Ein herzliches Grüß Gott zur TAKTIKTAFEL zum Spiel des TSV 1860 München gegen den FC Hansa Rostock.

Mit fünf Siegen aus den letzten fünf Spielen kommt der Hansa Rostock am Samstag nach Giesing zum TSV 1860. Die Rostocker, die sich seit dem 16.Spieltag von Tabellenplatz acht bis auf den Relegationsplatz drei vorgeschoben haben, sind aufgrund der taktischen Flexibilität ein schwer ausrechenbarer Gegner. Aus der jeweiligen Grundaufstellung wird gut verschoben. Die gegen den Ball äußerst disziplinierten Kicker entwickeln im Spiel mit dem Ball eine Kreativität, die man in der 3.Liga sonst nicht oft zu sehen bekommt. Jens Härtels Kader hat, trotz einer langen Verletztenliste, alle Bausteine zur Verfügung, um die vom Trainer angedachte Spielweise auf den Platz zu bringen. Darauf gehen wir ein wenig weiter unten im Text ein.

Die taktische Grundformation

Die taktische Flexibilität bei Härtels Mannschaft ist ziemlich groß, auch wenn das anhand der hauptsächlich verwendeten Systeme eher anders aussieht. Bisher spielte Rostock mit fünf verschiedenen Grundaufstellungen, von denen das 4-2-3-1 (8x) und das 3-4-3 (11x) definitiv die bevorzugten Systeme von Trainer Jens Härtel waren. Dabei verschiebt das 4-2-3-1 bei Ballbesitz zu einem 4-1-3-2. Aus dem 3-4-3 wird gegen den Ball abhängig von der gegnerischen Offensive zum 5-4-1 oder 4-4-2 verschoben.

Im Hinspiel hat Rostock mit einem 3-4-3, das sich defensiv zum 5-4-1 verschob, die Löwen vor ziemliche Probleme gestellt. Man hat es nur dem Schiedsrichtergespann zu verdanken, dass dieses Spiel nicht verloren ging. An diesem Tag hatte der Unparteiische Herr Oldhafer einen rabenschwarzen Tag, an dem sowohl Hansa Rostock durch einen nicht gegebenen Handelfmeter als auch der TSV 1860 München mit der unberechtigten gelb – roten Karte gegen Steinhart vom Mann in schwarz benachteiligt wurden.

Tritt Rostock gegen den TSV 1860 im  3-4-3 oder 4-2-3-1 an?

Wir könnten mit dem 3-4-3 zum zweiten Mal in der Rückrunde unseren Gegner in einem System sehen, das viel taktisches Verständnis, eine hohe Laufbereitschaft und sicheres sowie schnelles Passspiel von den Spielern verlangt. Gegen das 3-4-3 sprechen die Umstellungen, die Rostock oft nach der Halbzeitpause vornehmen muss, um die Unzulänglichkeiten aus der ersten Halbzeit auszubügeln. Jüngst gegen den SC Verl konnte man das gut beobachten. Nach Halbzeit eins lag der SC Verl verdientermaßen mit 2:0 in Führung. Mit der Systemumstellung von 3-4-3 auf 4-2-3-1 und der Einwechslung von vier (!) frischen Spielern kam bei Rostock die Wende und dank einer dann brutal stabilen Abwehr, welche die Grundlage zu einer furiosen Aufholjagd legte, gewann die Kogge noch mit 3:2.

Nun weiß ich natürlich nicht, was den Coach der Rostocker trotz der Probleme, die seine Mannschaft im 3-4-3 oft in der Defensive bekommt, am Beginn vieler Spiele dennoch an diesem System festhalten lässt. Da möchte ich auch keine Vermutungen anstellen. Tatsache ist: wenn Rostock im 3-4-3 beginnt, hat man vor allem gegen spielstarke Gegner oft Probleme. Das rührt vor allem daher, dass die Verschiebungen im Spiel gegen den Ball nicht so funktionieren wie sie sollten. Speziell in Fällen, wo eine Pressingfalle aufgestellt werden soll, sind die Spieler die in die Kette nach hinten verschieben müssten, oft nicht auf ihren Positionen und ermöglichen so dem Gegner gefährliche Aktionen. Meine Vermutung geht also dahin, dass Jens Härtel seine Elf eher im 4-2-3-1 auf die Löwen loslässt.

