Heute vor vier Wochen fand im Zenith die Mitgliederversammlung des TSV 1860 e.V. statt. Der Vorstandsvorsitzende des Hauptsponsors Die Bayerische, Martin Gräfer kandidierte dort als einer der Vertreter des Bündnis Zukunft 1860 für einen Sitz im Verwaltungsrat. Er erreichte 873 Stimmen und damit das beste Ergebnis der insgesamt 14 nicht in das Vereinsgremium gewählten Kandidierenden.
Wir haben ihn einen Monat nach der MV und knapp drei Wochen vor dem Saisonauftakt der Löwenprofis in der 3. Liga um ein kurzes Interview gebeten.
sechzger.de: Die Mitgliederversammlung des TSV München von 1860 e.V. liegt heute genau vier Wochen zurück. Wie bewerten Sie die ganze Veranstaltung mit diesem Abstand von einem Monat?
Gräfer: Wichtiger als den Blick zurück zu wenden, ist es nach vorne zu schauen. Am Tag nach der Wahl habe ich allen gewählten Gremienmitgliedern gratuliert. Es ist jetzt an den Gremien des Vereins, die großen Herausforderungen zu lösen. Es war toll, dass so viele Mitglieder ihren Weg nach München geführt haben. Mehr als 40% der Wählerinnen und Wähler haben deutlich gemacht, dass sie sich einen progressiven Kurs und weniger Streit wünschen. Ich vertraue da auch auf das, was Norbert Steppe als neu gewählter Vize-Präsident angekündigt hat: Ab dem 17.06. will er damit beginnen die Gräben in der Anhängerschaft zuzuschütten. Für mich bedeutet das, dass man aufeinander zugeht. Ich bin sehr gespannt, was passieren wird, der Ball liegt klar im Feld der gewählten Gremien.
Jetzt freue ich mich aber offen gestanden auch auf den Start der neuen Saison und hoffe darauf, dass die neu formierte Mannschaft Wirkung zeigt. Das ist mir als Fan und Mitglied wichtig, aber auch als Vertreter des Hauptsponsors.
sechzger.de: Sie haben ja im Vorfeld der MV mehrfach betont, dass der eigentlich wichtige Termin für den TSV 1860 der 17. Juni sei. Wenn also der – teilweise sehr emotional geführte – Wahlkampf vorbei ist. Wie haben Sie nun den oder besser die „Tage danach” wahrgenommen? Können die Gräben, die sich zwischen den – vermeintlich – unterschiedlichen Interessengruppen in der Löwenfamilie aufgetan haben, wieder zugeschüttet werden?
Gräfer: Ich hoffe sehr, dass alle, denen der Verein und auch der Profifußball am Herzen liegen, sowohl das Interesse als auch die Bereitschaft haben, aufeinander zuzugehen. Und ja, ich bin mir sicher, dass das funktionieren kann. Dazu braucht es einen Austausch und das über die Lager hinaus. Gerade dem Präsidium kommt hier eine besondere Rolle zu. Ich selbst, der auf Platz 10 und damit auf dem ersten „Verlierer”-Platz der VR-Wahl gelandet ist, stehe dem auf jeden Fall offen gegenüber. Für die Löwen geht es nur weiter, wenn ein gemeinsamer Plan gefunden und umgesetzt wird. Und wenn darüber Einigkeit besteht, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Kommunikation mit dem Gesellschafter besser gelingt.
sechzger.de: Was muss geschehen, damit das (weiter) gelingt?
Gräfer: Vielleicht klingt es wie alter Wein in neuen Schläuchen – aber all meine Lebenserfahrung sagt mir, dass es einen eigenen Plan braucht, eine konkrete Vorstellung davon, wie es weitergehen soll. Diese Idee kann auch die Grundlage für die Diskussion zwischen den verschiedenen Lagern werden. Weg von der Diffamierung, hin zu einer konstruktiven Auseinandersetzung in der Sache. Was keine Lösung bringt, ist, dem anderen die Schuld für das zu geben, was nicht gelingt und sich selbst nur für die positiven Effekte verantwortlich zu erklären. Das funktioniert nicht in der Familie, das funktioniert nicht im Beruf und natürlich auch nicht im Verein.
sechzger.de: Um das Bündnis Zukunft 1860 ist es nach der MV – zumindest in der medialen Wahrnehmung – ruhig geworden. Z.B. ist die Website des Bündnis’ seitdem in Überarbeitung. Können Sie hier vielleicht schon skizzieren, wie es mit der Initiative in naher und ferner Zukunft weitergehen soll?
Gräfer: Das Bündnis Zukunft soll, wie bereits angekündigt, als eine Art Ideenwerkstatt und Verein für Interessierte dienen. Wir befinden uns gerade in der Abstimmungsphase, werden uns aber demnächst mit einem Update an unsere Unterstützerinnen und Unterstützer wenden. Übrigens: Wer Teil des Bündnisses werden und sich aktiv einbringen möchte, ist herzlich willkommen! Aber wie gesagt, wir diskutieren das gerade noch. Einige meiner Mitstreiter sind schon sehr getroffen über die Art und Weise des menschlichen Umgangs.
sechzger.de: Gibt es von Seiten des Bündnisses bzw. seiner Kandidaten für die VR-Wahl eigentlich noch regelmäßigen Austausch mit Hasan Ismaik, der München ja wieder verlassen hat?
Gräfer: Aus dem Kreis des Bündnisses gibt es weiteren Austausch.
sechzger.de: Nun noch zum Sport: In knapp drei Wochen startet das Team von Argirios Giannikis in die neue Drittligasaison. Welche Erwartungen haben Sie – nach der bisherigen Vorbereitung – für die Spielzeit? Welches sportliche Ziel kann man realistisch ausrufen?
Gräfer: Ich bin sicher nicht die richtige Person, um realistische Ziele auszurufen. Als Fan und Hauptsponsor wünsche ich mir spannende Spiele, eine Mannschaft, die begeistert und im Idealfall über sich hinauswächst. Ich freue mich, dass es so früh gelungen ist, eine Mannschaft aufzustellen und hoffe, dass der wirtschaftliche Rahmen ausreicht, um die eigenen Ambitionen zu fördern. Als Hauptsponsor leisten wir dazu bereits einen wesentlichen Teil.
sechzger.de: Der Spielplan beschert uns das offizielle Drittliga-Auftakt-Spiel gegen den 1. FC Saarbrücken. Wie groß ist die Vorfreude auf einen stimmungsvollen Freitag Abend auf Giesings Höhen?
Gräfer: Wir freuen uns alle sehr auf das Spiel. Gerade Saarbrücken ist ein sehr guter Auftaktgegner, auch um zu sehen, wo die Mannschaft steht. Persönlich kann ich wegen einer Dienstreise nach Norwegen leider nicht dabei sein, werde mich aber digital informieren und mitfiebern.