Unser Vorbericht zum Spiel der Löwen beim KFC Uerdingen

Hoffentlich gelangt der Löwentross heute Vormittag zum Auswärtsspiel beim KFC Uerdingen per Flieger und Bus an den richtigen Spielort. Da kann man schon mal durcheinander kommen… Das dritte Drittligaspiel des TSV 1860 bei den Krefeldern findet nämlich zum dritten Mal an einem anderen Austragungsort statt. Und keiner dieser drei Spielplätze war die Grotenburg, die eigentlich Heimstatt des KFC.

Uerdingen in Duisburg und Düsseldorf

Am 9. Februar 2019 fand das Duell zwischen den beiden Aufsteigern in der Schauinsland Arena in Duisburg statt. Felix Weber glich vor 5.650 Zuschauern vier Minuten nach der Uerdinger Führung, die übrigens ein gewisser Kevin Großkreutz vorbereitet hatte, zum Endstand aus. Auf den Tag ein Jahr und vier Monate später empfingen die Gastgeber unsere Löwen in der vor der Saison neu gefundenen Heimspielstätte, der Düsseldorfer Merkur Spiel Arena. Die Partie des 31. Spieltags war das zweite Geisterheimspiel nach der Corona-Zwangspause und für die Uerdinger setzte es die erste Niederlage nach dem Re-Start: Mit 3:1 behielt 1860 die Oberhand obwohl ausgerechnet der in München wohlbekannte Adriano Grimaldi eine 1:0-Pausenführung für das Team in rot und blau hergestellt hatte. Kristian Böhnlein (mit einem sehenswerten Linksschuss), Leon Klassen und Efkan Bekiroglu sorgten aber für einen letztlich ungefährdeten Erfolg für das Team von Michael Köllner.

Nächster Spielort: Lotte

Seit dem Heimspiel gegen den MSV Duisburg am 28. Februar und vorerst bis zum Ende der laufenden Saison spielen die Krefelder nun also in Lotte. Nachdem der KFC seinen Mietzahlungsverpflichtungen gegenüber dem Stadionbetreiber in Düsseldorf angeblich nicht mehr nachgekommen war, sprach dieser ein Hausverbot für sämtliche Krefelder Vereinsvertreter aus.

An den Sportpark am Lotter Kreuz, rund zwei Autostunden von Krefeld entfernt, haben die Löwen keine besonders guten Erinnerungen: Am 8. Februar 2017 unterlag man als Zweitligist dem Drittligisten Sportfreunde Lotte in einem – in negativer Hinsicht – denkwürdigen DFB-Pokal-Achtelfinale mit 0:2. Ein Brasilianer im Löwendress namens Ribamar erhielt – erst 19 Minuten auf dem Feld – in der 90. Minute nach einem rüden Frustfaul an der Außenlinie glatt Rot und vom kicker die nicht allzu häufig vergebene glatte Note 6. Ein wenig besser, aber auch nicht wirklich rund lief es dann knapp zwei Jahre später im einzigen bisherigen Ligaspiel in Lotte: Im westfälischen Schneechaos gingen die Löwen durch Nico Karger mit 1:0 in Führung, mussten aber direkt nach der Pause den Ausgleich hinnehmen. Die Sportfreunde rangierten zu diesem Zeitpunkt noch auf Platz 13, vier Plätze hinter Bierofkas Löwen. Am Saisonende, im Frühsommer 2019 mussten sie den Gang in die Regionalliga West antreten, in der sie heute einen Abstiegsplatz belegen.

8.2.2017 Der Sportpark am Lotter Kreuz wenige Stunden vor Anpfiff einer denkwürdigen Pokalpartie

Die schwierige Stadionfrage beim KFC Uerdingen

Von der Kampfbahn zum Stadion

Allein an der Anzahl der Heimspielorte in den letzten drei Jahren lässt sich leicht erkennen, dass es in Krefeld offensichtlich ein echtes Stadionproblem gibt. Im Vorbericht zum Hinspiel (einem 0:0 auf Giesings Höhen am 21. November) wurde angekündigt, dass wir uns heute ein wenig näher mit dieser Problematik befassen werden. Und das tun wir nun: Die eigentliche Heimat unseres heutigen Gegners ist die Grotenburg im Krefelder Stadtteil Bockum (mit „k“, nicht mit „h“ ?). Sie wurde schon im Jahr 1927 eingeweiht und ab 1971, nach dem Aufstieg in die zweitklassige Regionalliga West trug der FC Bayer 05 Uerdingen hier seine Heimspiele aus. Dass die Umbenennung des Spielstätte von der legendären Grotenburg Kampfbahn in das Grotenburg Stadion just aus der erfolgreichsten Zeit von Bayer Uerdingen datiert, ist wahrscheinlich wenigen Fußballfreunden bewusst. Im Sommer 1986, ein Jahr nach dem DFB-Pokalsieg gegen die Roten und am Ende einer legendären Europacup-Saison, die erst im Halbfinale gegen Atletico Madrid ein Ende fand, erfolgten zahlreiche Renovierungsmaßnahmen und die Umbenennung.

