Im Zuge der Diskussionen um den Um- bzw. Ausbau des Grünwalder Stadions kommt immer wieder die Frage auf, ob man die Kapazität nicht doch jenseits der 20.000 hieven könne. Dem schiebt die Stadt München jedoch einen Riegel vor: Aktuell betrage die maximale Kapazität 15.000 Plätze, mehr als 18.105 sind generell nicht möglich.
“Sechzig im Sechzger” kontert OB Reiter
In der durch einen Vorstoß des Oberbürgermeisters Dieter Reiter erneut aufgeflammten Stadiondiskussion hatte sich die Initiative “Sechzig im Sechzger” vor einigen Wochen auf Instagram an das Stadtoberhaupt gewandt und (berechtigte) Einwände erhoben.
1. Bis heute erfolgte, trotz Ankündigung, keine transparente und nachvollziehbare Darlegung der Gründe, weswegen eine Kapazität von ca. 18.000 Plätzen der Weisheit letzter Schluss sein sollte.
2. Bis heute erscheint unklar, wie lange und zu welchen Konditionen sich der TSV 1860 München an ein umgebautes Sechzgerstadion zu binden hat (seitens der Stadt war bisher immer von einer “marktüblichen” Miete die Rede. Wir fragen uns z.B. welchen Einfluss die genannte Baupreisentwicklung auf die endgültigen Mietkonditionen haben soll).
3. Bis heute wurde nicht klar kommuniziert, in welcher Form das von der Stadt geforderte Signal des TSV 1860 München zur Realisierung des Projekts zu erfolgen hat.
4. Bis heute wurde keine Ausstiegsklausel bzw. Möglichkeit der Mietvertragsmodifizierung in Aussicht gestellt für den Fall, dass das Stadion während der Laufzeit des Mietvertrags die Mindestanforderungen des zuständigen Verbandes nicht erfüllt.
5. Bis heute wurde nicht anschaulich erklärt, weswegen in den Überlegungen der Stadt die Erstligatauglichkeit eines umgebauten Sechzgerstadions keine Rolle spielt.
6. Bis heute wurde nicht transparent dargelegt, weswegen eine kurzfristige Verbesserung des Status Quo (Erhöhung der Kapazität, Entfernung von sichteinschränkenden Zäunen, adäquate Rollstuhlfahrerplätze, Installation einer Videowand, etc.) einem späteren “größeren” Umbau im Wege stehen soll.
Diesen Ausführungen hatte sich sechzger.de angeschlossen und um Auskunft seitens der Stadt München gebeten.
Maximale Kapazität: 18.105 Plätze
Zwar antwortete eine Vertreterin der Stadt München der Redaktion einige Tage später tatsächlich, ging dabei leider jedoch nur auf einen der angesprochenen Aspekte ein.
Sie hatten Oberbürgermeister Reiter per Instagram auf die Kapazität des Grünwalder Stadions angefragt. Er hat das Referat für Bildung und Sport gebeten, Ihnen die Thematik fachlich nochmal zu begründen. Die Antwort des Referats leite ich Ihnen hier gerne weiter:
„Die Ausbauvariante mit 18.105 Plätzen stellt die bestehende Beschlusslage dar. Für diese Variante liegt zudem ein positiver, noch immer rechtskräftiger Bauvorbescheid vor. Der bestehende Stadionstandort verfügt aufgrund der beengten Lage im bebauten Stadtumfeld nicht über das notwendige Bauflächenpotential, um eine relevante Erhöhung der Zuschauer*innenkapazitäten sinnvoll realisieren zu können. Lediglich die Kapazität von 18.105 Plätzen kann noch als “Bestandsumbau” bewertet werden.
Nota bene: In der Vergangenheit gab es natürlich höhere Kapazitäten als im derzeitigen Bestand von 15.000. Aber mit jeder neuen Baugenehmigung und Schaffung von Tribünenbereichen, Umwandlung von Stehplätzen in Sitzplätze, Schaffung von Flucht- und Rettungswegen etc. sind die ehemaligen Baugenehmigungen erloschen und die Kapazität hat sich verringert.”
