Eine rekordverdächtig lange Pressekonferenz gab es am Freitagnachmittag an der Grünwalder Straße 114. Knapp 45 Minuten unterhielt sich Löwen-Coach Maurizio Jacobacci mit den Pressevertretern eingehend über das letzte Spiel in Ulm und das nächste Heimspiel am Samstag um 14:00 Uhr gegen Dynamo Dresden.
Rückblick auf Ulm: “Suche keine Ausreden”
Zu Beginn der Presserunde richtete der Löwen-Coach das Wort an die Presse-Vertreter, diesmal ausdrücklich nicht an sechzger.de, und korrigierte so manches in den Printmedien veröffentlichte. “Ich suche keine Ausreden, wir haben nicht wegen dem Wind, wegen meiner Haarpracht und nicht wegen den Pyros verloren”, erklärte der Schweizer. Man habe in der ersten Halbzeit mehr Möglichkeiten um den Strafraum gehabt, als der Gegner. Anschließend zählte er eine gute Flanke von Guttau auf, einen Alleingang von Zejnullahu, einen Schnittstellenpass von Zejnullahu auf Vrenezi, sowie Zejnullahus Fernschoss auf. “Wir haben neben dem Gegentor nur eine Chance zugelassen vor der Pause und das war die Aktion, in der sich Lang verletzt hat”, fügte Jacobacci an. Der Wind sei nicht schuld an der Niederlage, dadurch seien die langen Bälle aber zu kurz geraten, und der Ulmer Spieler habe beim Gegentor eigentlich flanken wollen.
Jacobacci: “Es liegt nicht an der Einstellung”
Weiter erklärte Jacobacci: “Es liegt nicht an der Einstellung!” und wiederholte dies auch sogleich. Man arbeite mit den Spielern, die zur Verfügung stünden und versuche sie stark zu machen. “Die zweite Halbzeit war ungenügend, wir hatten nur einen Schuss aufs Tor von Zejnullahu”, sagte der Schweizer. Die Pyroaktionen hätten zu einer Unterbrechung von vier Minuten geführt, der Schiri habe aber, die Auswechslungen abgezogen, nur eine Minute nachgespielt. Man habe in Ulm zu wenige Spieler vor dem Ball gehabt, die Ruhe am Ball und die Geduld hätten gefehlt. “In der Situation hätten wir geschickter spielen können und nicht mit der Brechstange”, sagte Jacobacci.
Bonga sollte in Ulm in die Spitze
Die Einwechslung von Bonga in der Schlussphase erklärte der Coach ebenso. “Er hätte vorne reingehört, für die langen Bälle, da er eine gewisse Größe und Robustheit mitbringt. Am Ende hat er sich die Bälle auf der Seite selbst geholt, das macht keinen Sinn”, so Jacobacci. Zudem sei vielleicht nachträglich auch eine Dreierkette ein Mittel gewesen, um in Ulm zum Erfolg zu kommen.
“Müssen gegen Dresden an die Grenzen gehen”
Im Hinblick aufs Dresden-Spiel forderte der TSV-Coach: “Wir müssen an die Grenzen gehen, egal ob gegen Dresden oder einen anderen Gegner. Das ist in jedem Spiel ein Muss. Wir wollen den Gegner mit dem Ball zu Fehlern zwingen. Da nehme ich die Mannschaft in die Pflicht, aber das ist ein Miteinander”.
Zweite Spitze gegen Dresden keine Option
Auf Nachfrage von sechzger.de bestätigte Jacobacci, dass ein zweiter Stürmer eine Option sei. “Aber nicht für das Spiel morgen, eher für die Zukunft”, so der Löwen-Dompteur. Lakenmacher sei ein Stoßstürmer und ein ähnlicher Spielertyp wie Zwarts, der einigermaßen gut trainiert habe und auf seine Chance warten müsse.
Schröter kehrt in den Kader zurück
Sicher im Kader stehen wird gegen Dresden der zuletzt verletzte Schröter, der in Ulm schmerzlich vermisst wurde. Ob er in der Startelf stehen wird, ließ der TSV-Coach offen. “Er wird dabei sein. Er ist sehr wichtig für die Mannschaft, wir wissen um seine Qualitäten. Aber wir müssen aufpassen, dass er sich nicht wieder verletzt”, sagte Jacobacci.