Womit kommt der TSV 1860 gegen Hansa Rostock womöglich besser zurecht?

Gegen ein 4-2-3-1 haben die Löwen bisher spielerisch meist recht annehmbare Leistungen gezeigt, waren aber am Ende der Partien diverse Male die Gelackmeierten, weil die gebotenen Chancen leichtfertig vergeben wurden. Beispielsweise war das im Auswärtsspiel gegen Viktoria Köln oder auch im Heimspiel gegen den SV Meppen der Fall.

Vor der Rostocker Offensive ist sowohl im 3-4-3 als auch im 4-2-3-1, das wie oben bereits erwähnt zu einem 4-1-3-2 verschoben wird, absolute Vorsicht geboten. Die fünftbeste Offensive der Liga hat in 21 Spielen bereits 34 mal getroffen. Die Angriffsverteilung bei den ausgespielten Positionsangriffen sieht mit 41% ein klares Übergewicht auf der rechten Seite der Hanseaten. 28% der zu Ende gespielten Angriffe gehen durch die Mitte und 31% über links.

Sehr interessant ist auch, dass Härtel sowohl im 4-3-2-1 als auch im 3-4-3 die offensiven Außenspieler invertiert spielen lässt. Mit Manuel Farrona Pulido (#19) stellt er einen Linksfuß auf die rechte Seite und mit Lion Lauberbach (#15) einen beidfüßigen Spieler auf die linke Seite. Dynamische Tempodribblings oder progressive Läufe werden dadurch stark begünstigt. Das “nach innen ziehen” dieser Spieler sorgt dann für Raum auf dem Flügel und begünstigt das Hinterlaufen auf den Flügeln für die defensiveren Außenspieler. Diese schalten sich aus der Tiefe kommend in die Angriffe mit ein.

Eine Auffälligkeit beim Blick in die Statistiken ist, dass Rostock ähnlich wie unsere Sechzger eine der Mannschaften ist, die ihre Ballbesitzphasen sehr oft in ausgespielte Positionsangriffe umwandeln kann.

Die statistischen Werte von Hansa Rostock

  • Ballbesitz 48%
  • Passgenauigkeit 77%
  • Gewonnene Defensivzweikämpfe 63,4% (bester Wert der Liga)
  • Flankengenauigkeit 37,1% (zweitbester Wert der Liga)
  • PPDA 9,79 (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) (drittbester Wert der Liga)

Wie das 4-2-3-1 von Rostock für den TSV 1860 zu knacken ist

Die Marschroute, um gegen Rostock im 4-2-3-1 offensiv gut auszusehen, wird meiner Meinung nach sein, die Verbindung zwischen Abwehr und defensivem Mittelfeld in spielerischer Weise aufzulösen. Über gutes Flügelspiel müssen die beiden defensiven Mittelfeldspieler zu Verschiebungen in Richtung des bespielten Flügels gezwungen werden, um dann mit diagonalem Spiel in die Zentrale oder über Seitenwechsel den dadurch entstehenden Raum auszunutzen. Damit kommen allen Flügelspielern der Sechzger Schlüsselaufgaben in der Offensive zu. Wenn diese es schaffen durch ihre Angriffe über die Seiten die Spieler des Gegners aus dem Zentrum zur Unterstützung ihrer Mitspieler abzuziehen, können sich bei dem gewohnt präzisen Passspiel des TSV 1860 München gute Angriffe gegen Hansa Rostock entwickeln. Diese können dann hoffentlich mit Erfolg abgeschlossen werden. Die Art und Weise, wie die Löwen gegen Unterhaching Angriffe aufgebaut haben, könnte für das Spiel gegen Rostock als Blaupause dienen.

