Am gestrigen Freitag fand die erste Pressekonferenz der neuen Saison statt. Wir waren als sechzger.de nicht dabei, das fühlte sich schon mal komisch an. Wie im Nachgang dann bekannt wurde, äußerte sich Trainer Michael Köllner sehr wohlwollend über Anthony Power, den Geschäftsführer der Merchandising GmbH. Seitdem fragen nicht nur wir uns: warum?
T-Shirt Kopie bleibt quasi ohne Folgen
Es war zunächst eine Ankündigung, die viele als einen schlechten Scherz auffassten. Der offizielle Fanshop des TSV 1860 München kündigte ein neues T-Shirt an. Die Ähnlichkeit zum Design beim TSV 1860 e.V. war nicht von der Hand zu weisen – lediglich der Löwe in der Mitte des Logos war ein anderer. Anthony Power, der in der Vergangenheit mehrfach Löwenfans abgemahnt und verklagt hatte, drehte den Spieß nun augenscheinlich um und forderte zu einem kleinen Machtkampf heraus. Er sollte Recht behalten – seitens des e.V. gab es keine (öffentliche) Reaktion. Doch der Bruder des Designers wollte das Ganze nicht unkommentiert auf sich sitzen lassen und wandte sich an das Fußballmagazin 11Freunde.
Der Artikel war ein Erfolg – vor allem auch, weil weitere Tageszeitungen so auf das Thema aufmerksam wurden und über den Vorfall berichteten. BRSport veröffentlichte auf seiner Facebook-Seite eine Grafik und sorgte damit für weitere Diskussionen. Die Reaktionen in den Kommentaren ließen bei mir schon einige Zweifel aufkommen. “Kindergarten”, “Das ist doch nur ein T-Shirt” und vieles weitere konnte man dort lesen. Das ist eben der Punkt: es mag nur ein T-Shirt sein, aber es geht dabei um so viel mehr! Es zeigt das aktuell herrschende Verhältnis an der Grünwalder Straße auf, was aus meiner Sicht vollkommen aus den Fugen geraten ist.
Die Lobhymnen von Köllner für Power zur Unzeit
“Gemeinsam” heißt es vom TSV 1860 München immer so schön in den sozialen Medien und auch sonst sollte dieses eine Wort ein gelebtes Gefühl bei den Löwen sein. Es ist sicherlich eine Grundbedingung, um das erklärte Saisonziel Aufstieg zu erreichen. Die Neuzugänge klingen vielversprechend, sodass der TSV 1860 als einer der Top-Favoriten in die neue Spielzeit starten wird.
Für mich wirkt es aber bereits seit längerem so, dass “Gemeinsam” nur eines bedeutet: der e.V. hat die Füße still zu halten und alle Äußerungen oder Handlungen von Hasan Ismaik und seinen Vertretern in München werden wohlwollend zur Kenntnis genommen. Das “Gemeinsam” kommt nur aus einer Richtung. Seit geraumer Zeit übernimmt der e.V. einen Großteil der anfallenden Zahlungen für das Nachwuchsleistungszentrum. Auf die Summe von der KGaA, die eigentlich als Ausbildungsentschädigung fällig wird, wird in der momentanen Situation brav verzichtet. Stattdessen behilft sich der Verein mit einer eigenen Kollektion, um zumindest so Einnahmen für die Jugendarbeit zu generieren. Teil der Kollektion ist das bereits angesprochene T-Shirt – und das ist eben der springende Punkt.
Auch einem Anthony Power sollte bewusst sein, dass jedes verkaufte Shirt der KGaA direkt zugute kommt. Denn es sorgt für die gleichbleibend hohe Qualität der Nachwuchsarbeit an der Grünwalder Straße, die wiederum der A-Jugend (Stichwort Bundesliga-Aufstieg) sowie den beiden Herrenmannschaften stets neue Spieler und Talente beschert (zuletzt Wörl, Sür und Glück). Alle drei Mannschaften werden durch die KGaA organisiert.
Es muss Grenzen geben – für beide Seiten
Das Stillhalten des e.V. ist die eine Sache – öffentliche Lobeshymnen für Anthony Power von Trainer Michael Köllner sind das andere. Der Geschäftsführer der Merchandising GmbH stand – zurecht! – die ganze letzte Woche öffentlich in der Kritik. Eine Stellungnahme der KGaA oder gar der Verzicht auf den Verkauf des T-Shirts: Fehlanzeige. Stattdessen kommt dann der Auftritt von Michael Köllner in der gestrigen Löwenrunde. Anthony Power müsse explizit gelobt werden, er habe “großartig unterstützt” und einen Beitrag zu den bisherigen neun Neuzugängen geliefert.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Abgesehen davon, warum der eigentlich für den Fanshop verantwortliche Power bei Neuzugängen mitwirkt, ist dieses Lob momentan einfach nicht angebracht. Anthony Power hat mit dem Verkaufsstart eines kopierten T-Shirt ganz klar eine Grenze überschritten. Er gefährdet damit das “Gemeinsam” an der Grünwalder Straße 114. Denn zu diesem einfachen Wort gehören immer zwei Parteien, es ist ein Geben und Nehmen. Das sollte auch ein Michael Köllner wissen.