Hinter den Fans des TSV 1860 München liegt mal wieder eine sehr bewegende Woche. Während es sportlich weiter aufwärts geht, geht es abseits des Platzes drunter und drüber. Eine Erklärung für das, was einem als Löwenfan ständig widerfährt, findet man vielleicht in der chinesichen Philosophie beim Konzept von Yin und Yang.
Yin und Yang für Löwenfans
Jeder kennt wahrscheinlich, das Yin und Yang Symbol.

Es stammt aus der chinesischen Philosophie, genauer gesagt dem Daoismus. Verkürzt gesagt bedeutet das Konzept von Yin und Yang, dass zwei gegensätzliche Kräfte, die miteinander in einer gegensätzlichen Beziehung stehen und sich dabei gegenseitig beeinflussen. “Yin und Yang können nicht gleichzeitig ansteigen oder absinken. Wenn Yang sich vergrößert, verringert sich Yin und umgekehrt.” Was das für Löwenfans im Herbst 2024 bedeutet erleben wir gerade.
Sportliches Yin
Nachdem man nach dem Spiel gegen Osnabrück ratlos war und die Analyse des Spiels innerhalb unserer Redaktion doch ziemlich diametral auseinander ging, gibt es zum sportlichen Yin in den letzten zwei Wochen nur noch eine Meinung. Endlich geht es aufwärts und die Mannschaft zeigt ihr wahres Leistungsvermögen. Vielleicht sind die Spieltage 13 und 14 etwas spät, um erstmals in einer Saison zwei starke aufeinanderfolgende Leistungen zu zeigen, aber wollen wir mal nicht so sein. Dem saustarken 3:0 in Sandhausen, folgte gestern ein nicht minder starkes 3:0 gegen den SV Waldhof Mannheim.
Waldhof in der zweiten Hälfte zerlegt
Nach ausgeglichener erster Hälfte mit leichten Vorteilen für die Löwen, zerlegte 1860 den Waldhof in der zweiten Hälfte nach Lust und Laune. Dem 1:0 nach starker Willensleistung von Guttau folgte ein 2:0 wie aus dem Fußball-Lehrbuch. Schröter bracht den Ball über den rechten Flügel zu Hobsch, der ihn am rechten Fünfercke festmachte und genau in der richtigen Milisekunde auf den von hinten heranbrausenden Deniz ablegte. Dieser hämmerte den Ball wuchtigst hoch ins kurze Ecke. Eins der schönsten Löwentore der jüngeren Vergangenheit. Zum Zunge Schnalzen! Deniz legte dann noch punktgenau das 3:0 für Wolfram auf, der damit endgültig den Deckel drauf machte. Am Ende konnte sich der SVW bei Torwart Bartels bedanken, der noch drei astreine Fernschüsse der Löwen per Glanzparade entschärfte und so einen Kantersieg der Löwen verhinderte. So kann es weitergehen!
Gesellschafterpolitisches Yang
Nicht so weitergehen kann es abseits des Platzes. Hasan Ismaik ermöglichte der chronisch defizitären KGaA zum wiederholten Male auf den letzten Drücker eine positive Fortführungsprognose durch die Bereitstellung von weiteren Finanzmitteln. Diese verknüpfte er mit einer vergifteten Bedingung. (Ex-) Bayernfan Anton Hiltmair soll Finanzgeschäftsführer werden. Darüber hinaus ließ sich Ismaik wohl eine höchst umstrittene Klausel in den Vertrag schreiben. Diese Klausel soll besagen, dass die Besetzung von Geschäftsführerposten in der KGaA bei Patt im Beirat nicht mehr vom e.V. getroffen werden darf und 50+1 somit ausgeschaltet ist. Ebenso bestehen Meinungsverschiedenheiten über die satzungsgemäße Einbindung des Verwaltungsrates.
Mal wieder Streit auf offener Bühne
Wie es bei 1860 immer so ist, werden die Meingsverschiedenheiten nicht hinter verschlossenen Türen besprochen, sondern Streit auf offener Bühne zelebriert. Zunächst verkündete der Verwaltungsrat per Mitteilung seine Bedenken zur Unterschrift des Präsidiums auf dem neuerlichen Kreditvertrag mit HAM und traf bisher keine Entscheidung zu Zustimmung oder Ablehnung des selben. Stattdessen wurde im Statement das Präsidium aufgefordert, einen satzungsgemäßen Vertrag mit HAM auszuhandeln. Das Präsdium antwortete per Stellungnahme, dass aus seiner Sicht der Vertrag satzungsgemäß unterschrieben werden konnte und dadurch Schaden von KGaA und Verein abgewendet worden sei (nämlich die Insolvenz der KGaA). Mittlerweile ist aber klar, dass die Personalie Hiltmair wohl nur ein Bauer im Schachspiel um strategisch weit wichtigere Aspekte ist. Hasan Ismaik wird breit grinsend in Abu Dhabi sitzen und der zunehmenden Spaltung innerhalb der e.V.-Seite mit Freude zusehen. Die e.V.-Vertreter sollten sich fragen, ob sie sich nicht zusammenraufen können, um Hasans Grinsen etwas weniger breit werden zu lassen.
Yin und Yang bei 1860 zu Ende gedacht
Kommen wir zurück zu Yin und Yang. Sportlicher Erfolg (Yin) und Ruhe oder gar Einigkeit im Gesellschafterkreis (Yang) scheinen gemeinsam nicht möglich zu sein. Und somit wird langfristiger sportlicher Erfolg bei solider Finanzierung ein Wunschtraum für die 1860-Fans bleiben. Und das bringt mich von der fernöstlichen Philisophie zum christlich-abendländischen Bild des Fegefeuers, in dem man als Löwenfan ewig zu schmoren scheint…