Generelle Stärken und Schwächen des Systems 4-2-3-1

Die Stärken

Gegen den Ball ist das 4-2-3-1 in der Zentrale und Richtung eigener Box sehr kompakt. Es gibt den Gegnern kaum Raum, um dort vernünftiges Passkombinationsspiel aufzuziehen. Auch gegen zwei oder drei Stürmer ist man durch die beiden defensiven Mittelfeldspieler gut abgesichert. Nach Balleroberung kann das Spiel über die beiden Sechser relativ variabel gestaltet werden. Sowohl über die Flügel als auch über das Zentrum sind schnelle Angriffe möglich, wenn man die Lücken im Raum schnell erfasst und alle Offensivspieler ihre Laufwege situationsbedingt richtig anlegen. Oft schaltet sich einer der beiden Sechser auch aktiv und nicht nur als Ballverteiler in das Offensivspiel mit ein. Dadurch wird die Offensive als Ganzes schwerer auszurechnen.

Die Schwächen

Gegen den Ball ist ein Gegner, der gern über die Flügel angreift, schwer zu kontrollieren. Die Wege zum Doppeln eines Spielers sind relativ weit und die Dopplung wird vom Angreifer oft schon erkannt, wenn sich der doppelnde Gegner aus seiner taktischen Grundposition löst. Das führt bei guter Spielübersicht und genauem Passspiel zu viel Raum für die angreifende Mannschaft. Die Mittelfeldspieler auf den Außenpositionen müssen außerdem ein extrem hohes Laufpensum bewältigen, wenn sie die gegnerischen Flügel unter Kontrolle halten wollen. Im Spiel nach vorne ist vor allem das Fehlen eines zweiten Stürmers ein großes Manko. Dadurch bietet sich für den Spieler in der Sturmzentrale nur wenig Raum zur Entfaltung seiner Fähigkeiten. Deshalb sind torgefährliche Mittelfeldspieler, die mit aufrücken, zwingend erforderlich, um im 4-2-3-1 erfolgreich zu sein.

Ein Blick auf das 3-4-3

Da man beim FC Hansa das 3-4-3 aber auch berücksichtigen muss, gibt es hier ebenfalls ein paar Zeilen dazu.

Wie das 3-4-3 offensiv bespielt werden muss

Ein 3-4-3 ist gegen den Ball auf starkes Angriffspressing ausgelegt. Das heißt man muss sich bei Ballgewinn sehr zügig aus dem eigenen Abwehrdrittel befreien. Dadurch kann man die personelle Überzahl, die in der eigenen Offensive entsteht, optimal ausnutzen. Schnelle und ballsichere Spieler mit präzisen, hohen und langen Pässe anzuspielen, die das Mittelfeld schnell überbrücken, können hier die Lösung sein. Daniel Wein und Phillipp Steinhart sind daher als Spieleröffner für eine sogenannte “langer Hafer”-Taktik prädestiniert. Dauert die Spieleröffnung zu lange und Rostock schafft es, zur Verteidigung des gegnerischen Aufbauspiels wie beim 3-4-3 vorgesehen hart zu pressen, müssen andere Ansätze zu erfolgreichen Angriffen führen.

Sollten die Mecklenburger wie im Hinspiel mit doppelt pendelnden Mittelfeldaußen und doppelt pendelnden Außenstürmern auf Viererkette im Mittelfeld und Fünferkette in der Abwehr verschieben, müssen die Löwen anders vorgehen. Wenn sie das Pressing überwinden können, müssen sie die durch Verschiebung aus dem Pressing in die Defensivformation entstehenden Lücken im Raum ausnutzen. Diese Lücken werden auf den Flügeln und den Halbpositionen im Mittelfeld entstehen. Präzision und Tempo sowie flaches Passspiel sind dann die oberste Maxime im Spielaufbau.

Kluge Laufwege der Spieler in der Mittelfeldzentrale können bei vertikalem Flügelspiel und diagonalem Passspiel auf die Halbpositionen die Lücken, welche dann zwangsläufig entstehen, aufdecken und ausnutzen. Bis vor den Strafraum des Gegners werden die Löwen gegen das 3-4-3 System vermutlich gute Lösungen finden. Auf dem weiteren Weg des Spielgeräts in Richtung Tor hängt viel von der Laufbereitschaft der Spieler beider Mannschaften ab. Flache Flanken oder progressive Läufe bzw. Dribblings in die Box sehe ich als probates Mittel, um Torchancen der Sechzger einzuleiten.

