Hinter den Löwenfans liegt ein Jahr zum Vergessen mit dem TSV 1860 München. Aber was soll man auch von einem Jahr erwarten, das mit einer Niederlage gegen Waldhof beginnt und mit einer ebensolchen endet. Damit aber nicht mehr gar so viel Mist dazwischen passiert, habe ich einen Wunschzettel für 2024.
Das Jahr gerät sofort auf die schiefe Bahn
Es kommt einem vor, als wäre es ewig her. Aber vor einem Jahr war Michael Köllner noch Löwentrainer und der Löwenkosmos diskutierte, ob der Aufstieg noch zu schaffen sei oder nicht. Köllner hielt das nur mit der Verpflichtung von Raphael Holzhauser für möglich und beschrieb ihn derart positiv, dass man dachte, er könne nicht nur den Aufstieg im Alleingang bewerkstelligen, sondern auch zu Fuß über Wasser gehen und selbiges in Wein verwandeln. Vier Monate später war klar, dass man Holzhauser lediglich für einen Doppelbeinschub in seinem ersten Spiel (die erste Niederlage bei Waldhof) und den Konsum von Schnaps in der Kabine in Erinnerung behalten wird. Da war Michael Köllner selbst schon weiß-blaue Geschichte, denn nach einer Heimniederlage gegen Dynamo Dresden wurde er gefeuert. Es bleibt die Erinnerung an zwei tolle Jahre mit Köllner und zwei weniger tolle, in denen der Coach zusehends die Bodenhaftung verlor. Den Start in die Aufholjagd hatte man sich in Giesing anders vorgestellt.
Entwürdigende Trainersuche
Was folgte war aber keinesfalls Besserung. Ganz im Gegenteil. Günther Gorenzel übernahm das Team und legte eine Serie von vier sieglosen Spielen hin. Das 2:2 in Oldenburg, bei dem die Löwen zwei Gegentore in der Nachspielzeit kassierten war wohl der endgültige Kipppunkt in der letzten Saison. Danach ging nix mehr. Nach Gorenzel übernahm der bis dato weitestgehend unbekannte Maurizio Jacobacci. Vorangegangen war eine für Löwenfans entwürdigende Trainersuche mit öffentlich kursierender Kandidatenliste, genauso öffentlicher Einmischung aus Abu Dhabi und massiver Beschuss von Günther Gorenzel durch die HAM-Seite. Ich habe Gorenzel immer für sein dickes Fell bewundert, aber das war selbst ihm zu viel und er suchte das Weite. Was da für eine Lücke entstanden (und bis heute nicht geschlossen) ist, wurde erst im Verlauf der Zeit klar. Rückblickend muss ich sagen, dass Günther Gorenzel als Geschäftsführer Sport unter den gegebenen Voraussetzungen an der Grünwalder Straße richtig gute Arbeit geleistet hat. Gorenzels Abgang ist sicherlich der schmerzvollste.
HAM verhindert Horst Heldt
In der Restsaison 22/23 trat immer mehr zu Tage, dass Michael Köllner der Kitt war, der das toxische Konstrukt namens 1860 zusammenhielt. Auf ihn und den anfänglichen sportlichen Erfolg konnten sich irgendwie Alle einigen. Als Köllner Geschichte war, brachen die Konflikte zwischen den Gesellschaftern brachial hervor. Gefühlt wurde um jedes Thema gestritten. Für Außenstehende ließ sich der Eindruck nicht vermeiden, dass beide Seiten oft nur um des Streitens willens stritten. Größer Streitpunkt von zahllosen Streitpunkten ist bis heute die Nachfolge von Günther Gorenzel. Präsident Reisinger hätte gerne Horst Heldt verpflichtet. Ein Mann mit Kaliber, der eigentlich 1-2 Ligen höher arbeitet. Da HAM Heldts Einstellung formal nicht verhindern konnte, zogen sie die Geldkarte. In einem Gespräch mit dem Che Guevara von Karlsfeld mit den zwei Dienstwagen wurde Heldt eröffnet, dass man im Falle seiner Anstellung kein Geld mehr bereit stellen würde. Wenig überraschend zog Heldt sich zurück und als Löwenfan blieb einem nichts anders übrig als sich furchtbar zu schämen für das ganze Prozedere.
