Trotz Wunschspieler startet der TSV 1860 München mit einer erbärmlichen Leistung in die Restrunde der Saison 22/23 und kann froh sein, in Mannheim “nur” 3:1 verloren zu haben. Sechzig ist seit fünf Spielen sieglos ist und der Rückstand auf die Aufstiegplätze wächst an. Das ist Fakt.
Von Waldhof abgefertigt
Waldhof kam griffiger ins Spiel und setzte 1860 gleich unter Druck. Dennoch begann das Spiel für die Löwen optimal, denn Phillip Steinhart köpfte gleich beim ersten Angriff das 1:0 (7. Minute). Danach musste sich Mannheim kurz schütteln, aber dann übernahmen sie ab der 20.Minute derart dominant die Kontrolle über das Spiel, dass es sich für die Löwenfans anfühlte, als würde ihre Mannschaft im Schwitzkasten durchs mit 17.550 Zuschauern sehr gut gefüllte Carl-Benz-Stadion geführt. Trotz hoher Überlegenheit gelang dem SVW vor der Pause “nur” der Ausgleich, womit 1860 mehr als zufrieden sein konnte. In der zweiten Hälfte ließen die Löwen dann alles vermissen, was es braucht, um ein Fußballspiel in der dritten Liga zu gewinnen. Waldhof ging durch Sohm in der 57. Minute mit 2:1 in Führung. Ließ aber das vorentscheidende 3:1 mehrmals liegen. So hätte 1860 fast mehr Glück als Verstand gehabt, als kurz vor Schluss Kobylanski und Bär mit Halbchancen zum Ausgleich hätten treffen können. Das Tor fiel dann verdientermaßen auf der anderen Seite, als Kother zum mehr als verdienten 3:1 für die Waldhöfer traf.
Köllners Attacke auf Gorenzel
Vor der Rückreise aus dem Trainingslager in Belek war Coach Köllner in die Offensive gegangen und hatte zu einem Rundumschlag ausgeholt. Er äußerte sehr offensiv seine Unzufriedenehit mit der Arbeit von Günther Gorenzel. In der PK vor dem Spiel wollte Köllner seine Anschuldigungen gegen den Sportchef dann relativieren. Er blieb aber dabei, dass sein Wunschspieler bis Ende des Trainingslagers nicht zum Löwenkader gehörte, woran er sich sehr störte. “Ich wollte im Sommer einen Spieler, ich wollte im Winter einen Spieler und der Spieler war nicht da. Das ist Fakt.” Kommunikativ und vor Allem professioneller hätte man das wohl hinter verschlossenen Türen intern regeln können. Köllner wählte die offene Bühne und stellte seinen Vorgesetzten bloß. Zwei Tage bevor der Wunschspieler dann doch in Giesing eintraf.
Vorschusslorbeeren für den Wunschspieler
Selten ist wohl ein Spieler mit derartigen Voschusslorbeeren zu Sechzig gekommen wie Raphael Holzhauser. Hauptanführer der Holzhauser-in-den-Himmel-Lober war Michael Köllner höchstpersönlich. Nebenbei bescheinigte er seinen Spielern Marius Wörl, Erik Tallig und Martin Kobylanski nicht für die Position des Achters bei einem ambitionierten Drittligisten tauglich zu sein. Außerdem behauptete er, dass Kobylanski nicht zu 100% fit sei. Wie das Alles mit einem trainingsfreien letzten Tag in einem sündteuren Mannschaftshotel zusammenpasst, weiß nur Köllner. Hätte man da nicht einen Tag früher heimfliegen können und einen Haufen des an der Grünwalder Straße immer knappen Geldes sparen können?
Holzhauser hat weder Wasser in Wein verwandelt noch konnte er zu Fuß über den Neckar gehen
Holzhauser stand sofort in der Startelf und ließ auch ein paar Mal sein Können aufblitzen. Allerdings wurde er auch durch einen doppelten Beinschub von Martinovic und Lebeau vorgeführt. Gegen Ende des Spiels wirkte er von der Körpersprache her ähnlich frustriert wie seine Kollegen. Holzhauser kann aus diesem – für die dritte Liga eh schon hervorragend besetzten – Kader sicher herausstechen. Der Messias, zu dem ihn Köllner vorab erklärt hat, ist er aber ziemlich sicher auch nicht. Mit dieser überzogenen Erwartungshaltung dürfte Köllner dem Spieler keinen Gefallen getan haben.
Fünf sieglose Spiele in Serie. Das ist Fakt.
Was bleibt also nach dem Spiel in Mannheim? Das fünfte sieglose Spiel in Serie. Das ist Fakt. Eine Mannschaft, die offensichtlich mit dem SV Waldhof überfordert war, obwohl sie ideal mit einem frühen 1:0 ins Match gekommen ist. Das ist Fakt. Eine Mannschaft, die ab der 20. Minute jedes Aufbäumen und Dagegenhalten hat vermissen lassen. Das ist Fakt. Trotz zweimonatiger Winterpause und Trainingslager im Luxushotel keine spielerischen Fortschritte. Das ist Fakt. Wachsender Rückstand auf die Aufstiegsplätze. Das ist Fakt.
Der Druck auf Köllner steigt
Ziemlich exklusiv hatte Köllner auch seine Sichtweise, dass 1860 nach der Pause 2:1 hätte in Führung gehen können. Nun, da Holzhauser da ist, gehen Köllner die Ausreden aus und er muss liefern. Somit steigt der Druck auf den Trainer. Das hatten Uli Kellner und Christoph Leischwitz bereits vor dem Spiel treffend analysiert. Wie seine Vorgesetzten nun auf den desaströsen Start in die Restrunde reagieren, wird man sehen.
Mit dieser Leistung steigt man nicht auf. Das ist Fakt.
Tja, und wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus, lieber Michael Köllner. Jetzt haben Sie nun wirklich alles gekriegt, was sie wollten. Neun Spieler zu Beginn der Saison, jetzt den fehlenden Achter mit 1,4 Mio. € Marktwert. Und dann so eine Leistung? Jetzt muss gegen Zwickau gewonnen werden. Das ist Fakt.