Mit in den Wahlkampf hineingezogen wurde die Boxabteilung des TSV 1860 München. Interne Chats zeigten auf, dass eine klare Wahlempfehlung für das Bündnis Zukunft 1860 ausgesprochen wurde. Zudem erreichten sechzger.de Informationen, dass es im finanziellen Bereich Ungereimtheiten geben solle. Dem widerspricht die Boxabteilung nun vehement.
Boxabteilung des TSV 1860 weist Vorwürfe zurück
Eineinhalb Wochen ist es mittlerweile her, als ein Artikel zur Boxabteilung des TSV 1860 München online ging und vielfach diskutiert wurde. Neben einer Wahlempfehlung für das Bündnis Zukunft 1860 enthielt dieser brisante Informationen zur finanziellen Situation. Demnach sollen die Erlöse aus dem Merchandising-Bereich in private Taschen fließen und nicht für die Arbeit bei den Boxern eingesetzt werden. sechzger.de hatte bei Abteilungsleiter Ali Cukur eine Stellungnahme angefragt, die bis zur Veröffentlichung unbeantwortet blieb.
Mittlerweile haben sowohl Trainer Raschad Pekpassi als auch Ali Cukur auf die Fragen der Redaktion reagiert. In ihren Antworten treten sie den Vorwürfen entschieden entgegen. Pekpassi, der die Webseite des Online-Shops betreibt, nahm zuerst Stellung.
Stellungnahme von Raschad Pekpassi
“Ich stelle hiermit klar, dass ich im Jahr 2020 die Website www.1860boxen.com ins Leben gerufen habe, um das Streetwear-Label 1860 Boxen zu gründen und damit unsere Boxabteilung zu unterstützen. Dieses Label wurde aus der Boxabteilung heraus entwickelt, und die Gründung erfolgte ausschließlich mit meinen privaten Mitteln. Vor dem Beginn des Merchandisings habe ich mir die Rechte an den Boxhandschuhen gesichert.
Der e.V. war seit 2020 über meine Beteiligung an der Marke informiert. Es gab Gespräche mit dem Vereinsmanagement, und Produkte wurden über meine Firma an den e.V. verkauft und dann im e.V.-Onlineshop angeboten.
Bis heute habe ich keinerlei finanziellen Gewinn erzielt. Im Gegenteil, ich unterstütze Athleten, die sich die Ausrüstung nicht leisten können, mit Kleidung und Boxequipment. Es ist unerträglich, dass diese Sachverhalte jetzt in einem negativen Licht dargestellt werden, was nicht der Realität entspricht und nachweisbar ist.
Des Weiteren wird behauptet, dass der Ring bei der Bundesliga schwarz aufgestellt wurde, was ebenfalls falsch ist. Der Ring wurde uns von einem Sponsor zur Verfügung gestellt, der für den Transport des Rings eine Quittung für den Betrag ausgestellt hat. Alle entstandenen Kosten sind transparent und belegbar.
Die Aussage, dass die Boxabteilung keinerlei finanzielle Mittel besitzt, ist schlichtweg falsch. Wir verfügen zwar über begrenzte Ressourcen, die nicht ausreichen, um in eine eigene Halle zu investieren. Es ist absolut inakzeptabel, wie die Situation falsch dargestellt wird.
Unsere derzeitige Trainingshalle befindet sich in einem desolaten Zustand und ist von Schimmel betroffen. Über die Jahre haben wir keinerlei Unterstützung seitens des Hauptvereins erhalten, um diese Zustände zu verbessern. Nun, da uns Hilfe angeboten wird, werden wir unglücklicherweise in die Auseinandersetzung zwischen dem e.V. und HAM hineingezogen.
Die Halle gehört uns nicht. Seit 20 Jahren wollen sie uns aus der Halle haben, und wir können dort nichts investieren und die Halle auffrischen, weil wir jederzeit der Gefahr ausgesetzt sind, rausgeschmissen zu werden. Der e.V. kennt die Situation und hat uns seit Beginn der Amtszeit von Reisinger oft versprochen zu helfen, aber es hat sich nichts getan. Außerdem müssen wir die Halle ständig mit anderen Abteilungen und Gruppen teilen, was unsere Trainingszeiten erheblich einschränkt.
Es gab einmal Gespräche darüber, die Abteilungen abzuspalten, aber diese Idee kam nicht von unserer Seite. Ähnliche Strukturen gibt es beim FC Nürnberg, um sicherzustellen, dass andere Abteilungen nicht unter einer möglichen Insolvenz des Muttervereins leiden.
Unregelmäßigkeiten im Abteilungsvermögen gab es keine. Der Hauptverein wird regelmäßig über alle finanziellen Angelegenheiten informiert, und es findet jährlich eine externe Überprüfung durch die Stadt statt. Auch der Schatzmeister und der Vizepräsident haben stets ein Auge darauf.
Es ist eine Schande, dass die Boxabteilung nun aufgrund politischer Auseinandersetzungen im Wahlkampf leidet. Mein Engagement gilt stets dem Wohl der Boxabteilung, und ich hoffe, dass diese Stellungnahme Klarheit schafft.”
Stellungnahme von Ali Cukur, Leiter der Boxabteilung
Kurz darauf ergänzte Ali Cukur die Ausführungen des Trainers.
“Zunächst möchte ich klarstellen, dass diese Anschuldigungen vollkommen haltlos sind. Sämtliche finanziellen Transaktionen der Boxabteilung wurden stets transparent und ordnungsgemäß unter der Aufsicht der Vereinsmanagerin Frau Viola Oberländer sowie meines Kassierers durchgeführt. Frau Oberländer agiert stets in Übereinstimmung mit den Vorgaben von Herrn Reisinger, was jegliche Unregelmäßigkeiten ausschließt.
Der Vorwurf, dass Hinweise von Außenstehenden auf diese angeblichen Verfehlungen hingewiesen haben sollen, ist für uns unverständlich. Alle finanziellen Abwicklungen, einschließlich der Zahlungen für den Boxring, wurden ordnungsgemäß dokumentiert und sind jederzeit nachvollziehbar.
Es ist bedauerlich, dass in einem offensichtlichen Versuch, den Wahlkampf zu beeinflussen, die erfolgreichste Abteilung des Vereins in der Öffentlichkeit in ein schlechtes Licht gerückt wird. Solche Taktiken, die über Leichen gehen, um persönlichen Profit zu erzielen, sind für uns nicht hinnehmbar.”
sechzger.de befindet sich derzeit im Austausch mit der Boxabteilung, um an der Halle einen vor Ort-Termin zu vereinbaren und über die Situation der Boxer zu berichten.