Einmaliges Konstrukt im deutschen Profifußball: die Transferkommission
Sportlich hatte die ausklingende Saison 22/23 keine Höhepunkte mehr parat. Man fragte sich allerdings, welches System Neu-Trainer Jacobacci da spielen lassen wollte. Viele wurden aus den Aufstellungen des Trainers nicht wirklich schlau. Er selbst verwies immer darauf, dass er Zeit brauche, um die Mannschaft neu aufzubauen. Daher erfolgte in der Sommerpause ein ziemlicher Schnitt im Kader. Außerdem verließ Leandro Morgalla für über 2 Mio. € 1860 in Richtung Dosenclub aus Salzburg. Wegen der vakanten sportlichen Leitung entscheid sich die KGaA für zu einem im deutschen Profifußball einmaligen Experiment. Man ging ohne sportlichen Leiter in die Transferphase und setzte stattdessen ein vermeintliches Expertengremium ein. NLZ-Leiter Manfred Paula wurde immer als Mitglied genannt, bestritt aber selbst, Teil des Gremiums gewesen zu sein. Sehr nebulös Alles, auch weil sich bis heute Gerüchte halten, dass es externe Unterstützung für das Gremium gegeben haben soll.
Die Offensive: Von Anfang an Problem unter Jacobacci
Dass die Transferkommission eher suboptimale Ergebnisse vorweisen kann, lässt sich heute problemlos an der Tabelle ablesen. Sehr ärgerlich ist, dass die schönen Millionen aus dem Morgalla-Transfer zu einem großen Teil für Spieler ausgegeben wurden, die 1860 offensichtlich nicht weiter bringen. Warum man da nicht auf junge eigene Spieler gesetzt hat, wird Geheimnis der Transferkommission bleiben. Bereits in der Vorbereitung gegen unterklassige Gegner zeigte sich, dass die Löwen Probleme mit dem Toreschießen haben. Selbst gegen unterklassige Gegner wie den TSV Wasserburg wollte 1860 kein Treffer gelingen, lediglich ein Treffer gegen höherklassige Testspielgegner (Gladbach) stand zu Buche. Da half auch aller “Fokus, Fokus, Fokus” nichts.
Immerhin bleiben Giovanni Jemmas Motivationsversuche als eine der wenigen Erheiterungen des Löwenjahres 2023 in Erinnerung.
Nachdem Jacobacci Fynn Lakenmacher öffentlich als ungenügenden Stürmer abkanzelte, suchten die Löwen verzweifelt nach einem Knipser. Letztendlich wurde Joel Zwarts verpflichtet, der nicht schlecht begann, aber bis heute nicht vollends überzeugen konnte und seit Oktober an einer mysteriösen Verletzung leidet. Wie schwer sich die Löwen mit dem Toreschießen tun, konnte man in den letzten beiden Spielen vor der Winterpause eindrucksvoll beobachten. In Bielefeld und Mannheim ließ Sechzig reihenweise beste Chancen aus und verlor zwei Spiele, die man mit etwas mehr Effektivität vor dem Tor nie hätte verlieren müssen.
