Bei der Bekanntgabe der Rückkehr von Kevin Volland zum TSV 1860 München weilte ich in Madrid. Genauer gesagt in der Madrider U-Bahn. Als ich meinem Sohn die Nachricht auf dem Smartphone zeigte, brachen wir spontan in einen Jubelsturm aus und zogen verwunderte Blicke der Mitfahrenden auf uns. Ein ehemaliger Nationalspieler mit großer Identifikation mit Sechzig München kehrt zurück zu seinen Wurzeln. Da wird man doch mal kurz jubeln dürfen…
Wird da ein Kader mit viel weiß-blauer DNA aufgebaut?
Kevin Volland – und deswegen freuten wir uns so – ist eine Hausnummer! Und zwar in sportlicher wie in identifikatorischer Hinsicht. Volland machte nie einen Hehl aus seiner blauen Gesinnung. Ganz im Gegenteil, er zeigte seine Identifikation mit Münchens großer Liebe offensiv. Für uns war sofort klar, dass mit Volland (dessen Vater ich schon beim EC Hedos Eishockey spielen sah) in der Saison 25/26 ein erneuter ernstzunehmender Angriff in Richtung Aufstieg unternommen werden soll. Endlich mal wieder ein handfestes Ziel nach zuletzt gefühlt drei sogenannten “Umbruchssaisons”! Und dass dieses Ziel mit einem Kader erreicht werden soll, der mit Kernelementen bestückt ist, die die weiß-blaue DNA tief in sich tragen, erfreute uns obendrein.
Die vermeintliche Strategie von Dr. Werner
Durch die Verpflichtung von Philipp Maier, der ja angeblich Löwenfan und -spieler gleichermaßen ist, meinte ich zu erkennen, dass Dr. Werner einen guten Plan hat: Spieler holen, die den Löwen im Herzen tragen und eine hohe Identifikation mit 1860 mitbringen. Bei diesen sollte man davon ausgehen, dass sie für ihren Herzensverein vielleicht noch ein paar Prozentpünktchen mehr Motivation und Leistung abrufen, wenn sie mit dem Löwen auf der Brust auflaufen. Und vielleicht geben sie bei der monatlichen Zahlung ein paar Prozentpünktchen Rabatt, wenn sie nochmal für 1860 die Stiefel schnüren “dürfen”.
Identifikation steigern durch Spieler, denen 1860 etwas bedeutet
Und bei uns Fans kitzelt es vielleicht auch noch ein paar Prozent mehr Support raus, wenn wir zurückgekehrte Eigengewächse wie Volland um den Aufstieg kämpfen sehen. Prinzipiell keine schlechte Idee. Durch die Verpflichtung von Kilian Jakob ging ich fest davon aus, dass Dr. Werner diesen Plan verfolgt. Außerdem gibt es ja mittlerweile mehr als Gerüchte, dass auch Löwenfan Florian Niederlechner gerne aus Berlin nach Oberbayern heimkehren würde, um in Giesing auf Torejagd zu gehen.
Nicht-Einigung mit Hiller passt nicht ins Bild
Aber offenbar scheint das doch nicht der Plan von Dr. Werner zu sein. Nach Wochen und Monaten der Gerüchte, dass Marco Hiller und 1860 sich nicht auf einen neuen Vertrag einigen konnten, platzte vor dem Spiel gegen RWE eine Nachricht in die Löwenwelt. Ein Sportreporter machte bekannt, dass Hiller auf der Suche nach einem neuen Verein sei. Also gibt es tatsächlich keine Einigung zwischen den Löwen und dem Torwart, der seit 17 Jahren an der Grünwalder Straße spielt. Aus meiner Sicht würde Hiller absolut in Dr. Werners Strategie passen, die Mannschaft der nächsten Saison mit Spielern mit hoher Identifikation mit 1860 um den Aufstieg spielen zu lassen. Man dürfte im aktuellen Kader wenige Spieler mit ausgeprägterer weiß-blauer DNA finden. Und in dem der kommenden Saison auch nicht. Hiller hat aktuell die sechstmeisten Spiele für 1860 gemacht und abgesehen von seinem Jugendverein Grün-Weiß Gröbenzell noch nie für einen anderen Verein gespielt.
Hiller frustriert?
Dem Münchner Merkur zur Folge soll Marco Hiller frustriert sein. Immer wieder hat man ihm andere Torhüter vor die Nase gesetzt, immer wieder setzte sich Hiller im Konkurrenzkampf durch. Nie hat man gehört, dass Hiller sich darüber beschwert hat. Aber es hat wohl in ihm gegärt. Gerüchten zu Folge soll man ihm ein Angebot zu geringeren Bezügen vorgelegt haben, das er innerhalb kurzer Zeit unterschreiben sollte. So geht man nicht mit einem verdienten Spieler um. Und schon gar nicht, wenn man eigentlich einen Kader aufbauen will, bei dem Löwen-DNA und Identifikation eine wichtige Rolle spielen soll. Einerseits sucht man sie auf dem Spielermarkt, andererseits hat man sie im Kader und lässt sie einfach von dannen ziehen.
Bitterer Abschied
Das verstehe, wer will. Noch dazu, nachdem Trainer Patrick Glöckner verkündete, dass Hiller sich ein sehr positives Standing bei ihm erarbeitet hatte. Erschwerend kommt mal wieder hinzu, dass 1860 sich einfach nicht zur Sache äußert. Kein Wunder also, dass die Spekulationen ein Mal mehr ins Kraut schießen. Der Abschied von Hiller ist bitter. Aber vielleicht will er auch mit 28 Jahren – im besten Fußballeralter – nochmal woanders voll angreifen und sich höherklassig oder – wie vielfach vermutet – im Ausland beweisen. Wenn es so wäre, könnte man es ja auch kund tun. Aber warum hat man dann überhaupt erst verhandelt?
Wer steht nächste Saison im Tor?
Stellt sich die Frage, wer nächste Saison den Kasten der Löwen hüten soll. Und die Antwort auf diese Frage macht mir fast mehr Sorgen als der Abschied von Hiller. Ersatzkeeper Vollath scheint mir nicht die Lösung zu sein. Angeblich ist er im Kader isoliert. Bei den Fans erfeut er sich nicht gerade größter Beliebtheit. Das liegt sicher an seinen Besuchen mit Uerdingen, Türkgücü und Unterhaching im Grünwalder Stadion, als er sich eigentlich bei jedem Spiel irgendwie mit den Löwenfans anlegte. Er wurde – aus meiner Sicht zurecht – wieder von Hiller verdrängt und besonders seine “offensive” Spielweise und Kommunikation mit den Mitspielern sorgten mehrfach für Verunsicherung in der (Hinter-)Mannschaft. Auch vier gelbe Karten, von denen er drei auf der Ersatzbank gesehen hat, sprechen eine deutliche Sprache. Wer auch immer nächste Saison als Nummer 1 bei 1860 ins Rennen geht: Marco Hiller, der dann wieder verlässlich als Backup einspringt, wenn es schief geht und Top-Leistungen bringt, wird dann nicht mehr da sein. Hoffentlich wird sich das nicht rächen.
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