Generelle Stärken und Schwächen des 3-4-3

Stärken

Das 3-4-3 bietet mit seiner exzellenten Tiefenstaffelung im Zusammenspiel mit taktischer Disziplin im Positionsspiel sehr variantenreiche Spielzüge im Aufbau. Gerade für spielstarke Teams ist dieses System daher eine wahnsinnig effektive Waffe. Angriffspressing und Gegenpressing können mit der Überzahl an Offensivspielern gut umgesetzt werden. Diese Überzahl verhilft der Mannschaft im 3-4-3 auch im letzten Drittel zu hoher Variabilität.

Schwächen

Die Dreierabwehrkette muss situativ immer wieder aus dem Mittelfeld heraus verstärkt werden, wenn der Gegner sich aus dem Pressing befreien kann. Das 3-4-3 stellt hohe Anforderungen an die individuelle Stärke der Spieler sowohl mit als auch gegen den Ball. Wenn die Spieler ihre Rollen im taktischen Konzept nicht akribisch einhalten, kann das Spiel im 3-4-3 leicht zum Debakel werden. Außerdem ist es sehr anfällig gegen Konter bei Ballverlust. Vor allem gegen Ende der Halbzeiten kann dieses für die Spieler auf den Außenpositionen kräftezehrende System nachteilige Auswirkungen bei den Verschiebungen haben.

Schlüsselspieler

Torhüter Markus Kolke (#1) rangiert in den Stastiklisten der besten Torhüter auf Rang vier in der dritten Liga. Schwächen hat er wenn überhaupt im eins gegen eins zu verzeichnen. Mit erst einem verlorenen Luftzweikampf überhaupt diese Saison ist er vor allem in der Strafraumbeherrschung ein Monster. Dieser Zweikampf war übrigens gegen Dennis Erdmann im Hinspiel.

Abwehrchef Sven Sonnenberg (#23) verliert knapp ein Drittel seiner defensiven Zweikämpfe. Allerdings macht dies durch kluges Stellungsspiel, aufgrund dessen er viele Pässe der Gegner abfängt, wett. Spieler wie Lex, Greilinger oder Staude sollten ihn somit mit Dribblings vor Probleme stellen können.

Bentley Baxter Bahn (#8) ist der Mittelfeldmotor der Hanseaten. Wenn man seine Kreativität und Dynamik beschneiden kann, kommt die Kogge ins Schlingern.

John Verhoek (#18) ist der Topscorer mit acht Toren und vier Vorlagen. Gegen diesen Stürmer darf man sich keinen Stellungsfehler erlauben. Das bestraft er postwendend.

Fazit

4-2-3-1 oder 3-4-3? Ganz egal wie Jens Härtel seine Spieler von Hansa Rostock gegen den TSV 1860 München ins Rennen schickt, es wird ein schweres Spiel. Wenn es den Löwen gelingt sowohl die Angriffe der Kogge vor dem Strafraum zum Erliegen zu bringen als auch dem starken Pressing (PPDA ist hier der Indikator) der Hanseaten zu entkommen, kann am Samstag durchaus ein positives Ergebnis erzielt werden. Taktische Disziplin gegen den Ball und hohe Effizienz im Spiel nach vorne sind für den TSV 1860 München das A und O für dieses Match. Die sich bietenden Chancen müssen unsere Jungs eiskalt nutzen. Ineffizienter Chancenwucher wie in den vergangenen Heimspielen wird von Hansa Rostock bestraft werden.

Es wird definitiv das bisher schwerste Heimspiel der Saison.

Michael Köllner wird der Mannschaft die richtige taktische Marschroute mitgeben. Wenn alle Spieler über die neunzig Minuten zu hundert Prozent konzentriert bleiben ist ein Erfolg möglich. So wie Rostock in den letzten Wochen auftritt, ist ein Unentschieden gegen die Hanseaten schon als solcher zu werten.

Die von Otto Rehagel einst erfundene Maxime der kontrollierten Offensive oder das Prinzip, das Huub Stevens für Schalke 04 mit dem Satz “Die Null muss stehen!” ausgab, sollte gegen Rostock oberste Priorität haben.

Datenquelle: http://www.wyscout.com/

Diese beiden Aufstellungen von Hansa Rostock sind gegen den TSV 1860 möglich

TSV 1860 Rostock Aufstellung
Rostock im 4-2-3-1
TSV 1860 Rostock Aufstellung
Ebenso möglich: Rostock im 3-4-3

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