahrzehnten – dorthin gehe und teilweise weit dafür fahre. Das Spiel selbst, die neunzig Minuten für sich genommen. Nicht nur das große Ganze, das womöglich am Ende einer Saison zu bejubeln ist. Und das in der aktuellen Saison – nach großer Euphorie zu Beginn – in den letzten Wochen und Monaten wie eine Seifenblase zerplatzt ist.
Wie oft ging’s nur um die “Goldene Ananas”?
Ich habe mal versucht, zu überschlagen, in wie vielen meiner knapp 700 live besuchten Sechzgerspiele es wirklich um mehr ging, als um den oben beschriebenen Anspruch an das jeweilige Löwenteam für die konkreten vor uns liegenden neunzig Minuten. So richtig auflösen lässt sich das nicht, da es ja in der Regel bis in den Frühling hinein im Ligabetrieb theoretisch und rechnerisch immer noch darum geht, nicht auf- oder abzusteigen. Aber unterm Strich dürften es schon einige hundert Spiele sein, in denen es – vermeintlich – nur um die besagte “Goldene Ananas” ging. Oder eben nicht nur.
Wer mag schon Pizza Hawai?
So werde ich auch die verbleibenden fünf Ligaspiele dieser Saison mit dem gleichen Interesse und Enthusiasmus verfolgen, wie so viele Spiele in der Vergangenheit, werde mitfiebern, hoffen und bangen, mich an guten Aktionen und Toren auf dem Feld erfreuen und über Missgeschicke und Gegentore enttäuscht sein. Und dann im Mai vielleicht den Gewinn der “Goldenen Ananas” entspannt zur Kenntnis nehmen. Solange sie nicht auf der Pizza liegt, mag ich diese Südfrucht nämlich auch ganz gern.
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