Viele Gespräche mit Vrenezi
Weshalb Vrenezi aktuell nicht seine Top-Form abrufen kann, beantwortete Jacobacci mit dem Satz: “Die Frage kann er nur selbst beantworten”. Vrenezi sei einer der Spieler, mit denen er zuletzt am meisten geredet habe und versucht habe ihm zu helfen. “Bis auf Ingolstadt hat er immer gespielt. Er ist ein wichtiger Spieler für die Mannschaft und ist sich dessen bewusst. Ob er sich selbst zu viel auferlegt, kann ich nicht beantworten”, erklärte Jacobacci.
Mannschaft ist nicht verunsichert
Trotz der Niederlage sei sich der Löwen-Coach sicher, dass sein Team nicht verunsichert sei. “Ich bin mir sicher, dass die Mannschaft nicht verunsichert ist, sie hat davor zwei Mal zu Null gewonnen. Wir haben zuvor gegen Verl und Halle gewonnen, das sind beides sehr gute Mannschaften”, so Jacobacci.
Gegen Dresden nicht chancenlos
“Es ist nicht so, dass wir gegen Dresden chancenlos sind. Wir müssen an die Grenze gehen und spielerisch besser agieren. Die Einstellung ist entscheidend. Es zählen die kämpferischen Tugenden. Die Spieler müssen Meter machen, auch wenn die Beine brennen. Und wenn man drei Mal den Ball nicht bekommt, muss man trotzdem ein viertes, fünftes und sechstes Mal laufen. Wir müssen an die Sache glauben. Das ist Mentalität und die will ich von der Mannschaft sehen”, forderte der Chef-Anweiser.
“Bin ein Mensch der viel reflektiert”
Die Kritik an seiner Person habe Jacobacci natürlich wahrgenommen. “Ich nehme das zur Kenntnis und reflektiere die ganze Zeit, vielleicht zu viel. Ich horche viel in mich rein. Ich mache sicher nicht alles richtig, ich bin auch nur ein Mensch mit Emotionen. Aber ich will mich immer verbessern. Ich bin gerne da und arbeite gerne mit den Jungs. Mein Wunsch ist es, dass wir positiv auftreten”, sagte der Schweizer weiter.
Gegen Dresden ist alles möglich?
Auf Nachfrage von sechzger.de, wie er die Dresdener in Schwierigkeiten bringe wolle, sagte Jacobacci: “Der gegnerische Trainer ist clever, er lobt uns bis zum Geht-nicht-mehr. Wir schauen immer auf Essen, wir müssen auch auf andere Spiele schauen, zum Beispiel auf Lübeck. Sie hätten gegen Dresden gewinnen können, oder mindestens Unentschieden spielen”. Lübeck habe Dynamo in Schwierigkeiten gebracht. “Wir müssen unsere Aufgaben erledigen, um auf das Niveau zu kommen, Dresden auch in Schwierigkeiten zu bringen”, erklärte Jacobacci.
Auch mal einen Punkt mitnehmen
Darauf angesprochen warum die Löwen, neben Dresden die einzige Mannschaft der 3. Liga ohne Unentschieden auf dem Konto, noch kein Remis errungen habe, erklärte Jacobacci: “Wir hätten gegen Aue mindestens einen Punkt mitnehmen müssen, gegen Ingolstadt dasselbe. Wir hatten noch Defizite im Kopf, das gehört zur Reife einer Mannschaft. Bei einem Unentschieden muss man am Ende die Balance finden. Das hat auch mit Abgeklärtheit und Cleverness zu tun”.
Frühe Anreise empfehlenswert
Das Grünwalder Stadion ist am Samstag zum Top-Spiel natürlich ausverkauft. Da die Partie gegen Dresden zur Kategorie “Risikospiel” gehört, wird eine rechtzeitige Anreise empfohlen. Auf Giesings Höhen wird sich dann zeigen, ob es den Löwen ausgerechnet gegen den Ligaprimus gelingt, den Bock umzustoßen. Wer nicht live vor Ort sein kann, bleibt natürlich in unserem Live-Ticker auf dem Laufenden.