“Handlungsbedarf an verschiedenen Ecken im Stadion”
Die bereits vorher kommunizierte Kapazitätsgrenze (18.105 Plätze) wurde also erneut bestätigt, auf die weiteren Aspekte wurde leider nicht eingegangen. Auf Nachfrage der Redaktion, was denn gegen eine sofortige Erhöhung der Kapazität auf den genannten Wert spreche, antwortete die Stadt München:
“Das Grünwalder Stadion muss grundsätzlich renoviert werden. Die letzte Ertüchtigung war auf 10 Jahre ausgelegt, dieser Zeitraum ist nun abgelaufen. Es gibt an verschiedenen Ecken im Stadion Handlungsbedarf. Dies sorgt dafür, dass aktuell nicht mehr als 15.000 Zuschauer zugelassen werden können.”
Flexible Verteilung der Blockkapazitäten möglich
Auch mit dieser Aussage gaben wir uns nicht zufrieden, da sie unseres Erachtens nach nicht stringent ist. Nachvollziehbar wäre es, wenn es eine klare Ansage gäbe, dass beispielsweise in Block G 2000 Leute dürfen, in Block H 1500 Fans, in Block I 2500 Besucher etc.
De facto wird es jedoch so gehandhabt, dass der TSV 1860 in die Westkurve mehr Fans lassen darf, wenn der Gastverein sein Kontingent nicht ausschöpft. Wenn also beispielsweise Hannover 96 II statt 1500 nur 500 Anhänger mitbringt, dürfen 1000 Leute mehr in die Westkurve. Daraus ist zu schließen, dass dies geht und erlaubt ist, also auch keine Gefahr besteht.
Derzeit keine gültige Baugenehmigung über 15.000
Daher stellten wir die konkrete Frage: Warum gibt man diese 1000 Plätze (z. B. in der Westkurve) nicht generell frei, um dem TSV 1860 eine höhere Kapazität und folglich höhere Einnahmen zu ermöglichen?
Die Antwort:
“Für den derzeitigen Bestand mit 15.000 Zuschauer*innenplätzen gibt es eine gültige Baugenehmigung, ein abgestimmtes Sicherheitskonzept, Gutachten zum Lärmschutz etc.! Eine Flexibilität in der Belegung innerhalb der zugelassenen 15.000 Plätze ist dabei, ohne dass z.B. Lärmgrenzwerte verletzt werden, möglich.
Für jede darüber hinausgehende Zuschauer*innenkapazität, egal ob zusätzlich 1 Person oder 3.105, liegt derzeit keine gültige Baugenehmigung vor.
Es liegt aktuell ein Vorbescheid zur Erweiterung der Kapazität des Stadions auf bis zu 18.105 Zuschauer*innenplätze vor. Im Falle einer Erweiterung auf 18.105 Plätze müssten dann jedoch Maßnahmen zum Anwohner*innenschutz getroffen werden, damit eine Baugenehmigung grundsätzlich erfolgen könnte, hierzu zählen z.B. ergänzende Dächer und idealer Weise geschlossene Ecken. Eine erhöhte Kapazität über die 18.105 Plätze hinaus ist jedoch grundsätzlich nicht möglich.”
“Bauflächenpotential” zu gering?
Zudem wäre natürlich zu hinterfragen, inwiefern tatsächlich großartig “Bauflächenpotential” – wie in der originären Antwort angedeutet – notwendig wäre, um die Kapazität signifikant zu erhöhen. Bekanntermaßen würde das Grünwalder Stadion im Ist-Zustand ja deutlich mehr als die 15.000 Zuschauer fassen und selbst die Umwandlung von Steh- in Sitzplätze würde die derzeit zugelassene Gesamtkapazität vermutlich nicht negativ beeinflussen.