Hasan Ismaik hat in einem neuen Interview mit der tz München erneut Stellung zur Stadionthematik und dem Verwaltungsrat genommen und zudem verwunderliche Äußerungen über das Wahlsystem und die Integrität der Wahlen beim TSV 1860 getroffen. Unter Anderem zog Ismaik Parallelen zwischen dem Assad-Regime und der Satzung des TSV 1860 München e.V.
Präsidium nur „Marionetten“ des Verwaltungsrats
Ismaik ist fest davon überzeugt, dass der Verwaltungsrat des TSV 1860 München nur „Marionetten“ für das Präsidentenamt vorschlüge. Diesen Begriff verwendete er zudem im Interview auf dem investorennahen Blog eines ehemaligen Journalisten („(…) denn der Verwaltungsrat will nur Marionetten, die für ihn tanzen und nach außen hin die Hauptlast tragen“). Nachdem Robert Reisinger dieser Ansicht und Wortwahl in der Abendzeitung deutlich widersprochen hatte, ruderte Ismaik in der Abendzeitung zurück: „Marionette“ hätte er so nicht gesagt („Ich habe Reisinger nicht als Marionette bezeichnet“). Ein Übersetzungsfehler?
Keine konkreten Zahlen und Details für Stadion-Neubau
Das Präsidium des TSV 1860 hatte jüngst in einer Presseerklärung Ismaik ein Ultimatum für die Vorstellung seiner Neubaupläne für ein Stadion gestellt („Wir bitten die Vertreter von HAM International, ihre konzeptionellen Vorstellungen binnen der kommenden drei Monate zu konkretisieren und mit einem wirtschaftlich tragfähigen Finanzierungskonzept für das neue Stadion und die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA zu unterlegen“).
Konkrete Zahlen und Details nannte Ismaik im Interview mit der Abendzeitung noch nicht. Ein vager Vorschlag Ismaiks war jedoch, „gemäß der Anteilsverteilung an Sechzigs ausgegliederter Profifußballabteilung“ einen Neubau gemeinsam zu finanzieren. Dies würde bedeuten: der gemeinnützige e.V. müsste nach Ismaiks Vorstellungen 40% der Kosten eines Baus für die Profifußballgesellschaft tragen. Inwieweit dies mit der Gemeinnützigkeit des Vereins noch vereinbar ist, ist nicht bekannt, dürfte aber bezweifelt werden.
Alternativ bot Ismaik an, das Stadion selbst zu finanzieren. Beim Treffen mit „Pro1860“ vor der Mitgliederversammlung im vergangenen Jahr hatte dies noch anders geklungen. Damals brachte Ismaik eine „Bank, die er kenne“ für eine Finanzierung ins Spiel, schloss jedoch eine persönliche Finanzierung aus.
Ismaik: Wahlsystem bei 1860 „wie unter Al Assad System in Syrien“
Gegen Ende des Interviews wurde es unappetitlich. Ismaik kritisierte die Präsidentschaftswahl beim TSV 1860 München und stellte sie mit Wahlen im Assad-Regime in Syrien gleich („Die Wahlen sind bedeutungs- und nutzlos. Sie erinnern mich an die Wahlen in einigen Ländern hier im arabischen Raum. Wie unter Al Assad in Syrien.“)
Der TSV 1860 gleichzustellen mit dem Assad-Regime, welches nachweislich zehntausende Menschen willkürlich folterte und ermordete? Der sehr wahrscheinlich international geächtete Chemiewaffen gegen die eigene Zivilbevölkerung einsetzte?
Wahlen bei 1860 „unfair und unrealistisch“
Im nächsten Atemzug zweifelte Ismaik die Korrektheit und Integrität der Wahlen beim TSV 1860 an. Diese seien „unfair und unrealistisch“. Wie Wahlen unrealistisch sein könnten, ließ der Jordanier offen. Er führte weiter aus: „Ich fordere, dass die nächsten Wahlen von einem externen, neutralen Komitee überwacht bzw. kontrolliert werden. Ein Komitee vom DFL, der Stadt München, wie auch immer.“
Bei der letzten Mitgliederversammlung kontrollierten neutrale Wahlbeobachter*innen unter der Leitung eines Notars die Stimmabgaben und Auszählungen. Der Notar bescheinigte dem für die Wahlen zuständigen Wahlausschuss eine beanstandungslose Durchführung und bestätigte die Ergebnisse der Wahlen und Abstimmungen als korrekt. Er sowie die Wahlbeobachter*innen waren von Ismaiks favorisierten Kandidaten für die Verwaltungsratswahl organisiert und ausgewählt worden.
Ismaik weiter: „Ich werfe niemanden etwas vor“, um darauf den folgenden möglicherweise versteckten Vorwurf zu äußern: „aber mir wurde berichtet, dass Wahlsysteme wie diese einfach zu manipulieren sind. Es gibt bestimmte Bedingungen, die man erfüllen muss, um wahlberechtigt zu sein. Das muss alles streng kontrolliert werden.“
Ismaik, der bei der Mitgliederversammlung 2024 persönlich anwesend war, hätte auffallen müssen, dass jedes Mitglied auf dessen Stimmberechtigung anhand des Mitgliedsausweises kontrolliert wurde. Erst nach positivem Ergebnis dieser Kontrolle anhand der Mitgliederkartei des Vereins erhielten die Mitglieder drei verschiedenfarbige Bändchen: Grün für die Verwaltungsratswahl, Gelb für die Ehrenratswahl und Blau für die Wahl des Wahlausschusses. Für farbenblinde Personen waren die Bändchen jeweils noch entsprechend beschriftet. Jedes Mitglied musste mit seiner Stimmabgabe an den Wahlurnen sein jeweiliges Bändchen abschneiden lassen. So war gewährleistet, dass nur stimmberechtigte Mitglieder abstimmten und dies auch nur einmal tun konnten.
Versöhnliche Worte zum Schluss
Das Interview endet mit versöhnlichen Worten Ismaiks an das Assad-Regime aus Giesing: „Ich lade alle Partner ein, dass wir uns zusammensetzen und daran arbeiten, neue Strukturen aufzubauen. Wir sollten die Vergangenheit hinter uns lassen. Lasst uns miteinander kooperieren! Lasst uns zusammenarbeiten – zum Wohle des Vereins!“