27.8.1994 Bundesligaspiel zwischen Bayer 05 Uerdingen und den Löwen vor 10.500 Zuschauern
Am Zaun vor der Gästekurve lässt sich der Aufsteiger für seinen ersten erkämpften Bundesligapunkt nach über 13 Jahren feiern

Niedergang des KFC Uerdingen und der Grotenburg

In den folgenden Jahrzehnten erlebte die Grotenburg den sportlichen Niedergang im Krefelder Fußball hautnah mit. Nur 12 Jahre nach der ersten Saison als KFC Uerdingen (die Bayer AG hatte im Sommer 1995 ihren Ausstieg erklärt), die mit dem Abstieg aus der 1. Bundesliga geendet hatte, fand in der Grotenburg nur noch sechstklassiger Fußball in der Verbandsliga Niederrhein statt. Aufgrund der naturgemäß geringen Besucherzahlen verfiel das Stadion zusehends. Niemand investierte in dieser Zeit in dringend nötige Renovierungsarbeiten. Im Sommer 2013 sperrte die Stadt Krefeld sämtliche Stehplätze. Als Notbehelf wurde die zu diesem Zeitpunkt ungenutzte und weitgehend verfallene Westtribüne – vormals der Gästebereich – provisorisch hergerichtet.

Rückkehr in den Profifußball = Abschied von der Grotenburg

Im Sommer 2018 kehrte der KFC Uerdingen nach zwei unmittelbaren Aufstiegen zurück auf die bundesweite Profifußballbühne. Und der Grotenburg gezwungenermaßen den Rücken. Zwar waren im April des gleichen Jahres vom Krefelder Stadtrat noch rund eine Million Euro für verschiedene Sanierungsmaßnahmen bewilligt worden, jedoch sorgten z.B. die Malerarbeiten im Außenbereich und die Instandsetzung der Parkplätze natürlich nicht für die Drittligazulassung der Traditionsspielstädte. Seit fast drei Jahren ringt man nun in der selbsternannten Sportstadt am Niederrhein um eine Rückkehr des KFC in die Grotenburg. Eine detaillierte Schilderung dieses kommunalpolitischen Hin- und Hers wollen wir uns hier ersparen. Der Wirbel um den Wechsel des Eigentümers der Fußballgesellschaft in jüngster Zeit hat das Vertrauen der politisch Verantwortlichen in das Projekt aber nicht vergrößert. Allerdings kam zuletzt doch Bewegung in die Sache. Erst im März konnten auch unsere Leser von einem Finanzrahmen für Sanierungsarbeiten von 16,3 Millionen lesen und gestern berichtete liga3-online.de von einer Initiative zur Einbindung der Fans in die angedachten Umbauarbeiten. Im Frühjahr 2022 könnte diesem Artikel zufolge endlich wieder der Profifußball in der Grotenburg rollen.

Sportliche Situation und Bilanz

Dazu müsste der Verein aber natürlich die Klasse halten. Aktuell steht man nur zwei Punkte vor den Abstiegsrängen. Wegen des im Januar eröffneten Insolvenzverfahrens wurden dem KFC Uerdingen drei Punkte abgezogen und in dieser Woche erfuhren einige Akteure  auch noch, dass der Verein nicht weiter mit ihnen plant. Die optimale Vorbereitung auf das erste von neun Spielen gegen den drohenden Abstieg in die RL West sieht gewiss anders aus. Für uns ist das vielleicht die Gunst der Stunde, die völlig ausgeglichene Bilanz gegen diesen Gegner aufzubessern: Von 17 Partien gegen Bayer bzw. KFC 05 konnte 1860 sechs gewinnen, sechsmal behielten die Krefelder die Oberhand und fünfmal wurden die Punkte geteilt. Ob wie im letzten Frühsommer ein Auswärtssieg  gelingt, erfahrt Ihr heute wieder einmal vom LÖWENRADIO und – wie gewohnt – in bildlicher und schriftlicher Form im  sechzger.de-Liveticker ab dem vorgerückten Vormittag.

FOTOS Krefeld: Wolfgang Budack

2 KOMMENTARE

  1. Liebe Grüße an den Fotografen Wolfi Budack..schöne Erinnerungen an das damals so löwenstarke Team , hoffe wir sehen uns auch bald wieder am Grünspitz oder Giesinger Bräu Stehausschank.

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