In prekärer sportlicher Lage in die Winterpause
Sportlicher Erfolg oder sehenswerter Fußball wollten sich unter Jacobacci also nicht einstellen. Anstatt seine eigenen Entscheidungen zu hinterfragen, reagierte Jacobacci auf Niederlagen zunehmend dünnhätiger und wurde nach der 3:0 Niederlage bei Dortmund II freigestellt. Besonders ärgerlich war das Ausscheiden im Toto-Pokal in Pipinsried, bei dem Jacobacci eine B-Elf auflaufen ließ und somit die Qualifikation für den DFB-Pokal leichtfertig verspielte. Wahrscheinlich hätte man bereits dort die Reißleine ziehen müssen. Summa summarum steht die Mannschaft aktuell zwei Punkte vor einem Abstiegsplatz und macht einen stark verunsicherten Eindruck. Die aktuelle Situation hat Potential für eine anhaltende Negativspirale, an deren Ende sogar der Abstieg aus Liga drei stehen könnte.
Sportliche Leitung dringend benötigt
Die ganze Löwenfamilie hat wohl unisono einen Sportlichen Leiter auf dem Wunschzettel, der unmittelbar mit der Arbeit beginnt. Für den Trainingsstart am 02.01. ist ein geeigneter Trainer zu verpflichten, eventuell kann auf dem Transfermarkt nochmal nachegelegt werden (Geld ist angeblich vorhanden). Aber nach den negativen Erfahrungen mit der Transferkommission und der Einmischung der Gesellschafter, muss jetzt unbedingt eine Person her, die alleine verantwortlich ist und ohne ewige Freigabeprozesse schnell agieren kann.
HAM stellt sich zum Schaden von 1860 wieder quer
Am Freitag hätte diese Personalie im Beirat der KGaA nach fast sechs Monaten endlich entschieden werden können. Aber die Vertreter der HAM fehlten unentschuldigt bzw. wegen “Unwohlsein”. Unverblümter kann man den Menschen, denen etwas an 1860 gelegen ist, nicht den ausgestreckten Mittelfinger mitten ins Gesicht halten. Damit wird mal wieder unwiderlegbar klar, dass es HAM nur daum geht, 1860 zu schaden. Oder wie ist dieses Verhalten sonst erklärbar? Sehr bemerkenswert ist auch die mediale Begleitung des Chaos bei 1860, das angeblich durch Präsident Resiniger verursacht wurde. T-online, ein Medium, das etwa zwei Artikel pro Woche über 1860 veröffentlicht, war sich nicht zu schade, seinen Seitenstraßen-Reporter über “eskalierenden Trainerzoff” bei Sechzig berichten zu lassen. Bis heute wartet man auf eine Silbe zum wahren Verursacher des Chaos. Nämlich der HAM-Seite, die die wichtige Sitzung einfach platzen ließ und damit für das Chaos verantwortlich ist. Selbiges gilt für den kicker und Georg Holzner. Es drängt sich die Frage auf, ob es diesen Medien um eine Kampagne gegen Reisinger oder sachliche Berichterstattung über 1860 geht.
Mein Wunschzettel für 1860
In meinen letzten Giesinger Gedanken hatte ich noch gefragt, welchen Brandherd rund um 1860 man als ersten löschen muss. Nach den Ereignissen von Freitag kann ich unserem Leser Siggi nur zustimmen. Ich erlaube mir hier, seinen Kommentar kurz zu zitieren: “Das ist für mich sonnenklar. HAM muss weg.” Ehrlichgesagt, hatte ich mir diesen Gedankengang verboten, weil ich nur machbare Lösungen miteinbeziehen wollte. Aber der Freitag hat bewiesen, dass es “sonnenklar” ist, dass wir mit HAM auf keinen grünen Zweig mehr kommen werden. Wer sich in sportlich prekärer Lage einer Nachfolgelösung für einen sportlichen Leiter (auf welcher Hierachieebene auch immer) entzieht, dem geht es nicht um 1860 sondern um eigene Vorteile. Welche auch immer das sein mögen. Und er nimmt dafür sogar den sportlichen Super-GAU in Kauf. Daher steht auf meinem Wunschzettel für 1860 nur eine Sache: HAM muss weg.
Alles andere sind nachgelagerte Probleme.
Ich wünsche Euch trotz des ganzen Hick-Hacks bei Sechzig ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch!